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Anja_19
05.01.2005, 10:25
Hallo

Meine Mutter hat eine 5 jährige Hündin, sie ist ein englicher Pointer und eigentlich ein tolles Tier.
Wir haben sie aus Deutschland geholt sie war bei einem Förster, wurde leider misshandelt,(sollte zur Jagt abgerichtet werden) und leider kann man nicht richtig mit ihr spazieren gehen, alleine lassen konnte man sie am anfang gar nicht, jetzt schon, wenn sie innen ist gehts ihr gut, sobald sie draussen ist, ist es vorbei sieh zieht wie eine verrückte macht schnell ihre Geschäfte und dann will sie wieder rein, sie erschreckt sich vor alles und jedem, ist leider ein sehr ängtliches Tier.
Sie hat schon Homeopathische Medikamente bekommen, damit man wenigsten mit ihr mal ab und zu zum Wald fahren kann(ohne dieses mittel, wäre dies auch nicht möglich)

Was haltet ihr von einem Hundepsychologen?
Bringt das was?
Gibt es chancen auf heilung?
Wie teuer sind sie so im durchschnitt?

Vielen Dank

Anja

neaira
05.01.2005, 12:52
Hallo!

In deinem Fall würde ich schon zu einem Verhaltenstherapeuten oder gut ausgebildeten Hundepsychologen raten, allerdings solltest du dich nach den referenzen erkundigen, weil in solch einem Fall eine Verhaltenstherapeutische Ausbildung bei Erfahrenen Trainern wichtig ist. (Eigentlich ist das immer wichtig)
Ob es etwas bringt, hängt zum einen von der Vorgeschichte eures Hundes, seiner psychischen Verfassung, seinem Charakter und zum anderen, beinahe noch wichtigerem, von euch selber ab.
Ihr werdet auch viel an euch arbeiten müssen, denn meist macht auch der Halter in so einer Situation ungewollt Fehler, und muss lernen, seinem Hund die nötige Sicherheit geben zu können und gleichzeitig Regeln durchzusetzen.
Viele Menschen neigen dazu, ihren Hund bei solch einer Problematik zu "verzärteln", aber gerade ein ängstlicher Hund braucht Regeln, um sich sicher fühlen zu können.
Wie die Chancen auf Heilung sind, kann man ohne den Hund selber gesehen zu haben nicht sagen, aber zumindest ist i.r.Regel eine Verbesserung der Lebensqualität möglich, wie weit aber, hängt von Therapeuten Hund und v.a. Halter ab.
Die Preise variieren je nach Stadt und Region.
Ich kenne Preisspannen von 25-80€ pro Stunde bei Einzelunterricht im eigenen Haus und draussen
Ich würde mich da bei verschiedenen Therapeuten erkundigen und mir mehrere Ansätze ansehen und dahin gehen, wo du und dein Hund sich am besten fühlen, auch wenn derjenige der weniger preiswerte ist.
In Deutschland gibt es beispielsweise den BHV, einem Verband für Verhaltenstherapeuten und auch einige Trainer, die sich darauf spezialisiert haben.
Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und wünsche euch viel Erfolg!

Grüsse, Silvana

Sallydoggy
05.01.2005, 19:26
Hallo Anja!

Oh je, da hast Du ja wirklich ein Problem - aber gebt nicht auf!
Man kann etwas machen, um dem Hund ein streßfreieres Leben zu ermöglichen.

Pointer sind von Haus aus sensible Hunde und wenn sie eine schlimme Vergangenheit haben umso mehr.

Silvana hat das meiste schon geschrieben, ich möchte aber etwas nicht unerwähnt lassen.
Bei einem Hund, der unter ständiger Anspannung steht, der eine ständige Grundangst hat, ist eine "Verhaltenstherapie" allein oft nicht ausreichend.
Es wäre in diesem Fall sinnvoll, diese durch z. B. Rescue-Tropfen (am Anfang)-Bachblüten, zu unterstützten.
Diese mindern den Streß, lassen Traumata ein wenig in den Hintergrund treten, öffnen den Hund für neue Verhaltensweisen etc.
Und - er kann mal ein wenig entspannen!
Wenn sie gut wirken, kann man später übergehen zu einer Mischung, die eigens für die Verhaltensmuster des Hundes abgestimmt werden.
Es lohnt sich auf jeden Fall!!

