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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bittere Wahrheit



Luna
24.04.2002, 17:20
Mein Zwergpinscher ist ziemlich ängstlich. Fremde Menschen sind schlimm wenn sie ihm zu nahe kommen (sie werden verbellt) und Kinder sind das schlimmste überhaupt (90%stürmen auf ihn zu weil er ja sooo klein ist). Ich dachte bis heute immer er hätte nur vor Fremden Angst. Als er vor paar Monaten gebissen wurde kam mir Tage später das er ja gleich zu mir gelaufen ist und ich war schon bißchen stolz und dachte ich mach alles richtig das er soviel Vertrauen hat das er nach so einem Schock gleich zu Frauchen läuft. Und heute wollte ich zur Bank gehen. Einmal ohne Leine. Mutter und Kind gehen auch rein. Ich steh in der Bank, Tür geht zu und er steht draußen und läuft in die andere Richtung. Ohren angelegt, Schwanz eingezogen. Ich geh raus, rufe ihn. Nichts, läuft weiter in die andere Richtung. Ich geh in die Hocke...nichts. Dann bin ich ihm hinterher weil die Strasse nicht mehr weit weg war. Wieso kam er nicht zu mir. Ich scheine ja irgendwas wirklich falsch zu machen. Das er Vertrauen zu mir hat war scheinbar mehr als falsch. Was mach ich nächstes Mal oder was mache ich falsch ohne es vielleicht zu merken?

Alpha
25.04.2002, 00:18
Hallo Luna!
vielleicht hast Du den Fehler gemacht,ihn zu "beruhigen"(über Stimme/auf den Arm nehmen),wenn er Angst hatte.Beruhigen kennen und praktizieren Hunde untereinander nicht und geraten deshalb erst recht in Panik,wenn Mensch es tut.Vielleicht hast Du Situationen gemieden,in denen dein Hund Angst hätte bekommen können-das Meiden deinerseits bemerkt der Hund und "bestärkt"ihn erst recht in der Annahme,bestimmte Siotuationen seien "fürchterlich".
Um seinen Hund beeinflussen zu können und um ihn entspannt und glücklich "machen"zu können,muß Dich Dein Hund als Ranghöchsten sehen,an dem er sich beständig orientieren kann und in dessen Nähe er sich stets sicher und geschützt fühlt.Dein Hund sieht Dich aber nicht als Ranghöchsten.Denn sonst würde er in egal welcher beängstigenden Situation sich an Dich halten und alles tun,um in Deiner sicherheitsgebenden Nähe bleiben zu können-sprich nicht weglaufen!
Deine Aufgabe ist es also nun,in Augen des Hundes Chef zu werden,damit er sich nie ängstigen muß.Lies dazu mal den Beitrag"Woran ich erkenne,daß mein Hund fast der Boss ist"im alten Forum,Rubrik Verhalten.Dort sind Grundregeln aufgelistet,durch welche Du Dich hundlich als Chef benimmst,in für den Hund verständlicher Sprache.
Gruß,Alpha

Mascha
04.05.2002, 22:50
Hallo Luna,

wie geht es Euch inzwischen? Habt Ihr erfolgreich geübt? Kommt Dein Hundchen inzwischen wieder zuverlässig zu Dir? Oder hattest Du noch mehr solche schrecklichen Erlebnisse?

Gruß!

Mascha

Luna
09.05.2002, 10:47
Hallo! Danke für die Antwort. Leider hab ich ihn in dieser Situation hochgenommen und wieder in die Bank reingetragen, dadurch das ich keine Leine dabei hatte. Ich schätze mal dadurch hab ichs auch noch verschlimmert. Und meiden tu ich solche Situationen auf jeden Fall. Sollte ich vielleicht nicht tun, aber dadurch das ich weiß das er immer Panik bekommt und an der Leine zerrt weil er weg will nervts einfach weil ihm noch keiner je was getan hat. Ich hatte ihn von Anfang an in Cafes und Lokalen und Biergärten dabei, er war von Anfang an in der Arbeit dabei wo täglich neue Leute reinkommen und trotzdem ist er so ängstlich. Ich hab ihn nie von der Außenwelt ferngehalten.
Versuchen ihn nicht zu beruhigen bzw. zu ignorieren tu ich seit ungefähr einem halben Jahr(als ich das mal gelesen hatte).
Jetzt versuche ich(seit der Antwort) das ich es ignoriere wenn er spielen will oder gestreichelt werden will.

An Mascha: Ich hab mich wieder von der Situation erholt.Er auch sobald wir daheim waren. Aber was meinst Du mit üben? Soll ich bewußt immerwieder solche Situationen provozieren? (Was ja nicht schwer wäre ich müßte ihn ja nur wieder irgendwo hinmitnehmen obwohl ich ihn inzwischen lieber im Auto lasse wenn ich mal eben 5 Minuten wegbin). Was mich noch nervt. Er macht alles zuverlässig. Wenn ich sage er soll sitz machen macht er es, er kommt auch her wenn ich rufe und so, NUR wenn er sitz macht und ein Fremder kommt auf ihn zu, dann würde er weglaufen. Niemals, niiiemals im Leben würde er sitzenbleiben. Er hat soooviel Angst in sich. Da interessiert ihn nichts um sich rum, nur schnellstens aus der Situation zu flüchten. Aber ich glaub das krieg ich nicht mehr hin. Oder wenn er z.B. bei Fuß geht und jemand geht dicht an ihm vorbei... wenn es zu dicht ist will er vorlaufen oder hinter meine Füße (weit kommt er ja nicht zwecks Leine-wenn keine Leine da ist geht er auf der anderen Seite wo keine Menschen sind). Da versuche ich immer einen Ruck an der Leine zu machen, ihn nicht weiter zu beachten und wieder auf die richtige Seite zu bringen. Aber das soll nur in etwa wiederspiegeln welche Angst er hat. Und wenn er ohne Leine vorläuft und Leute sich zu ihm runterbeugen(was sie leider sehr oft machen weil er ja so klein und niedlich ist) dann bellt er was das Zeug hält und geht teilweise so dicht an die Leute ran das ich Angst hab er springt sie gleich an(was er aber nicht tuen würde). Da führt er sich dann wieder auf. Ich bin dann wieder damit beschäftigt „Aus“ zu rufen und ärgere mich über die Leute das sie nicht einfach vorbeilaufen können ohne ihn zu beachten. Aber die können ja nicht wissen was ich für Probleme mit ihm habe.

