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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Räudemilben



Monika Scholl
03.08.2002, 22:55
Hallo, wer von euch hat Erfahrung mit Räudemilben?
Mein 6-jähriger Rüde hat eine Hautpilz-Infektion, die mit entsprechenden Medikamenten behandelt wurde, leider ohne Erfolg. Bei einem weiteren Tierarztbesuch wurde eine Pilz-Wunde ein wenig abgeschabt und untersucht. dabei stellte sich heraus, dass mein Hund Räudemilben hat und dass vermutlich aufgrund der daraus resultierenden Immunschwäche die Pilzinfektion entstehen konnte.
Ich habe am Montag wieder einen Tierarzt-Termin, habe aber schon in allen möglichen Büchern herumgesucht und nichts Konkretes über Räudemilben gefunden.
Weiß jemand, wie sich der Hund angesteckt haben könnte und ob diese Milben für andere Hunde ansteckend sind?

Liebe Grüße
Seppi

Burgfräulein
08.08.2002, 20:26
Hallo,
ich kenne bei Hunden die Sarcoptes-Räude, die wird durch Milben verursacht.
Diese Räude ist sehr hartnäckig und auch ansteckend für andere Hunde.
Wenn es sich um Sarcoptes handelt, kann man das mit Stronghold behandeln, ein spot-on Präparat, welches auf die Haut aufgetragen wird.
Wenn es sich allerdings um eine andere Milbenart handelt, hilft Stronghold nicht, dann müssen andere Mittel angewendet werden.
LG, Burgfräulein

Jacky77
08.08.2002, 20:37
Hallo Seppi,

Die Übertragung von Hund zu Hund erfolgt fast ausschließlich von der Mutter auf die Welpen durch Kontakt mit dem Gesäuge. Bei gesunden, gepflegten Tieren werden die Parasiten durch die wachsende Haut einfach herausgeschoben. Die Ansteckung von Hund-Mensch erfolgt über Hautkontatkt. Bei Milbenbefall ist auf äußerste Hygiene und abwechslungsreiche nicht fette Nahrung des Tieres zu achten.

Hier ein informativer Link zum Thema Räudemilben:
http://www.parasiten.bayervital.de/menue/parahd/ausdruck/sarc.pdf

Gute Besserung!

Dani

Brana
09.10.2002, 21:22
Hallo Seppi,
geht es Deinem Hund schon besser?
Wenn nicht, meine beiden Hundemädchen hatten ebenfalls die Krätzmilben, wie man sie noch nennt, und sie wurden dann in der Uniklinik behandelt mit Ectodex-bädern und Ivomac-Spritzen.
Diese beiden Mittel können allerdings starke Nebenwirkungen hervorrufen. Meine eine Hündin verstarb an den starken Nebenwirkungen. Sie bekam Morbus Addison.
Meine zweite Hündin hat einen starken Leberschaden davon getragen. Aber diese Mittel scheinen die einzigen zu sein, die helfen.
Die Wohnung mußt Du wie bei einem Seuchenzustand extrem sauber halten und den Liegeplatz des Hundes jeden Tag mit neuen Tüchern auslegen. Die alten eine Woche lang in Plastikbeutel luftdicht verschliessen und dann bei 95°C waschen. Sonst gehen die Milben nicht kaputt.
Wenn Du auch schon Juckreiz hast hilft am besten Spregal dagegen. Das bekommt man vom Hautarzt verschrieben.
Solltst du weitere Fragen haben, melde Dich ruhig bei mir.
Gruss Brana
B.Zapf@berlin.de

Ulla
09.10.2002, 22:01
Hallo Brana,

habe ich das richtig verstanden? Deine Hündin hat durch die Anwendung von Ectodex Morbus Addison bekommen? Ist es nachweislich durch Ectodex entstanden? Und Deine Hündin ist dann an Addison gestorben? Wie lange hat das denn gedauert (ich meine den Zeitraum zwischen der Ectodex-Behandlung und der Diagnose des Addison)? Ist die Addison-Erkrankung nicht erkannt worden oder warum ist nicht therapiert worden, Morbus Addison ist doch sehr gut behandelbar! Wie alt war Deine Hündin denn? War sie kastriert?

