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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was meint ihr ... ??



Steffi0705
02.07.2004, 10:29
Hallo liebe Foris!
Ich habe da mal eine Frage zum Thema trauernde Tiere.

Meine Omi war die Tagsüber-Bezugsperson von meinem Merlin. Leider ist sie Ostern ganz plötzlich und völlig unerwartet gestorben. Meine Omi wohnte genau neben mir und Merlin konnte auch immer in ihre Wohnung.

Die erste Zeit nach Ihrem Tod war es ganz schlimm mit Merlin. Er stand jeden Tag vor Ihrer verschlossenen Tür und hat bitterlich miaut. Nun sind drei Monate vergangen und Merlin steht zwar immer noch jeden Tag vor Ihrer Tür .... aber er miaut nicht mehr ... sondern schaut mich immer nur ganz fragend an und geht dann wieder von der Tür weg.

Nun meine Frage .... "vergessen" Tiere eigentlich Ihre Lebensgefährten irgendwann? Seien es nun menschliche Bezugspersonen oder auch andere Katzen-Familienmitglieder. Empfindet Merlin wohl eine vergleichbare Trauer wie ich sie empfinde oder ist es nur das er nicht mehr in die andere Wohung darf, das ja eigentlich auch "sein Revier" war. Können Tiere soetwas wie "Verlust" oder "Vermissen" empfinden oder empfinden sie "nur" die geänderte Situation?

Was meint ihr?

Liebe Grüsse
Steffi

Jenni X
02.07.2004, 13:19
Hallo Steffi,

ich denke schon, dass ihm Deine Oma fehlt. Ich glaube, Katzen verstehen "Tod" nur dann, wenn sie den Toten selbst wahrgenommen (also gesehen und gerochen) haben. Wenn Deine Oma einfach plötzlich nicht mehr da war und die Tür zu blieb, wird er das natürlich nicht als Tod begreifen, sondern nur als Verlust der Bezugsperson (und des Reviers) aus ihm nicht begreiflichen Gründen, und womöglich sucht er den Grund bei sich selbst und empfindet es als Strafe, nicht mehr in die Wohnung und zu Deiner Oma zu dürfen...

Ich kann Dir ein nettes Buch zum Thema Gefühlsleben der Katzen empfehlen:

Katzen lieben anders
von Jeffrey M. Masson

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3453869273/qid=1088766529/ref=sr_8_xs_ap_i1_xgl14/302-7906112-6854461

Pikephish
02.07.2004, 13:59
Hallo,

ich glaube auch, daß eine Katze um den Verlust einer Bezugsperson trauern kann, unabhängig vom Revier.
Als mein Mann damals aus dem Haus seiner Eltern ausgezogen ist, saß der Kater der Eltern wochenlang auf seinem ehemaligem Bett und wollte auch nicht mehr richtig fressen. Reviertechnisch hat sich bei dem Kater (namens Baunkl) nichts geändert.
Ich denke daher schon, daß Merlin Deine Oma vermisst.

Hoffentlich konntet Ihr Euch gegenseitig ein bißchen trösten.

Liebe Grüße

sir james
03.07.2004, 21:18
ich denke auch das katzen ähnlich trauern wie wir menschen.
nicht nur um bezugspersonen sondern auch um artgenossen
kann dies zur zeit bei simba feststellen
er sucht ständig die wohnung nach seiner verstorbenen freundin ab
er frisst eher schlecht und schaut sehr traurig drein...
vlg

Steffi0705
04.07.2004, 14:11
Danke für Eure Antworten ...

@Jenni X ... das Buch werde ich mir glaub ich mal zulegen ... bin an neuen Katzenbüchern immer sehr interessiert und vielleicht finde ich ja da auch eine gute Antwort. Danke für den Link!

@Manu .. ich habe Deine Geschichte von Chiara hier im Trauerforum auch gelesen. Es tut mir unheimlich leid und ich hoffe das Simba bald mit dem Verlust ein wenig besser umgehen kann. Gib ihm mal einen dicken Krauler von mir und sag ihm, ich kann ihn so gut verstehen!

@Pikepish ... Ich weiss gar nicht, wer wen mehr getröstet hat. Auf jeden Fall habe ich in den letzten Monaten festgestellt, WIE froh ich bin, meinen Kleinen zu haben. Obwohl mir in dieser Zeit auch bewusst geworden ist, wie hilflos man in solchen Situationen ist. Weil man kann ja einem Tier nicht erklären, was passiert ist, damit er es besser versteht. Und das tut oft genauso weh, wie den Trauerschmerz den man empfindet.

