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kathy-huber
14.08.2002, 15:50
Hallo an Alle!

Mein 11-jähriger Wallach (E-A Dressur) hat eine recht spitze Kruppe mit leicht herausgestellter und steier Hinterhand. Er verfügt über relativ wenig Schub aus der Hinterhand (das Pferd ist auch 1.87m groß). Er ist auch wenig wendig.

Mein Problem ist eben, dass der Wallach mit der Hinterhand kaum Schwung herbringt (schleift die Hinterbeine mehr oder weniger nur im Sand mit; wenn sie nicht angewachsen wären würden sie wohl im Sand liegen bleiben...) Ich dachte immer er ist relativ losgelassen, doch gerade bei Übergängen in den Gangarten und zwischen den Gangarten bedarf es schon rechter Müh meinerseits (Schenkeldruck reicht trotz mehrerer vorbereitenden Paraden kaum aus; da muss ich meistets schon mit der Stimme und der Gerte nachhelfen) ihn vorwärts zu bekommen. Er ist eben sehr triebig (habe ihn gesundheitlich checken lassen; alles o.k; auch die Futterration stimmt. Er hat täglich mehr als 5 Std. Koppelgang und lebt mit Artgenossen in einer Box mit Paddock; auch die Ausrüstung passt)
Wie kann ich ihn zu mehr Mitrbeit motivieren? Versuche auch immer wieder an den langen Seiten zuzulegen. Doch dazu muss ich schon ziemlich heftig mit der Gerte auffordern. Meine Reitlehrerin meinte ich sollte lieber einmal kräftig treiben als dauernd. Das versteh ich ja; doch ist es einfach unmöglich ihn vom Schritt (gebe die Gelopphilfe genau in dem Moment wo die Phase/Fussfolge Schritt-Galopp (z.B. 3-Beinstütze) übereinstimmt) in den Galopp zu bringen: entweder macht ein paar Tritte Schlachtertrab oder er wird einfach schneller im Trab. Ich versuche ihn dann wieder zurückzuführen und gebe erneut eine Galopphilfe. Doch meist führt erst ein Gertenschlag (wirklich ein Schlag; ein Klaps rührt ihn nicht einmal zum Ohrenzucken) zum Erfolg. An einer festen Hand meinerseits kann es eigentlich nicht liegen (sagt auch meine Reitlehrerin); er geht auch in schöner leichter Anlehnung mit leicht tätigem Maul und nimmt das Gebiss willig an. Das Durchparieren in eine niedrigere Gangart oder auch nur innerhalb den Gangarten stellt kein Problem dar (im Gegenteil: ich brauch es mir nur ansatzweise zu denken und 1x durchschnaufen, da pariert er schon durch) Das funktioniert zwar nicht immer vorbildhaft (jedes 2. mal kommt er auf die Vorhand). Ich komme deshalb auch nicht geschlossen zum Stehen (da kann ich mein Kreuz noch so sehr anspannen). Meißt steht der linke Hinterfuß heraus (eigentlich immer nur der linke). Wenn ich noch mehr Schenkel zum Halten einsetze denkt er schon wieder er muss weitergehn! Soll ich denn die Zügel länger anhaltend annehmen? Kommen einfach nur die vorbereitenden Paraden nicht durch?
Was für Übungen kann ich machen damit das Pferd mit der Hinterhand mehr unter den Schwerpunkt kommt? Oder kann das Pferd auf Grund seines Körperbaus gar nicht anders? Ist es womöglich nie in der Lage dressurmäßig schwierigere Lektionen (mit Versammlung) zu gehen? Es ist auch ein klein wenig Vorhandlstig mit schmaler Brust. Es ist auch noch nicht gerade gerichtet; hat eine Schiefe nach rechts. Welche gymnastizierenden Übungen kann ich machen?

Werde bei der nächsten Reitstunde auch meine Reitlhrerin fragen. Mich würden eure Meinungen, Tips sehr interessieren!

Danke im Voraus!

