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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pferde ohne Unterstand



ralf11
24.07.2002, 15:30
Seit einigen Wochen hält mein Nachbar seine beiden Ponys auf einer Weidefläche, hier in Brandenburg.
Es gibt außer einem Baum, der ein wenig Schatten spendet, keine Unterstellmöglichkeit für die Tiere. Sie stehen/liegen Tag und Nacht im nassen Gras und im Regen.
Die Tiere sind oft klatschnass und werden nicht gepflegt.

Ich kenne mich mit Pferden nicht aus, aber wenn ich das sehe, bekomme ich doch ein mulmiges Gefühl. Ist das rechtens? Können die Tiere bei einer solchen Haltung nicht erkranken.

Ich möchte nicht gleich zu irgendeinem Amt laufen, vielleicht ist das ja in Ordnung, was mein Nachbar treibt, wäre aber für eine Auskunft in diesem Forum dankbar.

Der Sommer in Brandenburg ist bis jetzt ein ziemlicher Dauerregen :-(

Inge1810
25.07.2002, 02:31
Hallo Ralf, bei z.B. einer Offenstallhaltung ist es durchaus normal, dass die Pferde selbst bei Regen lieber draussen stehen, als sich unter dem überdachten Bereich aufhalten, dennoch finde ich es unverantwortlich, den Pferden nicht die Möglichkeit zu geben, sich unterzustellen. Ich geh mal davon aus, dass die Pferde nicht zusätzlich gefüttert werden, sondern auf das Gras angewiesen sind, stimmts? Steht eine Tränke mit frischem Wasser auf der Wiese? Ein einzelner Baum ist definitv zu wenig. Kannst Du nicht beim Nachbarn nachfragen (scheinheilig), wo die Ponys nachts sind? Bzw. wann der Unterstand fertig wird? Ich für meinen Teil halte es verantwortungslos Tiere so zu halten, wobei ich es nicht verwerflich, eher das Gegenteil, finde ihnen die Möglichkeit zu geben, Tag und Nacht, bei Wind und Wetter draussen zu sein, aber ein geschützter Unterstand ist ein Muß. Gerade wenn es längere Zeit matschig ist, ist so eine Haltung der Tod eines jeden Hufes. Auch das Gras wird nicht ewig halten und was dann? Heu stockt ratzfatz zusammen, wenn es nass wird und kann zu Koliken, die nicht selten tödlich enden, führen. Nachbar hin, Nachbar her, einen Anruf beim Amtstierarzt (zur Not auch mit falschem Namen, damit Du anonym bleibst), würde ich auf jeden Fall mal tätigen, damit er sich das mal anschaut. In freier Wildbahn haben Pferde, die auch allen Witterungsverhältnissen ausgesetzt sind, trotzdem Möglichkeiten zumindest den Untergrund zum Schutz der Hufe zu wechseln und auch mehr als einen Baum, um sich unterzustellen, wobei mir da bei einem deftigen Gewitter, wegen Blitzeinschlag, mehr als mulmig wäre.
Ich hoffe, ich hab Dir ein paar Hilfen geben können und frag ruhig nach, wenn noch was ist.
Grüße

Mizi
26.07.2002, 12:04
Brandenburg ist groß, schreib mal bitte den Kreis, vielleicht kenn ich es!
Ich würd auch mal nachfragen, wo die Tierchen denn nachts sind!
Zu ner Offenstallhaltung gehört nämlich definitiv auch nen Offenstall!
Der brauch zwar nich supertoll aussehen(den Pferden ist das eh egal), aber so was muss schon vorhanden sein!

Alles Liebe

Mizi

ralf11
26.07.2002, 23:30
Vielen Dank für die Antworten.

Zu den Fragen: Die Tiere fressen nur das Wiesengras, Wasser wird bereitgestellt.
Der Nachbar hat einen kleinen Stall, in dem die Pferde in den kalten Monaten standen (er hat die Ponys erst seit letzen Sommer und kennt sich meiner Meinung nach nicht so gut aus). Nun aber sind sie ununterbrochen draußen, auch nachts, ich kann sie ja aus meinem Fenster heraus sehen.
Sie machen einen gesunden und fröhlichen Eindruck, aber momentan sind sie dauernd klatschnass, weil der Sommer so verregnet ist.
Das ganze liegt in der Prignitz, Gemeinde Groß Pankow. Aber eine "Tierverordnung" gilt ja in ganz Brandenburg.
Zum Amtstierarzt hätte ich aus eigener Erfahrung nicht allzugroßes Vertrauen.
Den Nachbar habe ich schon einmal wegen seiner Nutztierhaltung angesprochen, und er meinte, dass er auf seinem Hof machen kann, was er will. Damit war für ihn das Thema erledigt und bei den Ponys würde er es wohl auch nicht anders halten.
Ich werde noch einmal schauen, ob es da klare gesetzliche Regelungen gibt.

