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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hoffnung- Trauer - Licht



Catjuscha
15.08.2002, 13:54
Eure Zuschriften haben mich sehr bewegt. Es ist so gut zu wissen, daß doch für viele Menschen das Tier einen hohen Stellenwert hat.
Vor nunmehr fast einem Jahr mußte ich meinen geliebten Kater Felix einschläfern lassen. Innerhalb einer Woche wurde er so krank, daß es keine Hoffnung auf Besserung mehr gab. Ich konnte nicht mehr mehr für ihn tun, als ihn loszulassen in eine andere Welt. Aber es war grausam. Und auch jetzt kommen mir die Tränen, wenn ich nur daran denke. Felix hat mir in seinem Leben immer beigestanden, war mein Vertrauter, mein Freund, mein Schmusebär, mein kleiner Therapeut, mein Kamerad in alles Lebenslagen. Als mein Mann starb, wich Felix nicht von meiner Seite. Er und die 3 anderen Katzen waren immer in meiner Nähe. Ich hatte immer jemand von ihnen bei mir. Als unser Collie starb, setzte sich Felix zu ihm an den Kopf, machte "Dutzköpfchen" mit ihm und blieb bei ihm sitzen, bis er tot war. Anschließend kam er mich trösten. Er verstand alles, hörte oft besser als unser Hund. Mit ihm starb ein Teil von mir, und ich fiel in starke Depressionen. Meine Umgebung zeigte dafür nur ein paar Tage lang Verständnis. Dann sollte ich mich nicht "so anstellen", denn schließlich wäre es kein Mensch gewesen. Für mich aber war er mein Kind...
Seit ca. 3 Wochen habe ich ein Wildkaterchen im Haus. Seine Mama hat ihn im Garten geboren und aufgezogen. Klar, daß ich ihr ein wenig dabei unter die Pfoten gegriffen habe. Seine Geschwister sind inzwischen so gut wie vermittelt. Die konnte ich nicht auch noch behalten. In den Wochen, als Mimimama ihre Jungen hatte, kam wieder etwas Sonne in meine Seele. Und ich bin der festen Überzeugung, daß mein Felix beim Fangen von Aljoscha seine Pfoten hilfreich im Spiel hatte. Er hat mir das Baby quasi ausgesucht. Der Kleine macht sich sehr gut, wird von den anderen akzeptiert. Mit dem 9 jahre alten Kater verbindet ihn schon ein kumpeliges Verhältnis.
Und ich merke, wie sich der Schmerz um Felix langsam legt. Er fehlt mir noch immer jeden Tag, aber ich weiß, daß er irgendwie doch noch bei uns ist...

teffito
15.08.2002, 16:48
Hallo Catjuscha,

So schlimm der Tod eines unserer liebsten Tiere auch ist, so sehr wir sie vermissen und um sie trauern, oft kann uns erst die Verantwortung für ein neues, junges Lebewesen aus unserer Trauer reißen. Selbst andere Tiere, für die wir die bereits Verantwortung haben können diese Lücke oftmals nicht füllen.
Felix hat sicherlich seine Pfoten mit im Spiel gehabt, als Du den kleinen gefangen hast. Auch er konnte Dich nicht länger leiden sehen.

Ich wünsche Euch alles Gute und eine schöne gemeinsame Zeit.

Steffi

Enya
15.08.2002, 19:54
Hallo Catjucha,
kann mich den Worten von teffito nur anschließen. Dein verstorbeneer Kater hat mit Sicherheit seine Finger im Spiel gehabt.
Ich wünsche dir eine glückliche Zeit mit denen Süßen

Sarah_41
15.08.2002, 22:32
Ach, Catjuscha *seufz*, wie gut kann ich Dich verstehen. Genau heute ist es eine Woche her, genau um diese Uhrzeit standen wir in der Notfallklinik und mußten die Entscheidung treffen, unseren geliebten Freddie nach einem Autounfall einschläfern zu lassen ... was für ein Schmerz ... Leere ... Verlust, ach, ich muß schon wieder weinen. Er fehlt uns so.

Ja, ja, die "lieben, wohlmeinenden Mitmenschen", wie sehr ich das hasse. Ein solcher Spruch und ich schlag' zu, zumindest verbal ...

