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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund haut ab



lotharingia
11.11.2005, 10:08
Ich bin mit meinem Latein am Ende.

Apollo treibt mich in den Wahnsinn. Er benimmt sich an der Leine wie ein Bekloppter, wenn er einen anderen Hund sieht und wenn ich ihn laufen lasse, haut er ab um zu anderen Hunden zu kommen. Er lässt sich absolut nicht ablenken und er will auch nicht machen (spielen usw). Er will *nur* zu anderen Hunden.

Hier in der Nähe ist eigentlich Leinenzwang, aber es wird nicht sehr streng durchgeführt. Ich bin der Meinung, daß man das aber respektieren soll und die Hunde nur hier frei laufen lassen soll, wenn sie hören und keine anderen Leute und Hunde belästigen. Deshalb lasse ich meine Hündin hier frei laufen, den Apollo aber nicht.

Der spielt aber nicht mit mir. Also lasse ich manchmal die Leine fallen und werfe Leckerlies oder ich mache ihn ganz ab und lass ihn über die Hecken springen, oder ich lass ihn platz machen und nach Leckerlies suchen.

Leider weiß ich nicht, ob ich das weiterhin machen kann. Gestern habe ich Leckerlies geworfen. Er war voll bei der Sache aber dann ist er plötzlich abgehauen - ganz weit weg. Sow eit, daß die Menschen und HUnde auf die er zurannte unmögliche hätten erkennen können, ob der Besitzer nachkommt oder eben nicht vorhanden ist.

Leider musste ich ihm dann hinterher rennen (erstens nervt er ja dann andere und zweitens neigt er dazu in die flasche Richtung zu rennen, wenn er mich nicht mehr sieht).

Ich weiß nicht mehr weiter. Wenn er nur an der Leine spaziert fühlt er sich nicht ausgelastet, aber wenn ich ihn loslasse und was mit ihm mache, haut er ab (hat er letzte Woche auch getan). Gestern war er bereits 2,5 Stunden unterwegs, als er das gemacht hat. Ich kann nicht jeden Tag mit den Hunden 3 Stunden am Stück auf die Hundewiese und ich möchte auch nicht mein Leben lang einen Hund, der immer abhaut, wenn er woanders von der leine gelassen wird.

Ich weiß, ich sollte mit ihm an der Schleppleine üben. Das Problem ist, daß er sich dann nicht ausgelastet fühlt und wenn ich ihn dann beschäftigen will, damit er sich ein bischen auspowert, passiert so was.

Mir fällt jertzt nur noche ein, daß der Mitbewohner mit ihm Fahrad fährt (hasst der Apollo, aber wenigstens kann ich sich dann nicht unausgelastet fühlen) oder ein Spraykommander.

Zum Thema lange Leine. Wenn ich ihn immer an der langen Leine lasse und ihn erst dann frei lasse, wenn er bedingunslos auf alle Kommandos sofort reagiert, wie kann ich verhindern, daß er sich "unausgelastet" fühlt? Ich wollte ihm dann halt doch noch die Möglichkeit geben, sich frei zu bewegen, aber leider hat er mir ja jetzt gezweigt, daß das sinnlos ist.

Warum macht er sowas überhaupt? Er weiß, daß er es nicht soll und er ist schon sehr oft durch solche Aktionenen in Panik geraten, weil er uns nicht mehr gefunden hat, obwohl wir uns garnicht fortbewegt hatten.

Er ist ein seht verschmuster und zuhause auch gehorsamer Hund. Auch an der Leine benimmt er sich eher gut, wenn nicht gerade ein anderer Hund in der Nähe ist und auch dann lässt er sich manchmal sehr leicht ablenken. Auf der Hundeweise rennt er auch nicht zu jedem Hund und er kommt auch immer wieder schnell zurück, wenn er mal abhaut.