Gruß: Ralf

Melina
10.10.2002, 21:46
Irgendwie kommt es mir so vor, als würdet ihr Pferde als total empfindlich Wesen ansehen. Mein Pferd steht von April bis Anfang November in einer Herde auf der Weide. Sie haben kein Unterstand. Komisch, allen geht es gut. Erkältungen oder andere Krankheitsfälle kommen extrem selten vor. Die restliche Zeit des Jahres verbringen die Pferde auf einer großen Koppel, und kommen nachts in den Stall.
Ach noch was zur Weidenhaltung: Ein bis zwei Bäume reichen völlig. Hauptsache, sie haben ein wenig Schatten. Regen ist absolut egal. Wenn man die Pferde nicht mit Shampoo und all den überflüssigen Reinigungszeug ständig "chic" macht, perlt das Wasser einfach am Fell ab.
Und zum Schluss noch mein Lieblingsspruch an all die Besitzer der verhätschelten Boxenpferde (die bestimmt furchtbar glücklich in ihrem 3 mal 3 Meter zu Hause sind):
Die Wilden Pferde haben oft auch keine Unterstellmöglichkeit. Und Heu gibts schon gar nicht!!!!

Kyra
12.10.2002, 21:21
Deinen Beitrag fand ich gerade eben sehr "lustig". Nur zu deiner Info von wegen Wildpferde: Seit mehr als 2000 Jahren pfuscht der Mensch in den Genen der Tiere herum und züchtet sie ganz nach seinen Vorstellungen. Und die gingen bei weitem nicht immer nach der Natur. Hast du dir schonmal überlegt, dass Wildpferde keine langen Mähnen haben? Die schubbern sie sich ständig an irgendwelchen Bäumen ab. Und eine lange Mähne hat jedes Hauspferd, wenn man sie wachsen lässt, auch der robusteste Isländer. Thema Hufe: Pferde kommen aus der Wüste und haben (hatten) daher harte, trockene Hufe. Bei den hochgezüchteten Pferden sind die Hufe weich und schwammig. Und auch ein Connemara Pony ist hochgezüchtet, ebenso wie ein Isi (Stichwort: Exzeme). Und das, obwohl es doch Ponys sind!! Ich bin auch kein Befürworter von Boxenhaltung, aber ein Unterstand und etwas Heu sind ein Muss auch für Offenstallpferde!!!

Melina
12.10.2002, 21:57
Vielen Dank für die Information.
Du bist also gegen die Weidehaltung, und meinst, dass unsere heutigen Pferde nicht geeignet dafür wären. Aha. Nur wie erklärst du dir dann, dass es unseren Pferden ( 9 Pferde, 2 Ponys) super geht? Außerdem sind es meistens die Halter der verhätschelten Boxenpferde, die ständig zum Tierarzt tanzen müssen. Jetzt sag bitte nicht: "Woher will denn die das wissen?" Ich habe nämlich für einige Zeit ein Praktikum beim Tierarzt gemacht und immer wieder beobachtet, dass kaum Weidepferde unter den Kranken waren. Wenn, dann hatten sie Beinverletzungen von Geländeritt. Komisch, nicht?
Ich finde es nicht ausserordentlich nett, dass du gleich so patzig geworden bist. Ich habe nur mal aufgeschrieben, was ich festgestellt habe, und um seine Meinung zu äußern ist das Forum nunmal auch da. Ich hatte jedenfalls nicht die Absicht, irgendjemanden mit mienem Brief anzugreifen oder zu verletzen.
Was mir noch einfällt: Die Weidepferde schubbern sich die Mähne meistens ab, das ist normal. Mein Großer sieht dadurch auch aus wie Struppi ( Er hat kein Exem. Genüssliches kratzen an Ästen ist völlig normal). Es ist mir aber egal, ob mein Pferd eine wunderschöne Mähne hat, oder nicht. Hauptsache ist, er lebt zufrieden in seiner Herde und ist wirklich GLÜCKLICH!!!!!

Kyra
12.10.2002, 22:13
Wie ich bereits oben geschrieben habe, bin ich auch nicht für Boxenhaltung. Trotzdem ist es für die Pferde besser, einen Unterstand zu haben. Ich kenne nämlich genug Tiere, die Mauke und weitere Krankheiten haben. Auch ich habe nur meine Meinung gesagt - und meine Meinung ist, dass ein Unterstand auf jeden Fall "drin" sein muss!!
Falls es pampig rüberkam, tut mir das leid, so war es nicht gemeint. Nun stelle ich mir unter "Pferde ohne Unterstand" Tiere vor, die Wind, Wetter und Krankheiten schutzlos ausgesetzt sind. Und das ist ja in Ralfs Fall nicht geklärt. Ich habe ebenfalls ein Praktikum beim TA hinter mir und habe so manche Robusthaltung gesehen, bei der ich mein Pferd lieber dankend in eine 3x3 Box schieben würde. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es immer sehr auf die Art und Weise ankommt, auf die eine Haltung durchgeführt wird. So kann auch ein Boxenpferd mit täglichem Weidegang und Beschäftigung sehr glücklich sein, und ein robust gehaltenes auf einer Siffkoppel ohne Ansprache und Schutzmöglichkeit unglücklich!!
mfg
Kyra

Melina
12.10.2002, 22:30
Gut. In diesem Punkt scheinen wir uns ja sehr einig zu sein. Es kommt wirklich immer darauf an. :-))