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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angsthund



Robert40
03.10.2005, 13:31
Hallo liebe Hundefreunde,
ich habe ein Problem bei dem mir bisher weder Hundetherapeuten noch Bücher weiterhelfen konnten, vielleicht hat ja einer von Euch eine gute Idee?
Meine Nina ist eine ca. siebenjährige Schäferhundmixdame, ich habe sie vor mehr als einem Jahr aus dem Tierheim geholt. Von ihrer Vorgeschichte ist wenig bekannt, nur dass sie aus einer italienischen Tierkörperverwertungsanstalt befreit wurde. Anfangs wurde mir versichert dass sich ihre Angst mit der Zeit legen würde, aber dem ist nicht so. Sie steht beinahe ständig unter Stress und verhält sich völlig apathisch, weicht meinem Blick aus und nähert sich mir nur, wenn andere Personen im Raum sind, vor denen sie anscheinend noch mehr Angst hat als vor mir. Sind wir alleine, sucht sie den am weitesten von mir entfernten Platz auf und rührt sich auch nicht von der Stelle, zuhause liegt sie vor der Türe und verläßt diesen Platz auch nur unwillig zum Fressen, mit stark eingeklemmter Rute, versteht sich. Wenn ich mich ihr nähere, läuft sie davon, und wenn das nicht geht, legt sie sich schicksalsergeben hin und bewegt sich nicht mehr. Sobald ich eine Tasche oder etwas anderes in der Hand trage, ist ihr Blick auf diesen Gegenstand fixiert und der Kopf berührt fast den Boden, Regenschirm geht fast überhaupt nicht, beim Spazierengehen läuft sie zwar auch ohne Leine brav hinter mir her, aber mit einem gebührlichen Abstand von zehn oder mehr Metern, sobald ich mich umschaue senkt sie den Kopf und schaut mich ängstlich an, manchmal springt sie vor lauter Panik gegen die geschlossene Heckklappe meines Kombis und bricht den Scheibenwischer ab, auf die Dauer ziemlich teuer.
Wir haben es mit Bachblüten versucht, ebenso mit einem Beruhigungsmittelchenzerstäub er im Büro, waren bei einem Kinesiologen und bei Hundetherapeuten, ich habe Bücher über Hundepsychologie und Verhaltenslehre gelesen, aber so wirklich kommen wir nicht voran, immerhin ist sie inzwischen so weit, dass sie manchmal beim Gassigehen freudig ein paar Meter springt, aber nur wenn wir ganz alleine sind, keine anderen Menschen oder Hunde in der Nähe sind (Andere Hunde verjagt sie konsequent mit gefletschten Zähnen und Knurren, sie hat aber noch nie einen Hund oder Menschen gebissen), und so langsam bin ich ziemlich frustriert und hoffnungslos, was sie natürlich auch spürt und die Lage nicht unbedingt vereinfacht.
Sie hat noch nie körperliche Nähe gesucht oder sich über Streicheleinheiten gefreut.
Vielleicht ist einer unter Euch der ähnliche Erfahrungen gemacht hat und mir einen Tip geben kann, wie ich diesem ansonsten wirklich lieben Tier ein schöneres Leben ermöglichen könnte, denn so ist es ja nicht mal ein Hundeleben!
Liebe Grüße,
Robert

danina
03.10.2005, 17:19
Hallo Robert,

ich finde es sehr schön, dass du dir Gedanken um das Wohlergehen deines Hundes machst! Viele denken immer nur daran, wie sie bestimmte "Probleme" (meist selbst herbeigeführte) abstellen können. Wenn man genauer hinguckt, welches Problem der Hund eigentlich hat, kommt man viel besser weiter!

Ich selbst kann nur meine persönlichen Erfahrungen (mit zwei unsicheren Hündinnen aus Griechenland) weitergeben und dir Jan Nijboer und seine Trainer wirklich von ganzem Herzen empfehlen (http://www.natural-dogmanship.de/). Hier steht das Mensch-Hund-Team im Vordergrund und die Persönlichkeit des einzelnen Hundes wird respektiert. Es geht hier nicht um ein starres System, sondern um eine sehr klare, aber total individuelle Erziehungsphilosophie. Wir sind hier BESTENS aufgehoben!
Man muss Geduld mitbringen und die Lust, sich auf eine ganz intensive Arbeit mit seinem Hund einzulassen. Schnelle Lösungen gibt es hier nicht (in meinen Augen gibt es wirkliche Lösungen nie schnell, wenn es um "Hundeprobleme" geht). Aber es lohnt sich und macht ganz viel Spaß!!!