Kyra
14.08.2002, 16:58
Hi Kathy!
Hat dein Wallach diese Probleme schon immer? Für mich hört sich das so an, als wäre dein Pferd "schief". Natürlich ist kein Körper perfekt symmetrisch, aber ein Pferd ist eben mehr, ein anderes weniger schief. Läuft dein Pferd auf einer Seite besser? Galoppiert es lieber im Rechts- oder Linksgalopp? Sitzt du vielleicht schief? Nimm mal die Enden einer Gerte in beide Hände und halte sie waagrecht über deinen Kopf. Jetzt soll sich ein Helfer direkt hinter dein Pferd stellen und dich korrigieren: Ist die Gerte krumm, dann sitzt du nicht gerade. In dem Fall musst du an deinem Sitz arbeiten. Ist das nicht der Fall, sattle dein Pferd ab und stell dich auf einen Hocker direkt hinter ihm. Wenn du von hinten-oben auf das Becken deines Wallachs schaust, ist er vielleicht krumm? (Dazu muss er allerdings alle vier Beine gleichzeitig belasten) Wandere mit den Augen die Wirbelsäule deines Pferdes entlang; kippt die Mähne, hängt der Schweif schief? In diesem Falle würde ich dir das Buch "Anatomisch richtiges Reiten" von K. Schöneich und G. Rachen empfehlen. Darin sind Übungen aufgezeigt, wie du dein Pferd anatomisch korrekt gerade richtest. Zum Körperbau: Ist dein Wallach ein eher schweres Pferd? Es gibt ja recht "bullige" Großpferde, die nicht in der Lage sind, Übungen der höheren Dressurklassen auszuführen. Das sind dann die Pferde, die einen eher steifen Rücken bei sonst viel Muskeln haben. Um die Hinterhand mehr unter den Schwerpunkt zu bringen, würde ich Bodenarbeit nach Hempfling machen. Dadurch bekommt dein Großer auch gleich mehr Aufrichtung und Hankenbiegung.
Hoffentlich hilft dir das erst mal,
Bye, Kyra

kathy-huber
14.08.2002, 17:26
Hallo Kyra,

erstmals vielen, lieben Dank für deine Antwort.

Das Pferd hat eine ganz minimale "natürliche Schiefe" wie meine Reitlehrerin gesagt hat. Es wurde wohl auch bei den Vorbesitzern nie nie richtig gerade gerichtet. Dabei tritt es (wie bereits beschrieben) mit der rechten Hinterhand weiter rechts, also nicht in der Spur der Vorhand.
Seine Schokoladenseite ist die linke. Wie du geschrieben hast galoppiert er links lieber als rechts. Ich denke nicht dass ich schief sitze, habe ich doch neulich erst ein Lob für meinen mittlerweilen recht guten Grundsitz bekommen (wurde nämlich in letzter Zeit viel auf den Sitz hin longiert). Werden den Tip mit den Gerten trotzdem ausprobieren.
Das Becken ist nicht "krumm"; haben wir erst neulich wieder die Fortschritte des Muskelaufbaus begutachtet. Auch ansonsten ist alles o.k., denn ich habe eine Osteopathin kommen lassen um sich das Pferd anschauen lassen weil ich Angst hatte dass etwas fehl und ich das Pferd zu Unrecht zu etwas bringen will was es nicht kann. Schwer ist das Pferd nicht; im Gegenteil: es könnte ruhig noch mehr haben. Haben es vor einm Monat gewogen. Also an einem festen Rücken kann es glaub ich nicht liegen denn er schwingt im Rücken mit (zwar dauer es immer eine Weile aber nach einer halben Stunde macht er mit).
K. F. Hempfling sagt mir was (habe auch ein Video "Körpersprache"); habe das Pferd auch viel gearbeitet um die Rückenmuskulatur aufzubauen.
Doch bei der Schwungentfaltung "haperts" (wie man in Bayern sagt) einfach!?!?!?!?!?

kathy-huber
14.08.2002, 17:28
Ach ja: es handelt sich übrigends um den Fuchs der auch links zu sehen ist.

