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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : = Der 99% Hund =



Thomas
19.07.2002, 19:12
Hallo allerseits!

Es wurde in diesem Thread <click> (http://forum.zooplus.de/forum/showthread.php?threadid=2192) die These aufgeworfen, das viele Hundehalter ihre Fiffis bestenfalls zu 99% erziehen (können) - das letzte Prozent jedoch oftmals Schwierigkeiten bereitet.

Für mich persönlich stellt sich die Frage, welche Situationen dieses letzte Prozent eigentlich beinhaltet. Geht es nur um Situationen wo Leib und Leben von anderen Hunden und sonstigen Lebewesen in Gefahr sind? Oder zählen dazu alle möglichen Alltagssituationen die Gehorsam bzw. Unterordnungsbereitschaft erfordern? Falls letzteres der Fall ist, dann ließe sich dieses eine Prozent m.E. schnell auf 10-20 Prozent erweitern. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage inwieweit man wirklich nach diesem letzten Quäntchen streben sollte. Für mich bedeutet ein 100% Hund nichts anderes als Kadavergehorsam. Selbigen lehne ich strikt ab. Mein Ziel lautet daher: 99% (ein Hund der niemals etwas in Frage stellt, also demnach 100% funktioniert ist für mich langweilig). Wir reden hier ja im allgemeinen über Familienbegleithunde und für einen solchen, halte einen ein Gehorsamsgrad von 99% für sehr beachtlich. Wenn alle Hundhalter in der Lage wären, mit ihrem Hund bis auf 99% voranzukommen, gäbe es nur noch einen kleinen Bruchteil der Probleme vom Status Quo (Welche Prozentzahl entspricht wohl der Realität? 30%? 40% ?). Das letzte Prozent mit Härte durchsetzen zu wollen, mag für den ein oder anderen ein verlockendes Erfolgsziel sein. Die Frage ist jedoch, mit welchem Level an Härte (differiert von Hund zu Hund extrem) dies durchzusetzen sein müsste und inwieweit dann noch von einer Verhältnismäßigkeit der Mittel gesprochen werden kann. Viel besser gefällt mir hingegen das Wort Konsequenz. Ich denke das evtl. hier und da Härte mit Konsequenz verwechselt wird.
Des weiteren birgt die 100%-Diskussion für mich die Gefahr, das viele Hundehalter bereits bei einem tatsächlichen Ausbildungsstand von z.b. 60% anfangen könnten, mit (übertriebener) Härte eine Verbesserung der Situationen herbeiführen zu wollen. Das hier in vielen Fällen der Schuss eher nach hinten losgeht, steht m.E. zu befürchten. Bei den 60% Hunden wäre stattdessen mit Geduld, Konsequenz und üben üben üben noch viel mehr rauszuholen.


@ Volker:

* Ich halte den Nackengriff/schüttler nach wie vor für kein probates Erziehungsmittel (weder für das letzte Prozent als auch sonst). Mein „Gegenvorschlag“ lautet: mit beiden Händen den Hund an den Backen greifen und hochziehen. Ein paar Sekunden innehalten (ggf. ein deutliches Nein! Lass es! dazusagen) und dann den Hund sehr langsam wieder herunterlassen. Dem Argument, das ein Nackengriff u.U. für den Ausführenden „sicherer“ wäre, kann ich nicht folgen: Wenn tatsächlich die Gefahr bestünde, das der Hund seinen Halter beißen könnte, ist doch das Verhältnis Mensch-Hund in einer Art und Weise gestört, das derartige Abstrafmethoden von vornherein zum scheitern verurteilt wären. Ich persönlich würde allerdings auch „meine“ o.g. Methode niemandem im Forum als Ratschlag mitgeben. Grund: Defakto Unkenntnis über den beteffenden Halter und Hund.

* Das Halti (genauso wie Discscheiben) hat in meinen Augen durchaus seine Berechtigung. Richtig eingesetzt (sehr schwer - da perfektes Timing vonnöten ist), lassen sich damit durchaus Erfolge erzielen. Das Argument der Bequemlichkeit hat zwar sicher seine Berechtigung, stellt die Sinnhaftigkeit jedoch nicht per sé in Frage. Es kommt halt immer darauf an, wie etwas eingesetzt wird. Ansonsten könnte man auch den Clicker oder Leckerchen als unproduktiv wenn nicht sogar kontraproduktiv einstufen...bei falscher Anwendung.

