PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : starker Beschützerinstinkt



Sandra19
12.06.2004, 10:53
Eine Schäferhundmix-Hündin(Fundhund,4 Jahre alt, noch nicht kastriert, ängstlich) aus dem Tierheim, für die ich mich sehr interessiere, hatte eine Interessentin und wurde, auf Probe, übers Wochenende vermittelt.
Ihre Interessentin hat sie nach dem Wochenende wieder zurück gebracht und ist abgesprungen.
Der Grund: Die Hündin hat einen starken Beschützerinstink, d.h. wenn sie sich auf eine Person fixiert hat und sich andere Menschen der Person nähern, versucht sie diese zu beißen.

Wie kann ich ihr das abgewöhnen?

katrin-und-zoo
12.06.2004, 17:03
hallo, ich denke das wiederspricht sich: beschützerinstinkt (also selbstbewußter hund!) - und du erzählst von einem ängstlichen hund...

vielleicht hat dieser hund nur schlechte erfahrungen mit menschen gemacht, u denkt jetzt nach dem motto: angriff ist die beste verteidigung?! also lieber den großen starken "wolf" rauskehrt, in der hoffnung dem nahendem "feind" somit in die flucht zu schlagen...

versuch mal bitte die situation näher zu beschreiben:

wann genau legt diese hündin dieses verhalten an den tag - alle menschen, nur einzelne? nur omis, dicke männer? kinder? wie reagieren die leute (vorher - zb. ansprechen des hundes, o auffällige gestik zum hund o dessen führer?), wie weit sind die personen entfernt zum hund, wenn diese das verhalten zeigt?
wie verhält sich hund genau (leine ziehen? nach vorn schießen? ohren? schwanz? körperhaltung? grummeln? kläffen - unsicher?, panisch? oder agressiv? - zähne fletschen?

ist der hund in solchen situationen ansprechbar? aufnahmefähig? ablenkbar zb. mit stimme?futter? spielzeug?

zeigt er dieses verhalten nur an der leine o auch im freilauf?

wie reagiert hundehalter (schimpfen?ignoranz?beruhigend ? ablenkung?)

sucht hund konfrontation zum mensch o wählt er lieber, wenn er die wahl hat den rückzug - also lieber straßenseite wechseln o im busch verkriechen?

wie lange sitz der hund bereits im TH? wie zeigt sich da ihr verhalten gegenüber dem menschen zb. beim füttern, spazieren gehn etc:

wie äußert sich ihre ängstlichkeit im alltag - im Th sowie an diesem wochenende? wie reagiert sie auf andere hunde sowie umwelteinflüsse jeglicher art...


wie du siehst 10000 fragen , die du beantworten "müßtest", denn so pauschal "abgewöhnen" funktioniert nicht

katrin

Sandra19
12.06.2004, 17:53
Hallo,
danke für deine Antwort!

Einige Fragen kann ich beantworten:

Die Hündin sitz seit Anfang Mai 2004 im Tierheim.
Wenn Menschen an ihren Zwinger kommen, ist sie eher zurückhaltend und geht weg. Wenn sie aber Vertrauen gefasst hat, lässt sie sich auch streicheln.

Im Freigehege ist sie noch mit einem etwa 6 jährigen Rüden zusammen. Der Rüde ist dabei sozusagen das Alphatier. Wenn sie etwas macht, was ihm nicht gefällt, fängt er an zu knurren.

Bei anderen Hunden reagiert sie eigentlich garnicht, bzw bellt nicht.