Viele liebe Grüße,
danina

Robert40
04.10.2005, 09:46
Vielen Dank für den Hinweis, Danina, hab mir die Seite angeschaut und halte diesen Ansatz für sehr gut, leider ist die nächstgelegene Niederlassung fast 150 km von München entfernt, und ich denke, es wird schon einige Besuche brauchen um Fortschritte zu erreichen, das ist praktisch schwer umzusetzen bei der Entfernung.....
Trotzdem Danke.....
Gruß,
Robert

danina
04.10.2005, 10:03
Hallo Robert,

es gibt nicht nur Natural Dogmanship-Instruktoren, sondern auch Hundeerziehungsberater, die bei Jan Nijboer ausgebildet wurden (die aber nicht auf der Homepage vermerkt sind). Vielleicht findet sich da doch was in deiner Nähe. Ansonsten kann auch hier ein weiter Weg mal sehr lohnen, aber ich scheue mich auch gern davor.
Frag doch mal im Natural-Dogmanship-Forum oder maile die Zentrale in Windeck direkt an, vielleicht können die dir noch jemanden empfehlen?!

Für mich gibt es keinen menschen- und tierfreundlicheren Umgang als bei den ND-Trainern. So jedenfalls erlebe ich das mit meinen Hunden. Habe gerade ein Wochenendseminar (u.a. mit Monika Erkens, die aus Poikam kommt) gemacht und das war ganz, ganz toll!!!

Alles Gute für euren weiteren Weg und liebe Grüße,
danina

Lastrami
04.10.2005, 11:10
Hallo Robert,

Du hast geschrieben, das Du auch BB ausprobiert hast. Wart ihr bei einem Naturheilkundlichen TA oder habt ihr selber ausprobiert? Sind die Blüten ausgependelt worden?

Sorry, wenn ich so detailiert frage, aber bei uns haben die BB kleine Wunder gewirkt. Marlo war auch superängstlich und wir haben es mit BB und intensivem Training zu Hause hinbekommen.

Wünsche Dir viel Glück.

Pia

Taischa1
04.10.2005, 13:58
Hallo,
finde ich gut, dass du schon so viel ausprobiert hast! Hast du schon mal etwas vom Tellingen Touch gehört, hat mir vor langer Zeit mal weitergeholfen!

cheroks
04.10.2005, 14:31
Hallo Robert,
ich will dir die Hoffnung ja nicht nehmen, aber wenn es so ist wie du schreibst, dann wird sich da nicht mehr allzuviel ändern. Ich kenne eine Staff - Hündin, die sich ähnlich verhalten hat. Bei ihr halfen nur noch Tranquilizer, damit sie sich den normalen Anforderungen des Lebens stellen konnte.
Ihr Verhalten war "wildhundetypisch", ähnlich wie du es beschreibst (Isolierung in den ersten Lebensmonaten)

Die Tranquilizer haben es überhaupt erst ermöglicht, dass der Hund lernen kann, da sie permanent unter Stress stand, dass kein Lernen möglich war. Das wurde natürlich von einem Verhaltenstherapeuten gesteuert und unterstützt, auf eigene Faust sollte man da nicht dran gehen.
Die Beruhigungsmittel wurden wieder abgesetzt und es war eine Verhaltensverbesserung zu sehen - aber ein "normaler" Hund wird es wohl nie werden.

lg tina

danina
04.10.2005, 14:39
Hallo Robert,
ich will dir die Hoffnung ja nicht nehmen, aber wenn es so ist wie du schreibst, dann wird sich da nicht mehr allzuviel ändern.


Was sollen denn solche Kommentare in einem Forum, wo jemand Hilfe sucht? Erstens kann sich hier ja wohl kaum jemand ein Urteil über einen Hund erlauben, den er/sie noch nie gesehen hat und zweitens kann man solche schwarzmalerischen Prognosen ja wohl kaum allgemeingültig formulieren.

Robert, verliere bitte nicht den Mut. Es GIBT Wege!!!

Liebe Grüße,
danina

cheroks
04.10.2005, 15:10
Hallo Danina,

Was sollen denn solche Kommentare in einem Forum, wo jemand Hilfe sucht?
Das ist meine Meinung und meine Erfahrung. Ich habe ebenfalls geschrieben, welche Möglichkeit ich noch sehe.
Es GIBT Wege!!!
Es GIBT aber auch Grenzen! Man kann nicht jedes Verhalten verändern - bzw. die Motivation, die dahinter steht.

lg tina

Robert40
04.10.2005, 16:44
Hallo ihr Lieben,
erst mal vielen Dank für die Ratschläge!
Ich habe mich schon damit abgefunden dass meine Nina wohl kein fröhlich herumtollender Hund mehr werden wird, dafür dürften die erlittenen Traumen doch zu massiv sein, trotzdem glaube ich auch das ihr Zustand verbesserungsfähig ist und ihr wenigstens ein Teil der Angst genommen werden kann, was dann ja auch mir das Zusammenleben mit ihr vereinfacht.

Zuerst werde ich versuchen so einen Hundeerziehungsberater zu finden wie Danina vorgeschlagen hat, und der kann mir dann sicher auch sagen ob der Einsatz von Psychopharmaka sinnvoll erscheint, grundsätzlich lehne ich das in einem solchen Fall wie der Nina jedenfalls nicht ab.

An Pia: Die Bachblüten wurden von einem Kinesiologen ermittelt, ob das ein naturheilkundlicher TA besser kann vermag ich nicht zu beurteilen.

