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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ängstlich/Agressiver Hund



Speedy1606
31.10.2005, 19:44
Hallo ihr Lieben!
Ich habe ein Problem. Ich habe meine Emmy jetzt seit Mitte Juni. Sie ist jetzt ca. anderthalb Jahre und ein Hund aus dem Tierheim. Kennen und mit ihr arbeiten tue ich seit Anfang Mai. Ich habe sie als Spaziergänger im Tierheim kennengelernt und irgenwann beschlossen, ihr ein Zuhause zu geben, da sie auf Grund ihres Verhaltens wohl wenig Chancen auf eins gehabt hätte.
Noch in ihrer Zeit im Tierheim hat es zwei Wochen gedauert, bis sie sich von mir hat anfassen lassen. Ich hab ihr sehr viel Zeit gelassen (und sie natürlich mit viiiiiiiiielen Leckerlies bestochen:) ).
Sie ist aus ihrer vorigen Familie geholt worden, weil sie dort geschlagen und vernachlässigt wurde. Sie hat vor Menschen Angst, besonders Männern und Kindern. Ich vermute aufgrund ihres Verhaltens, dass Kinder mit dem Fahrrad gegen oder über sie gefahren sind. Sie reagiert, bei Kindern auf Fahrrädern besonders panisch. Jedes mal, wenn bei mir in der Wohnung etwas runterfällt, sitzt sie zitternd in der Ecke und weiß nicht, ob die zu mir kommen soll, oder ob sie bestraft wird (obwohl sie ja gar nicht Schuld daran war). Man hat sie wohl für alles verantwortlich gemacht.
Anfangs hat sie jedesmal beim Spazierengehen den Schwanz eingezogen und versucht wegzulaufen, wenn sie vor irgendetwas angst hatte. Jetzt kommt das eigentliche Problem:
Je mehr Angst sie verliert, desto aggressiver wird sie. D.h. sie rennt im Zweifelsfall Kindern, Fahrradfahrern und Joggern bellend hinterher. Sie beisst nicht. Man braucht nur einen Schritt auf sie zu zugehen und sie nimmt Reisaus. Aber ich habe Angst, dass eben doch mal was passiert.
Also laufe ich tagsüber nur noch mit Halti, wenn wir auf abgelegenen Strecken laufen mit einer Schleppleine (10m). Spaziergänge, bei denen ich sie ohne Sorge laufen lasse, sind nur noch nachts. Sie hört astrein, aber eben nicht, wenn sie Angst hat. Bei Leuten die sie kennt, ist sie total klasse und ich kann sie auch problemlos überall mit hinnehmen (Lokale, Zug, Innenstadt,...), aber freilaufend tagsüber geht im Moment halt nicht.
Hundeschule geht nicht, da sie total unkonzentriert ist durch ihre Angst. Einzelstunden will, kann ich mir aber leider nicht leisten.
Ich möchte meinem Hund sooo gerne die Chance geben mit anderen Hunden zu toben, denn nachts sind wir ja meist allein.
Kann mir jemand Tips geben?

Vielen Dank
Sandra und Emmy

Anyanka
01.11.2005, 10:03
Also ich würds trotzdem mal mit ner sehr guten Hundeschule probieren. Vielleicht nimmst Du mal eine Einzelstunde, damit der Trainer Deinen Hund einschätzen kann, als Laie ist das immer sehr schwer. Man muss sie ja nicht gleich mitnehmen zu Übungseinheiten im Straßenverkehr, aber auf dem Hundeplatz kann sie sich langsam an alles gewöhnen. Veilleicht findet ihr ja ne Huschu wo sie erstmal nur zum toben hin kann und dann langsam immer länger bleiben und an den Übungen teilnehmen.

Zu der Agressivität würd ich einfach sagen, sie reagiert so, weil ihre Angst immernoch da ist, Du sie aber bestärkst. Wenn Du sie also konfrontierst ist die Angst nicht weg, aber sie vertraut Dir und denkt Du wirst ihr schon helfen wenn was ist. Nur wie Du da weg bekommst.......

Aber wie gesagt, bin Laie.

Vielleicht wendest Du Dich mal an eine Animal Lean Hundeschule in Deiner Nähe. Die haben sehr sanfte Methoden und gehen bestens auf die Hunde ein. Ausserdem gibt es sehr gute Literatur aus deren Verlag. Kannst ja mal schauen!

ruth_kyno
01.11.2005, 12:22
versuchs doch mal mit bachblüten die gibts gegen alle möglichen verhaltensweisen. du kannst dich im internet über bachblüten informieren. ich habe meinem hund auch welche für silvester gekauft, da er angst hat, wenn es knallt.
zu der aggression würde ich sagen, dass dein hund seine angst in aggression umwandelt, da er nicht weiß, was er sonst tun soll um sich aus dieser angstsituation zu befreien.

