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neaira
06.05.2004, 17:38
hallöle!

eine bekannte von mir hat seit einiger zeit einen kangalmischling zur pflege,der aus relativ schlechter haltung kam.
er wurde weggesperrt,wenn besuch kam,musste 3 jahre seines lebens an der leine gehen und hatte auch sonst nicht viel kontakt.
er ist dadurch natürlich recht misstrauisch geworden,was darin gipfelte,dass er nach leuten geknapst hat,die zu nah an ihm vorbei gegangen sind und herrchen irgendwann angst vor seinem eigenen hund hatte.
kurz und gut,er lebt jetzt bei meiner bekannten,läuft ohne leine,ist verträglich mit mensch und tier und schnappt nach einer bachblütentherapie auch nicht mehr.
er braucht zwar etwas zeit,bis er auf einen zugeht,aber das dürfte auch an der rasse liegen.
wenn er einen kennt,ist er ein grosser schmuser und nur lieb.
allerdings hat er etwas angst vor fremden männern und ich möchte lieber gar nicht wissen,warum.
es hat recht lange gedauert,bis er nicht mehr mit langem hals zu meiner besseren hälfte gegangen ist,der ja nu absolut harmlos ist ,der beisst gaaanz selten :D ,als er letztens mal bei uns war.
das eigentliche problem ist aber,dass er alles jagt,was sich bewegt,und seeehr unabhängig ist:
kuckste weg,isser weg...:(
er kommt zwar wieder,aber das kann dauern und wenn,dann kommt er ganz geduckt und wedelt ganz dolle,so nach dem motto:bitte nicht hauen,war doch nur streuseln..
ich meine,ich weiss ja,dass hsh manchmal jagen und unabhängig sind,aber bei ihm ist sich keiner so recht sicher,ob er einen beim zurückkommen beschwichtigt,weil er angst hat,das man ihm böses will,oder veräppelt mit der ich-armes-hundi-masche.
er ist schon ein schlitzohr und wenn man ihn ruft,dreht er sich um,und geht.
man muss ihn dann echt abholen,vor allem,wenn er sich selbständig gemacht hat.
er ist weder mit leckerlie noch mit spielzeug zu motivieren und das macht das ganze nicht gerade einfacher.
sl kommt nicht in frage,weil erstens er und zweitens alle anderen hunde damit spielen,und keiner sie davon abhält
:rolleyes:
damit er abends nicht immer in der dunkelheit verschwindet,hab ich ihr erstmal geraten,ihn an die flexileine zu nehmen (ich weiss,sind sch...,aber sonst haut er immer wieder ab und da jagen ja selbstbelohnend ist,hört das sonst ja nie auf),weil er da immer abhaut.
habe auch schon vorgeschlagen tagsüber ein seil mit einem stock dran an sein halsband zu machen,damit er vom jagen abgehalten wird.
aber es ist echt schwer,an ihn ranzukommen und seine aufmerksamkeit und den respekt zu bekommen...,der gute nutzt in meinen augen nämlich auch gerne seine freiheiten aus...
hat jemand von euch erfahrung mit der erziehung von hsh und ihren eigenheiten?
ich freue mich auf eure antworten!

viele grüsse, silvana

Bobesch
06.05.2004, 21:05
Hallo,
habe geschmunzelt, als ich das eben gelesen habe.Jagen ist zwar eher untypisch für einen Kangal, aber alles andere ist typisches Kangal-Verhalten! Kangals sind sehr eigenständige Hunde, damit muss man sich abfinden.Habe selbst einen 8-jährigen Kangalrüden und spreche aus Erfahrung.Obwohl ich mich intensiv mit seiner Erziehung beschäftigt habe, fällt er oft seine eigenen Entscheidungen.Das heisst nicht, dass er gar nicht hört, aber einen Schäferhundgehorsam kannst du von so einem Hund nie erwarten. Auch ist ein Kangal durch Spielzeug oder Leckerlies kaum zu motivieren. Diese Hunde sind dazu gezüchtet, eigenständig zu handeln und gerade das ist für mich das faszinierende an der Rasse!
LG
Bobesch

neaira
06.05.2004, 22:02
hallo bobesch!

