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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schleppleinentraining



Miss P.
13.08.2002, 18:57
Ich habe eine Retriever-Mix Hündin(1Jahr).Wir üben von Anfang an mit der Schleppleine aber der Jagdtrieb ist so stark,daß ich langsam verzweifle. Dieser Hund sieht nur Vögel. Fahrradfahrer ,andere Hunde usw. sind nicht interessant.
Es soll ja Hunde geben die man nie von der Leine lassen kann. Ich würde ihr und mir das gerne ersparen.
Gruß Nanni

Thea
13.08.2002, 19:55
Hallo,
wie wäre es denn, wenn du versuchst mit Leckerchen die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich zu lenken, also zu versuchen für den Hund interessanter als die Vögel zu sein. Hast du das Schleppleinentraining richtig angefangen?. ich kann dir das Buch "Kosmos-Erziehungsprogramm für den Hund " von Nicole Hoefs empfehlen, da ist es genau beschrieben. Fange vor allem in reizarmer Gegend an (obwohl vogelfrei ist schon schwierig). Hat sie denn mal Jagderfolg gehabt?

Miss P.
14.08.2002, 14:34
Vielen Dank für den Tip. Ich habe das Kosmos-Erziehungsprogramm und versuche auch danach zu arbeiten.
Meine Hündin hat schon mal einen jungen Vogel erwischt.
Mal abgesehen davon ob ich vielleicht doch was falsch mache,es gibt doch sicher Hunde die gegen Schleppleinentraining resistent sind oder?
Mein Problem ist ,dass ich nach fast einem Jahr ziemlich genervt bin was sich auf das Training nicht .positiv auswirkt

Gruß Nanni:confused:

casper
14.08.2002, 23:40
Hallo,

habe auch das Problem gehabt. Für meinen Hund ist auch alles viel interresanter als ich gewesen.

Ich habe ich damit ablenken können:

Lieblingsspielzeug mitgenommen, oder Stöckchen geholt und immer wenn er fein neben mir gelaufen ist hat er es bekommen, sobald er vornweg rennen wollte habe ich ihm das wieder abgenommen, Mein Hund will keine Leckerlies draußen haben, da er viel zu aufgeregt ist.

Wo kommst Du her?

Kenn einen Hundetrainer, der nur mit solcher Leine Arbeitet, habe meine Hündin danach erzogen, das ist einfach supergenial, bin zu dem Trainer aber auch 2 Stunden gefahren, er hat mir vieles erklärt und auch gezeigt.

Grüße wrinnie

cheroks
18.08.2002, 16:39
Hallo Nanni,
vielleicht ist das Schleppleinentraining für euch wirklich nicht die beste Methode. Lass es lieber, denn es fürt nicht zum Erfolg. Es gibt ja noch andere Möglichkeiten, man kann ja auch typgerichtet durch andere Übungen das gleiche lernen,und vielleicht macht ihm etwas anderes mehr Spass, z.B. apportiert er gerne? Was für ein Typ ist er, z.B. schwer, leicht, nervös, freudig aufgeregt, sensibel, eher dickfellig etc.
kennt er pfeifen?
Ganz wichtig, wie gut hört er sonst? Nur dann nicht, wenn er Vögel sieht? Oder nie, wenn er draußen ist?.....

Miss P.
19.08.2002, 15:36
Hallo,
meine Hündin ist sehr lebhaft ,wenig geduldig und manchmal nervös.Deshalb war das auch mit der Schleppleine so nervenaufreibend.
Meistens interessieren sie nur die Vögel ,sie will sie auch überall aufstöbern ,sie wäre sicher als Jagdhund geeignet aber wir sin d keine Jäger. Es gibt allerdings Tage da hört sie aufs Wort und kommt auf Pfiff,sie kann es also.
Sie hat auch eigenlich Angst mich zu verlieren das merkt man.Wir leben in einer Wild und Vogelreichen Gegend da bricht der Jagdtrieb immer wieder durch.
Apportieren macht ihr auch Spass vielleicht bekommen wir ja nch ein paar gute Tips,ich würde mich freuen