Muß es unbedingt ein "Verhaltenstherapeut" bzw. "Hundepsychologe" sein?
Meiner Meinung nach nicht. Ich selber bin Hundetrainerin, fahre nur zu den Hunden nach Hause - und bekomme 10,-€/Std.
Eigentlich zu wenig für meinen Einsatz, aber ich gehe lieber öfter hin, weil einfach der Hund davon profitiert. Nicht jeder kann sich Stunden für 30,- € und mehr leisten. Der, der zurückstecken muß, ist der Hund.
Ich habe sehr gute Erfolge, gerade auch bei ängstlichen Hunden.
Denn es ist wirklich so, daß die Angst oft vom Besitzer aufrecht erhalten wird - unbewußt.
Wenn man als "Außenbeobachter" aber Hund und Besitzer begleitet, kann man viele falsche Verhaltensmuster auflösen.
Denn leider ist es oft so, daß der Hund für seine Angst unbewußt bestärkt wird.

Heute war ich mit einer ehemaligen "Schülerin" unterwegs, eine 1,5 jährige Viszla-Hündin-super Hund. Zeigt leider teilweise Meideverhalten Frauchen gegenüber, teilweise sehr, sehr, sehr unsicher anderen Hunden gegenüber. Aber, kein Wunder, Frauchen unterstützte diese Verhaltensweisen.
Ich habe ihr einige Tips gegeben und hoffe, daß sie sie umsetzt - zum Wohle des Hundes!

Also Anja, es gibt gute Möglichkeiten, die Du nutzen kannst. Wenn Du noch Fragen hast, dann mail mich ruhig an unter crazydog@telebel.de.

Ansonsten wünsche ich euch viel Erfolg bei der Suche nach der geeigneten Hilfe und viel Erfolg!

Liebe Grüße von Ina
Hundetrainerin

Anja_19
05.01.2005, 22:10
Hallo

Vielen dank für eure antworten.
Das mit dem Geld ist so eine Sache. Bei uns in Belgien kann man sich so eine Therapie kaum leisten, und als meine Mutter( der den pointer gehört) gehört hat was es kosten kann hat sie sofort abgelehnt, denn sie meinte sie könne sich das nicht leisten.
Ich denke mal jeder mensch ist da anders drin, ich würde irgendwie alles für meinen Hund tun(den ich ja auch habe, ein 5 monate alter Galgo-mix). Nur leider stimmt bei uns das Geld nicht so, das wir sagen können wir machen es.
Wir dachten schon das sie vielleicht aufblüht wegen dem Rüden, in der wohnung ist alles ok da macht sie keine probleme auch wenn sie alleine ist.
Aber sobald es heisst gassi gehen. Ich finde sie ist ein schönes tier und viel zu schade um so noch weitere 11 jahre zu leben, ich find das ist so kein leben mehr als Hund. Aber jeder muss wissen was er tut.

Schöen abend noch
Gruss Anja

Lucky Luke
06.01.2005, 01:37
Hallo
was ich von Hundepsychologen halte?
NICHTS - und das ist noch extrem freundlich ausgedrückt.
Hundepsychologe ist eine Sache , die man (JEDERMAN) innerhalb kurzer Zeit werden kann (max. 2 Jahre in der Schweiz).
Ich habe einen nicht ganz einfachen Hund in Bezug auf : Aufwuchsbedingungen, Sozialistion, Rasse, Erfahrungen.
Erschwerend kommt hinzu, dass er krank ist.
Die Summe dieser Faktoren ergibt bei 99,9 % der "Hundepsychologen" ein massives Dominanzproblem. Na super.
Nach dem ich da dann zwei Jahre ohne Erfolg gegengesteuert habe, war mir klar, dass es eben NICHT an mir liegt (und schon gar nicht an der elenden Dominanz).
Ich hatte das Glück, dass ich mich an jemandem aus dieser Liste wenden konnte: http://www.gtvt.de/mitglieder.htm .
Seitdem ist mein Hund (für seine Verhältnisse) ein normaler Hund. Vorteil dieser Listen-Mitglieder: es sind TÄ, die sich mit Hundeverhalten auseinandersetzen.
Das ganze viele Geld an die vorherigen Pseudo-Erzieher.......:0(