Hier in der Nachbarschft erzählt schon jeder "der Hund beißt, der ist ja immer an der Leine". Der Hund beißt keinesfalls. Er ist nur unhöflich und aufdringlich, weil er sogar längere Strecken bei guter Geschwindigkeit zurücklegt, um zu anderen Hunden zu kommen die eventuell in Ruhe gelassen werden wollen. Ständig muß ich mir Gespräche anhören, ich mache meinen Hund verrückt, usw, weil er angeleint ist. Dabei will ich ihm ja nur beibringen, andere Hunde und Leute in Ruhe zu lassen. Ich kann ja nicht meinen Hund alles machen lassen, was er will, weil er "nichts macht". Schließlich weiß nicht jeder, daß er nichts macht, eventuell wird er auch von einem anderen Hund angegriffen (was nicht unbedingt bei dieser Aufdringlichkeit unverdient wäre). Leider haben viele Hundebesitzer hier die Einstellung "mein Hund beißt nicht, also darf er machen was er will und alle Menschen, die ihre Tiere anleinen sind Tierquäler, also ist das ihr Problem wenn meiner dahin rennt".


:0(

Rüsselterriene
11.11.2005, 10:40
Hallo Uta,

Hast du mal geguckt, obs bei dir umzäunte Grundstücke gibt, die man eventuell zum "Üben" nutzen könnte? (im Zweifelsfall auch Hundeplätze?)

Ich kenne das Phänomen: Man leint den Hund an, damit er nicht ausreisst und kriegt genau das: Einen Ausreisser, sobald die Leine mal ab ist.

Eventuell ist es ja sinnvoll wenn du konkret "Hundebegegnug" übst.
Triff dich mit bekannten Hundehaltern und bespreche deine Sorgen. Verabrede dich mit denen und verlange Apollo ganz gezielt Aufmerksamkeit ab. Wenn er das gut macht, lass ihn zu den eingeweihten Hundehaltern hinlaufen. Natürlich musst du die Anforderungen steigern: Also auch mal den Kontakt komplett verwehren, den Kontakt abkürzen, dann auch mal wieder zusammen spazieren gehn.

Ich denke mal, deine Leckerliespiele führen ein bischen am Thema vorbei, weswegen auch Apollo nicht wirklich ehrgeizig mitspielt.

Anke

Mondwölfin
16.11.2005, 17:30
Hallo Uta!

Ich hatte das gleiche Problem mit meiner Landseerhündin.

Ein "fast" perfekter Hund. Ein Pfiff und sie kommt, Sitz, Platz, Bleib alles kein Problem...... außer wenn sie einen Hund erspäht hatte!!

Da ich mich seit zwei Jahren intensiv mit Hundeverhalten und der Mensch/Hund Beziehung befasse, konnte ich viele (ja fast alle) Fehler die mir im Laufe der Zeit bei meinen Hunden passiert sind, wieder beheben.

Hierbei war für mich das Schlimmste, an mir selbst zu arbeiten.
Hunde leben in der Gegenwart und erwarten, dass wir sie dort treffen.
Leider kenne ich Deinen Apollo nicht und somit fällt es schwer, etwas über seinen Charakter, sein Selbst zu sagen, aber so wie Du es beschrieben hast, denke ich dass die Problematik ungefähr wie bei mir ist.

Ich sag Dir jetzt einfach mal wie ich daran gearbeitet habe:
Zuallererst habe ich mir eingestehen müssen, dass meine Hündin der Meinung war, dass nur ein anderer Hund ihr Aktion bieten kann (denn auch Delilah läßt sich nicht wirklich mit Leckerchen oder Wurfspiele motivieren). Und ich hab sie wirklich mit allem möglich zu beschäftigen versucht!
Und versuch Du mal dann einen 65 Kilo Hund auf dem Spaziergang auszupowern..

Ich habe begonnen, Delilah nur noch an der Schleppleine (15 m) zu führen. Sobald ich merkte, dass ihre Aufmerksamkeit zu extrem auf ein anderes Objekt (Hund, Katze, Krähe) gerichtet war, bin ich einfach kommentarlos langsam in eine andere Richtung gegangen.
Dies haben wir bestimmt zwei Monate gemacht und jedesmal wenn sie zu mir kam, hab ich sie gelobt (geknuddelt, da sie das unheimlich liebt).
Die Schleppleine dient im Prinzip nicht der Ausbildung für den Hund, sondern gibt in erster Linie Dir Sicherheit.
Dann habe ich bewußt Plätze aufgesucht, an denen ich wußte dass viele Hunde sind.... und die ganze Prozedur hat dann vielleicht nochmal ca. 2 Wochen gedauert.
In der Zwischenzeit setzt sie sich hin und schaut mich an, wenn ein anderer Hund in Sichtweite kommt.

