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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vertragsrücktritt



fuzzy
13.08.2002, 18:23
Hallo,

letzte Woche haben wir uns eine Katze angeschaut. Eigentlich wollten wir uns das Tier nur anschauen. Haben uns dann aber von der Züchterin überreden lassen, einen Vertrag zu unterschreiben. Nach den Richtlinien der Vereine auf die sie sich beruft, gibt es bei ihr Haltungsmängel. Nachdem ich auf der Rückfahrt zum Nachdenken kam, merkte ich, das bei der Züchterin einiges nicht stimmig ist. Jetzt wollten wir vom Kaufvertrag zurücktreten. Dieses ist aber nur möglich, sagt sie, wenn wir auf die Anzahlung verzichten. Wie sie sagt, um die Unkosten die ihr dadurch entstehen zu decken. Muss ich darauf eingehen? Im Kaufvertrag ist keine solche Klausel enthalten. Es ist von Wandlung bei nicht Eingewöhnung die Rede. Sollte sich das Tier sich nicht einleben würde ich Ersatz oder Geld zurück bekommen. Warum nicht auch jetzt? Ohne dem Tier den Stress zu machen?

Angoracat
13.08.2002, 22:04
Hallo Fuzzy,

sorry, wenn ich Dir nun offenherzig antworte.

Ich werde bei Deiner Schilderung das Gefühl nicht los, als wenn Du nun Angst vor Deiner eigenen Courage bekommen hast. Du hast einen Vertrag unterschrieben und bist vielleicht noch nicht bereit für eine Katze, bzw. weitere Katze.

Ich kenne den Züchter nicht, aber wenn die Haltungsmängel derart massiv gewesen sind, dass Du Dich nun daran störst, dann war es verdammt dumm von Dir eine Anzahlung geleistet zu haben und dort eine Katze kaufen zu wollen. Wie oft wird genau vor solchen Züchtern immer wieder gewarnt. Die Chancen Dein Geld wieder zu bekommen sind bei schlampigen Züchtern, ohne Einschalten eines Rechtsanwaltes ziemlich aussichtslos.

Sollten die Mängel aber nicht so massiv und offensichtlich gewesen sein, wie Du uns es hier vielleicht weis machen möchtest, dann denke ich eher, dass Du es bist, der hier kalte Füsse bekommen hat und zu vorschnell einen Vertrag unterzeichnet hat. Dem Züchter in einem solchen Fall Haltungsmängel in die Schuhe schieben zu wollen, um nun mit dem erzeugten Druck die Anzahlung herrauszufordern ist unfair und nicht notwendig.

Je länger der Zeitraum war, desto größer die Chancen und das Recht des Züchters die Anzahlung oder einen Teil davon behalten zu dürfen.

Stell Dir bitte nur einmal vor, dass die Züchterin Anzeigen geschaltet hat um diese Katze zu verkaufen. Sie wird nach Vertragsunterzeichnung allen potentiellen Käufern abgesagt haben und müßte erneut die Anzeigen schalten.

Fakt ist, wenn keine Klausel im Vertrag enthalten war, wieviel Geld der Züchter im Falle eines Rücktrittes vor Übergabe der Katze einbehalten darf und der Züchter ist nicht bereit die Anzahlung herrauszugeben, bleibt Dir nur der Rechtsweg offen.

Wieviel und ob überhaupt Du etwas zurück bekommst, wird dann der Richter entscheiden.

Viel Glück

Quettah
20.08.2002, 01:29
Hallo Fuzzy,

die Rechtslage ist so, daß allein Mängel in der Tierhaltung, mögen diese auch tierschutzwidrig sein oder den Zuchtrichtlinien des Vereins zuwiderlaufen, kein Rücktrittsrecht geben.
Ein solches ergibt sich nur, wenn es entweder vertraglich vereinbart ist - das ist bei Deinem Vertrag aber nur der Fall, wenn sich das Katzerl nicht eingewöhnt.
Oder aber wenn gesetzliche Rücktrittsgründe vorliegen, etwa wenn der Züchter trotz Zahlung nicht liefert und Du ihn vergebens gemahnt hast.
Du mußt die Katze mithin abnehmen, wenn Du es nicht tust, bist Du selbst im Verzug und der Züchter kann Dir die dadurch entstehenden Mehrkosten in Rechnung stellen.
Wenn das Kätzchen bei Übergabe in dem Gesundheitszustand ist, in dem Du es besichtigt hast, dann hast Du auch keine Ansprüche aus Gewährleistung, denn Du hast gewußt worüber Du den Kaufvertrag schließt. So sieht das das BGB nunmal.
Wenn Dir die Zustände aufstoßen, kannst Du Dich nur an den Zuchtwart des Vereins wenden oder, wenn es sehr kraß ist, an das Veterinäramt.
Auswirkungen auf Deinen Vertrag hat das aber nicht.

