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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gerhard´s Hundegeschichten - 17: Die Igelhündin



Gerhard
24.10.2005, 15:55
Meine Frau und ich haben sieben Kinder, davon sind einige adoptiert, nachdem uns das Jugendamt die "Bude" einrannte. Alle Kinder sind innerhalb von acht Jahren geboren. Wir wohnten damals in unserem dreistöckigen Haus mit mehreren Hektaren Ausssenfläche. Im Nebenhaus hatte ich noch zwei Haushaltshilfen untergebracht, die einfach gut waren. Zu uns stiess in einem Sommer eine fünfjährige Schäferhündin. Ihr Vorbesitzer und Züchter wollte sie nicht mehr, da sie in mehreren Leistungsschauen nur auf die vorderen Plätze, nie jedoch auf den ersten Platz kam.

Die Hündin war ein Segen für die ganze Familie. Sie war perfekt, hörte aufs Wort. So wie es sein sollte: auf mein Wort. Ich bin der Vater. Den Kindern war klar, dass die Hündin nur von einer Person, nämlich von ihrer Mutter, gefüttert werden durfte. Aber Herumtollen mit der Hündin durften alle. Für die Hündin wurde fast alle Türen mit einer Hundetüre versehen und so konnte sie ein und ausgehen, wo sie wollte. Ihr Schlafplatz war neben meinem Bett und im Esszimmer sass sie neben meiner Frau und schaute ihr jeden Bissen vom Munde ab. Der Effekt: ich setzte an, meine Frau blieb schlank.

Es war Herbst geworden und plötzlich waren in unserem Haus seltsame Geräusche zu hören. Die Geräusche kamen nicht von den Kindern und auch nicht von der Hündin. Bis ich auf einmal meine Frau entdeckte, wie sie mit einem Milchgefäss von Zimmer zu Zimmer ging. Ich sagte zu ihr: "Du brauchst doch nicht den Kindern die Milch in die Zimmer stellen, die können die Milch doch aus der Küche holen." Meine Frau entgegnete: "Haben Dir die Kinder noch nicht gesagt, dass in jedem Zimmer seit kurzem mehrere Igel wohnen?" Wie sich herausstellte, nahmen die Kinder an, dass die Igel von mir zugeteilt worden waren. Aber wer hat denn die Igel ins Haus gebracht? Und vor allem jetzt, wo sie sich auf den Winterschlaf vorbereiten sollten? Niemand wusste die Antwort.

Am nächsten Abend gingen meine Frau und ich zum Kartenspielen zu den Nachbarn. Alle Nachbarn wechselten sich mit der Einladung ab und so war jeden Mittwoch Spielabend angesagt. Die beiden Mittwoche davor hatten die Spielabende in unserem Haus stattgefunden. Wie immer, nahmen wir, wenn wir ausgingen, die Hündin mit. Die lag dann den ganzen Abend zu meinen Füssen, was für mich ein wunderbares Gefühl war. Als wir von dem Kartenabend zurück in unserem Haus angekommen waren, lief mir die Hündin mit stolz hochgehaltenem Kopf und stolzer Miene über den Weg. Im Maul hatte sie einen Igel. Ich zog Handschuhe an und nahm ihr den Igel weg und brachte diesen nach aussen - aus dem Haus heraus. Die Hündin verschwand durch die Hundeklappe und kam nach einer Minute wieder mit dem Igel an und lief die Treppe hoch. Der Igel wurde dann von ihr in irgend einem der Kinderzimmer deponiert.

Am nächsten Tag baute ich einen 6 x 6 Meter grossen Zwinger, der durch Strohballen eingegrenzt war. Dann brachte ich die Hündin dazu, ihre Igel in diesen Zwinger abzulegen. Über Nacht hatten dann die Igel die Möglichkeit, sich wieder in die Freiheit zu retten. So ging das Herbst für Herbst - bis die Hündin so alt geworden war, dass sie starb. Passi - wir hatten Dich alle lieb.