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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gerhard´s 54te: Der Joggerhund und der Specht



Gerhard
26.12.2005, 11:30
Heute morgen war ich mit meinem Hund allein im Wald. Meine Frau, die sonst immer mit mir im Wald herumstrolcht, laboriert seit Ende Oktober an den Folgen einer doppelten Sprunggelenksfraktur (siehe Gerhard´s 35te). In Wald und Flur trage ich aus Sicherheitsgründen immer eine reflektierende gelbe Jacke oder ein reflektierendes gelbes Hemd. Mein Hund lief irgendwo innerhalb des Waldes auf meiner Höhe, was sich ab und zu durch Knacken bemerkbar machte. Plötzlich kam aus der Biegung des Waldweges fünfzehn Meter vor mir ein Jogger angerannt. Ich grüsste ihn. Er grüsste zurück, indem er mich mit einem Vornamen ansprach. Der Jogger wartete auf meiner Höhe auf seinen Hund. Ich gab ihm meine Visitenkarte, damit er mich bei einer zukünftigen Begegnung richtig benennen kann.

Ich sagte ihm, dass ich seit Ende Oktober jeden Sonn- und Feiertag, von Ausnahmen abgesehen, immer ab neun Uhr dieselbe Strecke laufe, solange, bis meine Frau wieder einsatzbereit ist. Und dann sah ich des Joggers Hund. Der war wie angewurzelt stehen geblieben. Er vermittelte mir das Gefühl, dass er nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Das war aus meiner Sicht auch verständlich. Hatte doch sein Ernährer, der Jogger, eine ähnliche gelbe Jacke wie ich an. Und in etwa dieselbe Stimmlage. Die Körperhöhe stimmt auch überein. Der Jogger rief: "Stella, komm". Stella rührte sich nicht. Der Jogger lief weiter. Dann rief er nochmals seinen Hund. Stella rührte sich immer noch nicht. Jetzt brach mein Hund aus dem Dickicht heraus auf den Waldweg. Da gab es für Stella kein Halten mehr und sie rannte zu ihrem Sportler hin.

Ich war bereits auf dem Rückweg, als mich ein Geräusch zum Stehen und Lauschen brachte. Es hörte sich wie das Klopfen eines Spechtes an. Als ich aus dem Wald heraus kam, hielt ein langsam fahrender Autofahrer auf meiner Höhe an, um nach dem Weg zu fragen. Nachdem ich den erklärt hatte, fragte ich den Mann im Auto, ob es denn sein kann, dass ich einen Specht in dieser Jahreszeit gehört haben könnte. Er bejahte. Ich erzählte, dass das Klopfen jedoch nicht so schnell war, dafür aber dumpfer und lauter. Der Autofahrer antwortete: "Ich kann mich natürlich nicht in die Psyche des Spechtes hineinversetzen...". Ob dieser gelungenen Antwort lachten wir dann beide.

Grizabella
26.12.2005, 16:48
Hallo, Gerhard, Sportsfreund,

Ich habe auch gelacht, aus dem Grund, weil du den Specht offensichtlich für eine andere, bestimmte Jahreszeit eingeplant hast.