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Biene13
29.09.2005, 17:55
Hallo, Ihr Lieben
ich habe seit ca. 4 Tagen ein massives Problem mit unserem 11 Monate alten Dackelkind. Er jagt neuerdingst den vorbei fahrenden Autos mit wütendem Gebell hinterher. Ich hätte nie gedacht, daß ein so kleiner Kerl so massige Kräfte entwickelt.
Ich habe es mit "Nein", Pfui und allem möglichen versucht, auch mit Lob, wenn er mal ein Auto ignoriert hat. Aber er steigert sich da richtig hinein, so daß der Ausgang sich immer mehr zu einem Ringkampf zwischen uns entwickelt.
Mir stehen schon im Vorfeld die Haare zu Berge, wenn ich mit dem Hund rausgehen muß. Ich schreibe hier bewußt "muß", denn von freiwillig und gerne (wie es mal war) kann im Moment nicht die Rede sein.
Ich bin fast am Ende mit meinem Latein und kurz davor aufzugeben und den Hund dahin zurück zu bringen, woher ich ihn habe. Das ist natürlich eine bequeme Lösung, aber das wollte ich wirklich als Letztes in Betracht ziehen.
Wir wohnen an einer stark befahrenen Hauptstraße und Ihr könnt Euch sicher vorstellen, daß das Gassi gehen keine Freude mehr macht.
Über ein paar Tipps von Euch wäre ich sehr dankbar. Liegt es vielleicht an seinem Jagdtrieb? Soll ich mich mit ihm völlig unberührt an die Straße stellen und ihm zeigen, daß das keinen Sinn macht? Hab ich mal 5 Minuten probiert, aber er kreiselte dann derart um sich selber herum, daß ich bald nicht mehr Herr über ihn geworden bin.
Ich kann doch nicht nur Nachts mit ihm durch die Gegend laufen.

Liebe Grüße Biene13 Heidi, die fast am Rande der Verzweiflung ist.

SigridM
29.09.2005, 18:49
Hallöchen,
ist irgendetwas vorgefallen vor vier tagen?
Hast du schon mal probiert ihn mit etwas abzulenken(Leckerlie,Spielzeug )
Es ist sehr schwierig ohne den Hund zu kennen irgendeinen rat zu geben.
Bist du mit ihm in einer Hundeschule?
Ich finde es seltsam,daß er vor vier tagen damit angefangen hat.
Wie hat er sich vorher verhalten?
Wie benimmt er sich sonst,gibt es außerdem noch irgendwelche Probleme?

Lg
Sigrid und Co

Berni-Hans
29.09.2005, 20:09
"und den Hund dahin zurück zu bringen, woher ich ihn habe"

Hallochen, also über diesen Satz bin ich etwas schockiert.
Da muss irgend etwas vorgefallen sein (aber was???), sonst würden nicht solch Reaktionen kommen. Schwer zu sagen (und euch zu helfen), wenn man den Hund nicht kennt. Aber bitte versuche alles, um das wieder hinzubiegen - an so etwas wie im Zitat darfst du im Traum nicht denken, das tut mir richtig im Herzen weh.
Drücken euch die Daumen und alle Pfötchen - viele Grüße - Grit

Rüsselterriene
29.09.2005, 22:46
11 Monate ist aber als Dackel kein "Kind" mehr.
Du hast einen Erwachsenen an der Leine, der "Sein Ding" durchzieht.
Ob nun Spaß oder jagdliche Motivation oderoder: Da muss wieder Beherrschung rein: Schnell. (wenn ers erst 4 Jahre macht isses nich mehr witzig!)

Ich sag dir, wie ich es machen würde.
Erstmal anleinen. Doppelt hält besser.
Und dann Gasgeben. Treib ihn an. Ihr jagt zusammen. Kennst du den Effekt, wenn man ein Kommando dazu hat, dann isses plötzlich "gar nicht mehr sooo wichtig"?
Dann wird nur noch zögerlich geblafft? Neugierig geguckt: Hä, was willst du denn jetzt?
Und wenn der Punkt da is: Dann erst RECHT! Hinterher, Autosjagen (abgesichert und zusammen!) is angesagt!
Dann kommt irgendwann der Punkt der Verweigerung, der Erschöpfung: Und dann bist du gnädig: Ok, STOPP, Pause, wir gehen.

Meiner Erfahrung nach, vergeht der "Spaß" ganz schnell, wenns zur "Pflicht" wird.
Wenn du nur "Nein, Pfui, Aus" aufbringst, dann wird der Reiz des Verbotenen gegen dich arbeiten.