Das sind jetzt sehr viele Fragen auf einmal, aber ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir sie beantworten würdest, denn ich habe auch eine Hündin die an Addison erkrankt ist und sie lebt sehr gut damit.

Ganz liebe Grüße
Ulla

Brana
10.10.2002, 23:04
Hallo Ulla,
danke für Dein großes Interesse.
Ich habe natürlich die ganze Story gekürzt. Ich hatte zwei Shar-Pei Hündinnen in einem Alter von etwa knapp 3 Jahren von einem Gnadenhof geholt. Beide waren zwei 'Kaspar-Hauser', d.h. sie waren bei einer sog. Züchterin etwa 2 1/2 Jahre in einem Keller gehalten worden. Als diese 'Dame' mit den beiden nicht mehr fertig wurde ließ sie die beiden Hündinnen von den Mitarbeiterinnen des Gnadenhofes abholen. Dort hatten sie auf alle Fälle dann Sarcoptes und man hat die beiden wohl dort schon mit Ivomac und Alugan und was weiß ich noch behandelt. Mir erzählte man, daß die beiden ein Verwahrlosungsekzem hatten, welches verheilt wäre, als ich nach den blutig gekratzten Stellen an den beiden Körperchen fragte.
Ich zog dann auf alle Fälle mit den beiden Hunden von Tierarzt zu Tierarzt (9 insgesamt) und keiner erkannte, daß die beiden voller Parasiten innen und außen waren. Alle spritzten jedoch Kortison, Ivomac und Antibiotikum. Mir war das dann zu dumm, die beiden Tiere kratzten sich immer mehr und ich fand eine Tierärztin, die behauptete, das Ekzem wäre psychosomatisch. Beide Hunde waren sehr ängstlich und verunsichert. Sie dokterte, im wahrsten Sinne des Wortes, 4 1/2 Monate an den Tieren herum. Während dieser Zeit mit Globulis und jede Menge Kortison gegen den Juckreiz. Ich erkannte dann anhand eines medizinischen Lehrbuches, daß die beiden Sarcoptes haben müssen. Kurze Zeit später bekam meine Familie Juckreiz und die Hautärztin bestätigte uns Sarcoptes scabies.
Da brachte ich die beiden dann in die Uniklinik. Dort quälte sie man drei Stunden lang mit den wüstesten Untersuchungen (Hautausstanzungen, Blutentnahmen ohne Ende usw.) Die Untersuchungen führte ein junger Arzt duch mit Hilfe eines Tierpflegers der die Hunde jeweils hielt und ihnen die Schnauze mit einer Maultüte verbunden hatte. Der Arzt spritzte dann wieder Ivomac, Antibiotikum, Kortison und bei der Hündin (die nun tot ist) noch ein Mittel gegen Pilzerkrankung. Gab mir diese Medikamente dann auch noch in Pillenform und als Injektionen mit. Die verstorbene Hündin war dann nachts ganz komisch. Sie kam plötzlich in meine Nähe, rieb ihr grindiges Körperchen am Türrahmen und die andere Hündin kam um ihr das Gesichtchen zu lecken. Früh konnt die Hündin dann kaum noch auf den eigenen Beinchen stehen. Sie wankte und stöhnte fürchterlich. Gassi ging sie nicht mehr. Als ich dann an diesem Tag zum Badetermin wieder in die Uniklinik fuhr wollte der Tierarzt die beiden narkotisieren um sie mit Ectodex zu baden. Das war mir unverständlich, wo er doch am Vortag die wildesten Untersuchungen ohne jegliche Betäubung