Kyra
14.08.2002, 22:06
Hi Kathy!
Erstmal: dein Pferd ist ja total süß! Er sieht gar nicht nach "sooo groß" aus! Zweitens: Leih dir doch mal das Buch "Mit Pferden tanzen" von Hempfling aus! Es ist ziemlich teuer, die Anschaffung würde sich aber lohnen. Darin ist sehr schön beschrieben, wie man mehr Hinterhandaktion erreicht; gleichzeitig bekommt man ein noch besseres Verhältnis zu seinem Pferd. Bei mir und meinem ehemaligen Pflegepferd hat das tierisch was gebracht, seine ganze Balance wurde besser. Mir fiel gerade noch etwas ein: Vielleicht braucht dein Pferd wieder etwas Abwechslung? Arbeitest du zur Zeit viel in der Bahn? Falls ja, würde ich mal wieder einen schönen, langen Ausritt machen, oder etwas anderes, das ihm Spass macht, wie zum Beispiel Bodenarbeit.
Bye,
Kyra

Kyra
23.08.2002, 13:02
Hi Kathy!
Ich bin`s schon wieder... Hat sich das mit der Hinterhand schon etwas gebessert? Oder ist noch alles beim alten?
Bye,
Kyra

Effenberk
24.08.2002, 17:20
Hier ein paar Tipps:

Geraderichten:
- Beim Geraderichten musst Du immer die Vorhand in die Spur der Hinterhand führen, nie umgekehrt.
- Gute Übungen zur Geraderichtung sind v.a. viele gebogene Linien (Zirkel, Schlangenlinien...) im Trab und Galopp.
- Am Anfang lasse Dein Pferd oft den inneren Schenkel weichen.
- Gut für die Geraderichtung des Pferdes auf gebogenen Linien sind Schulter vor und Schulter herein.
- Ideal sind auch Zirkel vergrößern und verkleinern im Trab und Galopp.
- Ebenso gut ist Cavalettiarbeit und das Reiten im Galopp im Gelände (vor allem auch bergab !!). Dadurch verbessert sich auch die Trittsicherheit.
- In der Bahn helfen auch häufige Wechsel von geraden und gebogenen Linien, sowie Tempo zulegen und einfangen.

Zur Verbesserung von Schwung:
- häufiges Zulegen und Wiedereinfangen im Trab und Galopp
- vor allem im Galopp Tempounterschiede auf gebogenen Linien !

Zu Deinem Problem: Schwer zu Treibendes Pferd
Das Problem habe ich auch gehabt. Meine Reitlehrerin meint, es ist nur Erziehungssache.
- Fange von Stehen an und gib nur 1x wenig Druck mit Deinem Bein zum anreiten. Wenn das Pferd nicht fleißig (!!) vorwärtsgeht, kommt ein einmaliger aber starker (!!) Schlag mit der Gerte hinter Deinen Schenkel. Halte dann wieder an und versuche es erneut.
- wichtig ist, dass Du konsequent dabeibleibst - und nicht nur wenn Du Lust hast.
- wenn es vom Halten zum Schritt geht, machst Du das gleiche zum Trab und dann zum Galopp.
- nach einer Weile wird Dein Pferd besser lernen, Deine treibenden Hilfen zu akzeptieren.
- wichtig ist aber: besser ist jeweils nur 1 Schlag mit der Gerte - aber dafür KRÄFTIG, als 5 kleine Schläge - die bringen nichts.

Ich hoffe Dir etwas geholfen zu haben.

Horéemausi
10.10.2002, 22:25
Hallo!
In der letztenreiter revue war ein extra mit dem thema triebigkeit. vielleicht hilft dir das!man kann das heft auch nachbestellen, falls du es nicht bekommst!
außerdem könnte man versuchen ein bisschen mit sporen zu arbeiten (vorsichtig, natürlich!!!!!!!!!!!!!!!!!!), die aktivieren die hinterhand ja auch!
viel glück noch,:D