Die anderen Fragen kann ich leider nicht beantworten, da ich die Interessentin nicht näher kenne. Die Tierpfleger haben mir auch keine näheren Informationen gegeben oder nicht geben wollen.

katrin-und-zoo
13.06.2004, 09:02
hallo,

das ist natürlich eine bescheidene auskunft, :-) und wie schon erwähnt, kann dir so denke ich, leider keiner helfen :-(

ich denke, wenn du dich für die hündin interessierst, sollzest du sie erstmal zum spazieren gehn "ausleihen", da siehst du inwieweit das problwem nun dominanz o unsichheit ist - wobei ich nicht glaube, daß es beschützerinstinkt ist - sondern wie schon beschrieben, ihre angst vor menschen bzw. deren reaktionen

beim spazieren gehn, wirst du sehn wieweit ihr harmoniert bzw. miteinander zurecht kommt

prinzipiell mußt du nicht mit dem hund schimpfen, sondern ihn ablenken in solchen streßsituationen - zb. mit hoher stimme sprechen, leckerlie vor die nase halten bzw. spielzeug etc.

aber um genauers zu sagen, fehlen hier einfach die hintergrundinfos sorry

schreib mal wies war beim spazieren gehn

grüße katrin

Sandra19
13.06.2004, 13:05
Danke, dass werde ich machen.
Aber wer weiß, vielleicht bekomme ich doch noch ein paar Informationen.

billymoppel
14.06.2004, 00:19
hallo sandra,
katrin hat natürlich recht. allerdings habe ich an der geschichte auch so meine zweifel, vielleicht ist der dame nach dem wochenende nur aufgefallen, dass ein hund tatsächlich mühe macht? es passt so gar nicht zu dem bild, was du von ihr zeichnest. ein stilles unauffälliges und zurückgezogenes tier soll draußen plötzlich zum beißenden monster mutieren? das hätte doch schon mal jemandem auffallen müssen! und ein beschützerinstinkt, der sich so kurzfristig aufbauen soll? :?: und möglicherweise lag das problem wohl am anderen ende der leine (wie fast immer)? dann solltest du froh sein, dass nix draus geworden ist.

gruß
bettina

Samuel
14.06.2004, 00:28
Vielleicht noch eine kleine Anmerkung......
Hunde zeigen eigendlich nur zwei wirklich "beschützende" Verhaltensweisen gegen über einem Rudelmitglied. Erstere würde aus einer Führungsrolle heraus rühren. Sprich der Hund sieht sich in der Stellung selbst entscheiden zu können wer zu verjagen ist.
Aus den Schilderungen erkenne ich aber überhaupt keine derartigen Veranlagungen. Im Gegenteil......
Die zweite Motivation wäre wenn der Hund sich veranlaßt sehen würde einem Rudelmitglied (auch einem Ranghöheren) in einer Situation erlebter Bedrohung beizustehen. Dieses bedarf aber in der Regel einer sehr intensiven Bindung, die man sicherlich nicht an einem Wochenende herstellen kann. Außerdem ist die Veranlagung ein solches Verhalten an den Tag zu legen durch die Zuchtbedingungen äußerst selten geworden. Soll heißen die große Mehrheit der Hunde würde (entgegen der Beteuerungen ihrer Halter) bei Belastung den Weg nach Hinten sehr schnell antreten.
So würde ich vorerst von einer Reaktion auf beängstigende Umweltreize für den Hund selbst ausgehen.
Was das "Abgewöhnen" angeht, so ist die Feststellung der eigendlichen Ursache ein extrem wichtiger Teil. Man sollte sich hier also auf keinen Fall auf die Aussagen Anderer stützen!

cheroks
14.06.2004, 13:46
Hallo Sandra,

ich will eigentlich nur sagen, als neuer Besitzer eines Hundes hat man sehr gute Möglichkeiten so ein Verhalten in den Griff zu bekommen, da du neu und "unverbraucht" bist. Der Hund kennt dich nicht und ihr erlebt alles zum ersten mal miteinenander. Wenn du hundeerfahren bist, hast du sehr gute Chancen, so ein Verhalten in Griff zu bekommen, wenn du dir das alleine nicht zutraust, würde ich sogar zu den ersten gemeinsamen Spaziergängen einen Hundetrainer oder hundeerfahrenen Menschen mitnehmen, der sich das gleich mal ansehen kann und dir sofort sagt, wie du dich jetzt verhalten sollst!
Ich halte es für ganz wichtig sofort zu reagieren damit der Hund gleich weiss, was geht und was nicht!