Gruß Nanni

cheroks
20.08.2002, 10:22
Hallo Nanni,
du solltest versuchen ihre hohe Aufmerksamkeit (denn sie ist ja ein eher unruhiger Hund) auf dich zu lenken und das nicht nur auf Spaziergängen, sondern immer und überall. Stell dir eine Spielregel auf die heißt:Nichts ist umsonst. Egal worum es geht, sie muss irgendetwas dafür tun. Damit trainierst du das Kommando-Aktion-Belohnung System. Egal worum es sich handelt, sie muss erst mal Sitz/Platz machen z.B. bevor sie an das Fressnapf darf, lass sie kurz Sitzen, am Anfang mit ruhiger Stimme und eventuell zurückhalten, und erst auf na los darf sie. Damit steigerst du ihre Motivation und sie bringt dich und dein Kommando mit ins Spiel. Sei erfinderisch und mach deine Spielchen mit ihr. Wichtig ist der Ton. Sag ein Kommando nur einmal, aber möglichst hoch motivierend, sieh sie ganau dabei an. Macht sie es sofort, großes Lob/Leckerli. Macht sie es nicht, ignoriere sie! (nicht ansehen, nicht ansprechen, nicht anfassen) Dreh dich um 2-3 Sekunden und versuch es nochmal bis sie es macht Sitzt(bis zu 15) mal. So lernt sie befolgen des Kommandos führt zum Erfolg, nicht befolgen führt zum Misserfolg. Das machst du eine ganze Zeit lang, Tag für Tag, so oft es geht, bei jeder Gelegenheit die sich bietet. Damit schärfst du ihre Aufmerksamkeit auf dich. Fordere sie mehr, füge z.B. deinen Kommandos Sichtzeichen hinzu, achte auf die Betonung, sie sollte immer gleich bleiben. Mach dich zu ihrem Mittelpunkt, von dem immer etwas Positives kommt. Auch der Pfiff ist ein gutes Mittel um ihre Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. Mach ihr klar, wenn der Pfiff ertönt, lohnt es sich zu kommen oder wenigstens dich anzusehen. Denn nur wenn sie auf Empfang umschaltet, kannst du als Sender sie auch erreichen.
Ignoriere sie bewusster auch zuhause, immer wenn sie etwas will. Warte ein paar Minuten und starte du die Interaktion mit ihr. Streichel oder Spiel mit ihr, so oft DU es willst. Besorge dir einen Superball/Spielzeug der nur manchmal zur Verfügung steht und beschäftige dich auf Spaziergängen damit. Lass sie weiterhin an der langen Leine, damit sie ja keinen Jagderfolg hat, aber bündel ihre Aufmerksamkeit auf dich. Pfeiff einmal nach ihr und heb ein Stock auf, kick eine Tannzapfen vor dir her, mach irgendetwas um ihre Neugier zu erwecken . Will sie doch jagen, nutze den Ruck der Leine, den sie unweigerlich spüren wird wenn sie losjachtet, und unterstreiche ihn mit einem deutlichen Nein!!!! Versuch jetzt doch mal etwas ganz merkwürdiges, Pfeiff und renn los, fordere sie zu einem kurzen Wettrennen auf, nimm den Ball aus der Tasche und mache Spass. Lenk ihre Aufmerksamkeit auf dich zurück. Aber bevor sie den Ball bekommt oder auf kurzer Distanz (sie ist ja an der langen Leine)hinterher darf, lass sie Sitzen/Platz etc. So würde ich es versuchen, vielleicht hilft es dir ja.

Miss P.
20.08.2002, 20:05
Vielen Dank für die Ratschläge, wir werden es ausprobieren.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf.Vielleicht wird sie ja auch noch etwas ruhiger mit der Zeit.

Gruß Nanni

Jette
23.08.2002, 19:59
Hallo Nanni!