* In Bezug auf den 100%-Hund habe ich Dich evtl. missverstanden was den Ausdruck Härte anbelangt. Falls dem so ist, wird sich das sicher aufklären lassen...


Gruß
Thomas

PS. Falls es jemanden interessiert: Ich bin mit meinem Hund bei etwa 81,5% ;) Die restlichen Prozentchen bis 99 werden allerdings noch eine ganze Weile brauchen (Hintergrundinfo: Hund 3 Jahre alt; war die ersten 14 Monate beim Züchter).

Daggi
19.07.2002, 20:12
Hi Thomas, mit Deinen Ansichten stimme ich voll überein. Andere vielleicht nicht, aber das ist halt Ansichts- bzw. Einstellungssache. Vor allem der "Kadavergehorsam" ist auch so ein Ding: Ich sehe es auch so: Ich will keinen "perfekten" Hund. Außerdem was ist perfekt? Ich möchte einen Familienhund, mit dem man überall hin gehen kann, mit dem man Spaß haben kann, auf den man sich verlassen kann und der die wichtigsten Hund/Mensch-Regeln kennt! Darauf zielt unsere Erziehung ab und wir freuen uns, wenn ich immer wieder ein kleines Ziel erreichen konnten!

volker
19.07.2002, 20:22
Hallo Thomas

Es freut mich von dir zu hören, einige Punkte möchte ich ansprechen, da sich die Diskussion doch vom eigentlichen
entfernt hat.

Das streben nach dem letzten Quäntchen ist mit Sicherheit nicht das höhste im zusammenspiel Mensch/Hund es bezieht
sich auf alles, hat aber nicht unbedingt etwas mit Härte zu tun.

Thomas frage doch bitte die Hundebesitzer ob ihr Hund auf das Kommando "Hier " kommt, die Antwort wird "Ja" sein du fragst nochmals "immer" die Antwort wird wieder "ja" sein. Also wenn ein Hase zwei Meter vor seiner Nase über die Strasse rennt
kommt er , die Antwort wird sein: NEIN DAS IST DOCH WAS GANZ ANDERES, DA KOMMT ER NICHT. und das ist das 1%. Es ist nicht wichtig!!!!! ob der Hund die 99% kann, sondern daß er das 1 % nicht kann. Wenn bei den 99% etwas nicht supertoll funktioniert ist das wenig schlimm bis uninteressant, aber das 1% prozent ist wichtig . Oder anderst gesagt es ist das 1-ste%und nicht das letzte- %.

Thomas, das mit dem Nackengriff ist ein Sache die man bei dieser Gesprächsrunde völlig überbewertet, ich kann den Hund ebenso an den Backen greifen, nur bis ich in die Knie gehe und ihn mit beiden Händen an den Backen oder Brustkorb greife ist dieser bereits mitten im Getümmel, deshalb die Aussage mit einem Arm schnell nach unten am Nacken (Nackenfell geht mit einer Hand ) und hoch, schütteln " Aussage nein" und schnell abwärts auf die linke seite wo er auch herkam und das Kommando Platz, welches als Absolut-Kommando gilt.

Wenn ich mit meinem Hund spazieren laufe gibt es eigentlich keine Kommandos. Der Hund bewegt sich völlig frei, wenn er sich zuweit ernfernt rufe ich ihn ohne Kommando herbei, sehe ich in einem größeren Abstand andere Hunde halte ich ihn damit in meinem näheren Umkreis ( vielleicht 20 Meter ). Ein Absolut- kommando erfolgt nur, wenn gefahr im Verzug ist ( nie aus jux und tollerei ) wie zum Beispiel Wild, KfZ, Fahrradfahrer etc. Da muß er dann gehorchen, ansonsten kann er eigentlich wackeln wie er will.

Am Beispiel von Dani wurde es ja deutlich , ob Jacky auf den Vorderpfoten durch den Park läuft oder sitz macht interessiert keinen Menschen mehr, zumindest in dem Moment nicht mehr
wo sie andere Hunde attakiert und nicht gehorcht.

Ich möchte niemandem sagen" mein Hund wurde heute vom Auto totgefahren, obwohl er alles konnte , bis auf eine Sache".