lg tina *Mut zum TH-Hund*

suh
14.06.2004, 19:57
Hallo,

grundsätzliches, was mir dazu einfällt:

Ist egal, ob nun Beschützerinstinkt oder Angst, die Hündin will anscheinend erreichen, dass Fremde sich fernhalten. Also darf sie damit keinen Erfolg bekommen, falls es mal zu so einer Situation kommt. Dabei gehe ich selbstverständlich davon aus, dass die Hündin an der Leine ist und keine Chance hat, eine andere Person wirklich zu verletzen. Ich würde in so einer Situation einfach ruhig stehen bleiben (schimpfen bedeutet für die Hündin wahrschein eher, dass sie Recht hat mit ihren schlimmen Vermutungen). Wenn es irgendwie geht also die Leute bitten stehenzubleiben, bis die Hündin ruhig(er) wird und dann - aber auch erst dann!!! - Super-Leckerlies entweder durch den Fremden oder Dich. Erst wenn die Hündin ruhig ist dürfen sich die Fremden entfernen. Leckerlies zur falschen Zeit könnte sie m E. viel zu schnell als Belohnung ihres Verhaltens empfinden, da wäre ich wirklich vorsichtig.

Um das ganze zu trainieren müsste man wissen, welche Distanz sie gerade so erträgt und dabei noch ruhig bleibt. Dann loben/clickern & die besten Leckerlies überhaupt reinschieben. Wenn sie nicht auf Leckerlies steht, dann andere Motivationsobjekte nutzen wie Spielzeug pp.

Ziel: Irgendwann bedeutet "es nähern sich Fremde", dass es Leckerlies oder ein tolles Spiel o. ä. gibt.

Langsam aber sicher kann man die Distanz verringern. Sobald sich die Hündin aber wieder aufregt und versucht zu schnappen, ruhig bleiben und beim nächsten Mal eben einfach zum Üben eine weitere Distanz wählen. Die Schritte müssten wahrscheinlich superklein sein. Aber wer sagt denn auch, dass man mit kleinen Schritten nicht zum Erfolg kommt ;)

Vorteil m. E. an dieser Trainingsvariante: Es ist völlig egal, warum die Hündin "ausrastet".

Auf gar keinen Fall solltest Du aus der Situation etwas "besonderes" machen. Sonst fühlt sie sich wahrscheinlich wirklich bestätigt in ihren Gefühlen - welcher Art auch immer sie sind.

Falls Du noch Fragen hast, immer her damit :)

lg
Suh

Sandra19
15.06.2004, 16:09
Vielen Dank für die vielen Hinweise und Tipps.
Ihr habt mir wirklich sehr geholfen!

Sandra19
18.06.2004, 18:23
Ich war heute noch mal im Tierheim.

Dort wurde mir nochmal gesagt, dass sich die Hündin eine Bezugsperson aussucht und diese dann auf der Straße und auch in der Wohnung beschützen will.

Mir wurde also davon abgeraten, diese Hündin zu nehmen. Was ich nun akzeptieren werde, da die Tierpfleger das letzte Wort haben.

katrin-und-zoo
18.06.2004, 20:06
....na ja, manchmal muß man sich da sein eignes bild machen, mußte ich leider immer wieder feststellen, ich würde mich nicht so schnell abwimmeln lassen

ich kenne wirklich viele tierheimpfleger, die meisten sind aber nunmal abmstellen, welche der meinung sind, "das tier zu kennen" - sicher meinen sie es gut, aber wirklich ahnung haben doch eher weniger

letztens erst wieder mußte ich feststellen, daß mir jemand erzählen wollte, daß der rüder (rottimix) extrem dominant sein sollte - weil er halt keifend an die zwingerstäbe sprang - daß das aber unsicherheit war - was wirklich jeder sehen konnte, der sich ein wenig mit hundeverhalten beschäftigt hat, das wollte er nicht hören

