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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an die Tierschützer



ElkeG
05.07.2004, 17:02
Hallo,

vielleicht können mir die Tierschützer unter Euch kurz weiterhelfen. Es geht um folgendes:

Meine (türkischen) Nachbarn haben seit ein paar Wochen einen Gast. Der kam samt Siamkatze (ist zwar hier Hundeforum, aber das ist wahrscheinlich für den Fall egal), um die er sich aber überhaupt nicht kümmerte (drei Tage weggefahren und ausgesperrt). Kurz und gut. Irgendwann war die Katze weg. Etwa eine Woche später las ich eine Anzeige in der Zeitung, daß jemandem eine Siamkatze zugelaufen wäre. Ich rief dort an. Es handelte sich wirklich um die Nachbarskatze. Also gab ich die Telefonnummer weiter mit dem Hinweis, wo die Katze abzuholen wäre. Meine Nachbarn riefen zwar mal kurz an, dachten aber scheinbar nicht daran, die Katze abzuholen (momentan keine Zeit....). Auf jeden Fall rief die Dame, der die Katze zugelaufen war einige Tage später bei mir an, um mir zu sagen, die Katze wäre immer noch bei ihr und sie könnte meine Nachbarn telefonisch überhaupt nicht erreichen. Sie war schon etwas sauer (verständlich) und sagte aber, sie würde die Katze ja auch behalten, wenn denn kein Interesse an einer Rückgabe mehr bestehen würde. Ich also wieder zum Nachbarn, der mir nach einem kurzen "Soll halt vorerst behalten..." die Tür vor der Nase zuknallte. Heute rief mich die Dame wieder an, sie wäre jetzt mit der Katze beim Tierarzt gewesen und sie wäre in einem sehr schlechten Zustand. Scheinbar war sie vor schon etwas längerer Zeit operiert worden (wegen was auch immer), der Faden war aber noch da. Als der Arzt den Faden entfernen wollte, quoll sofort sehr viel Eiter heraus. Der Tierarzt war verständlicherweise geschockt und schon drauf und dran den Tierschutz einzuschalten. Was genau die Katze hat, konnte der Tierarzt momentan gar nicht feststellen. Sie bekommt jetzt erst mal Penicillin und wird dann in 2 Wochen geröntgt, was eigentlich mit ihrem Bauch los ist und warum sie eingewachsene Fäden in der Haut hatte.

Jetzt meine Frage: Die Dame will natürlich unter diesen Umständen die Katze auf gar keinen Fall mehr hergeben (falls der Nachbar sie überhaupt wieder haben wollen sollte). Welche Möglichkeiten hat sie?

bjchaosmom
05.07.2004, 21:51
Die Dame soll ruhig den Tierarzt bitten,das er den tierschutz einschaltet,Der regelt die Sache schon,schlimmstenfalls gibts für den ehemaligen Halter ne Anzeige wegen Tierquälerei

billymoppel
05.07.2004, 23:00
hallo elke,
juristisch ist die sache kompliziert: die aussage "Soll halt vorerst behalten..." ... nun ja, das könnte man wohl als GoA(geschäftführung ohne auftrag), vielleicht auch als Auftrag, nicht aber als schenkung qualifizieren. damit ist die katze weiterhin im eigentum deiner nachbarn.
der tierschutz kann da auch wenig ausrichten, eigentumsverhältnisse zu ändern, dazu fehlt im die befugnis (auch wenn sich tierschützer gern mal dergestalt aufführen). der einzige, dem die befugnis zum eigentumsentzug unter gewissen umständen zusteht, ist der amtstierarzt. also an den wenden.
im gegenzug - und nun wird die sache kompliziert, kann die frau aber gegn herausgabe zug um zug den ersatz der aufwendungen auf die sache (futter, ta-kosten) geltend machen. von daher gehe ich davon aus, dass bei deinen nachbarn spätestens ab diesem zeitpunkt das interesse an der katze endgültig erlöschen wird :D
als gegenvorschlag würde ich vorschlagen, mal ein biss'l druck zu machen: erklär den nachbar die sachlage und was für kosten auf sie zukommen, falls sie das Tier nicht verschenken oder von mir aus für einen euro verkaufen. und alles schön schriftlich oder unter zeugen.

gruß
bettina

ElkeG
06.07.2004, 08:10
Danke Bettina,

ja, das ist wirklich eine gute Idee! Ich kann mir auch kaum vorstellen, daß meine Nachbarn gerne die vermutlich ganz schön hohen Tierarztkosten (dazu dann noch die Kosten für die Suchanzeigen in der Zeitung und das Futter) für eine Katze, die sie offensichtlich sowiso nicht haben wollen, zu übernehmen bereit sind!

Die Dame war gestern abend noch kurz bei mir, um sich (unnötigerweise) für meine Hilfe zu bedanken. Sie wirkte ganz schön sauer - ich denke mal, wenn meine Nachbarn die Katze wirklich von ihr zurückfordern wollten, dann könnten sie sich auf was gefasst machen! :D Das ist eine echte Katzenliebhaberin - die versteht überhaupt keinen Spass, wenn man so mit Tieren umgeht (wie wir anderen aber vermutlich auch nicht :sn: ).

bjchaosmom
06.07.2004, 13:30
Genau!Und der Ratschlag von Bettina hat Hand und Fuß!!

Fritzfranz
06.07.2004, 17:51
Original geschrieben von ElkeG
Das ist eine echte Katzenliebhaberin - die versteht überhaupt keinen Spass, wenn man so mit Tieren umgeht (wie wir anderen aber vermutlich auch nicht :sn: ).

Ein Glück, dass die Siam bei so einer Frau gelandet ist! Ich denke auch, dass Deine Nachbarn nicht bereit sein werden, die TA-Kosten zu übernehmen (= Aufwendungsersatz nach GoA oder - wohl eher - nach § 970 BGB, da es sich bei der Katze ja um einen Fund der Frau handelt) und dann ändert sich zwar nicht automatisch was an der Eigentumslage, aber Hauptsache ist erst mal, die Katze kommt nicht wieder zu diesen Leuten (also Berufung auf das Zurückbehaltungsrecht nach §§ 972, 1000 BGB).

Wichtig: Die Finderin sollte Deine Nachbarn zu einer Erklärung über die Kostenerstattung auffordern (mit Fristsetzung, zB 1 Woche). Nach Ablauf der Frist erwirbt die Frau Eigentum an der Fundsache (Katze), wenn die Nachbarn sich nicht zur Kostenübernahme bereit erklären, § 974 BGB!:cool:

Julia:cu: