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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen mit Erziehung von Straßenhund



Lottemaus
14.11.2005, 18:08
Hallo Erstmal!
Ich war Ende September in Neapel und dort bei der Lega pro Animale ( Sterilisationzentrum für Hunde und Katzen) eine jetzt 8 monatige Hündin adoptiert. Sie wurde in der Nähe des Flughafens von Neapel gefunden. Eigentlich hat sie sich schon gut eingelebt, sie ist schon stubenrein und sehr gelehrig, allerdings gibt es auch ein paar Problemchen. Sie frisst alles was auf dem Boden liegt (hat sie ja als Überlebenstrategie bisher genutzt) und ist sehr auf andere Hunde fixiert, ich bin dann abgeschrieben und sie hört nicht mehr (ich denke, dass sie eher eine Sozialisierung Hunden gegenüber durchgemacht hat, als Menschen gegenüber).
Vielleicht hat jemand ein paar Tips, der auch so einen Hund von der Straße aufgenommen hat.
Vielen Dank
Steffi und Lotte

Bidi007
14.11.2005, 18:48
Hallo Steffi!
Ich war zwar lange nicht hier, habe aber auch einen Strassenhund! Und soviel ist sicher, vertrauen und eine Bindung aufzubauen dauert seine Zeit. Das sind ein paar Wochen lange nicht genug.
Gib euch Zeit, einander zu vertrauen, arbeite mit deiner Hündin, dann kommt das irgendwann!
Erziehungstipps so pauschal-allgemeine kann ich dir nicht geben!
LG Bidi mit ihrer ibizenkische Schönheit Buffy, die sich auch nach fast 3 Jahren immer für eine Überraschung sorgt

danina
14.11.2005, 21:40
Hallo,

wir haben zwei ehemalige Straßenhunde aus Griechenland und wir haben auch so unsere Mühen gehabt... Bei Bedarf einfach `ne mail schicken, vielleicht kann ich dir einige Fragen dann ganz konkret beantworten?

Wir haben inzwischen eine gant tolle Form der Erziehung und des Zusammenlebens gefunden, mit der Menschen und Hunde ganz offensichtlich glücklich sind! :)

Liebe Grüße,
Nina

cara84
01.12.2005, 23:43
hallo!

ich habe seit bald 2 jahren eine straßenhündin aus rumänien, allerdings hat sie glaube ich mehr zeit im tötungsheim dort verbracht als auf der straße.
daher ist sie auch recht ängstlich und menschen gegenüber schreckhaft bis angstaggressiv.
ich habe bei ihrer erziehung die erfahrung gemacht, dass es oft recht schwierig ist - eben weil sie so gelehrig ist und einem außerdem sehr wenig fehler verzeiht. auch verknüpft sie aktionen über relativ lange zeiträume, wie ich finde (im vergleich zu anderen hunden.) und weiß jede schwäche von mir genau für ihre vorteile zu nutzen. davon abgesehen lässt ihre sturheit darauf schließen, dass evtl. mal ein herdenschutzhund mit drin war....
achja, und das "staubsauger-syndrom" ist uns nur allzugut bekannt. wir arbeiten immer noch dran. es ist aber schon bedeutend besser geworden:sie sammelt schon lange nicht mehr jeden müll, sondern nur noch echt essbare sachen auf. ;)

das klingt jetzt richtig grauenhaft - :rolleyes: - aber, kurz gesagt: sie ist der größte knuffelhund der welt :hug: , und ich glaube nicht, dass ich bei einem "normalerem" hund jemals so viel über hunde (und über mich selbst) gelernt hätte. ich würde sie nie wieder hergeben.
im täglichen leben ist sie sehr schnell super unkompliziert geworden, hat sich super eingegliedert und hatte nach wenigen tagen damals schon ein riesen vertrauen zu mir, was mich heute noch ehrt. :) mittlerweile kann ich sie überallhin mitnehmen, sie benimmt sich vorzüglich und ist ganz gelassen, solange ich es auch bin. sie hat sich ganz toll entwickerlt - nur in der erziehung, da versucht sie mir immer wieder mal sich zu entziehen...

ich habe jetzt auch schon viele andere straßenhunde kennengelernt, und zwei dinge dabei festgestellt: die meisten sind sehr intelligent und man kann schlecht verallgemeinern. das geht einfach von wirklich unkomplizierten, leichtführigen hunden bis zu kleinen "psycherln" wie meiner. insgesamt aber kann man denke ich sagen:
1. man sollte sich, wei bei jedem hund der schon älter ist, klarmachen, dass man den hund nciht in der prägephase hatte und über legen, ob man daher besonderen wrt auf entsprechende "bindungsspielchen" legen sollte.

2. da diese hunde meist gut mit hunden sozialisiert sind, achten sie sehr differenziert auf körpersprache - da muss man sich selbst immer wieder kontrollieren.

3. aufgrund ihrer intelligenz wollen sie - wie sie meisten anderen übrigens auch - beschäftigt sein. und zwar mit denksport, nicht nur neben dem radl herlaufen.

5. intelligenz bedeutet nicht nur, dass sie besonders schnell lernen, sondern dass sie auch besonders gut ihren eigenen vortiel durchzusetzen lernen.