Das 1 % ist die Notbremse 20cm vor dem Autoreifen oder im Falle von Dani das 1% welches sie irgendwann zu einer Hundebesitzerin macht, die einsam ihre Runden beim gassi-gehen dreht, da niemand mehr lust auf sie und Jacky hat.

Das Halti ist, wie ich ebenfalls erwähnte eine gute Sache, richtige Anwendung ist allerdings die Voraussetzung.

Man kann und sollte Härte nie als Erziehungsmittel einsetzen,
es gibt aber momente in denen ich mich durchsetzen muss.

Es ist ein Unsichtbarer Zaun , der Dem Hund eine Grenze aufzeigt die er nicht überschreiten darf, aber in diesem Bereich ist fast alles an hundischem Unfug erlaubt.

Gruß

Volker

Thomas
19.07.2002, 21:02
Hi Volker,

es freut mich zu lesen, das Du in Wirklichkeit für den 1%-Hund plädierst und nicht für den 100%-Hund (Kadavergehorsam).
Das ganze hört sich nunmehr eine ganze Ecke entspannter an (ich erinnere an einen Ausspruch von Dir: "....es geht nur über Härte...")

Das eine Prozent das du ansprichst ist in der Tat das wichtigste, allerdings geht selbigem natürlich eine Menge Arbeit voraus, sodas es sich auf der Zeitachse eher im letzten Drittel befindet (Erst Grundausbildung, danach das ganze nochmal mit Ablenkung/externen Einflüssen, steigender Schwierigkeitsgrad).

Eine Frage hab ich vorhin vergessen zu stellen:
Aus welchem Grund fängst Du mit Schröder´s Ausbildung erst mit 12 Monaten an?


read ya´
Thomas

volker
19.07.2002, 22:18
Hallo Thomas,
entschuldige bitte, meine neue Sache hatte ich in mühsamer Arbeit fast fertiggeschrieben, dann hat sich mein Rechner Verabschiedet. Ich antworte dir morgen

Danke

Volker

Thomas
19.07.2002, 23:56
Volker, mir scheint, Deinem Computer fehlt der Grundgehorsam - ein einfaches "Bleib!" zur rechten Zeit hätte genügt...
Aber ich kenne diese Momente, in denen sich ein Hier-steckt-verdammt-viel-Herzblut-drinn-Beitrag von jetzt auf gleich in Luft auflöst. Pretty annoying. Seitdem schreibe ich längere Beiträge nur noch in Word mit automatischer Zwischenspeicherung und pflanze sie dann per cut & paste ins Forum...

Thomas

volker
20.07.2002, 16:32
Hallo Thomas,

Vorab möchte ich eine etwas ältere Frage von dir beantworten.

Du hatest gefragt was für ein JR - Schröder ist.

Er ist der erste Hund den ich habe, der über keine Papiere verfügt, Zudem hat er kurze Beine, ist Tricolor und hat einen schwarzen Mantel ( Fehlfarben), die 4 Pfoten und die spitze der Rute sind reinweiß. Im Ergebnis der weitläufigen Bezeichnung und des Titels "JR" völlig unwürdig. Er hat jedoch Charaktereigenschaften welche ihn wiederum zu einem erstklassigen "JR" machen .

Nun meine Antwort auf deine Frage:

Die Erziehung eines Hundes ist in abertausenden Varianten möglich, aufgrund den Erfahrungen welche ich in den Jahren sammeln durfte und mußte bin ich ( bereits seit Jahren ) einem
Schema welches auch im Leistungsbereich praktiziert wird Treu.

( Ich denke jetzt auch an Bello 2001 )

Wenn man auf den Hundeplätzen schaut sind es immer dieselben Hunde, welche sich durch überschnittliche Leistungen auszeichnen. Zuerst möchte ich aber erläutern welche es nicht sind.

Die meisten Leute kaufen sich einen Hund, und fangen an ihm Kunststücke, Tricks und Befehle beizubringen bevor er stubenrein ist ( er macht Handstand aber pinkelt noch in die Ecke ) . Ich finde das auch auf den Seiten hier manchmal merkwürdig, was die Hunde in ihrem jungen Alter schon alles können. Die daraus entstehende Problematik ist, daß die Hunde meist überbeansprucht und in Ihrer Entwicklung gebremst werden bis hin zum totalen Einbruch. Und das nur weil wir Besitzer gerne Dompteure sind ( siehe auch manche Hundeplätze) der Hund dabei aber nicht berücksichtigt wird.

