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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hilflosigkeit



HEIKE_E
02.09.2002, 20:50
Das ist mein erster Beitrag den ich schreibe, aber ich bin ziemlich verzweifelt.
Wir hatten 13 Jahre einen Yorkshire Terrier "Susi". Er starb im April an Herz-Kreislaufversagen direkt in meinen Armen.
Es war an einem Montag. Meine Mutter rief mich in der Arbeit an und weinte schrecklich. Sie bat mich so schnell wie möglich nachhause zu kommen, da sie irgendwie ahnte daß es diesmal etwas schlimmeres mit Susi ist. Ich bin sofort nach hause und beruhigte meine Mam. Gleichzeitig nahm ich Susi, die gar nichts mehr richtig registrierte und sehr schwer nach Luft hechelte. Sie wirkte so hilflos und auch ich wußte, daß es was schlimmeres ist. Wir sind sofort zum Tierarzt gefahren, der Ihr für Herz und Kreislauf was spritzte. Der Tierarzt beruhigte uns und sagte daß es in zwei Stunden um einiges besser sein wird. Wir fuhren wieder nach Hause. Susi torkelte ganz benommen zu Ihrem Napf und trank, dann legte sie sich unter den Tisch, wo sie immer lag. Ich steichelte sie die ganze Zeit, als dann das röcheln wieder total schlimm wurde, schrie meine Mutter schon, sie wird sterben, bitte hilf ihr und mach was. Aber was sollte ich den machen...... ??? Ich bat meine Mutter, sie soll sich hinsetzen und Susi`s letzten Minuten nicht noch schlimmer machen. Sie streichelte sie auch. Susi hob noch einmal den Kopf - schaute sich um, als ob sie alles noch einmal sehen möchte bevor sie ging - dann hörte sie einfach zu atmen auf und starb. Es war furchtbar.....
Meine Mutter kann seitdem nicht mehr lachen. Für sie war es am schlimmsten. Susi war für sie wie ein zweites kind. Wenn niemand da war, dann war Susi bei ihr da. Die zwei waren unzertrennlich. Ich weiß keinen Rat mehr, wie ich meiner Mutter noch helfen kann. Sie weint jeden Tag und steht am Grab von Susi (haben sie im Garten begraben) - manchmal stundenlang. Vor kurzem hat es ziemlich viel geregnet bei uns und Mam ist um 23:00 Uhr nachts raus ans Grab und schaufelte das auf Susi`s Grab stehende Wasser weg. Ich weiß echt nicht mehr weiter. Meine Mam hat irgendwie jeden Lebensmut verloren. Ich kann sie nicht so traurig sehen und möchte ihr gerne helfen. Aber wie....? Auf die Frage ob sie wieder nen neuen Hund haben will antwortet sie mit nein. Irgendwie wär ich schon dafür aber wenn dann wieder was passiert....??? Ach ich weiß nicht mehr weiter.
Vielleicht hat jemand von euch auch so ne Erfahrung machen müssen. Wer kann mir helfen ?

Codileine
02.09.2002, 23:59
liebe Heike, ich habe eben Deinen Beitrag gelesen und auch wieder sofort angefangen zu weinen. Mein Cookie ist jetzt seit einem Jahr und einem Monat tot. Auch ich weine noch jeden Tag und es ist auch ein Stück von mir gestorben. Ich glaube, Du kannst Deiner Mama nicht viel helfen, sie muß den Tod ihres geliebten Hundes erst mal verarbeiten. Laß sie doch weinen, es verarbeitet jeder seine Trauer anders. Ich habe hier her geschrieben, da war mein Cookie 9 Monate tot und ich wußte auch nicht mehr weiter, habe hier auch ein Forum unter Trauer. Aber weißt Du was ich habe hier wirklich liebe Menschen kennen gelernt, denen es genauso geht wie mir. Sie werden zwar nicht jeden Tag weinen so wie ich aber ich habe hier eine Freundin kennengelernt, mit der ich persönlich maile. Das hilft wenigstens für eine gewisse Zeit und man wird auch nicht böse angemacht, wenn man über seine Trauer schreibt, so wie in der Außenwelt, da versteht ja kaum einer, daß man nach so langer Zeit noch trauert. Wir haben einen neuen kleinen Hund. Versteh mich jetzt nicht falsch, wenn ich sage, der kleine ist mir noch fremd, ich liebe ihn auch und würde ihn nie wieder hergeben und ich war auch verrückt vor Sorge, als er operiert werden mußte. Aber er ist eben nicht mein Cookie, er ist ein anderer ganz eigenständiges kleines Wesen, das man einfach lieb haben muß. Ich sage Dir noch was. Cookie war mein 3. Hund der schon von mir gegangen ist. Mein 2. ist mir auch auf dem Arm gestorben. Oh man ich plauder hier, wollte Dir vielleicht auch helfen, aber das gelingt wohl nicht. Wenn Deine Mama zu Hause ist, würde ich ihr wieder einen neuen Hund brigen vielleicht aus dem Tierheim, denn dann kann man wieder sagen, daß man ein Tier vielleicht vor bösen Menschen gerettet hat und ihm ein schönes zu Hause gegeben hat. Rede doch nochmal mit Deiner Mum. Ich wünsche ihr viel Kraft. Es hat hier jemand im Forum geschrieben, daß die Trauerarbeit 2 Jahre dauert. Ich wünsch Euch alles Liebe Madeleine

