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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pinkeln aus Angst(?) oder aus Freude - Hilfe!



chucky05
21.12.2005, 11:46
Hallo zusammen,

seit nun knapp 4 Wochen haben wir einen fast 7 Monate alten Golden Retriever-Rüden und er bringt mich schier zur Verzweiflung.

Ich erzähle am besten mal von Anfang an:
Die ersten Tage lief eigentlich alles recht gut mit ihm, ich bin auch so ziemlich alle 2 - 3 Stunden mit ihm rausgegangen, weil ich ja erstmal seine Zeiten herausfinden musste, und meist hat er auch gemacht, dann am 4. Tag machte er mir plötzlich dauernd in die Wohnung, glücklicherweise immer nur Pipi, also keine Haufen und auch danach die Tage passierte ihm immer mal wieder, einfach so zwischendurch, mal ein Mißgeschick. Allerdings hatten wir es dann nach gut 14 Tagen super im Griff und es passierte nichts mehr.

Allerdings hab´ ich mich da wohl zu früh gefreut, denn seit letztem Wochenende macht er mir doch wieder in die Wohnung. Es fing damit an, dass mein Mann mal kurz weg war und nach etwa 20 Minuten wiederkam, ihn dann auch begrüßte und etwas mit ihm spielte und plötzlich pinkelte er einfach los. Natürlich habe ich *Pfui* gerufen und er war auch ganz schuldbewusst und kroch direkt über den Boden (was ich sehr komisch fand, denn großartig mit ihm geschimpft habe ich eigentlich nie, wenn er sich mal vergessen hat) und hinterließ auf seinem kompletten Weg seinen Urin. Mein Mann ging dann anschließend gleich mit ihm raus und ich wischte alles auf und dann war die Sache auch erstmal für uns erledigt. Dann am nächsten Tag wieder das gleiche Spiel und so geht es seitdem ständig. Es reicht schon, wenn ich nur mal kurz den Raum verlasse und dann kurz darauf wiederkomme, er freut sich dann wie verrückt und pinkelt sofort drauflos.

Organisch ist mit ihm alles in Ordnung, das habe ich vom TA bereits abklären lassen, da war ich bereits am Montag und bekam heute die Ergebnisse.

Was ist also sein Problem? Das ist mir echt ein Rätsel und ich hoffe, dass mir einer von Euch irgendeinen Rat geben kann, denn es ist wirklich nicht schön, wenn hier dauernd die Riesenpfützen beseitigt werden müssen und ich habe wirklich Angst, dass das ein Dauerzustand wird. Er macht auch immer an andere Stellen, also nicht immer an eine bestimmte Stelle.

Ich hoffe auf gute Ratschläge, danke schon mal und
viele Grüße
Mine

billymoppel
21.12.2005, 23:09
hallo mine,

was ist über die vorgeschichte des hundes bekannt?
pinkeln ist eine typische und ultimative unterwerfungsgeste junger hunde, manche sehr ängstlichen tiere oder aber tiere, die ihre emotionen schwer in den griff bekommen, haben ihr ganzes leben "nah am wasser" gebaut, vor allem hündinnen.
die vorgeschichte interessiert mich, weil es für rüden nicht ganz so typisch ist - vor allem in verbindung mit menschen. man macht sich so seine gedanken, wenn ein hund das so massiv zeigt :?:
zeigt er das verhalten auch in verbindung mit (männlichen) artgenossen?
schimpfen würde ich in diesem speziellen fall ganz und überhaupt nicht, weil es - s.o. - mit unsauberkeit und nichtwissen nichts zu tun hat. ich würde dagegen alles tun, das selbstbewußtsein des hundes zu stärken. d.h. viele situationen zu schaffen, in denen du ihn tagtäglich und immer wieder loben kannst. einfache aufgaben, die er bewältigen kann, einfache kommandos, die er befolgt - alles garniert mit viel viel lob. denn ein unsicherer hund ist kein guter hund.
hingegen würde ich begrüßungs"orgien" weitestgehend ignorieren, ganz schlicht irgend was anderes tun, während sich hundi ein loch in den bauch freut. hund muss auch lernen, sich zu kontrollieren und emotionen dezenter zu zeigen und nicht gleich hysterisch zu werden.