Das alles kommt mir doch sehr bekannt vor! Ich habe auch eine Goldi-Mix, (auch ein Jahr) was da aber noch alles drin ist, weiß ich nicht. Ich war auch schon so oft kurz vor dem verzweifeln, Sie ist jetzt ein Jahr und ich weiss, dass sie das Herkommen auf jedenfall kann. Aber bei uns ist das Problem nich das Jagen nach Vögeln oder Wild, sondern das Buddeln nach Mäusen. Das macht sie seit Anfang der "Mäuse-Saison" bis zum Umfallen und ich bin absolut uninteressant. Ich könnte kilometerweit laufen, rumrennen, rufen, hüpfen, das alles ist, wenn sie am buddeln ist, ihr scheiss-egal. Und dann gibt es wieder Tage, da hört sie wie ne Eins. Wir haben die Schleppleine seit über einem halben Jahr und es ist noch kein Ende in Sicht, weil ich sie Stück für Stück abschneide, immer alle 4 Wochen 40cm oder so. Es ist aber schon viiiiel besser geworden. Mitlerweile verlässt sie sogar das Mauseloch, wenn ich rufe. Nicht immer, aber schon öfter! :D STOLZ
Ich hab angefangen, ihr als Belohnung eine Runde Wettrennen mit mir zu machen. Mir ist aufgefallen, das sie eine bestimmte Sorte von Belohnung sehr schnell langweilt. Deshalb muss ich ständig wechseln. Mal Leckerlis, dann wieder rumrennen und verrückt rumscheuchen. Da bin ich plötzlich unglaublich interessant!
Mit dem Clicker haben wirs auch mal ne weile versucht, aber nicht so, wie er eigentlich benützt wird. Ich hab sie gerufen und wenn sie dawar gleich geclickt und Leckerli. Das hat auch ne weile geklappt.
Also, wie du siehst, acuh bei mir heisst es: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Dieser Spruch ist mittlerweile mein lieblingsspruch. Irgenwann können wir über diese Zeit lachen und stol sein, das wir es hingekriegt haben!!!:p

Viel Glück weiterhin und halte durch!
steffi

Nina B.
24.08.2002, 00:00
Hi Maren!Ich kenn das,man übt und übt...Mittlerweile dank Alpha habe ich einiges begriffen:Gerade was den Jagdtrieb angeht,sagt er,daß das ja ein elementares Ding in der Rangordnung sei-wer "OBEN" steht,bestimmt was gejagt wird.Wenn ich also oben stehe-und das tue ich endlich-wird nie gejagt,es sei denn,ich befehle es!das ist doch ganz einfach.Eine Schleppleine ist also nur einm fauler Trick,um ein Symptom zu heilen-die Ursache bekommt man dauerhaft über die richtige Rangordnungsregelung hin.Ist das veständlich?Frag mal Alpha,er kann Dir das besser erklären.ich habe seine Dinge befolgt und mein Hund ist nun ein guter Jagdhund,´jedoch kein selbständig Jagender geschweige denn Wildender.Wenn man erstmal Alphas Sichtweise begriffen hat und zulässt,also vorallem all seine millionen Fehler sehen kann,ist alles kein Problem und die Schleppleine nur ein lächerlicher fauler Trick,nicht mehr und nicht weniger.Ich hoffe,Du verstehst,was ich meine,weil es ist nicht böse gemeint,nur stellt man schnell fest,daß man einfach keine Ahnung hat wie die Leute hier.
Viel Erfolg

Thea
24.08.2002, 08:48
Hallo
@Maren: Du musst nicht unbedignt Alpha fragen, das Thema Rangordnung als Wurzel allen Übels in der Hund-Mensch-Beziehung kannst du sehr gut in dem Buch "Mit Hunden sprechen" von Jan Fennell nachlesen. Das hat bei uns auch den Durchbruch gebracht, weil man wirklich nicht unbedingt merkt, wobei der Hund überall seine Dominanz ausdrückt.

@Nina: Das der Alphahund, in unseren Fällen hoffentlich immer der Mensch die Jagd anführt hat nicht dein Hundegott Alpha entdeckt!! Ist ja schön, wenn er in deinen Augen hier die meiste Hundeerfahrung hat (jedem seinen Guru), aber stell doch bitte nicht deswegen alle anderen Forumsteilnehmer als unwissend da