Und noch zu Deiner Beruhigung: Du kannst einem Hund durchaus auch an der Schleppleine Auslastung verschaffen. Du machst das schon richtig mit Leckerlesuche, Ballspiele (vielleicht einer mit nem Seil dran) etc.
Denn nicht nur körperliche sondern vorallem die geistige Auslastung ist für einen Hund wichtig.

Mein ganz persönlicher Tipp.
Hör nicht auf andere Menschen, die keine Ahnung von Dir und Deinem Hund haben. Ich finde Dich in Deinen Ansichten sehr vernünftig und würde mich freuen, wenn bei uns (hier ist nirgends Leinenzwang) wenigstens einige so wären wie Du.
Bei uns ist die Gefahr sehr groß, dass Dein eigener Hund von, wie Du es ausdrückst, unhöflichen Hunden (leider zum größtenTeil auch aggressiven Hunden) angepöbelt wird.

Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig helfen konnte

viel Glück und Erfolg mit Deinen Hunden und lass den Kopf nicht hängen!!

Liebe Grüße
Mondwölfin

P.S. Falls es Dich interessiert hier ein kleiner Buchtipp
"Wenn Hunde beten könnten würde es Knochen vom Himmel regnen" von Suzanne Clothier

lotharingia
16.11.2005, 17:58
Hallo Mondwölfin,

Vielen dank für deine Antwort. Das Buch habe ich. Ich bin auf Seite 108, oder so. Ich finde das Buch genial, weil es mir aus der Seele redet, aber vorher kannte ich leider nur Bücher, die mir sagten, ich müsse mich charakterlich völlig verändern, um erfolgreich mit Hunden zu leben.

Ich denke, deine Methode wird bei Apollo auch funktionieren, angenommen es kommen keine Hunde auf ihn zugerannt, da er dann manchmal total ausflippt (nur an der Leine, versteht sich). Daran arbeite ich auch. Ich habe angefangen mit einem Clicker zu arbeiten, zur Zeit funktioniert es ganz gut.

Der Apollo ist im Prinzip ein sehr ruhiger Hund. Er tobt immer nur kurz, dann ist Pause angesagt ;) Er ist sehr sanft und tolerant. Manchmal habe ich das Gefühl, daß ich was falsch mache, weil er draussen die Welt interessanter findet als mich. Aber eigentlich habe ich wohl nie lang und konsequent genug geübt, daß er auf Ruf kommen soll.

heidi herzberg
22.11.2005, 18:58
sehr interessant und amüsant zu lesen ist auch
Eric H. W. Aldington
Was tu ich nur mit diesem Hund?
vorgeschlagen wird hier immer eine "3-wochen-kur"
viele grüße

Pafil
25.11.2005, 09:52
Super
den Tipp mit der Schleppleine werd ich auch gleichumsetzten,unser Hund geht zwar immer noch an der Schleppleine (bin hier schon ne Lachnummer)aber die Geschichte mit dem umdrehen ist mir leider nicht eingefallen.Unser Junghund findet nämlich andere Hunde auch viel toller als Frauchen, zudem rennt er auf fremde Menschen zu und verbellt diese.Ich hoffe ich bekomm das in diesem Leben noch geregelt.:santa02:
Wer mal weiter reinschaun vielleicht finde ich noch ein paar gute Tipps.Danke

lotharingia
25.11.2005, 13:16
Hallo Heidi,

Das Buch von Aldington ist leider für uns nichts.

Hallo Pafil,

Tja da ist deiner nicht sao anders als meiner. Der verbellt fremde Menschen kaum (nur bestimmte ältere Männer und die werden dann auch eher angeknurrt!), aber er denkt jeder Fremde hat für ihn einen Sack voll Rinderpansen dabei ;) Das ist auch ziemlich lästig, denn wer wird denn Gerne von einem 62 cm Schäfer-mix (wenn auch freundlich) angeschnuppert?