4. es sind sehr vielseitige, flexible hunde, die sich eben gut für aktive, sportliche menschen eignen.

ich hoffe, mein "roman" konnte dir ein bisschen weiter helfen.

ich wünsche dir auf alle fälle viel, viel freude mit deiner hündin.

LG :cu:

lotharingia
02.12.2005, 01:15
Hallo,

Ich habe auch so einen Kanditaten. Leider findet er immernoch andere Hunde furchtbar interessant. Wenn er einen anderen Hund entdeckt bin ich öfter mal Luft, obwohl er sonst sehr gut hört und auch im Platz bleibt, wenn ich außer Sichtweite bin. Bin wohl keine Hilfe, aber wenigstens weißt du, daß du nicht alleine bist.

billymoppel
02.12.2005, 08:21
hallo steffi,

mei, du hast offenbar einen völlig normalen hund :D ich fände es im gegenteil ganz furchtbar schlimm, wenn ein acht monate (!) alter hund, sich nicht für jeden anderen hund interessieren würde und fröhlich über die wiese gesegelt käme. tja, und auch das staubsauger-problem hat wohl jeder halter eines jungen hundes (und nicht nur da :D) in der einen oder anderen form kennengelernt.
solide erziehung dagegen ist etwas ganz anderes und braucht vor allem zeit (viel zeit) und - wie bereits angemerkt - eine funktionierende bindung.
besuch mit deinem hund einen junghundekurs, gib ihr den kontakt, den sie nötig hat und das andere...geduld und spucke.

danina
02.12.2005, 10:33
Hallo,

ich lese gerade dieses Buch und finde es empfehlenswert:
Nina Taphorn
Von der Straße auf die Couch
- Streuner aus dem Süden als Familienhunde

"Kaum ein Thema wird derzeit in der Hundefachwelt so heiß diskutiert wie das, ob man streunende Straßenhunde aus süd- und südosteuropäischen Ländern über Tierschutzvereine nach Deutschland vermitteln soll. Die Antwort darauf ist nicht einfach und sowohl die Gegner als auch die Befürworter haben gute Argumente, wie die Autorin dieses Buches – selbst Streunerbesitzerin – objektiv aufgezeigt. Tatsache jedoch ist, dass inzwischen ehemalige Streuner in deutschen Haushalten zuhause sind, sei es, weil sie spontan aus Mitleid aus dem Urlaub mitgebracht oder gezielt über ein Tierheim ausgesucht wurden. Dabei stellt sich immer wieder heraus, dass unsere gewohnten Hundeerziehungsmethoden bei diesen Tieren schlecht oder nicht funktionieren – hier erfahren Sie, warum und was man dagegen tun kann. Typische Krankheiten der südlichen Straßenhunde werden ebenso beleuchtet wie die Frage, wie man seriöse von unseriösen Tierschützern unterscheiden kann und welche Einfuhrbestimmungen für Hunde aus den verschiedenen Ländern bestehen. "

Es gibt zwar keine großen Aha-Effekte, wenn man schon Hintergrundwissen über Hunde und einen Südländer an seiner Seite hat, aber es sind durchweg scheinbar gut recherchierte Informationen rund um den "Streuner" aus dem Süden. Für "Südländer"-Besitzer ein sehr tröstender und motivierender Text, warum diese Hunde ganz einfach anders als "normal" erworbene Hunde vom Züchter oder deutschen Tierheimen sind.

Viele Grüße,
Nina

cara84
03.12.2005, 02:10
vielen dank für den tipp, das werd ich mir gleich mal beschaffen.
ich freue mich immer, wenn sich eine möglichkeit findet, noch interessante neue infos zusammenzusuchen...:wd:

cara84
03.12.2005, 17:06
...kann ich mich billymoppel nur anschließen. ganz normal - einfach ein junger hund mit spaß im leben :wd:

je mehr du mit deinem hund arbeitest und unternimmst (tolle, "spannende" sachen, wie apportierspiele und dergleichen) desto besser wird das werden. und mit dem erwachsenwerden werden sie dann - leider - sowieso wählerischer bezüglich der spielpartner....

übe einfach sicher das abrufen und versuche, sitz zu verlangen, bevor du deinen hund als belohnung zum spielen laufen lässt. mit der zeit wird er sich immer besser auf dich konzentrieren können.

viel erfolg!

Lottemaus
04.12.2005, 22:26
Also erstmal: Vielen dank für eure Nachrichten!
Ich habe mich sehr gefreut und konnte einige Tips, Anmerkungen gut gebrauchen. Das Buch von Nina Taphorn habe ich schon gelesen, finde ich sehr gut, wenn auch knapp geschrieben.
Für einen Junghundekurs werde ich mich anmelden, kennt jemand eine gute Hundeschule in Berlin?
Ansonsten geht es Lotte gut, sie ist frech, aber hat auf jeden Fall schon eine Bindung zu mir aufgebaut, was mich sehr freut!
Was haltet ihr von Schleppleinen um die Hunde zurück holen zu können wenn sie mal wieder was spannenderes entdeckt haben? Lotte läuft bim spielen aber immer slalom durch die Bäume, so dass sie sich sicher im Geäst verheddert und das ist ja auch nicht Sinn der Sache...
Schönen Abend, Steffi