cheroks
26.08.2002, 00:20
Ich möchte jetzt auch noch mal meine Version zum Thema Dominanz los werden.
Dominanz ist nicht gleich Ungehorsam.
Echte Dominanz zeigt sich nicht durch Beute nicht apportieren, nicht kommen wenn man gerufen wird, Jagen obwohl man es nicht soll, Bellen, Anspringen... etc das sind alles Verhaltensweisen die für den Hund in irgendeiner Weise zu einem besseren Wohlbefinden führen(Jagen, obwohl er es lassen soll, aber warum denn jetzt Sitz machen wo es doch so lustig ist? Anspringen um Kontakt aufzunehemen, egal ob im netten Ton oder schimpfend, der Kontakt ist aufjeden Fall hergestellt) Verhaltensweisen kann man lenken, durch Lernprozesse, denn genau so hat er dieses Verhalten ja auch gelernt durch ständiges wiederholen mit Erfolg!!!. Dominanzverhalten zeigt sich durch Aggression dem Menschen gegenüber, wenn der Hund knurrt, droht, starrt etc.(ernsthaft und nicht im Spiel) wenn er etwas vor seinem Menschen beschützt wie Knochen, Schlafplatz, Ball, Anfassen, Fressen etc. Den dominanten Rudelführer, wie der Wolf, der immer auf der Hut sein muss nicht gestürzt zu werden, gibt es bei den "normalen" Gebrauchshunderassen und Mix so gut wie gar nicht. Genetisch sind Hund und Wolf sehr unterschiedlich und die Zucht hat im laufe der Jahre ihr übriges getan um das urwölfische Unvertrauen in Menschen und die Dominanz herrauszuzüchten. Wenn mein Hund nicht tut was ich sage, halte ich ihm nicht die Schnauze zu, bevor er es nicht richtig gelernt hat. Und ich glaube, hier liegt meistens der Fehler. Denn das erste hinterherrennen, wenn er eine Beute aufgetan hat, merkt er sich! Der erste richtige Schnauzengriff mit 10 - 12 Wochen schafft meiner Meinung nicht die richtige Basis. Denn er soll ja lernen, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen, wenn ich es will, ohne Dominanzgeste und du tust was ich dir sage. Das kann man auch über den Lernerfolg machen, in dem man seinen Hund lehrt, wie man sich Verhält. Ich bin der Meinung, man muss für seinen Hund nicht den Wolf machen. Man muss einen Hund positiv Konditionieren und Ignorieren. Auf eine Dominanzaggression muss einen klare und zweifelsfreie Dominanzgeste des Menschen erfolgen, aber auf ein übersteigertes Verhalten damit zu reagieren, zeigt eindeutig, das der Mensch einen Fehler gemacht hat und man sollte erst einmal über eine alternative Erziehungsmethode nachdenken, bevor man seinem Hund dominiert und von ihm erwartet, jetzt damit aufzuhören nur weil der Mensch es so will. (Kadavergehorsam) Ein Wolfsrudelführer steht auf und gehr zur Jagd, der Rest sieht zu, dass er hinterherkommt. Viele Hunde verstehen vielleicht unter dem Jacke anziehen des Menschen und Gassi gehen ein Aufbruch zur Jagd (Warum hielten sich Menschen denn überhaupt Hunde? da man sie leicht abrichten kann und sie den erlegten Vogel zurück bringen und ihn nicht selbst auffressen. )
Es gibt immer mehrere Wege und Ansichten

Thomas
26.08.2002, 01:59
Sehr gut, sehr gut. Eins - setzen! ;)

Ich möchte zum Thema Dominanz noch hinzufügen, das selbigem Begriff von vielen Hundehaltern leider ein einseitig negatives Ettikett angehängt wird. Dominanz bedeutet für mich nicht immer nur etwas schlechtes bzw. nicht wünschenswertes. Ich finde, das sich z.b. mit einem "dominaten" Tier viel zielgerichteter, effektiver und letztlich sogar leichter trainieren lässt, verglichen mit einem eher schwächeren Tier. Will sagen, nicht Dominanz sollte von HF bekämpft/gemassregelt werden sondern unerwünschte Verhaltensweisen. Dies sind, wie ich finde, 2 unterschiedliche Paar Schuhe. Ein Tier darf meines Erachtens so dominant sein wie es will, warum sollte ich gegen die Dominanz vorgehen solang ich als Rudelführer über dem Tier stehe und die Rangordnung jederzeit zweifelsfrei klar ist?. Also Dominanz ist nicht gleich "böse". Das Problem sind doch im Prinzip die Hundehalter, sie oftmals nicht in der Lage sind, die Dominanz ihres Tieres in die richtigen Bahnen zu lenken und "Gewinn" daraus zu ziehen.