Tina1965
06.01.2005, 08:42
Hallo Anja,

schaue mal unter Haltung und Pflege nach dem Thema "Was tu ich nur mit diesem Hund". Dort hat Maureen einen Beitrag geschrieben. Sie hat auch einen Pointer, sehr schwieriger Fall. Er hat die ganze Wohnung zerstört und sie hat jetzt Hilfe gefunden. Du kannst Ihr eine Mail schreiben, sie ist sehr nett und antwortet Dir ganz Bestimmt.

Liebe Grüße
Tina....die auch einen oft ängstlichen und unsicheren Pointer-Mix hat

Sallydoggy
06.01.2005, 19:37
Hallo Lucky Luke!
Ich stimme Dir voll und ganz zu!

Jeder kann innerhalb kürzester Zeit Hundepsychologe werden.
Aber ich denke, man muß als Mensch einfach die Veranlagung, das Feeling haben, um sich in einen Hund "reinzudenken".

Für mich ist es "Berufung", für die ich nicht viel verlange - einfach deswegen, damit es sich eigentlich jeder leisten kann - zum Wohl des Hundes.
Umfangreiches Wissen über Hundeverhalten (3 Jahre Mitarbeit in einer Hundeschule (Welpenschule, Junghundkurze, Grundkurze, Dogdancing, Agility, einige Seminare etc.) finde ich durchaus ausreichend.
Und wichtig:
Das große Interesse, den Hunden das Leben zu vereinfachen, den Menschen das Verhalten (welches meistens logisch und nachvollziebar ist - wenn man Hundeverhalten kennt!) näherzubringen und so eine bessere und entspanntere Mensch-Hund-Beziehung zu schaffen.

@Anja_19:
Kann Deine Mutter nicht wenigstens Bachblüten anwenden, die ein wenig zur Entspannung des Hundes beitragen?
Bachblüten Rescue-Tropfen kosten in der Apotheke ca. 8,50 € und eine spezielle Mischung beim TA ca. 13 €.
Damit kommt man einige Zeit hin.
Angewendet werden sie tgl. 4 x 4 Tropfen- direkt ins Maul auf die Schleimhaut.
Wenn der Hund sich nichts ins Maul geben läßt, dann kann man tgl. 10 Tropfen ins Trinkwasser geben.

Ich wünsche Dir, daß Deine Mutter einen Weg findet, dem Hund das Leben ein wenig zu erleichtern!

Liebe Grüße von Ina und Sally (Bordercollie-Schnauzer-Mix)

Anja_19
07.01.2005, 11:13
Hallo

Vielen dank für eure/deine Anwort(en).
Das mit den Bachblüten werden meine Mutter und ich versuchen.
Wie lange muss man das denn dem Hunde geben, über wieviele Wochen?

Ihr Problem: (Sulti)
Wenn es heisst Gassi gehen, und wir gehen nach draussen(Stadt) dann zieht sie den schwanz ein, und zieht wie eine Wahrnsinnige, will dann ganz schnell nach Hause, lässt sich nicht mehr beruhigen bis das sie im Haus ist. Wir haben es schon mal versucht mit meinem Zweithund gassi zu gehen, aber dies nützt auch nichts sie hat noch immer ihren schwanz eingezogen, und will so schnell wie möglich nach hause macht grade ihr geschÄft und dann ab wie nichts rein ins Haus.
Im Wald haben wir gar keine Probleme, da fühlt sich sie Pudelwohl, zeigt keine anzeichen von angst.
Mit ihr in Urlaub fahren ist auch unmöglich.
Sie verträgt das Auto fahren nicht so richtig, hat damals Arsenicum, bekommen gegen den Sprechreitz, trozdem muss man heute noch immer aufpassen wenn man mit ihr Auto fährt.