Anyanka
01.11.2005, 12:36
Normal sollte aber nur jemand der den Hund gut kennt und möglichst viel über ihn weiß ihn auf Bachblüten einstellen.
Gerade, wenn die Tropfen über nen längeren Zeitraum gegeben werden sollen. Und an den Problemen Deines Hundes ändern die auch nichts, wenn Du nicht daran arbeitest. Bachblüten sollen normal nur unterstützen.

billymoppel
01.11.2005, 21:55
hallo sandra,

auch von mir ganz klar: hundeschule. vielleicht einen entspannten junghundekurs.
ich habe in meinem junghundekurs auch eine extrem ängstliche hündin, was menschen angeht (allerdings ist sie rein defensiv) und das letzte halbe jahr hat bei ihr wunder gewirkt. dabei geht es doch gar nicht darum, wie exakt sie arbeitet (oder nicht :D) und wie lange sie mit macht - der platz ist groß und wenn ihre reizschwelle erreicht ist, geht sie mit frauchen beiseite und übt allein oder tobt mit anderen wuffels. (mit hunden hat sie gar keine probs). wir sind ein junghundekurs und kein kurs im leistungs-dauerarbeiten :D
in so einem junghundekurs herrscht erhebliche fluktuation, so dass sie sich immer wieder mit fremden menschen auseiandersetzen muss. ich hatte am anfang, wenn man diesen hund gesehen hat, auch erhebliche zweifel, dass der massenandrang für sie das richtige wäre - aber genau das war es dann doch.
wichtig ist halt nur, dass der kursleiter auf die besonderheit eines solchen hundes eingeht, fordert, aber nicht überfordert. dass alle zweibeiner über den hund informiert sind und sich adäquat verhalten. für jeden neuen neuen gibts bei uns eine ambra-einführungslektion. :D
ambra hat, denke ich, auf diese weise menschen von ihrer besten seite erlebt: freundlich, respektvoll, höflich, dezent und mit nicht als frolic bewaffnet :D
die taktik war simpel: ambra ist von menschen zu ignorieren, sie wird nicht gestreichelt, kontakt findet, wenn, übers futter statt. in den gruppenübungen war stets ausreichend abstand einzuhalten. sie wird keinesfalls bedrängt. ganz allmählich (zum glück hat ambra ein geduldiges frauchen), hat sie abstand selbst verringert.
mittlerweile ist sie unauffällig, auch wenn man natürlich immer sorgfalt auf diesen hund wird verwenden müssen. selbst enge menschengruppen meistert sie ohne panik (auch wenn sie von wirklicher gelassenheit noch entfernt ist).
ich denke, sie wird in zwei, drei monaten ihre begleithundeprüfung auf einem platz voller fremder menschen bestehen, mit freifolge und allem drum herum. :wd:

Speedy1606
03.11.2005, 23:16
Nochmal hallo!
Vielen Dank für eure Tips. Das mit den Bachblüten halte ich persönlich für keine gute Idee, da das richtig schief gehen kann. Mein Dad ist Heilpraktiker und es ist schon beim Menschen schwierig die geeignete Mischung zu finden. Da das Verhalten bei Tieren reine 'Interpretationssache' ist, kann man damit auch viel kaputt machen. Aber natürlich soll das nichts mies machen. Alle die damit gute Erfahrungen gemacht haben, sollen diese schätzen! Ist ja nur meine persönliche Meinung...
Ich probiere es auf euren Rat hin nochmal mit einer Hundeschule. Ich habe eine empfohlen bekommen, die gut und für mich auch leistbar ist ;)
Noch eine kleine Frage: Kommt jemand von euch vielleicht aus meiner Nähe (Langen, bei Frankfurt und Darmstadt) und möchte vielleicht als Trainingspartner zur Verfügung stehen? Die Leute die ich kenne, kennen Emmy bereits und zu denen hat sie schon Vertrauen gefasst, so dass ich 'Angstsituationen' nicht mehr trainieren kann.
Gruß
Sandra

Lastrami
07.11.2005, 13:17
Hallo sandra,


Das mit den Bachblüten halte ich persönlich für keine gute Idee, da das richtig schief gehen kann

Da muß ich Dir aus eigenen Erfahrungen widersprechen.