schön,dass jemand geantwortet hat,ich wusste nämlich nicht,ob hier überhaupt jemand einen hsh hält.
wie genau hast du deinen hund denn einen kangaltauglichen "grundgehorsam" (mir fällt grad kein besseres wort ein) beigebracht?
das problem an tequila,so heisst er,ist,dass er eigentlich nur zur pflege da sein sollte,sie sich aber eigentlich gar nicht von ihm trennen möchte,es aber wohl muss,weil sie es,falls sie ihren studienplatz bekommt,zeitlich nicht mehr schafft sich so um ihn zu kümmern,wie es bei seiner vorgeschichte nötig wäre.
(das is ja mal ein super bandwurm-satz!!!:D )
sie liebt ihn aber eigentlich abgöttisch,eben weil er eine persönlichkeit ist.
allerdings ist sie manchmal auch eben deswegen mit dem latein am ende.
als ich ihn bei mir hatte,konnte ich ihn schon vom jagen abhalten und er ist auch nicht abgehauen,aber:
hunde sind da ja wie kinder,woanders immer am besten erzogen...;)
da wäre meine frage doch:wie motiviert man einen kangal?
der witz ist ja,dass er nicht wirklich wie ein kangal aussieht,er ist schwarz (o.k.,er hat sandfarbene beine und nen weissen brustfleck),hat einen fast geraden schwanz ,und ist etwas kleiner,nur etwa 65cm sh,aber er wurde vom ex-herrchen direkt aus der türkei mitgebracht und über sein erstes halbes jahr ist gar nichts bekannt.
was ist eigentlich bei der haltung von hsh zu beachten?
ich habe zwar mal ein buch darüber gelesen,weil ich sie total faszinierend finde,aber das ist ja nur graue theorie,zumal mein eigener hund nun wieder ein völlig anderes kaliber ist (border collie-mix),und ich mich daher praktisch halt eher mit dem verhalten von "normalen"hunden beschäftige.
wie würdest du das abhauen eindämmen,bzw.wie könnte man ihm ein alternativverhalten anbieten,dass in seinen augen sinn macht?
ogott,so viele fragen und das ist nichtmal mein eigener hund..,aber wir sehen uns täglich und ich mag den kleinen sturkopf ja auch.
also,her mit den tipps zur kangaltauglichen erziehung!!!:D

viele grüsse, silvana:cu:

Bobesch
07.05.2004, 11:46
Hallo,
bevor ich meinen Dicken bekam, kannte ich auch nur "normale" Hunde.Wenn man einen Kangal hat, muss man total umdenken.Habe meinen Hund schon mit 8 Wochen bekommen und war gleich mit ihm in der Welpenspielgruppe und dann in der Hundeschule.So hat er seinen Grundgehorsam gelernt, bis er 1 Jahr alt war.Dann hab ich die Hundeschule abgebrochen, weill er eben seinen eigenen Kopf entwickelte und auf diesen Drill keine Lust mehr hatte.In den ersten Lebensmonaten klappte das mit der Hundeschule aber sehr gut, aber diese Möglichkeit gab es bei Tequila ja leider nicht.Ich kann Dir keinen Tipp geben, wie Du ihm das Abhauen abgewöhnen kannst.Ein Kangal ist in seiner Heimat meist auf Selbstversorgung angewiesen, deshab geht er oft seine eigenen Wege.Wenns nicht anders geht würde ich eben die Flexileine vorschlagen.Schleppleine würde ich bei einem Kangal ablehnen.Man kann ihn nicht rumkommandieren, sollte übertriebene Härte vermeiden. Darauf reagiert er mit Sturheit. Er lässt sich nicht unterdrücken.Vertrauen und Autorität sin wichtiger. Du fragtest noch, wie man einen Kangal motivieren kann?--Oje, das ist schwer.Spielen findet er doof, er sieht da keinen Sinn drin.Leckerlies funktionieren wohl nur bei einem sehr verfressenem Exemplar.
Wie Du siehst, kann ich Dir nur den Rat geben, den Hund zu akzeptieren, wie er ist. Er ist nun mal dazu da, selbständig Schafe zu bewachen.Meiner freut sich über seinen 1-2 Std. Spaziergang und den Rest des Tages liegt er am liebsten irgendwo auf dem Grundstück herum und passt auf.
LG
Bobesch