Innen:
Wenn bei uns sehr laut gesprochen wird, geschimpft wird, zieht sie den Schwanz ein und verschwindet unter die Eckbank, wenn es wieder ruhgi ist kommt sie erst raus.
Sie tobt sehr gerne,da wir jetzt den zweithund haben noch viel mehr.

Vielen Gruss
Anja und Anhang

Sallydoggy
10.01.2005, 13:42
Hallo Anja!

Bachblüten gibt man solange, wie der Hund sie braucht. Wichtig ist jedoch, unter dieser Gabe mit dem Hund zu "arbeiten".
Das soll bedeuten, daß man, wenn man merkt, daß der Hund auf die Blüten anspricht und entspannter wird, die Reizschwelle erhöht.
Aber nicht direkt in die Stadt fahren, das wäre Überforderung. Hier würde es reichen, z. B. an den Stadtrand zu fahren, dort ein lustiges Spiel zu machen und dann wieder nach Hause zu fahren.
Dort spielen heißt aber wirklich nur einige Minuten - eben so lange, wie ihr merkt, daß sie nicht überfordert ist.
Immer abbrechen, bevor eine Überforderung auftritt!!!
Wichtig ist auch eure Stimmung dabei!!
Seid locker, flockig, das überträgt sich auf den Hund. Nicht trösten!! Wenn sie jankt und jammert, mit eingekniffenem Schwanz rumläuft, dann entweder nicht beachten oder einfach lustig drüber hinweg gehen.
Das überträgt sich auf den Hund, er merkt, das alles in Ordnung ist!
Wenn ihr selber vor dem Spaziergang zu angespannt seid, dann kann ich euch wirklich nur empfehlen, selber vorher Rescue-Tropfen zu nehmen.

Die weitere Steigerung wäre bei Sulti, daß sie z. B. 2 m in die Stadt hinein geht. Dann wieder zurück und spielen oder was immer sonst sie gerne macht.
Die höchste Motivation ist das, was der Hund liebt, also z. B. Futter, ein Spielzeug, mit dem Besitzer laufen, gestreichelt werden etc.
Die Schritte in die Stadt immer weiter steigern!
Wichtig wäre auch, sie nicht einfach zum einkaufen mitzunehmen, weil man dann nicht mit ihr üben und auf sie achten kann.
Im Gegenteil, das kann wieder viel kaputt machen - wenn man mit Einkaufstaschen bepackt, gestreßt mit Hund an der Leine durch die Stadt geht. Auf keinen Fall!!

Ihr müßtet eigentlich bei ihr wieder anfangen wie mit einem Welpen, also die komplette Sozialisierung langsam und spielerisch aufbauen.

Zum Autofahren:
Auch hier gilt - wenn sie jammert, nicht trösten!
"Freudiges" Autofahren könnt ihr auch üben. Z. B. indem ihr nur eine kurze Strecke fahrt - vielleicht auf eine Wiese - und dort ein lustiges Spiel macht.
Sie verknüpft dann das Autofahren mit dem Positiven - spielen.
Die Fahrtlänge wird dann peu à peu gesteigert.
Möglichst vor dem Autofahren nicht füttern!!
Sulti kann sich ihr Futter beim Üben verdienen - ihr könnt z. B. Suchspiele mit ihr machen.
Hunde lieben das - vor allen Dingen Jagdhunde.
So könnt ihr z. B. Fährten legen - das lastet geistig aus und macht schön müde.
Und wenn Sulti im Auto schön lieb ist, dann könnt ihr sie dort mit ihrem Futter als Leckerchen bestärken.
Wenn sie nicht gerne ins Auto steigt - nicht drängen, nicht reintragen. Leckerchen reinschmeißen und stimmlich motivieren.
Ihr könnt sie auch mal im Auto füttern - dann verbindet sie auch das Auto mit etwas Positivem.

Liebe Anja, Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten, dem Hund zu helfen.
Dieses war jetzt ein kleiner Bruchteil davon!

Wenn noch Fragen sind - nur zu!

Bis dahin, liebe Grüße von Ina
Hundetrainerin