...oder aber das gegenteil, von "der will doch nur spielen, wärend dergoldirüde gerade mit gesträubten nackenfell versuchte meiner freundin das knie abzupimpern... :(

mag sein, die leute sind kompetent, das weiß ich natürlich nicht, aber wenn du gewisse symatien für den hund hegst, würde ich ihn doch trotzdem erstmal zum spazieren gehn mitnehm bzw. übers wochenende in pflege nehen und sehn, was mich erwartet

so verrückt das klingt, aber ich kenne durchaus ein paar tierheime, die an einer vermittlung ihrer bewohner nicht wirklich interessiert zu sein scheinen

ich will keinesfalls alle über einen kamm scheren, da mein zoo auch alles thinsassen waren, doch mußte ich leider diese erfahrung machen

nun will ich dich nicht überreden, deine meinung über den haufen zu werfen, nur vielleicht hättest du es doch wenigstens probieren sollen

*in der hoffnung, daß der hund nur wieder falsch eingeschätzt wurde, und ein schönes zu hause bei dir findet, mhh?*

:cu: katrin

sandinchen
18.06.2004, 20:12
Was mich noch interessieren würde: Haben die Tierheimleute den Hund denn schon mal live erlebt, wenn er jemanden beschützt?
Ich arbeite im Tierheim wo wir aber nur Katzen und Kleintiere haben. Uns werden immer wieder Tiere gebracht, mit den wildesten Geschichten. Vor ein paar Wochen kam eine Katze, die angeblich ihre Besitzer angefallen hat. Sie habe sie deswegen abgegeben. Das Tier hat bei uns überhaupt keine Auffälligkeiten gezeigt, ganz im Gegenteil. Die Katze hat Krebs und es musste ihr ein Tumor im Kiefer entfernt werden. So hat das der Tierschutz nun übernommen...(hat inzwischen aber trotz der unheilbaren Krankeit - der Krebs wird wieder wachsen -ein Zuhause gefunden.

Mich würde schon interessieren, ob es wirklich nachweisbar ist, dass die Hündin so stark beschützt oder ob das nur erzählt und geglaubt wurde.

billymoppel
18.06.2004, 20:52
ich stimme da völlig zu - aus eigener erfahrung. die meistens mitarbeiter bei uns im th meinen es sicher gut, aber wirklich ahnung...ist halt was anderes. unser tsv wird von einer altfrauenriege mit teilweise genauso altmodischen ansichten beherrscht. und die abm-kräfte - na, ja, manche haben noch nicht mal selber jemals einen hund besessen. d.h. heißt nicht, dass sie selbige nicht gern haben, aber erfahrung ist das nicht gerade.
der alltag im th sieht so, dass mit den hunden angeleint (aus versicherungstechnischen gründen ist auch nichts anderes möglich) immer die selbe strecke gegangen wird. und von unseren schulmädchen will ich auch gar nicht mehr, sie könnten mehr verderben als richtig machen.
bei meinen schützlingen gebe ich mir natürlich mehr mühe, mache auch verschiedene tests (hunde, katzen, pferde, aggressionsschwelle etc.pp.) aber ich habe auch immer nur die sorgenkinder zu betreuen und nicht alle hunde, wie der rest.
ich jedenfalls würde mich von solchen auskünften wirklich nicht ins bockshorn jagen lassen, wie heißt es so schön und ist übertragewn sicher passend: "traue nur der statistik, die du selber gefälscht hast". :D
versuch es einfach mal mit der hündin, geh mit ihr spazieren und suche gezielt solche situationen (natürlich angeleint).
oftmals ist es auch so, dass hunde bei verschiedenen besitzern verschiednens verhalten zeigen, je nachdem was von ihnen (häufig still, hunde haben nun mal den sechsten sinn) "erwartet" wird. ein mensch, der per se aggressiv ist, wird einen aggressiven hund haben. der gleiche hund kann bei einem netten besitzer einfach nur nett und lieb sein. der will-to-please ist nun mal ein teil der hundeseele.

lg
bettina