Nacht!
Thomas

PS. Mein eigener Hund ist nicht sonderlich dominant. Eher im Gegenteil, es dürfte ruhig "ein Pfund" mehr sein. Auf der anderen Seite bin ich auch wieder froh drum, da ich (im Prinzip Hundeeinsteiger, da "Ersthundbesitzer"), ansonsten gerade in der Anfangszeit evtl. eher Probleme bekommen hätte und diese vermeindlichen Probleme -mangels Erfahrung/Wissen- nicht als Chancen erkannt hätte...

Ulla
26.08.2002, 03:00
Also wenn das so ist wie ihr schreibt, dann habe ich mit meinem Rüden ein Dominanzproblem und gleichzeitig auch keins :confused: Er ist zum einem anderen Rüden gegenüber manchmal recht aggresiv ( er sucht sich seine "Opfer" aus), allerdings nicht bei jedem Rüden, andererseits ist er zuhause absolut unterwüfig. Ich habe schon einiges ausprobiert, ihm diese "Verhaltensweise" abzugewöhnen, hatte aber noch keinen durchschlagende Erfolg. Auch die Kastration vor rund zwei Monaten hat noch nicht so wahnsinnig viel gebraucht obwohl er seitdem viel besser zu kontrollieren ist und auch schon etwas ausgeglichener scheint. Ich weiß was ihr jetzt denkt, daß das gerade bei einem so "alten" Rüden (über drei Jahre) etwas länger dauern kann, bis sich eine Kastration richtig auswirkt.

Aber meine eigentliche Frage ist ja: habe ich ein Dominanzproblem mit ihm? Er ist zuhause absolut lieb und gehorcht auf jedes (!) Wort und hat auch gegenüber meiner Hündin nichts zu melden, ist also eigentlich total lieb nur wenn er sein Revier (und das dehnt er ziemlich weit aus) oder "seine" Hündin von einem anderen Rüden bedroht sieht kennt er keine Gnade (und auch sein Frauchen) nicht mehr.

Wißt ihr Rat??? Oder kann mir jemand sagen, was da falsch gelaufen ist. Er war vom ersten Tag bei uns (im Alter von neuen Wochen) immer mit großen, kleinen, alten und jungen Hunden zusammen. Auch bin ich mit ihm zu einer Welpengruppe und später Junghundgruppe bzw. Hundeschule gegangen. Mangelnde Sozialisierung kann es also nicht sein, oder? Er hatte allerdings im Alter von vier oder fünf Monaten ein ziemlich negatives Erlebnis: er wurde von einem ausgewachsenen Briard regelrecht verprügelt bzw. auf übelste Art gebissen und ist mir in dieser Situation auch weggelaufen. Bin ich jetzt ein schlechter Rudelführer, weil ich ihn damals nicht beschützen konnte und glaubt er jetzt er könne sich nicht auf mich verlassen. Oder hat das in ihm etwas ausgelöst wie "dann beiß ich lieber gleich bevor der andere mich beißt" (=Angstbeißer). Ich habe allerdings eher den Eindruck, daß er nur auf Rüden losgeht, die von vornherein irgendeine Schwäche zeigen und das nutzt er dann gnadenlos aus.

Bin für jede Antwort dankbar

Ulla

cheroks
27.08.2002, 09:50
Hallo Ulla,
um was für eine Rasse handelt es sich denn bei deinem Rüden und was unternimmst du in solchen Situationen? Im Vorwege, ich halte das Verhalten von deinem Hund als Erziehungsproblem. Es hat zwar etwas mit Dominanz zu tun, aber die richtet sich nicht gegen dich, sondern gegen andere Rüden.

volker
27.08.2002, 10:27
Hallo!

Die geführte Diskussion finde ich sehr interessant, und habe auch noch etwas zu sagen.

Hunde sind vielleicht doch nicht ganz so einfach als dominant oder nicht dominant einzustufen.

Die Wichtigkeit der Dominanz sollte auch nicht überbewertet werden. Ich gebe Thomas völlig recht wenn er sagt, daß ein dominanter Hund nichts nachteiliges ist. Da ein Hund mit starker Dominanz ( ich bezeichne es lieber als Selbstbewußtsein) wesentlich leichter bei der Arbeit zu führen ist als ein Hund der nicht dominant ist ( Mehr dominanz bedeutet für mich mehr Trieb und Leidenschaft welche ich nach meinen Bedürfnissen bremsen und lenken kann .