Anke
*du kannst natürlich auch "einfach" negativ verstärken... is nur nicht mein Fall*

kaviar1
29.09.2005, 23:39
ach Anke,
ich würde ja gerne aus Deiner Beschreibung lernen,
wie Du die Situation ändern willst, aber Du schreibst sehr profihaft.So, dass ich als Laie, der die Problematik noch nie mit einem Hund hatte, obwohl es bei mir in dreißig Jahren Hundehaltung der erste Hund ist, der diese Leidenschaft pflegt.

Mein Hund (Malteser) inzwischen fast sechs Jahre, jagt seit frühester Jugend Mopeds und Motorräder (natürlich an der Leine).
Wir haben auch Alles versucht, ihm diese Unart auszutreiben, aber nichts hat geholfen und mal eben das Mäulchen mit Leckerlis zu füllen geht auch nicht, weil man sich ja erst bücken muß und das ist schon eine Sekunde zu viel, denn dann ist das Objekt der Begierde schon da, bzw. gesichtet und dann schaltet sein Köpfchen bzw. seine Ohren auf Durchzug und er reagiert auf nichts mehr.:confused:

Bin auch für jeden nachvollziehbaren Tip dankbar.

Samuel
30.09.2005, 01:56
Im Prinzip gibt es zwei Hauptmotivationen ein derartiges Verhalten zu zeigen. Die erste wäre Angst. Da ein Hund aber in der Regel nicht einfach aus heiterem Himmel anfängt vor etwas Angst zu haben, was ihn 11 Monate lang nicht gestört hat, müßte schon etwas passiert sein was ihn dazu veranlaßt. Hier hilft dann nur eine geplante Desensibilisierung.
Die zweite wäre ein fehlgeprägtes Jagdverhalten. So etwas entsteht hauptsächlich dann wenn ein Hund sein ererbtes Verlangen etwas jagen zu können nicht "legal" ausleben kann. Daher die Frage: Was bietet ihr ihm, was er jagen darf?
Man darf nicht vergessen, daß der Hund ein Raubtier ist, egal wie klein er auch sein mag.

Bevor ihr also etwas in Angriff nehmt muß erst zweifelsfrei geklärt sein was der Auslöser ist. Hilfe von Außen kann da sehr hilfreich sein.

Kokosch
30.09.2005, 09:45
eine hundeschule wäre nicht schlecht.

und ich würde halt eine 10 m schleppleine benutzen. sobald er anfängt hinterherzujagen "halt" rufen udn darauf treten. so kannst du den befehl immer durchsetzen udn hast selbst die sicherheit, dass du ihn wieder einfangen kannst, d.h. du kannst auch entspannter mit ihm spazieren gehen. nach 2-3 monaten hat er kapiert was "halt" heißt und du kannst die schleppleine wieder abnehmen.

LG
Nicole

Rüsselterriene
30.09.2005, 11:10
@ kaviar 1(?):
Im Prinzip sage ich: Tu das, was dein Hund anbietet mit ihm zusammen. Übertreib es, damit es nicht mehr "selbstbelohnend" wirkt, weil es eben Pflicht wird.
Zeig dem Hund, was er tun soll, damit er danach weiss, was er nicht tun MUSS.

So wie bei einem bellenden Hund: Erst anfeuern: "Gib laut!" um dann zu sagen "Ruhe jetzt!"

Anke

Biene13
30.09.2005, 14:19
Hallo, Ihr Lieben
ich danke Euch ganz herzlich für Eure Antworten.
Ja, das mit dem gemeinsamen "jagen" haben ich einfach mal so aus dem Bauch heraus probiert. Es dauerte wirklich nicht lange und er hatte einfach die Lust verloren.
Was wir ihm sonst noch anbieten an Jagdspielen? Nun zu Hause Futter verstecken und such lassen, oder in einer kleinen Federtasche werfen und bringen lassen, Ball jagen. Also im Grunde fast alles, was ein Hundeherz begehrt, auch kleine Wettrennen mit mir.
Was da genau abgegangen ist, weshalb der Autojagdtrieb und das anbellen ausgelöst hat, kann ich nicht sagen, da es bei uns regelmäßig rumst, knattert, Fehlzündungen - kurz alles, was Autolärm hergibt - vorkommt.
Er hat es auch immer locker weggesteckt, ohne irgendwelche besonderen Regungen zu zeigen. Ich hab es jetzt erst mal mit bei Fuß gehen, zwischendurch Sitz machen lassen, oder Platz probiert und es klappt auch nicht immer aber immer öfter.
Vielleicht haben wir auch ein Exemplar Dackel erwischt, bei dem der Jagdtrieb besonders ausgeprägt ist. Ich weiß es nicht, weil wir ihn mit 8 Wochen aus dem Tierheim geholt haben und seine Vorgeschichte - Prägung usw. nicht kennen. Ich war auch mit ihm in der Hundeschule, auch die Welpenspielgruppe haben wir regelmäßig besucht.
Der Grundgehorsam klappt ja auch prima, ich kann ihn ablegen und er bleibt, bis ich ihn rufe. Nur bei Autos eben nicht.
Radfahrer, Jogger, Inlinskater usw. sind alle uninteressant.
Ich habe aber schon den Trainer aus der Hundeschule angerufen und wir werden uns treffen, um das Problem gemeinsam anzugehen.