bjchaosmom
03.09.2002, 14:39
Liebe Heike!Was Du schreibst,steht uns noch bevor.Carrie,unser griechischer Sonnenschein,ist 6 Jahre und seit 8Tagen wissen wir ,daß sie ein Lymphom hat(ähnl. Leukämie).Es bleiben uns noch ein paar Tage zum Abschiednehmen.Es hat viel Tränen gegeben,bei allen!Am Anfang ist es Fassungslosigkeit,dannWut und irgenwann akzeptiert man das Unabänderliche und erlebt alles viel bewußter.Ein letztes Mal einen bestimmten Spaziergang mit dem Hund!Freude,dass es dem Hund Dank Cortison noch gut geht!Intensives Streicheln und vieles mehr.Trauer wie bei Deiner Mam kann man nicht unbedingt mit einem neuen Hund verarbeiten,das ist Ablenkung!Trauer ist Arbeit,sind große Gefühle.Akzeptiere ihr für Dich sicher beängstigendes Verhalten,was sie braucht-ist Verständnis-keine Belehrung oder Vorhaltungen!Sie muß den Verlust akzeptieren,dann den Trauerschmerz erleben-da ist sie wohl grad mittendrin.Jeder Mensch erlebt das auf seine Weise,Du kannst ihn ihr nicht nehmen,nur teilen.Dass sie weint, ist gut.Drück ihre Hand,sag,dass Du ihren Kummer verstehst,dass Du aber Angst hast um sie-sprich von Deinen Gefühlen!Trauer ist schmerzlich und erschütternd-es spielt keine Rolle,ob der Verlust ein geliebter Mensch oder ein Hund war!Laß sie durch diese "Tal"laufen und sei einfach mit Verständnis an ihrer Seite!Das Deine Mam so trauert,zeigt,dass sie großer Gefühle fähig ist.Irgendwann wird auch das Herz wieder frei vielleicht für einen anderen kleinen Liebling.Ganz liebe Grüße Gudrun

HEIKE_E
04.09.2002, 20:21
Liebe Madeleine und liebe Gudrun,

erstmal vielen Dank für eure Antworten. Es ist schön wenn es so liebe Leute gibt, die einem Helfen wollen und sich anderer Probleme annehmen. Habe heute meiner Mam eure Beiträgen vorgelesen, aber sie weinte fürchterlich daraufhin. Den Schmerz der sich dahinter verbarg konnte man in Ihren Augen sehen. Ich weiß nicht ob das gut war, aber ich wollte ihr damit zeigen dass es viele Leute gibt, die das selbe durchgemacht haben bzw. noch durchmachen. Es sollte sie trösten, aber hat es das wirklich getan. Naja ich versuche halt so gut ich kann ihr zur Seite zu stehen. Ich weiß dass es noch sehr lange dauern wird, bis sie wieder richtig lachen kann.

Es tut mir leid Madleine, daß Dein Cookie auch schon so früh von dir gehen müssen hat, aber ich denke man sieht sich irgendwann im Himmel wieder und es gibt keine Krankheiten – keinen Tod mehr. Ich weiß, das hört sich kitschig an, aber ich denke einfach so. Viele Menschen denken, daß Tiere nicht mit Menschen vergleichbar sind, aber ein Tier ist der treuste Freund, den man sich wünschen kann. Und wie gesagt bei meiner Mam war Susi das zweite Kind. Ich wünsche Dir auf jeden Fall noch viel Freude und eine ganz lange Zeit mit Deinem neuen Hund. Kein Mensch ist gleich genauso wenig ein Tier, deshalb verstehe ich auch daß es einfach ein anderes Lieb-Haben ist, als mit deinem Cookie – nicht weniger aber anders.

Und Dir liebe Gudrun wünsche ich, daß die letzte Zeit mit deiner Carrie nicht sehr schmerzhaft werden. Ich kann mir gut vorstellen, wie das ist, wenn man immer wieder fürchten muß, daß es der letzte Spaziergang sein könnte, das letzte rumtollen, ..... Ich kann da gar keine guten Rat geben, da ich das selber noch nicht mitgemacht habe. Macht ihr auf jeden Fall noch ne schöne Zeit, und wie gesagt irgendwann sieht man sich wieder und alles ist gut.

Nochmals herzlichen Dank für eure Antworten. Liebe Grüße Heike !

bjchaosmom
05.09.2002, 15:16
Hallo,liebe Heike!Du gibst dir große Mühe mit Deiner Mam und sicher ist ihr Verhalten für Dich auch beängstigend(wie alt bist Du-darf ich das fragen?).Das sie weint,ist ein gutes Zeichen.So ein kleiner Vierbeiner ist wirklich wie ein Kind-wie eins,das nicht älter als 2 Jahre wird und uns darum auch sehr braucht.Ohne uns kann ein Hund nur schlecht leben,er lernt und versteht uns wie ein 2jähriges Kind!Carrie geht es noch ganz gut,aber ihre Aktivitäten lassen sehr nach und der blöde Tumor wächst zusehends.Ich bin froh,eine verständnisvolle Tierärztin zu haben!Wenn es sein muß,wird sie auch ins Haus kommen,dann wird es für alle ein wenig!?! besser,vor allem für Carrie!Im Moment ist sie mit meinem Mann im Garten,aber nur weil sie mitwollte!Ich werde nachher zu "unserem Lieblingsplatz" gehen und da oben(300 m über der Stadt)mich ein bißchen trösten.Es ist ein Ort,an dem ich den Stress des Tages abbaue und an dem ich gern mit Carrie allein bin!Später wied sie dort oben auch auf mich "warten und es ist mir egal,ob es in den Ohren andere komisch oder kitschig klingt-es ist meine Art der Trauer und des Trostes.Vielleicht hat Deine Mam auch so ein stilles Plätzchen.Wenn sie den Mut hat,soll sie dort hin gehn,vielleicht "trifft" sie ihren kleinen Liebling! Liebe Grüße Gudrun