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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Myositis, sowas wie Muskelschwund



Sina1999
07.04.2005, 15:51
Hallo an Alle,

ich bin neu hier, und habe ein Riesenproblem.
Wir haben eine 6 jährige Berner-Sennenhündin bei der vor ein paar Tagen Myositis eosinophilica festgestellt wurde, Das ist sowas wie Muskelschwund, bezieht sich aber nur auf die Muskeln an Kopf und Hals. Bei unserer Sina ist vor allem ganz schlimm die Muskeln um und über den Augen angegriffen. Sie wird jetzt mit Kortison behandelt. Die Krankheit ist wohl nicht heilbar.
Wer hat sowas schonmal gehört oder weiß mir einen Rat zu geben??
Wir sind völlig fertig mit den Nerven, es ist so furchtbar unserem geliebten Hund zuzusehen wie sie immer kränker wird?!
Wer weiß Rat, was richtig oder falsch ist im Umgang oder Behandlung mit dieser Krankheit???

vielen Dank schon mal im Voraus

und liebe Grüße von Sina und Frauchen

admin
07.04.2005, 16:32
@Sina1999,
Sie haben den anderen Thread zu diesem Thema ja schon gefunden, ich stelle dennoch meine Antwort hier nochmals mit einigen Zusamtzbemerkungen ein, da im Grunde das Gleiche gilt:

eine autoimmunvermittelte Myopathie ist eine recht undankbare und leider- ich kann es Ihnen nicht ersparen- langfristig (>4-6 Monate) mit einer ungünstigen Prognose behaftete Erkrankung.

Die Therapie der Wahl ist Prednisolon in einer immunsupprimierenden Dosis von beim Hund 2mg/kg/Tag. Initial kann es bei guter Verträgllichkeit auch höher dosiert werden, um die Prozeß zu bremsen.

Azathioprin ist deshalb flankierend zu empfehlen, weil man damit die Dosis des Pred reduzieren kann.

Beide Wirkstoffe sind mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet, auch das will ich Ihnen nicht vorenthalten.

Hauptprobleme sind:
1. Pred:
Morbus Cushing, Entgleisung der Leberwerte, iatrogener (also medikamentös bedingter) Diabetes.
2. Aza:
Knochenmarkssuppression und somit eine massive Unterdrückung des Immunsystems, die den Hund für Infekte sehr anfällig werden läßt.

Es gilt bei der Einstellung des Hundes den schmalen Grat zu finden, an dem das Immunsystem soweit supprimiert ist, daß er keinen neuen Schub der Myositis erleidet, aber eben noch so aktiv ist, daß er nicht an einem banalen Infekt erkrankt und das Immunsystem kollabiert.
Eine engmaschige Kontrolle der Blutwerte ist also unter dieser Therapie unbedingt nötig und es kommen keine leichten Zeiten auf Sie zu, da er tgl. behandelt werden muß. Ihre engagierte Mitarbeit ist also ein integraler Teil des Erfolgs.

Zur medikamentösen Therapie wie sie von Ihrem TA beschritten wurde, gibt es aber leider keine Alternative, denn ein oder mehrere weitere Schübe bedeuten weiteren Abbau der Kaumuskulatur, was dann dazu führt, daß er nicht mehr fressen kann und eine Euthanasie unausweichlich ist.

Das ist auf den ersten Blick ein sehr unerfreuliches Szenario, das in der Durchführung aber dem Hund in aller Regel eine Weile eine gute Lebensqualität erlaubt.

Flankierend kann ich aus eigener Erfahrung dringend empfehlen
- Leberschutzpräparate wie Hepheel oder Lycopodium zu geben.
- Hochdosiertes Vitamin E von 800 I.E. tgl.
- Solidago für die Nierenfunktion
Besprechen Sie das mit Ihrem TA.

Physiotherapie als flankierende Maßnahme ist sehr wichtig, um die Muskulatur wieder aufzubauen, bzw. weiteren Abbau zu verhindern. Große Kauknochen sind z.B. auch physiotherapeutisch zu werten.

Solange der Hund einigermaßen gut kauen udn fressenkann, ist nicht weiche Nahrung, sondern im ggeenteil möglichst viel Kauen (Ochsenziemer, Kauknochen etc) anzuraten, um den Kiefer beweglich zuhalten.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kirsten Thorstensen
Vet Services Manager

Zooplus AG

Sina1999
07.04.2005, 17:46
Vielen Dank für Ihre rasche Antwort.
Ich bin sehr traurig über diese niederschmetternde Diagnose.
Am Schlimmsten wird es sein, unserer Sina Wochen oder Monatelang bei diesem Leiden zusehen zu müssen.
Sie ist so ein liebes und dankbares Tier.
Noch eine Frage: ist auch viel Bewegung insgesammt ratsam, oder sollte sie eher geschohnt werden? Sie liebt normalerweise lange Spatziergänge, nur im Moment ist sie, wahrscheinlich durch das Cortison, eher träge.

liebe Grüße

admin
08.04.2005, 15:36
@Sina1999,
um weiterem Muskelabbau entgegenzuwirken sollte sie durchaus bewegt werden.
es wird auch der Einsatz von Nandolon (Laurabolin), also einem Anabolikum diskutiert, damit die Tiere nicht so schnell an Substanz verlieren.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kirsten Thorstensen
Vet Services Manager

Zooplus AG

zickaela
09.04.2005, 17:40
ich hätte zu diesem thema noch eine frage:
wirkt sich die Myositis grundsätzlich nur auf die muskeln im kopfbereich aus, oder kann es auch schon mal vorkommen, dass weitere muskeln betroffen sind? so dass ein hund, der an myositis erkrankt ist, auch dadurch bedingt lahmen kann?

gruß, zissi & nala

Sina1999
10.04.2005, 21:40
hallo,
also mein Tierarzt sagte diese Form der Myositis die unser Hund hat, bezieht sich nur auf den Kopf- und Halsbereich. Obwohl unsre Sina auch mit einem Vorderbein humpelt, soll das wohl damit nicht zusammenhängen?!

Raby
13.04.2005, 15:14
Hallo,

mein Chico, ein weißer Schäferhund, hat auch Myositis. Zunächst waren seine andauernden Augenentzündungen das Problem, bis ein spezialist in Frankfurt festgestellt hat, dass er keine Tränenflüssigkeit hat, weil er kaum Kopfmuskulatur hat. Künstliche Tränen helfen den Augen (ca. 10 x täglich), aber gegen die Myositis sind wir machtlos.

Ca 4 Monate lang wurde Chicos Immunsystem mit Azathioprin heruntergefahren. Nachdem das überhaupt nichts bewirkt hat, habe ich das Medikament auslaufen lassen, denn die Liste der Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel sind der blanke Horror.

Wir versuchen seine Kaumuskulatur zu stärken, denn sollte diese und die Schluckmuskulatur nachlassen, gubt es keine Rettung... Also machen wir viele Reiß- Beiß und Zerrspiele. Desweiteren bekommt er Futter an dem er richtig zu kauen hat (Trockenfutter von Markusmühle, Schweineohren und Pansen). An sonsten hoffen wir ständig, dass seine Myositis weiter ruht.

Viele Grüße - Raby