Liebe Grüße nochmal Biene13 Heidi

kaviar1
30.09.2005, 15:00
hallo Anke,
erst einmal sorry, dass ich mein Posting nicht unterzeichnet habe.
Wie soll ich das machen mit dem Übertreiben? Soll ich ihn an einer stark befahrenen Bundesstrasse jedesmal beim Bellen noch anfeuern, wenn er ein Moped sieht? Die Leute erklären mich dann doch für verrückt:D :?: und mit dem Befehl Ruhe komme ich in dem Moment nicht durch:rolleyes:
Mit einer Schleppleine kann ich an der Straße nicht arbeiten und im Freilauf läßt er sich sehr gut abrufen. Einmal hatte er sogar das Vergnügen ein Moped zu jagen, welches sich zufällig auf den Rheinwiesen verirrt hat. Dabei ließ er sich durch einen Pfiff sogar abrufen.
Danke für Deine Mühe, mir zu helfen:)

Liebe Grüße
Maria

Rüsselterriene
30.09.2005, 15:36
:D Hallo Maria!

Richtig, du sollst ihn nicht nur anfeuern, du sollst mitrennen. Treib ihn richtig an, natürlich gut gesichert (lieber 2 Leinen!KURZE LEINEN, KEINE SL!).
Wenn dir das unangenehm ist, dann "tarne" dich halt als Jogger. DU musst ja auch nicht laut rumkeifen... aber deine Stimme sollte dem Ganzen Nachdruck verleihen. (Werd einfach neben dem Auto schneller und flüstere "Angriff" oder so )

Was ihr in dem Moment tut: Ist Pflicht. Ist Zwang. Dein Hund will Autos jagen: Ab heute MUSS er Autos jagen.

Erst wenn er weiss, was er tun muss, dann kannst du ihm auch mal sagen "Heute brauchst du nicht".

Ab dem Punkt, wo der "Spaß" raus ist, wird auch der Hund wieder empfänglich für dein Angebot: Wir gehen EINFACH so spazieren.

Anke

kaviar1
30.09.2005, 16:22
ach Anke,
Autos interessieren ihn überhaupt (davon gibt es ja ne ganze Menge), nein nur Mopeds oder Motorräder, die kommen ja wesentlich seltener und wenn, dann sind sie genau so schnell weg, wie sie gekommen sind.
Außerdem gehen mein Mann und ich immer mit beiden Hunden
(Bobby, TT) gemeinsam, der läßt sich gott sei dank nicht von Tobi anstecken, den interessieren die komischen Dinger überhaupt nicht:D
Wir haben versäumt, als die Beiden klein waren, mit denen getrennt zu gehen und heut geht keiner mehr ohne den Anderen:rolleyes: :?:
LG Maria

Biene13
30.09.2005, 19:54
Hallo, Ihr Lieben
da hab ich wohl einen Punkt bei mehreren Hundefreunden getroffen, der irgendwo auf der Seele brennt.
Also heute konnte ich folgendes Resüme für uns ziehen:
Ist unser Dackel ausgepowert, interessiert ihn das alles nicht mehr, er will dann nur noch in sein zu Hause.
Das heißt, wir waren heute im Garten bis dahin ist gut 20 - 30 Minuten zu gehen - auf dem Weg dahin wau, wau, wuff, wuff,
im Garten Leckerli suchen, buddeln, Versteck spielen, Ball holen, also eine Menge Aktivitäten, was das Jägerherz begehrt.
Auf dem Weg nach Hause - null Bock auf Autos hetzen, noch nicht mal andere Hundis waren wichtig, nur noch Frauchens Füße.
Also ich glaube ihr habt irgendwo Recht, wenn er das Jagen braucht. Bin nun am überlegen, ob ich hier bei uns einen Teckelclub finde, dem wir uns anschließen können.
Denn das übliche Agility, dafür ist er mit seinen kurzen Beinchen meiner Meinung nach nicht so sehr geeignet. Zumal er ja erst die Op am Beinchen gut überstanden hat.
Ich wollte ihm auch noch nicht zuviel zumuten, weil er bei Überlastung immer wieder mal humpelt.
Auf "Kopfarbeit" also mit Clicker u.ä. steht er nicht so sehr, wo er mit Eifer dabei ist, ist beim Wäsche waschen. Er schleppt mir die größten Stücke in die Waschmaschine. Aber ich kann ja nun nicht jeden Tag Berge von Wäsche waschen.:D :D
Das mit dem Zurückgeben habe ich nicht böse gemeint, ich hatte nur die Überlegung, ob es nicht besser wäre, ihn in Hände zu geben, wo er wirklich jagdlich geführt werden kann.
Vielleicht würde ihn das glücklicher machen?? Aber der Gedanke daran macht mich sehr traurig, weil es ja auch so ist, daß er abgöttisch an mir hängt und wohl auch immer wieder unter Trennungsangst leidet.