kallewirsch
09.05.2004, 20:39
Hallo neaira,

ich habe auch eine kangalmischlingshündin (Kangal mit Greyhound). Wie du dir vorstellen kannst eine jagdfreudige Kombination. Einen guten positiv besetzten Motivator für einen Kangal zu finden ist echt schwer. Meine Hündin bekommt fast ihre gesamte Futterration draußen für "erwünschtes Verhalten". Und ich habe mit Clicker Training einiges erreicht. Wenn die Spur allerdings zu sehr anmacht ist meine (jetzt 13 monate alt) allerdings auch weg. Allerdings nicht sehr lange weil ich mich auf dem Absatz umdrehe und heimwärts laufe, dass ist ihr so unangenehm, weil sie doch sehr unsicher auf ihre Umwelt reagiert, dass sie binnen einer Minute wieder bei mir ist. Ansonsten nur der Tipp 5 mal am Tag fünf Minuten trainieren und alles ganz langsam aufbauen, weil der Kangal wirklich kein schneller Lerner ist.

So ich hoffe das hilft fürs erste ganz liebe Grüße von

Bettina und der Essenheimer Rasselbande

neaira
09.05.2004, 21:31
hallo bettina!

danke für deine antwort! es wäre bestimmt einfacher,wenn tequila auch noch so jung wäre,obwohl er mit 3,5jahren ja noch kein alter mann ist.
ich denke auch,dass meine bekannte es mit vielen kleinen trainingseinheiten versuchen sollte,schon allein deshalb,weil ergerade in eine phase kommt,wo er in meinen augen testen möchte,wie weit er gehen kann.
theoretisch beherrscht er fast alle grundkommandos,es mangelt nur leider etwas an der ausführung,sowohl im bezug auf die vergehende zeit,bis sich was regt,bzw.ob sich überhaupt was tut :D
gestern war er tagsüber bei mir,und da hatte er nen superguten tag,er hat alle kommandos sofort(!)ausgeführt und war ordentlich schmusig,und das,wo er mit nicht soooo vertrauten leuten manchmal etwas eigen ist,kangal halt.
er scheint sich nur komischerweise für einen zwerghamster zu halten,denn am abend sassen wir vier,also bessere hälfte,ich,amy und tequila auf 2m sofa und er robbte immer näher ran,rollte sich gaaanz klein ein,und irgendwann waren wir ein friedlich kuschelnder haufen :)
im gegensatz zu früher hat er sich schon ganz toll gemacht,er hatte es ja nicht unbedingt schön bei seinem ehem.zuhause und jetzt gehört er endlich mal dazu.
du hattest geschrieben,dass du mit clicker arbeitest,ist das bei einem hsh nicht sehr ungewöhnlich?
ich meine,sie fällen ja dich recht eigenständig die entscheidung,ob etwas in ihren augen sinn macht,oder nicht und ich fand bisher eigentlich,dass das eher was für weniger selbständige hunde ist,die spass am mitarbeiten und irgendwie auch am befolgen von kommandos haben.
so bewandert bin ich auf diesem feld aber auch (noch) nicht,weil es bei amy so gar nicht geklappt hat,sie ist aber generell etwas eigen...
das mit dem futter ist auch so ne sache,er ist schwer zu "bestechen" und macht sich nicht so viel aus futter und gar nix aus bällen etc.
das wird eh noch schwierig,weil er auch noch autopaniker ist (siehe thread) und ich meiner bekannten helfen will,das wieder hinzubekommen.
aber es ist ja noch nicht aller tage abend ;)

lg, silvana

billymoppel
09.05.2004, 21:47
hallo silvana,
ich kann zwar nicht mit einem hsh dienen, aber mit einem jagdhund, der sich im prinzip ganz genauso verhält, nur mit ein biss'l mehr charme vielleicht :D
aber auch er ist draußen sehr eigenständig und hat eigentlich an nichts anderem als am spuren interesse.
zum thema jagen: mit einem hund, der schon so viel spass dabei hatte, wird man keine wunder mehr erreichen. oberste priorität sollte daher meideverhalten haben. man lernt eigentlich schnell, welche gegenden besonders wild- (und jäger-)gefährdet sind. wald ist unangeleint mit einem solchen hund selbstredend tabu. und man muss lernen, die augen immer am horizont zu haben. sichtechnisch sind wir den hunden gegenüber im vorteil und das muss man nutzen. mir kann keine kaninchen mehr etwas vormachen, auch wenn es "tot" spielt. :D
ich glaube auch, dass die geduckte annäherung nicht masche ist, sondern dass er sich wirklich entschuldigt - nur er kann eben nicht anders. neben dem trieb, seinem menschen zu gefallen ist da eben auch noch der jagdtrieb. das ist nicht böse gemeint, zwei herzen schlagen eben ach in seiner brust!
mit so einem hund muss man wirklich leben lernen und man vielleicht auch loslassen lernen. es ist eine andere form von partnerschaft, die ja nicht weniger intensiv sein muss. ein schäferhund wird daraus nie. wenn man mit diesem anspruch herangeht, ist alles zum scheitern verurteilt.
als ich meinen hund damals aus dem th nahm, war er ja schon fünf und er hatte auch schon einige jagden hinter sich. ich wollte aus diesem hund einen boxer machen! die folgen kann man sich vorstellen: tränen und verunsicherung auf beiden seiten. zum glück bin ich damals an jagdhunderfahrene menschen geraten, im th und privat.