Wahrscheinlich sitzen unsere Schätzchen auf einer Wiese, spielen miteinander und fangen seelig ihre Mäuschen, das stell' ich mir jedenfalls vor.

All' mein Mitgefühl für Dich ...

Liebe Grüße
Sarah_41

Catjuscha
22.08.2002, 14:09
liebe sarah,
erst einmal herzlichen dank für deine anteilnahme. auch den vorgehenden schreibern ein liebes dankeschön. :-)
sarah, ich drücke dich einfach mal lieb.
du konntest dich ja noch nicht einmal ein klein wenig auf den abschied vorbereiten. das ist wohl mit am schlimmsten.
damals , vor 9 jahren, kam mein phillipepe nicht mehr heim. die ungewißheit war schrecklich. in mein tagebuch schrieb ich seinerzeit: wenn ich nur wüßte wo du bist, dann hätte ich diese angst nicht mehr so. auch wenn die nachricht von deinem tod käme wäre das schlimm, aber ich müßte mir keine sorgen mehr darüber machen, ob du irgendwo verletzt liegst, gefangen wurdest, in einem labor bist, oder du eingesperrt bist...
2 tage später bekam ich den bescheid, daß er schon ein paar tage vorher überfahren worden war. ich konnte ihn nicht finden, weil er vom fahrer mitgenommen und beerdigt worden war. nach seiner aussage und der aussage von zeugen, lief phillipepe mit einem mäuschen im mund über die strasse. er war auf dem heimweg...
es dauerte sehr lange, bis ich einigermaßen damit zurecht kam.
wir holtn und ein kleines katerchen von einem bauernhof. kein tier kann das "alte" ersetzen, jedes hat seine ureigene persönlichkeit. aber es lenkt ab, fordert. und außerdem ist kein mensch so ehrlich wie ein tier. da gibt es keine falschheit, keine lügen. man wird genommen wie man ist mit all seinen inneren und äußeren "mängeln". der soziale status spielt für ein tier keine rolle. es akzeptiert und liebt uns, oder auch nicht. da kann sich der mensch eine dicke scheibe von abschneiden.
du hast richtig gehandelt in dem du dei tierchen hast gehen lassen.
wenn du magst, können wir gerne per mail kontakt aufnehem.
catjuscha@web.de

Liebe heißt auch loslassen zu können.

SilVi
22.08.2002, 22:16
kein tier kann das "alte" ersetzen, jedes hat seine ureigene persönlichkeit. aber es lenkt ab, fordert. und außerdem ist kein mensch so ehrlich wie ein tier. da gibt es keine falschheit, keine lügen.

Catjuscha,
Du sprichst mir wirklich aus dem Herzen...
Vor genau einem Jahr und 2 Tagen (20.08.'01) mussten wir unsere schwerkranke Katze Pallina einschläfern lassen. Sie hatte mich 16 Jahre lang, das heißt über die Hälfte meines Lebens, begleitet.
Übermorgen feiern wir den Einzug von Tina in unsere Familie. Da ich ihr Geburtsdatum nicht kenne (sie war ein Tierheimkätzchen), wird eben der Tag unserer ersten Begegnung gefeiert. Ich denke, meine Pallina hat mir an dem Tag von der Regenbogenbrücke wohl bei der Wahl geholfen...
Und doch war die Entscheidung, mir ein anderes Tier zu holen, gleichzeitig schwer und schön... Damals mit meiner ersten Katze war ich ein 13-jähriges Mädchen, weder ich noch meine Eltern wussten, was es wirklich bedeutet, eine Katze zu haben. Aber jetzt weiß ich, wie es ist, wenn man den Wecker mitten in der Nacht stellt, um nachzuschauen, ob sie gefressen hat. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn sie vor Dir Angst hat, wenn Du die Infusionenflasche in der Hand hältst - denn du bist dafür zuständig.
Als ich vor nun fast einem Jahr Tina gewählt habe, habe ich gleich ALLES akzeptiert, das Schöne und das Traurige, was (hoffentlich so spät wie möglich) auf uns zukommen wird. Dieses Bewusstsein ist schön und traurig gleichzeitig. Aber ich bin froh, dass ich mich für eine neue Katze entschieden habe. Ich bin froh, dass es die Tina war, denn ich liebe sie so, wie sie ist, und dasselbe gilt, denke ich mal, von ihr.
Ich fühle mit Dir.

Liebe Grüße

Silvia