an den Hunden durchgeführt hatte. Ich machte ihn noch darauf aufmerksam, daß die eine Hündin die Medikamente vom Vortag nicht vertragen haben mußte und sie deshalb wirklich keine Narkose bekommen sollte. Sein Kommentar: Ich lasse mich doch nicht beißen und er gebe ihr nur eine ganz schwache Narkose. Er hatte die Injektion noch nicht ganz gesetzt da war die Hündin schon tot. Er versuchte dann stundenlang sie wiederzubeleben und sagte dauernd er könne nichts dafür. Er behielt den Hund über Nacht da um sie zu obduzieren und ich bekam dann den Bericht: verstorben an Morbus Addison.
Diese Hündin hatte einen runden Wasserkopf und dicke Hautsöcken als ich sie bekam und diese Symptome verschwanden. Dies fiel mir allerdings erst nach ihrem Tod auf beim Betrachten von Fotos.
Meine zweite Hündin wurde dann während wochenlanger Behandlung mit etwa 26 Spritzen a 10 mg Ivomac, wöchentlichen Ectodexbädern und täglichen Prednisolongaben behandelt. Der Sarcoptes Ticker zeigte und zeigt immer noch positiv an und so stellte man das erste Mal bei meinem Hund fest, daß es wie bei Hepatitis erkrankten, immer im Blutbild eine positive Anzeige von Sarcoptes gibt und dies keine verlässliche Untersuchung ist um einen evtl. neuen Schub von Sarcoptes festzustellen. Ausserdem hat meine Hündin nun nach 2 1/2 Jahren einen um das hundertfache erhöhten Bilirubinwert was zusammen mit anderen Veränderungen in ihrem Verhalten auch auf Morbus Addison oder Cushing tippen läßt. Ich lasse sie zur Zeit untersuchen. Sie hat an den Fußgelenken Ödeme, die sie laufend schleckt, spielt nicht mehr mit ihren Freunden, legt sich öfters während des Spazierengehens einfach hin und frißt immer schlechter. Es wirkt so, als ob sie sich vor dem Futter ekelt.
Dies ist nun wiederum eine gekürzte Ausgabe über die Krankheiten der beiden. Sie hatten zudem alle Würmer, alle sonstigen Milbenarten, Allergien usw. Ausserdem waren sie total verhaltensgestört. Ich konnte sie nur mit List und Tücke anfassen, anleinen usw. ansonsten gingen die beiden zähnefletschend auf mich los oder verschwanden panikerfüllt vor mir.
Meine jetztige Tierärztin hat dann auch die Allergie von der mir verbliebenen Hündin mit homöopathischen Frischzellen zum Verschwinden gebracht. Wegen der Allergie waren wir übrigens davor auch noch 1 1/2 Jahre lang in der Uniklinik in Behandlung jeweils von Februar bis Ende Oktober. Die Verhaltensstörungen haben wir innerhalb von einer Trainingsstunde beim Hundeflüsterer in den Griff gekriegt. Ich benötigte natürlich dann 10 Stunden. Menschen lernen und begreifennicht so schnell wie Hunde.
Was machst du gegen Morbus Addison bei Deinem Hund? Ich möchte so weit wie möglich keine chemischen Medikamente einsetzen. Kann man auch futtermässig dem Hund bei einer solchen Krankheit etwas Gutes tun?
Wenn Du Lust hast, schreibe mir doch darüber. Nochmals herzlichen Dank für Dein Interesse.
Gruss Brana
b.zapf@berlin.de

