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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ganz spezielle Feinde



annemotte
01.10.2005, 21:18
Habe nun seit einem Jahr einen neuen Hund. Gebraucht!
Vor ihm hatte ich elf Jahre lang eine wirkliche Traumhündin: Motte - Bernersenne-Collie-Schäferhund-Mix. Leine gab es nicht. Stress - ein Fremdwort.
Nun ist "Freiherr Bruno Brummbär Blödmann von und zu Nimmersatt" mein Begleiter. Und diesen Namen trägt er mit Stolz und zurecht !!! Auch ein Mix: Fledermaus-Vielfraß (bzw. Podenco-Labrador, Riesenohren,schwarz wie die Nacht und zu fett).
Kontrastprogramm pur! Ich hatte ihn grad zwei Wochen, da brach er mir den rechten Arm und das Nasenbein. War natürlich meine Schuld. Hatte mich noch nicht an die Leine und die tausend Volt gewöhnt, die Bruno in sich hat. Niemand aus meinem Freundes-, Bekannten- und Familienkreis konnte nachvollziehen, daß ich diesen Dämon nicht umgehend wieder abgegeben habe. Doch mir reichten die zwei Wochen, um zu erkennen, daß ich einen im Grunde völlig verängstigten und verunsicherten Hund wiedereinmal vor dem Tierheim bewahrt habe(bin seine fünfte !!! Halterin). Und er hat sich toll gemacht. Wird meiner Motte immer ähnlicher. Er jagt keine Lastwagen und auch keine Fahrradfahrer mehr und ist unangeleint mit jedem Hund verträglich. Und hier kommt mein Problem. Denn es gibt zwei Ausnahmen:
Einen Hund hier in unserer Straße kann er ums Verrecken nicht leiden, obwohl dieser ein ganz Lieber ist, der ihm nie etwas getan hat. Und auf unserer Frühstücksrunde - Bruno darf mit zur Arbeit - gibt's auch noch so einen Kandidaten. Da flippt meine Töle einfach aus. Zwar beißt er nicht wirklich, aber er attackiert schon sehr agressiv, genug um die Halter der "Opfer" - und nicht zuletzt mich selbst - gegen Bruno aufzubringen. Ich habe so viel erreicht bei diesem Hund, aber hier hilft kein Schimpfen, kein Schreien, keine Ignoranz, kein Garnix!
Wäre schon zufrieden, wenn ich mir dieses spinnerte Verhalten wenigstens halbwegs logisch erklären könnte. Doch mir fällt diesmal nichts Passendes ein. Sonst jemandem hier vielleicht?

Thomas
01.10.2005, 21:43
Wäre schon zufrieden, wenn ich mir dieses spinnerte Verhalten wenigstens halbwegs logisch erklären könnte.
Erklärungsversuch:
Ich "verknüpfe" positives mit Dir, liegt wohl an Deinem Schreibstil. Mit einigen Usern "verknüpfe" ich negatives, liegt an deren Schreibstil.

Die meisten User, mit denen ich negatives verknüpfe, ignoriere ich. Es gab jedoch auch schon einige (wurde mit den Jahren weniger...) die ich -verbal- attackiert habe.

....so far, so good, so what?

Bruno´s Attacken würde ich natürlich trotzdem verhindern, es gibt ja eine ganz tolle Erfindung, man nennt sie <<Leine>>, oder laufen die anderen frei und würden ihrerseits angreifen?

Gruß
Thomas

ruth_kyno
02.10.2005, 12:44
hallo
mein tipp:
geh doch mal mit beiden hunden zusammen an einen neutralen platz (den keiner der beiden hunde kennt) und lauft einfach mal ein stück zusammen an der leine. wenn sich die hunde zu sehr aufregen, dann erhöht ihr einfach den abstand. bis beide hunde ruhig sind. wenn die hunde anfangen zu bellen nicht rumschreien oder sich aufregen, denn sonst verbindet der hund mit dieser situation etwas negatives außerdem merken die hunde, dass ihr ruhig seid und so sehen sie keinen grund sich aufzuregen. geht einfach etwas weiter auseinander, bis die entfernung für die hunde ok ist. achtet dabei sehr auf die hunde und geht lieber wieder einen schritt zurück, wenn ihr euch nicht 100% sicher seid. nach ein paar ruhigen spaziergängen können sich die beiden dann auch mal schnüffeln lassen und wenn das alles klappt, könnt ihr sie auch mal laufen lassen. wenn es gut klappt aber nicht übermütig werden, lasst den hunden die zeit, die sie brauchen.

annemotte
02.10.2005, 15:03
Liebe ruth_kyno,

Dein Vorschlag hört sich vernünftig und vielversprechend an, wird nur leider nicht durchführbar sein. Denn der Halter von Caspar, den Bruno so haßt, wird kaum mitmachen. Er hat mir schon gedroht, demnächst seine 9-Millimeter mit auf den Spaziergang zu nehmen! Auch wenn ich dies nicht sonderlich ernst nehme - Kooperation ist von der Seite sicherlich nicht zu erwarten. Trotzdem: Danke!