Über den Tellingen Touch versuche ich nachher was im Netz zu finden, hab den Begriff zwar schon gelesen, da wurde er aber nicht ausführlich erklärt.
Liebe Grüße,
Robert

danina
04.10.2005, 16:57
Hallo Robert,

vielleicht kann dir diese liebe und fähige Frau noch weiterhelfen? Uns hat sie geholfen, auch in ihrer Funktion als Tierheilpraktikerin. Entfernungen sind hier egal, das kann alles über Telefon laufen.
Sie hat uns Dinge über unsere Hunde erzählt, die sie nicht wissen konnte - das war enfach überwältigend!!!
http://www.tierkommunikation.de/

Aber auch die Hundeerziehungsberater gehen sehr einfühlsam mit Mensch und Tier um, sagte ich ja schon.

Alles Liebe, halt uns mal auf dem Laufenden, wenn du magst,
Nina

Taischa1
04.10.2005, 17:15
Tellingtont Touch ist eine Berührungsmethode von Linda Tellington Jones. Es handelt sich um 1 1/4 Kreisbewegungen im Uhrzeigersinn und es gibt sehr viel verschiedene Touches, die mit der Hand ausgeführt werden, überwiegend
mit der Hand. Bei sehr wenigen Touches nimmt man ein Handtuch zur Hilfe. Ein Beispiel, was Tellington Touch bewirken kann, nicht muss.

Streß kann die Fähigkeit zu unterscheiden, blocken. Eine besonders hilfreiche Seite des Touches zeigt sich darin, daß, sabald die Zellen durch die Kreise neu
"erwacht" sind und neue Gehirnzellen durch frische Nervenenergie angeregt werden, das Tier in der Lage ist, bewußt zu handeln und nicht einfach instinktiv oder aus Gewohnheit. Es ist frei, um zu agieren und nicht einfach zu reagieren.

Hoffe, du kannst damit etwas anfangen!

Mit hündischen Grüßen

Taischa1
04.10.2005, 17:18
Vielleicht könnte dir auch folgende Seite weiterhelfen??
www.teamwork-albert.de
Hoffe, die Seite hab ich mir richtig gemerkt!!

Speedy1606
22.10.2005, 11:04
Hallo Robert!
Ich kann dein Problem wirklich nachvollziehen, mir geht es mit meinem Hund ähnlich. Es hat Wochen gedauert, bis sie sich von mir hat anfassen lassen und auch heute gibt es immer noch Momente, wo sie mich nicht an sich ran lässt. Sie verfällt immer wieder in Panik, wenn ihr ein Fahrradfahrer oder ein Kind entgegen kommt.
Zuhause ist sie mittlerweile ein absolutes Schmusetier!

Also gib die Hoffnung bloß nicht auf.!!! Lass ihr viel Zeit und bewahre vor allem Ruhe. Ist manchmal sehr schwierig, ich weiß wie verzweifelt man sein kann.

Ist sie neugierig? Reagiert sie auf Lekkerlies? Wenn das so ist, kann man sich dies zu nutze machen.

Mir hat übrigens jemand geholfen, der beruflich überhaupt nichts in diese Richtung macht, sie hat uns nur beobachtet und mir Dinge gesagt, die mir nicht bewusst waren. Ich habe MEIN Verhalten geändert und es hat geklappt.

Ich wünsche dir alles Gute mit deiner Maus. Du wirst nicht alles hinbekommen, aber die Zeit heilt viele Wunden!!!

Gruß
Sandra

Tina1965
22.10.2005, 11:55
Hallo Robert,

ich war gestern zu einem Vortrag von Martin Rütter, dort ging es um Problembehandlung. Herr Rütter hat von einigen Fällen erzählt, die so ähnlich waren wie bei Deinem Hund. Er sagte das er bei so stark traumatisierten Hunden nur in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt arbeiten würde. Diese Hunde hätte oft solche Panik das sie gar nicht aufnahmefähig sind und eine Therapie wirklich oft nur mit Beruhigungsmitteln möglich ist (vom Tierarzt verabreicht) Von Bachblüten hält er in diesem Fall gar nichts.
Suche Dir einen wirklich guten Hundetrainer (ausgebildet in Tierpsychologie) der mit einem Tierarzt zusammenarbeitet der auch wirklich Ahnung von solchen Therapiemaßnahmen hat.

Überfordere Deinen Hund nicht mit neuen Situationen und geniesse die kleinen Erfolge die Du bist jetzt erlangt hast.

Ich wünsche Dir viel Glück und drücke Dir die Daumen.

Grüße
Tina

danina
22.10.2005, 16:48
Dazu sollte man aber vielleicht noch ergänzen, dass Martin Rütter "alternativen Heilmethoden" grundsätzlich nicht sehr zugeneigt ist.
Da sollte jeder auf seinen Bauch hören, denke ich.
Ich habe mit Bachblüten SEHR gute Erfolge erzielt. Meine Hündin war ziemlich depressiv, ist sie nun NICHT mehr. Ich schreibe diese positive Veränderung den Bachblüten zu.

Liebe Grüße,
Nina