Wenn ein Rüde wie genannt andere Rüden, etc. attakiert ( ohne Grund und ohne unser Verständnis, dürfen wir auch nicht immer gleich nach Erziehungsfehlern suchen, da es oftmals nicht an der Erziehung liegt.

Der Hund verfügt wie jedes Lebewesen, ( das nachfolgende fasse ich in meine Worte) über tausende komplizierte Schaltkreise und es kann nun mal sein, daß er bei bestimmten Situationen anders reagiert, wie wir es vorsehen, sei es ein Kurzschluß oder auch nur ein anderer Gedankengang.

Es gibt numal auch Fehlverhalten bei Hunden, welche ich als Macke, Erbfehler oder auch alsTotalschaden bezeichne.

Da hilft dann jede Erziehung nicht weiter, da der Hund in diesen Momenten sein normales Schema verlässt.

Das gibt es auch bei Menschen.

Also lebt mit der einen oder anderen Macke des Hundes und seid vorausschauend.


Gruß

Volker

Lotta
27.08.2002, 18:20
Hallo Thomas, Volker und ihr anderen,
Dominanz ist meiner Meinung nach nicht die Eigenschaft eines Hundes, sondern beschreibt seine Beziehung zu einem anderen Hund oder Mensch. Ansonsten würde ich wie Volker auch lieber von Selbstbewusstsein sprechen. Ein Hund kann selbstverständlich gleichzeitig die Dominanz seines Menschen voll und ganz anerkennen, und versuchen andere Hunde zu dominieren.
Ob ein Hund meine Dominanz anerkennt, erkenne ich an seinem Sozialverhalten, da stimme ich Cheroks zu. Aber nicht nur am Drohverhalten. Hunde zeigen wie Wölfe eindeutige Zeichen aktiver Unterwerfung, mit denen sie ihrem Chef sozusagen versichern, dass die Rangordnung stabil ist. Dieses Verhalten kennen wir alle, Schwanzwedeln mit mittel- bis niedriger Rute, eine spezielle Mimik mit zurückgelegten Ohren und nach hinten gezogenen Mundwinkeln, Schmauzenstöße in die Mundwinkel (wenn erreichbar), in die Luft, an die Hände, Pfötchengeben usw. Wenn der Hund dieses Verhalten zeigt, ordnet er sich unter, egal was er sonst darf oder nicht darf. Der Rest ist Erziehung, die auf die Dominanz aufbaut, aber nicht von allein kommt.
Mich würde auch interessieren, woher manche wissen, dass immer nur der Alpha (wer eigendlich, Hündin oder Rüde?) eines Rudels bestimmt, wann und was gejagt werden darf. In den Wolfsbeobachtungen, die ich gelesen habe, jagt jeder Wolf des Rudels wann er will Kleintiere wie Mäuse oder Hasen und bringt sie keineswegs dem Alpha, sondern frisst sie selber. Manche Rudel in südlichen Gegenden leben nur von Kleintieren und jagen grundsätzlich allein, jeder wann und wo er will. Trotzdem haben sie stabile Randordungen, verteidigen ihr Territorium und ziehen die Jungen gemeinsam auf. Nur in großwildjagenden Rudeln spielen die beiden Alphas eine wichtige Rolle bei der Jagt, aber auch hier können andere Tiere gelegentlich die Initiative ergreifen.
Wir müssen unseren Hunden unsere Wünsche bezüglich Jagt oder Sozialverhalten deutlich machen, er weiß sie nicht von allein, auch wenn er sich problemlos unterordnet. Das geht tatsächlich durch Konditionierung mit positiver (Belohnung aller Art im richtigen Moment) oder negativer (Bestrafung aller Art

Ulla
27.08.2002, 22:30
@ cheroks

Mein Rüde ist ein Berner-Sennen-Collie-Mix. Ich habe in solchen Situationen schon alles mögliche versucht wie z. B. anschreien - brachte einmal was, aber nur weil er völlig erstaunt war und er ließ sich dann auch problemlos abrufen. Hat beim nächsten Mal überhaupt nichts genützt. Dann habe ich auch mal eine Wurfkette in die Richtung geworfen - kurzes erschrecken, hat aber im Endeffekt nichts gebracht. Dann hatte man mir geraten sofort die Richtung zu wechseln, wenn er einen anderen nur angrummelt - hat zwei oder drei mal funktioniert, seitdem warnte er aber nicht mehr lange vor sondern stürzte sich sofort auf seine "Opfer" und es interessierte ihn auch nicht mehr, ob ich da bin oder weggehe.