Mascha
11.05.2002, 22:06
Hallo Luna!

Ich kann gut verstehen, dass Du die Situationen meidest! Und vielleicht ist das sogar besser, als Dein Hundchen immer wieder solch großem Stress auszusetzen, den er (zur Zeit) nicht bewältigen kann.

Hast Du vor irgendetwas Angst? Vor Spinnen vielleicht? ;) - Wer Angst hat, kann nicht lernen. Ich glaube auch nicht, dass es einem Hund in jeder Situation ausreicht, einen "Ranghöchsten" bei sich zu wissen, von dem er sich beschützt fühlt. Wenn es auf Leben und Tod geht, verlässt man sich nicht mehr auf andere; dann flieht man oder verteidigt sich - je nachdem.

Dein Kleiner hat offenbar Angst, die manchmal so groß wird, dass er sich nur noch durch Flucht zu retten weiß. Das hat nichts mit Deiner Rangposition zu tun.

Du solltest trainieren: Wenn Dein Hundchen Schwierigkeiten hat, fremde Menschen in seiner Nähe zu ertragen, musst Du diese Situation gezielt üben, und zwar so, dass es für Deinen Hund noch auszuhalten ist. Erträgt er fremde Menschen in zehn Meter Entfernung ohne Aufregung? Gut.

Ein Fremder (der weiß, worum es geht) geht in zehn Meter Entfernung vorbei, du lobst Deinen Hund, wenn er ruhig bleibt und gibst ihm ein gutes Leckerli. Das wird einige Male wiederholt, dann wird die Entfernung verringert. Wichtig ist, dass Du Deinen Hund nicht beruhigen sollst, sondern ihn loben und bestärken, wenn er sich so verhält, wie Du es möchtest. Das ist schon der ganze Trick, und doch so schwer durchzuführen... ;)

Dieses Trainingsprogramm setzt Du fort, bis der Fremde ganz nah an Deinem Hund vorbeigehen kann - bis Dein Hund verknüpft hat, dass das Vorbeigehen von Fremden "Leckerli" bedeutet.

Sinnvoll ist auch, wenn die fremden Menschen dem Hund dann das Leckerli geben. So lernt er noch besser, dass Fremde toll sind. - Genauso musst Du mit Kindern verschiedener Altersstufen üben...

Und die ganze Zeit darf Dein Hund nicht in eine entsprechende Stress-Situation geraten, die er noch nicht ertragen kann! Du musst also gefährliche Situationen konsequent vermeiden.

- Es ist schwierig, das alles hier in ein paar Sätzen verständlich und richtig darzustellen, darum rate ich Dir unbedingt, das Buch "Hunde sind anders" von Jean Donaldson zu lesen. Dort ist das alles ausführlich erklärt; es geht unter anderem genau um den Fall eines ängstlichen Hundes.


Gib nicht auf! :) Ihr könnt es schaffen.

Luna
12.05.2002, 11:19
Danke für die Antwort. Leute können schon auf ca.2 Meter Entfernung an ihm vorbeilaufen solange ihn keiner beachtet. Das ist meistens das Problem. Sie schauen, bücken sich runter, strecken den Arm aus dann kommt ein "guzziguzzi komm her"(so ungefähr*g*) und dann wird der Mensch verbellt. Zumindest kann ich mit ihm spazierengehen und wenn hin und wieder jemand vorbeiläuft ist es auch ok. Da ist er in seiner gewohnten Umgebung und da paßt es auch. Das mit dem üben muß ich versuchen. Gestern z.B. sind wir aus dem Aufzug raus und meine Nachbarn haben es gewagt Schuhe vor die Tür zu stellen. Der hatte eine Panik und wollte nicht bei Fuß dran vorbei. Ich glaube ich bin 30-40 Mal dran vorbei. Ich war nassgeschwitzt und fertig danach, aber zum Ende hin wurde es immer besser. Da ist er nicht mehr mit eingezogenem Schwanz, angelegten Ohren dran vorbeigekrochen, sondern aufrecht dran vorbei(zwar noch mit panischem Blick-aber man soll ja nicht zuviel erwarten). Wahrscheinlich hat er nach soo oft dranvorbeilaufen auch gemerkt das die Schuhe ja gar nichts tun :-)

Thomas
12.05.2002, 17:44
Hi Luna, ich würde an Deiner Stelle die Steichelattacken von wildfremenden Menschen einfach mit einem "DER BEISST!" im Keim ersticken. Lass Dich lieber von diesen Dumpfbacken etwas konsterniert angucken, als das Du Deinem Wauzi weiterhin diesen Situationen aussetzt.

read ya´
Thomas