Ich habe auch erst angefangen mich über BB zu informieren, nachdem ich meinen Strassenhund bekommen habe und er auch wegen fast allem Panikattacken bekam und seehr ängstlich war. Wir haben mit BB , HuSchu einer guten Trainerin und vieeeel üben fast alles in Ordnung gebracht.
Wenn man die "falschen" BB auswählt zeigen sie keine Wirkung. Sie haben keine negativen Auswirkungen. Das können dutzende von Tierbesitzern und auch THP bestätigen.
Außerdem kannst Du es in extrem-Situationen auch einfach mal mit den Rescue Remedy versuchen.
Kann gerne Versuchen Dir weiter zu helfen.
Ich habe halt super Erfahrung mit BB gemacht und versuche gerne anderen damit zu Helfen und wenn ich einfach nur Anregungen gebe.:)

Hundeschule geht nicht, da sie total unkonzentriert ist durch ihre Angst
Auch für unkonzentrierte Hunde gibt es BB.
Das wichtigste ist aber, das Du sie jetzt nicht von allem Fernhälst, sie braucht die täglichen Umweltreize damit Du ihr beibringen kannst, das sie sich voll und ganz auf Dich verlassen kann.Ihr solltet versuchen die persönliche Toleranzschwelle zu finden.(mh, das ist irgendwie umständlich ausgedrückt, aber mir fehlen die passenden Worte).

Ich wünsche DIr auf jeden Fall viel Erfolg beim Training, viel Glück mit der neuen HuSchu und eine große Portion Geduld. Die brauchte ich zumindest.:?:

LG Pia:cu:

Speedy1606
07.11.2005, 18:53
@Pia:
Ich wolte BB keinesfalls schlecht machen!!! Ich weiß, wie toll sie wirken können. Hab ja selbst auch schon welche genommen. Aber bei einem Hund denke ich, dass es nicht das Richtige ist. Rescue Remedy ist für Extremsituationen bestimmt nicht verkehrt. Gott sei dank gibt es davon nicht mehr allzu viele :D
Wir haben übrigens eine Trainerin gefunden, der mein Hund sofort aus der Hand gefressen hat, wörtlich! Wer hätte das gedacht. Die war schwer beeindruckt, was ich mit Emmy schon alles mit viel Geduld und Training erreicht habe und sie denkt, dass sie nach ein paar Einzelstunden zur Einschätzung auch in eine Hundegruppe kann um dort in Menschenkontakt zu kommen.
Wir kapseln uns auch nichz mehr so ab wie am Anfang. Halti-Training und Souveränität meinerseits haben viel gebracht.
Auf jeden Fall vielen Dank für deine aufmunternden Worte, das hilft mir viel!:hug:
Liebe Grüße
Sandra

Lastrami
08.11.2005, 08:06
Hallo Sandra,

na das klingt doch schon mal super.:wd:
Keine Angst, ich versteh DIch wegen den BB. HAbe leider nur manchmal eine "missionarische Ader" wenn ich von irgendwas absolut überzeugt bin.:D *Ironie an: Vielleicht solltest Du dann einfach die BB nehmen für DEINE Selbstsicherheit?;) ;) ;) Ironie aus.*
Ich wünsche Euch ganz vieeel Glück Mut und GEduld beim neuen Trainingsstart. Das wird schon werden.
Lass doch einfach mal hören wie es klappt.

LG und *Daumendrück*
Pia:cu:

abdeluco
09.11.2005, 12:06
Hallo Ihr beiden,Meine Schwester hatte auch so einen ängstlich aggresiven Hund.Sie hat Ihn allerdings schon als welpen bekommen.Sie hat Ihn aus katasrophalen Verhältnissen geholt.Ein dutzend Welpen in kleinen Transportkörben in Ihrem eigenen "Mist".Auch er(NICO) hatte panische Angst vor allem was er nicht kannte.Und Männer hat er auch richtig aggresiv angebellt. Es war aber nur ein Schutzverhalten seinerseits.Wie du schon schreibst, ist man auf Ihn zugekommen hat er sofort das weite gesucht.Uns hat man damdals abgeraten von Hundeschule und so weiter.WWürde den Hund nur SChadenUnd das war ein Fehler.Aus Nico wurde ein panischer Angstbeißer.Nicht meiner Schwester gegenüber.Aber er hatte mit 2 Jahren nach alle geschnappt was Ihm Angst machte. Das Resultat war Nico musste eingeschläfert werden.