Seit der Kastration ist es zumindest soweit besser geworden, daß er sich noch abrufen läßt, wenn er auf einen anderen Hund losstürmt und ich ihn dann anleinen kann. Er zeigt dann auch an der Leine keinerlei Aggressionen dem anderen Hund gegenüber, wenn wir dann aneinander vorbeigehen. Ich bin allerdings so verunsichert (weil leider schon so oft negative Erfahrungen gemacht), daß ich ihn in den letzten Wochen bei jedem fremden Hund ranrufe und anleine. Hunden gegenüber die er kennt und denen wir oft begegnen verhält er sich neutral bzw. beachtet er nicht besonders. Er schnüffelt dann z. B. auch mit einem anderen Rüden zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle und diese ihm bekannten Rüden dürfen dann auch mal an der Hündin riechen usw.

Was also habe ich falsch gemacht bzw. was sollte ich besser machen?

Ulla

volker
28.08.2002, 09:44
Hallo Ulla,

Das verhalten, welches du bei deinem Hund schilderst befinde ich als der Rasse entsprechend nicht außergewöhnlich.

Daß du etwas falsch gemacht haben sollst kann ich nicht erkennen. Wenn dein Hund trotz Sichtkontakt zu einem anderen Hund sich von dir abrufen läßt ( Vorwärtsbewegung) finde ich das hervorragend da es zeigt, daß er in der Hand steht.

Es ist auch korrekt und meiner Meinung nach wichtig deinen Hund beim erscheinen eines anderen Hundes abzurufen und anzuleinen. Indirekt bringst du deinen Hund dadurch in die Unterordnung und stärkst deine Führerrolle.

Ich rufe meinen Hund immer ab und nicht nur wenn andere Hunde erscheinen, sondern bei sämtlichen Begebenheiten.

Wenn du schreiend reagierst geht dein Hund nur weiter weg, es ist das falsche Verhalten von dir und ein großer Fehler.
Ich weiß, daß es schwer ist sich umgekehrt zu verhalten. Aber wenn dein Hund in der Vorwärts Bewegung ist mußt du etwas tun, was er liebt und ihn interressiert ( ich rufe einmal, dann lasse ich seinen Tennisball aufhüpfen, wenn er ihn bemerkt kommt er zurück, macht sitz und ich werfe den Ball dann in die gegengesetzte Richtung ) Das Kommando " "Fuß" mit beendenten "Sitz" ist äußerst wichtig, da es die Ausgangsposition allen Handels für dich und auch für den Hund ist.


Gruß

Volker

cheroks
28.08.2002, 15:30
@ Ulla
Anscheinend hast du ja eine Methode gefunden um mit solchen Situationen klar zu kommen. Wenn das so funktioniert ist doch alles wunderbar. Dein Fehler waren sicherlich, die verschiedensten Methoden, mit denen du versucht hast auf deinen Hund einzuwirken. Wenn ein Hund ein Verhalten an den Tag legt das seine Freiheit so einschränkt, denn ein Hund der ohne ersichtlichen Grund auf einen offensichtlich Schwächeren los geht muss an die Leine, musst du immer in der gleichen Weise reagieren! Denn auch so ein Kommando muss erst mal von dem Hund gelernt und umgesetzt werden. Da es sich ja auch nicht um ein Dominanzproblem zwischen dir und deinem Hund handelt, sondern eher um ein Dominanzproblem zwischen deinem Hund und anderen Hunden, schenke der Situation so wenig Aufmerksamkeit wie möglich, aber greife im richtigen Zeitpunkt ein, so bald er doch mal rückfällig wird. Nicht mit Schimpf und Schande, sondern mit einem deutlichen Nein und weiter gehen.