gruß
bettina

chucky05
22.12.2005, 10:20
Hallo Bettina,

vielen Dank für Deine Antwort.
Meine Befürchtung ist auch, dass er, zumindest zeitweise, überängstlich ist, denn als es gestern wieder passierte rannte er geduckt in den Hausflur und es tröpfelte auf dem gesamten Weg. Dann legte er sich unterwürfig hin und wedelte wie wild mit dem Schwanz. Ich habe ihn dann in ganz ruhigem Ton zu mir gerufen und nach dem etwa 3. Rufen kam er dann regelrecht angekrochen:confused:. Er tat mir furchtbar leid und ich habe natürlich nicht mit ihm geschimpft und beruhigend auf ihn eingeredet, ihn gestreichelt und beruhigt.
Gestern Abend, als mein Mann nach Hause kam, wollte ich gerade die letzte Runde mit ihm gehen und somit waren wir draußen. Er freute sich wie verrückt als er meinen Mann sah und begrüßte ihn auch dementsprechend. Da wir ja jetzt draußen waren, hat auch mein Mann ihn stürmisch begrüßt und wieder pinkelte er. Es war dabei keinerlei Angst zu spüren, also denke ich mal, daß es damit wohl doch nichts zu:confused:. Wir haben sein Pinkeln auch völlig ignoriert.
Heute werde ich auf jeden Fall mal wieder ein paar Minuten ohne ihn rausgehen, zum Auto oder Briefkasten oder so und dann mal schauen wie er reagiert, wenn ich wiederkomme. Ausschimpfen werde ich ihn auf keinen Fall, wenn er sich wieder vergißt und ich hoffe mal, wir bekommen das irgendwann in den Griff.
Bei männlichen Artgenossen hat er das Verhalten bisher noch nie gezeigt, im Gegenteil da ist er eigentlich sehr dominant und läßt sich überhaupt nichts gefallen und spielt auch super mit anderen Rüden.

Zu seiner Vorgeschichte kann ich leider nicht allzu viel sagen, denn so langsam glaube ich auch, wir sind da ganz schön angeschummelt worden. Wir haben ihn von einer Züchterin und angeblich soll er nur bei ihr gewesen sein, allerdings befürchte ich fast, dass er schonmal vermittelt war und wieder zurückgegeben wurde, denn in manchen Situationen geht er recht schnell in die Unterwürfigkeitshaltung, sogar dann schon, wenn ich die Leine mal schnell nehme oder so. Da ich weiß, dass er von mir noch niemals geschlagen wurde, befürchte ich fast, er hat damit woanders schlechte Erfahrungen gemacht.

Danke auch für Deinen Tipp zur Beschäftigung. Auf jedem Spaziergang machen wir ein paar Übungen und er ist immer mit Freude dabei und wird natürlich auch immer gelobt und mit Leckerchen *bestochen*. Es klappt eigentlich ansonsten wirklich alles sehr gut mit ihm und er ist ein ganz toller Hund:kraul:. Ab Januar möchte ich mit ihm auch eine Begleithundeausbildung beginnen. Ich würde ja am liebsten sofort beginnen, aber leider haben momentan alle Plätze Winterpause.

Ich hoffe mal, es wird schon noch mit ihm. Dank Dir noch mal.

LG Mine

billymoppel
22.12.2005, 14:33
hallo mine,

ich denke, da lag sicher so einiges im argen, bevor er zu euch kam, ob bei einem vorbesitzer oder der züchterin selbst.
aber aus meiner eigenen erfahrung mit second-hand-hunden kann ich dir versichern, dass zeit zumindest viele wunden tatsächlich zu heilen vermag.
vier wochen sind ja nun auch noch nicht so arg lang.
ich wünsche euch viel glück!