Also mein Tipp: Teste es mit der Hundeschule. Stellt Euch erst mal dem Trainer alleine vor.Es gibt auch Hundeschulen für ängstliche Hunde.
Was Nico auch geholfen hat,wenn du merkst das deine Emmy Angst hat,Geh in die Hocke.So kann sie sich bei Dir etwas Schutz suchen.

Viel Glück
Andrea

Speedy1606
26.11.2005, 00:37
Hallo ihr Lieben!
Wir sind auf dem Weg der "Besserung" :)
Ich habe eine Hundeschule gefunden und innerhalb einer Woche und viel Training und Übung meinerseits hat sich auch schon was getan. Ich bin jetzt das erste Mal seit längerer Zeit ohne Halti draußen gewesen und Emmy lässt sich auch schon einfacher beruhigen, wenn sie mal los legt...
Allerdings sagt die Trainerin, dass sie manches nicht aus Angst macht, sondern wirklich drauf los geht, mit vollem Bewusstsein und das müssen wir natürlich rausbekommen, bevor jemand Schaden nimmt. Aber manchmal geht sie auch ängstlich zurück und knurrt nur leise um zu sagen "komm nicht näher". Das ist ok, ist ja auch ne reine Schutzfunktion.
Ach ja, sie erlebt gerade ihren ersten Schnee. Ich könnte sie jedes mal knutschen, wenn sie durch den Schnee wetzt. Dann ist sie friedlich und ich weiß, dass alles gut wird...
Danke für eure Unterstützung!!! :hug:
Sandra

Mondwölfin
26.11.2005, 09:19
Hallo Speedy!!!

Ich kann mich Anyanka nur anschließen. Bin zwar kein Laie was Hundeerziehung angeht, aber ohne es genau zu sehen, ist hier eine "Ferndiagnose" denke ich kaum angebracht!

Ich kann Animal learn wirklich nur empfehlen. Die von Clarissa von Reinhardt ausgebildeten Leute (Ausbildung dauert immerhin 3 Jahre) haben wirklich Ahnung und wissen, wie man vorallem mit solch ängstlichen Tieren umgeht, die weiss Gott was in ihrem Leben haben erfahren und erdulden müssen.

Wenn Du wissen willst, ob eine solche Hundeschule in Deiner Nähe ist, dann schau doch auf deren Seite nach, dort sind alle aufgelistet.

www.animal-learn.de

Wünsch Dir viel Erfolg und vorallem Geduld mit Deiner Süßen

Ganz liebe Grüße
:-*
Mondwölfin

fallenAngel
27.11.2005, 11:05
*huhu* habe die süsse Emmy ja gestern persönlich kennenlernen dürfen und ganz ehrlich -> DU SCHAFFST DAS! Emmy hat sich ja lediglich am Ende des Spaziergangs gegenüber dem Mann vom Tierheim *merkwürdig* benommen... den Rest des Spaziergangs war sie doch meist relativ bis sehr entspannt! Ich glaube an euch ;) du hast ja schon seeeehr viel bei ihr erreicht und es wird sicher bald bergauf gehen! Ihr seid wirklich ein tolles Paar! LG Sina ... auch von Amy an Emmy *lol* (die hat im Auto nur noch geschnarcht!!)

Speedy1606
27.11.2005, 21:20
*merkwürdig* war aber sehr nett ausgedrückt ;)
Na ja, wir arbeiten dran und holen euch noch ein!!!! :bow:
Dein armer Hund, sooooooooo müde. Emmy auch. Aber wir waren auch erst um halb sechs zu Hause...
Sandra

Speedy1606
25.12.2007, 22:11
Schon lange her..., 2 Jahre,...

Wow, das waren die Anfangszeiten von Emmy und mir. Um mal allen Hundehaltern mit ähnlichen Problemen ein bisschen Mut zu machen: Wir haben letzten Monat unseren Hundeführerschein Stufe 1 gemacht und die Prüfer waren von uns schwer beeindruckt *ganzstolzschau*. 'Probleme' wird es immer mal geben, aber wir sind ein eingespieltes Team. Danke für eure Hilfe und die netten Worte, sie haben mir damals sehr geholfen und es ist schön, mal zu lesen, wo wir angefangen haben und wo wir heute stehen! Man vergisst das manchmal viel zu schnell und ist frustriert. Dabei können alle Hundehalter, die sich einen 'Problemhund' zulegen mit Recht auf jeden Fortschritt stolz sein!

Euch allen schöne Weihnachten!!!