Liebe Grüsse
Steffi

Bluecat
05.07.2004, 11:09
Hallo:cu: ,

also ich bin mir sicher, daß Tiere trauern .....
Als vor einem Jahr meine Avena kurz nach ihrem 15. Geburtstag über die Regenbogenbrücke ging, waren meine anderen Katzen einige Tage richtig wie gelähmt, maunzten, wollten nicht richtig essen. Das Rudel hatte seine Anführerin verloren....

Und ein weiteres Beispiel für die Trauer um einen verlorenen Freund habe ich erlebt, als mein Hund Falko starb. Nachmittags saßen meine Katzen im Kreis um Falko , abends ging er über die Regenbogenbrücke. Mein Kater Bonny, der besonders mit ihm befreundet gewesen war, hat danach tagelang gemaunzt, und als meine Hündin dann bei uns einzog, hat er sie demonstrativ die ersten Wochen ignoriert...

Steffi0705
05.07.2004, 11:28
Hallo!
Also das Tiere trauern, davon bin ich auch überzeugt .. weil ich habe es bei meinem ja auch erlebt.. mich hätte halt nur mal interessiert, ob Tiere eine Bezugsperson .. sei es nun menschlich oder artgenössisch "vergessen" ... bzw. ob sie sich auch nach Monate oder gar Jahren an sie "erinnern" ...

Bei meinem ist es im Moment wieder richtig schlimm ... es war ja schon weniger, aber zur Zeit steht er wieder ständig maunzend an der ehemaligen Wohungstür meiner Omi ... nächste Woche ziehen dort neue Mieter ein .. ich hoffe nur, das sie Katzenfreunde sind, die das nicht als Belästigung ansehen :(

Liebe Grüsse
Steffi

Grizabella
05.07.2004, 14:47
Hallo, Steffi,

Wenn eine Person oder eine Mitkatze einer Katze gestorben ist, ist das Weltgefüge der hinterbliebenen Katze (und aller anderen Tiere) nicht mehr in Ordnung. Darüber hinaus gibt es sicher ein tiefes Empfinden der Tiere nach dem Tod einer sehr, sehr geliebten Person.

Drum verstehe ich Menschen nicht, die sich, besonders in dieser Jahreszeit, so rasch eines Tieres entledigen. Die wissen ja gar nicht, was sie anrichten, zumal ja dann so ein Tier mehrere Stationen auf sich nehmen muß, wenn es überhaupt jemals einen guten Platz findet.

Steffi0705
05.07.2004, 15:07
Hallo Grizabella!
Das kann ich auch immer in keinster Weise verstehen. Wenn man jetzt wieder in den Zeitungen oder in Fernsehberichten von ausgesetzten Tieren hört, dann überleg ich mir immer für einen Moment was wäre, wenn ich meinen Merlin einfach im Karton vor ein Tierheim stellen würde. Schon allein nur bei der Vorstellung daran bekomm einen richtigen Stich im Herz ... :( ich kann das Verhalten dieser "Menschen" auch überhaupt nicht nachvollziehen ...

Liebe Grüsse
Steffi

P.S. Bei der Sendung "Hund, Katze, Maus" haben die am Ende der Sendung immer einen "Spruch des Tages" ... da war diesmal einer der das genau beschreibt .. ich weiss nicht ob ich den jetzt genau richtig behalten habe, aber in etwa ging er so:

Solange Menschen denken,
dass Tiere nicht fühlen,
müssen Tiere fühlen,
dass Menschen nicht denken.

Grizabella
05.07.2004, 20:54
Hallo, Steffi,

Soviel Tierleid tut unsereins furchtbar weh, weil man einsehen muß, dass man bei aller eigenen Tierliebe alles Unrecht nicht gutmachen kann. Wie kann man es nur annähernd begreifen, was in solchen "Menschen" vorgeht? Wie kommen sie dazu, sich als den Tieren übergeordnet zu betrachten? Wenn man in ein Tierheim geht, könnte man fortwährend weinen. Während wir sehen, dass unsere Tiere mit uns glücklich leben, jedenfalls alles dazu tun, lebt eine Vielzahl von Tieren im Unglück, wird gefoltert, gemartert, ausgesetzt. Manchmal muß ich aufhören, solche Dinge zu lesen, weil ich einfach nicht mehr weiterkann.

Ich weiß nicht, ob sich das jemals bessert. Wenn es so wäre, denke ich, hätte das Paradies schon begonnen.