Da ist es schwierig abzuwägen, was macht den Kleinen glücklicher und zufriedener? Ein Leben bei mir mit "Jagdersatzspielen" in einer Großstadt, oder ein Leben bei einem echten Förster/Jäger im Wald oder einem kleinen Dorf?

Ich habe schon in Erwägung gezogen, von der Stadt aufs Land zu ziehen, weil im Grunde hält uns hier nix.
Aber das sind nur meine Gedanken, seid nicht böse, wenn das vielleicht zum Thema paßt, aber ich möchte wirklich, daß der kleine Dackel glücklich ist, zumal ich ihn von Herzen lieb habe.

Liebe Grüße Biene13 Heidi

Samuel
01.10.2005, 01:24
Da ist es schwierig abzuwägen, was macht den Kleinen glücklicher und zufriedener? Ein Leben bei mir mit "Jagdersatzspielen" in einer Großstadt, oder ein Leben bei einem echten Förster/Jäger im Wald oder einem kleinen Dorf?


Du, das ist einem Hund soooo egal.
Er will hetzen, beißen, schütteln..... Beute machen.
Biete ihm eine Möglichkeit dazu. Ihm ist es wurscht ob es ein Lappen, ein altes Handtuch oder eine Beißwurst ist.



Ich wollte ihm auch noch nicht zuviel zumuten, weil er bei Überlastung immer wieder mal humpelt.

Ich kann das gut verstehen, dein Hund bloß leider nicht. Er will sich nicht schonen.
Fang doch einfach an. Binde ein Tuch oder einen Lappen an eine Seil und lasse es vor deinem Vierbeiner fliehen.
Später mußt du es später sicherlich steigern. Er ist ein Profi - kein dummes kleines Zwerghundekind. Er ist geboren um Tiere (Füchse) zu jagen, die größer sind als er. Unter der Erde wäre Angst tödlich.
Mach es ihn also nicht zu leicht er will kämpfen, das ist seine Natur.



im Garten Leckerli suchen, buddeln, Versteck spielen, Ball holen, also eine Menge Aktivitäten, was das Jägerherz begehrt.

Das ist nett - als Vorprogramm - aber denke daran das er im Kopf ein "Krieger" ist. Zur Not legt er sich auch mit einem LKW an.
Laß dir also bitte etwas einfallen was ihn etwas fordert.
Dazu brauchst du nicht unbedingt einen Club.
Wenn es dir aber hilft..... hau rein, such dir Einen. Ich hoffe du findest etwas Passendes.


P.S.:

weil es ja auch so ist, daß er abgöttisch an mir hängt und wohl auch immer wieder unter Trennungsangst leidet.

Schätze dich glücklich!
Verspiele sein Vertrauen nicht. Es ist etwas Besonders!

Biene13
02.10.2005, 11:16
Hallo, lieber Samuel
Du hast den Nagel mit Deinen Worten buchstäblich auf den Kopf getroffen.
Der Kleine ist wirklich ein "Krieger" und "Kämpfer" und muß unbedingt gefordert werden.
Natürlich auch im Kopf, der er wirklich ein ausgebuffter pfiffiger kleiner Kerl ist.
Wenn ich mit ihm z.B. "Futter suchen" spiele, findet er es in den schwierigsten Verstecken.

Er fordert mein Einfallsreichtum ungeheuerlich, weil er ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist.
Ein Dackel ist eben kein Hund wie jeder andere, auf der einen Seite ungemein liebebedürftig, verschmust, treu und ergeben, auf der anderen Seite sehr selbständig, selbstbewußt und manchmal auch ein wenig "größenwahnsinnig", aber deshalb liebe ich ihn auch.

Es kommt alles ins Lot, davon bin ich überzeugt.

Liebe Grüße nochmals an alle hier, die mir geantwortet haben.

Biene13 Heidi