Ulla
11.10.2002, 00:24
Hallo Brana,

erst mal vielen Dank, daß Du mir so ausführlich geantwortet hast. Der Grund für meine Frage war, daß meine Hündin im Alter von 14 Monaten mit Ectodex gegen Demodex-Milben behandelt worden ist und ich deshalb einen Zusammenhang mit der Addison-Erkrankung vermutet hatte. Ich denke aber, daß bei Deiner Hündin der Addison durch die ständige Kortison-Gabe hervorgerufen wurde.

Bei meiner Hündin wurde vor einem Jahr MA diagnostiziert, nachdem sie nicht mehr fressen und laufen wollte, immer schwächer wurde und dann schließlich sogar köperlich zusammengebrochen ist (von 33 auf 26kg abgemagert). Unsere damalige TÄ hatte die Krankheit nicht erkannt und nachdem sie eine Woche lang auf Magen-Darm-Verstimmung behandelte, es dem Hund aber immer schlechter ging, brachten wir sie in eine Tierklinik. Dort hat man glücklicherweise sehr schnell die richtige Diagnose gestellt und es geht ihr zurzeit sehr gut.

Beim Morbus Addison sind die Nebennierenrinden zerstört und der Körper kann kein Cortisol mehr produzieren. Als Therapie kann man nur Kortison-Tabletten geben und das lebenslang. Auch sind regelmäßig Kontrollen bestimmter Blutwerte nötig. Ernährungsmäßig kann man leider nichts machen, außer auf die Futtermenge achten, weil durch das Kortison verstärkter Hunger und Durst da sind. Ich habe mal mit jemandem gesprochen, der auch regelmäßig Kortison nehmen muß und der sagte mir, daß man dann kein Sättigungsgefühl mehr hat (ist wohl auch beim Hund so).Sie darf auch alles fressen. Die Hündin hat laut Aussage des TA in der Klinik eine ganz normale Lebenserwartung.

Wenn bei Deiner Hündin der Verdacht auf Addison oder Cushing besteht, solltest Du das abklären lassen. Es gibt einen ganz bestimmten Test, der die Krankheit sicher diagnostiziert, das kann aber meines Wissens nur in einer Klinik durchgeführt werden. Morbus Addison führt unbehandelt immer zum Tod.

Sollte sich tatsächlich Addison herausstellen, bin ich gerne bereit Dir evtl. Fragen zu beantworten, auch bezgl. des Medikaments, das recht teuer ist.

Ich wünsche Euch alles Gute

Ulla

P.S. Natürlich antworte ich auch, wenn Deine Hündin kein Addison hat (was ich Euch wünsche).

Brana
11.10.2002, 21:02
Hallo Ulla,
dankeschön für Deine prompte Antwort.
Du hast natürlich recht. MA kommt von den Kortisongaben. Ivomac ist eine Art Kortison und dazu natürlich dann auch noch Prednisolon, das ist natürlich für so einen kleinen Hundekörper zuviel. Ivomac war zu dem Zeitpunkt noch nicht in Deutschland als Medikament erlaubt, aber jedeTA-Praxis benützte es. Es gibt einige Hudnerassen, die Ivomac absolut nicht vertragen und für die, dieses Medikament tödlich ist.
Was gibst Du jetzt gegen Morbus Addison für ein Medikament ?
Bevor ich die Blutuntersuchung wegen Morbus Cushing / Addison machen lasse gehe ich mit meinem kleinen Reiskörnchen erst mal zum Ultraschall und zum Röntgen in eine private TA-Praxis. Shiva bekommt Panikzustände, wenn ich nur den Weg Richtung Uniklinik fahre.
Im Moment erhält sie wie gesagt ein homöopathisches Leberschutzmittel, dem auch etwas für die Nebenrindenniere hinzugefügt ist. Das Mittel bekommt ihr sehr gut. Sie ist fast ganz die Alte. Aber mit den Untersuchungen muß es natürlich weitergehen, da ich wissen möchte, an was mein Hund tatsächlich erkrankt ist.
Erzähl mir mehr von Deinen kranken Mädchen und hoffentlich gesunden Hundebuben.
Du kannst mir gerne auch unter meiner eMail-Adresse schreiben: b.zapf@berlin.de
Gruss Brana

Ulla
12.10.2002, 00:13
Hallo Brana,

hab Dir eben ne direkte Mail geschickt.

Du hast recht, MA kann von den Kortisongaben kommen (sekundärer MA) und kann dann vorkommen, wenn über längere Zeit Kortison gegeben wurde und dann zu schnell abgesetzt wurde. Die Nebenniere brauchte ja während der Kortison-Gabe kein Kortisol zu produzieren und man muß sie dann langsam wieder dran gewöhnen "zu arbeiten". Meine Hündin hat primären MA und das wird (lt. Aussage der TÄe) durch einen Autoimmunprozeß hervorgerufen. Es gibt aber auch die Vermutung, daß die Krankheit vererbt wird.

Um noch Deine Frage nach dem "Hundebuben" zu beantworten: Der ist glücklicherweise sehr gesund. Manchmal gehts ihm sogar "viel zu gut" :D

Liebe Grüße
Ulla