lg
bettina

ps: ich möchte nie wieder etwas anderes haben, als einen jagdhund!

neaira
10.05.2004, 11:24
hallo bettina (die 2. :) )

der witz ist ja,dass er die jagerei eigentlich nur hier im park so extrem auslebt,wo es,gottseidank,keine jäger o.ä.gibt.
(aber dafür umso mehr leute,die ihre hunde zum jagen schicken,weil es ihnen ja sooo viel spass macht und die paar kaninchen und eichhörnchen...:sn: )
ich wohne ja in berlin und da sind freie felder und wälder mit jagdpächter recht selten,das gibts eher im umland.
in den meisten wäldern hier in der stadt (und das sind wirklich richtige wälder,manche denken ja,in der stadt wären das dann so 3,4bäumchen) haben sie auslaufgebiete eingerichtet,z.b.am grunewaldsee etc..
wenn wir mit tequila da sind,jagt er gar nicht,er badet lieber und spielt und hier rennen auch wildschweine und so rum,aber die sind die hunde gewöhnt und reagieren meistens nicht mal mehr auf anbellen,ich halte amy trotzdem fern,man weiss ja nie...
wahrscheinlich würde er auf freiem fels auch abdüsen,aber da müsste man schon eine weile fahren,also bleiben wir im park,stadtwald oder auf den stadtfeldern,da sind hunde erlaubt (o.k.,im park nich,aber ich will sie ja nicht nur an der leine führen und mit etwas rücksichtnahme geht das bisher ganz gut) und da gibt es auch nicht so viel wild.
ich denke aber auch,dass da bei tequila keine wunder mehr zu erwarten sind,aber momentan versucht sie es mit der wurfkette und viiiel leckerlie,klappt mal besser und mal weniger gut,aber für einen hsh-mix schon ganz passabel.
aber wenn du einen jagdhund in den griff bekommen hast,was ja auch nicht ihne ist,müsste man ja auch einen kangal-mix einigermassen in den griff bekommen...
ich kann dir nur zustimmen,dass jagdhunde wirklich einen anderen und auf viele wohl ansprechenderen charme haben und nicht so eigen sind.
ich finde sie auch immer sehr sympathisch,gerade wenn uns im wald ein weimaraner oder viszla begegnet,die sind meistens superfreundlich und sehr aufgeschlossen,und amy mag sie meist auch :D
ich persönlich habs da eher mit den hütehunden (amy ist ja ein bc-mix) und träume immernoch von einem aussie,aber ich denke,dass das erstmal träume bleiben werden...
nicht,dass mich amy nicht schon ordentlich auf trab halten würde :sporty:
na schaun mer mal,wie das ganze ausgeht!

lg,silvana

billymoppel
10.05.2004, 20:57
hall silvana,
die wurfkette ist eine gute idee, sollte aber nur bei einem seelisch stabilen hund angewendet werden und nur im notfall, da sie sonst schnell ihre wirkung einbüßt.
an die berliner wildschweine habe ich auch noch so meine erinnerungen :D, ich habe ja ein paar jahre da gewohnt. ich werde nie vergessen, wie ich eines morgens durch schlachtensee ging, um männe vom fußball abzuholen - als eine ganze rotte vor mir aus einem garten getrabt kam: große und kleine. dann haben sie mittig auf der straße erst mal eine versammlung abgehalten :D mich habe sie keines blickes gewürdigt. der garten war natürlich ein schlachtfeld, den zaun hatten sie einfach umgelegt. die schlauen biester wissen genau, dass sie im stadtgebiet nicht gejagt werden! obwohl, ein bißchen habe ich ihnen ihr frühstück gegönnt, war ja auch nicht mein garten :D

lg
bettina