Cya, Heike & die Katzenfamilie

Carmen
20.08.2002, 19:32
Tag!
Hat man nicht lt. BGB soundso lange das Recht, zurück zu treten? Solltest Du Dich mal bei einem Rechtsberater schlau machen.
Hast Du denn auch angezahlt? Wenn es nicht Vertrag steht, kann sie Dir meiner Meinung nach nichts. Mach Dich aber schlau. Manche haben Erfahrung!!!!

Gruß
Carmen
www.vomgrafenmark.de

Quettah
24.08.2002, 23:18
Hallo Carmen,

leider ist es ein weit verbreiteter Irrtum, daß man innerhalb einer gewissen Frist ohne weiteren Grund stets von einem Vertrag zurücktreten kann. Anscheinend verwechselst Du dies mit Haustürgeschäften, dort gibt es allerdings ein befristetes Widerrufsrecht, welches man ausüben darf ohne einen besonderen Grund dafür zu haben, daß man an dem Vertrag nicht mehr festhalten will. Ich gehe aber mal davon aus, daß die Katze nicht auf diese Weise verkauft wurde.
Ansonsten gilt stets, auch nach der Schuldrechtsreform, daß ein Rücktrittsrecht entweder im Vertrag vereinbart sein muß oder aber in dem Vertragsverhältnis eine Leistungsstörung eingetreten sein muß. Allein die Tierhaltung im Allgemeinen stellt aber eine solche nicht dar, so daß es Kulanz ist, wenn der Züchter mit einer Vertragsauflösung einverstanden ist. Wenn nicht, kann er auf Abnahme des Kittens bestehen, Schadensersatz verlangen und auch ggf. darauf klagen.
Cya, Heike & die Katzenfamilie
www.somalinet.de

Gukamien
17.09.2002, 16:33
Hallo!
Rechte, BGB, Vertragsrücktritt, Satzung, Zustände, Haltungsmängel... - worüber diskutiert Ihr hier eigentlich?
Da ist ein Interessent, der sich eine Katze bei einer Züchterin angesehen, einen Kaufvertrag unterschrieben und eine Anzahlung für ein Tier geleistet hat, welches er im Idealfall viele Jahre beherbergen (!) will. Möglicherweise ist er etwas unentschlossen/schüchtern gewesen und möglicherweise gehört die Züchterin auch zu der doch recht verbreiteten erfahrenen und verkaufstalentierten (!) Spezies, die potentielle Käufer ausführlich und geschickt bearbeiten, so dass er beim Unterschreiben und Portemonnaie zücken seine Sinne nicht recht beisammen hatte? Auf der Fahrt nach Hause kamen ihm dann Zweifel und nun heißt es, er muss entweder diese Katze kaufen oder ist seine Anzahlung los.
Okay - BGB hin oder her, aber wer denkt hier bei den Antwortenden gerade an die Katze?
Wäre ich die Züchterin und der potentielle Käufer käme ein paar Tage (!) nach dem Besichtigungstermin an, um den Kauf rückgängig zu machen, gäbe ich ihm die Anzahlung gern zurück, da er das von mir liebevoll aufgezogene Tier offenbar nicht haben möchte und er mir dann als Käufer auch nicht recht wäre.
In gewissen Situationen kann ich das Einbehalten von Anzahlungen durchaus verstehen, hier aber halte ich sie für dumme Prinzipienreiterei, die dem guten Verhältnis von zukünftigem Katzenbesitzer und Züchter nicht eben zuträglich ist.
Fuzzy: Deine Lehren hast Du sicher aus der Geschichte gezogen: Man sollte einen Katzenkauf GUT überlegen und kein seriöser Züchter hat etwas dagegen, wenn der potentielle Käufer eine Nacht über die Entscheidung schläft.
Ergo: Kein seriöser Züchter überredet (!) seinen Besuch zum Kauf!
Solltest Du die Katze absolut nicht haben wollen, würde ich ihr ein Hin- und Her jetzt bitte ersparen! Bitte kaufe die Katze nicht, nur um nachher (auch aus Prinzip...) zu behaupten, sie habe sich nicht eingelebt und um somit das Geld zurückzubekommen! Dann verzichte bitte zähneknirschend auf die geleistete Anzahlung. Ansonsten - wenn Du die Katze liebhaben wirst: Kauf sie und pass' beim eventuellen nächsten Mal besser auf!
Viel Glück - und nichts für ungut - ich mein's nicht böse, okay?!
Gunda
(die immer wieder gern empfiehlt: Besucht mehrere Züchter und vergleicht!! Lasst Euch nicht überrumpeln und kauft NUR DA, wo Ihr ein wirklich gutes Gefühl habt!!)
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BKH von Gukamien
www.gukamien.de