Thomas
02.10.2005, 16:19
Hallo Anne(motte?)



Salut, Thomas!

Das Phänomen der "spontanen Antipathie" ist mir schon ein Begriff. Gibt's bei uns Primaten ja auch schonmal. Mich macht bei Bruno halt die Heftigkeit wundern. Neulich waren wir längst an Caspar vorbei - mindestens einen halben Kilometer: ich laß ihn los, er läuft ein paar Meter voraus, macht urplötzlich kehrt und hetzt kläffend und geifernd mit einem Tempo zurück, das ich dem alten, dicken Kerl niemals zugetraut hätte.

Übrigens: Tausend Dank für den Hinweis auf die Erfindung der Leine! Werd' mich gleich an die Arbeit machen und eine stricken!

Viel Gruß nach Mittelfranken und was bitte ist 'ne WHWT?

Ein WHWT ist ein WestHochlandWeißTerrier, von Passanten oft auch abschätzig "Ceasar-Hund" genannt :o
Kannst ja mal auf meinem Heimseite-Button gucken gehen.


hier hilft kein Schimpfen, kein Schreien, keine Ignoranz, kein Garnix!
Ich denke, Du solltest Dir grundsätzlich darüber klar werden, WIE Du in diesen Situationen auftrittst. Überleg Dir vorher wie Du reagierst und mach das dann klar, verständlich und konsequent. Ein Mix aus ein bisserl schimpfen, gar schreien und dann wieder ignorieren wird Bruno nicht wirklich als klare Ansage kapieren.

Du hast die Wahl:
Kannst Du damit leben, das er die beiden Fiffis einfach nicht abkann? Dann würde ich die Strategie konsequentes ignorieren anwenden. Konsequent heißt, nicht ansprechen, nicht anschauen, wenn er Dir vor den Füßen rumhampelt -> wortlos wegdrücken (durchlaufen). Den "Feind" übersiehst Du ebenfalls demonstrativ.
Dein Schimpfen und Schreien scheint nicht wirklich Bedeutung für ihn zu haben, von daher kannst Du das auch lassen - es wirkt sich eher kontraproduktiv (anheizend) aus.

Falls Du am Status Quo etwas ändern möchtest, kannst Du das natürlich auch versuchen. Stichwort: Verhaltensumlenkung.
Mögliches Hilfmittel: Clicker. ToDo: Blick weg vom anderen Hund (noch besser: zu Dir) -> C&B

Such Dir was aus ;)

Gruß
Thomas, wünscht viel Spaß beim stricken

annemotte
02.10.2005, 19:57
'nabend, Thomas!

Du hast völlig recht: Schreien - überhaupt sich aufzuregen hat gar keinen Sinn. Ist im Zweifelsfalle nur peinlich!

Brunos andere zahlreichen Macken - er wollte z.B. immer mal so gerne einen Radfahrer erlegen und ein ganz großes Auto mit nachhause bringen - habe ich erstaunlich schnell in den Griff bekommen, nachdem ich erkannt habe, daß es sich hier um Angstagressionen handelte. Vielleicht ist er mal angefahren worden. Geschlagen und getreten wurde er ganz sicher. Angst vor Füßen und Stöcken hat er nämlich auch.
Sobald ich merke, daß Brunole sich anspannt, hol ich ihn ran und beruhige ihn mit immer demselben Satz: "Es ist alles in Ordnung, Bruno!"

Inzwischen können wir ganz ohne Leine auch an verkehrsreichen Straßen laufen. Vor 'nem halben Jahr noch undenkbar.

Bei der Sache mit Bruno's Lieblingsfeinden Caspar und Leon werde ich zukünfig auf völlige Ignoranz setzen. Derweil die beiden auf seine Attacken eh völlig cool reagieren, nämlich eigentlich gar nicht, wird's vermutlich (hoffentlich) irgendwann langweilig.

Übrigens: sehr putzig, Deine WHWT-Jackie. Und wirklich gelungene Aufnahmen!

Grüße aus dem Bergischen Land, Annette :cu:

ruth_kyno
02.10.2005, 20:10
naja wenns so ist lässt sich das wohl kaum machen.
dann versuchs doch mal mit ignorieren, indem du deinem hund an einer schleifleine lässt (für alls dies noch nicht wissen das ist eine lange dünne leine, die der hund immer hinter sich her zieht und bei bedarf kann man dann einfach seinen hund stoppen, ohne ihn einfangen zu müssen) und wenn du den anderen hund siehst trittst du einfach auf die schleifleine (in verbindung mit einem befehl wie halt oder stop) dann nimmst du ihn an die leine und führst ihn (mit dem befehl fuss) an dem anderen hund vorbei. dazu nimmst du super leckere leckerlies (oder ein spielzeug, je nachdem mit was sich dein hund beeindrucken lässt) in die hand und "stopfst" ihn so lande voll, bis er anfängt zu bellen oder sich sonst aufzuregen (oder besser wenn du deinen hund nicht mehr dazu bringen kannst dich anzugucken) dann gehst du einfach zügig weiter, ohne deinen hund anzusprechen oder anzuschauen. besser ist es, wenn du es erst gar nicht so weit kommen lässt und lieber etwas abstand hälst und einen großen bogen um den anderen hund machst. mit der zeit kannst du diesen abstand dann wieder verringern. achte dabei sehr auf deinen hund und geh lieber wieder ein stückchen weiter weg, damit der hund nicht wieder in sein altes schema fällt. du kannst dies auch bei anderen hunden trainieren, nicht nur, wenn es sein erzfeind ist, da du diesen wahrscheinlich nicht so oft treffen wirst. danach gibst du ihm einfach den befehl zum laufen. wichtig ist, dass du das ganze mit einem befehl verbindest, da normale verhaltensweisen nicht belohnungswert sind, wie ein normales an der leine laufen , sonst müssten wir den hund die ganze zeit nur loben und dann wäre es für den hund nicht mehr so effektiv. probier dies erstmal aus und wenn es nicht klappt, müsste man noch etwas anderes, wie klicker, discs u.s.w. ausprobieren.

danina
03.10.2005, 17:10
Hallo Annette,

du hast hier schon viele Tipps bekommen, hoffentlich bist du nicht schon zu verwirrt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du nicht von jedem ein bisschen ausprobierst, sondern dir selbst deinen eigenen klaren Plan überlegst.

Meine Frage ist noch: wie wirkt es auf den Hund, wenn du jeden Tag auf´s neue eine Klopperei mit dem anderen Hund riskierst statt ihn vor dem scheinbar für ihn bedrohlichen gegenüber zu beschützen? Aggression ist IMMER, IMMER Angst!!! Angst um die Existenz, Angst um Ressourcen, Angst um das Revier,...! Warum gehst du dem Ganzen nicht einfach komplett aus dem Weg? Geh einen anderen Weg oder weiche großzügig aus - dein Hund kann den anderen nicht leiden und daran wird sich vorerst nichts ändern. Man sollte sich immer wieder klarmachen, dass es für Hunde UNNATÜRLICH ist, rudelfremde Artgenossen zu treffen. Das würde in der Wildnis vermieden! Klar, wir haben hier keine Wildnis, aber die Instinkte haben unsere Hunde dennoch.

Ich finde, wir sollten die Persönlichkeiten unserer Hunde sehen und dem ein wenig entgegenkommen. Dazu gehört auch, Ängste zu sehen und sie nicht immer wieder heraufzubeschwören. Arbeitet an eurer Beziehung, dann kann man später solche Probleme durch gezieltes Training angehen.
Dein Hund fühlt sich in deiner Gegenwart offensichtlich noch nicht zu 100% beschützt, sonst würde er nicht an dieser Stelle die Führung übernehmen. Ein ranghohes Tier entscheidet nämlich darüber, wer im Territorium geduldet wird und wer nicht!

Von Leckerchen halte ich nichts - denn dann arbeitet man an den Symptomen (=Tabletten geben) und nicht am Mensch-Hund-Team! Ich finde es dem Hund gegenüber respektlos, ihn in solch einer Situation einfach mit Futter vollzustopfen - für wie intelligent halten wir diese Tiere eigentlich?

Ich wünsche dir viel Geduld mit deinem Hund und wirklich fähige Leute, die dich gut beraten können.

Liebe Grüße,
danina

annemotte
04.10.2005, 18:17
Grüerzi, Danina!

Du hast sicher nicht unrecht damit, daß hinter fast jeder Agression Angst stecken kann. Aber in diesem speziellen Fall, kann's einfach nicht sein. Caspar ist ein elf Jahre alter Airdale, der schon nicht mehr gut läuft, einfach nur lieb ist und Brunos Attacken klaglos erträgt. Hab' überlegt, ob's genau daran liegt. Er ist quasi ein leichtes Opfer bei dem keine schmerzhafte Gegenwehr zu erwarten ist.
Wenn es Angst um's Revier wäre, hätte ich sicher viel mehr Probleme. In meiner kleinen Straße wohnen noch sechs weitere Hunde. Wir haben's nur zwanzig Meter bis zum Wald, in dem ein Hundeverein seinen Platz hat. Wir begegnen ständig anderen Hunden, bekannten und unbekannten.

Im Übrigen gehen wir Caspar aus dem Weg. MIR ist das Theater nämlich zu anstrengend. Ist auch nicht so schwer, da wir meist zu unterschiedlichen Zeiten unterwegs sind. Wenn wir uns einmal in der Woche treffen, dann ist das schon viel.

Jedenfalls Dank für Deine Anregungen und viele Grüße aus dem Bergischen, Annette