Und dann diese bescheuerte Leineaggression. Da frage ich mich mittlerweile wirklich, ob ich das je in den Griff kriege, vor allem weil es mich so nervös macht, wenn der wie bescheuert in der Leine rumspringt. :(

Chilaili
26.03.2011, 11:10
Hallöle,

obwohl ich eigentlich dachte mittlerweile wirklich Hundeerfahrung zu haben, stellt mein 15 Monate alter Riesenschnauzer Rüde Oskar mich vor genau das gleiche Problem.
Nun muss man zur Verteidigung des HUndes sagen, dass sich durch einen Todesfall in der Familie die Strukturen etwas verändert haben udn ich nun seine einzige wiirklich konstant vorhandene Bezugsperson bin, das macht es ihm bestimmt im Moment noch schwerer....aber gegen das Schicksal kann man manchmal ja einfach nichts machen.
Da ich im MOment Semesterferien habe und meine Eltern es im MOment wirklich einfach nicht schaffen, steh ich momentan Oskars kleinem "Problemchen" allein gegenüber.
Auch Oskar LIEBT!! andere Hunde und fremde Menschen findet er auch super spannend.
Das erste Mal ist er mir abgehauen, weil er die Fährte von meinem Onkel und seinem Hund aufgenommen hatte, das zweite Mal war es eine Fremde ( aber total nett, da hatte ich wirklich Glück)
Das ist aber auch nur die Spitze des Eisbergs, denn mein Hund der sich aauch wie die anderen super abrufen lässt und auf die Kommandos hört, vergisst das alles, wenn er ein Objekt seines Interesses entdeckt, dann ist es quasi so als wäre ich nicht existent.
Agressiv ist er Gott sei dank nicht an der Leine, aber er fiept jeden Menschen und Hund zum der nicht darf hysterich an, bzw hinterher.
WOBEI ich sagen muss, dass ich das an der Leine etwas in den Griff gekriegt habe, er schmeißt sich nicht mehr mit seinen 45 kg in die Leine, sondern ich schaffe es, dass er ziemlich enttspannt mit mir an anderen Hunden, oder Menschen vorbei geht, das gibt mir Hoffnung, genau wie zu lesen, dass es auch anderen so geht/ ging und man es in den Griff kriegen kann.
Ich werde also heute gleich losgehen und mir eine längere Schleppleine kaufen und das ganze Mal versuchen....wobei ich ehrlich gesagt immer gedacht habe, dass der Hund, dann immer noch merken würde, dass er angeleint ist und dasfür den Freilauf nichts bringt....aber da ihr ja Erfolge hattet, werde ich es auf jeden Fall versuchen ;)

Liebe Grüße

Sabiba
27.03.2011, 17:10
Apollo treibt mich in den Wahnsinn. Er benimmt sich an der Leine wie ein Bekloppter, wenn er einen anderen Hund sieht und wenn ich ihn laufen lasse, haut er ab um zu anderen Hunden zu kommen. Er lässt sich absolut nicht ablenken und er will auch nicht machen (spielen usw). Er will *nur* zu anderen Hunden.
(... )
Er ist ein seht verschmuster und zuhause auch gehorsamer Hund. Auch an der Leine benimmt er sich eher gut, wenn nicht gerade ein anderer Hund in der Nähe ist und auch dann lässt er sich manchmal sehr leicht ablenken. Auf der Hundeweise rennt er auch nicht zu jedem Hund und er kommt auch immer wieder schnell zurück, wenn er mal abhaut.
:0(

Hallo Uta,
das ist zwar alles ein bisschen durcheinander :), aber vermutlich standest Du gerade sehr "unter Strom", als Du Deinen Beitrag gepostet hast.

Ich denke, es ist normal, dass Dein Hund liebend gern zu anderen Vierbeinern möchte. Vermutlich ist er noch recht jung und temperamentvoll, oder?
Kannst Du ihn nicht kontrolliert täglich eine halbe Stunde mit einem anderen Hund/anderen Hunden spielen lassen? Dann würdest Du sein dringenden Bedürfnis nach Kontakt zu Artgenossen zunächst befrieden. Danach kannst Du dann mit dem Training beginnen.
Ich würde vielleicht auch in eine Hundeschule gehen und dort ganz gezielt an dem Problem arbeiten. Da laufen ja jede Menge anderer Hunde rum und in dieser speziellen Situation lässt es sich gut am Gehorsam unter "erschwerten Bedingungen" arbeiten.
Viel Glück!

Sabiba
27.03.2011, 17:11
Ups - ich sehe gerade, das ist ja ein uralter Beitrag aus dem Jahr 2005. Na, das Problem ist inzwischen wohl gelöst ;-)