Die neue Entwicklung auf den Hundeplätzen stelle ich damit teilweise auch in Frage. Ich habe bereits erwähnt, daß ich es selbst auch getan und somit falsch gemacht habe ( Hat so glaube ich 8 oder 9 Jahre gedauert. Verstanden und kapiert habe ich es erst, als mein großes Vorbild ( noch heute )
seine Arbeit die er geleistet hat ( welche ich bewunderte ) in Frage stellte und eine zum Teil völlig andere Art der Ausbildung anstrebte, dieser Hund welcher durch ihn danach Ausgebildet wurde nahm nach 3 Jahren an der Deutschen Meisterschaft teil.
Ich glaube bis dahin, noch nie einen SchH-3 Hund gesehen zu haben, der mit soll einer Freude und Zuverlässigkeit gearbeitet hat.

Nun zum eigentlichen Thema.

Wir kaufen uns einen Hund, der entsprechend der Rasse über Trieb.- und Charaktereigenschaften verfügt. Durch ein ständiges Eingreifen in sein Verhalten und sein Tun, kann er diese Veranlagungen nicht, oder nur begrenzt entwickeln. Aber gerade weil uns diese Veranlagungen gefallen, haben wir uns für diese Rasse entschieden . Man bringt dem Hund gewisse Dinge bei was auch korrekt ist, lässt ihm aber Zeit sich zu entwickeln und zu festigen. Die Physis sowie auch die Psyche eines Welpen, Junghundes sind nicht robust und jegliches Fehlverhalten durch uns bekommt der Hund der sich in einem ( im Vergleich zu uns ) enormen Tempo entwickelt zu spüren. Die Fehler welche dadurch entstehen sind meistens nicht mehr reparabel, oder kommen erst viel später zum Vorschein.

Die Erziehung eines Welpen ist wichtig, aber eine andere wie ich auf diesen Seiten oft lesen muß. Wenn ich mir die Hundeführer auf den Plätzen so anschaue, gibt es jeweils nur
eine vielleicht auch zwei Personen, welchen ich mich und mein Hund anvertrauen würde. Jetzt frage ich mich, wo auf einmal die vielen guten Hundtrainer herkommen!!!!

Ich selbst habe aus Spaß schon an einigen Kursen ( immer nur die erste Stunde ) teilgenommen und muß sagen, ich habe geweint. Die meisten der Hundetrainer haben eine Ahnung von Hundeausbildung wie ich vom Düsenjet fliegen, nur mit dem Unterschied, daß ich nicht glaube fliegen zu können nur weil ich ein Buch über Düsen-jets gelesen habe.

Leider ist aus dem Thema Hund eine Gelddruckmaschine geworden, wo der Hund oftmals auf der Strecke bleibt.
Ich möchte nicht wissen wieviel Geld manche auf dieser Seite schon für Hundeschulen ausgegeben haben. Ich habe es noch nie für Geld gemacht, sondern aus liebe zu den Hunden.

Im übrigen bin ich ein Verfechter von eingetragen Vereinen, den die tun für fast kein Geld ordentlich viel.

Das was ich meinem Hund gelernt habe, ist schnell gesagt:

Als Schröder zu uns kam standen die Regeln bereits fest, was wichtig ist da der Hund REGELÄNDERUNGEN IM NACHHINEIN NICHT VERSTEHT.
1.)
Die ersten Tage wurde nicht laut gesprochen, viel gespielt ( ohne laut zu werden ) und ansonsten streicheln mit ihm auf den Boden liegen und pennen. Er wurde nie aufs Sofa genommen sondern wie lagen zu ihm auf den Boden.

Dadurch, daß leise gesprochen wird findet der Hund eine ruhe vor welche ihn für sein weiteres Leben prägt. Das Spielzeug welches er bekam wurde nur durch Ihn eingesetzt oder in Verbindung mit Ihm vorsichtig, den wenn er in der ersten Phase eine negative Erfahrung , wie Schmerz macht, wird er damit immer ein Problem haben ( nicht der Schmerz sondern die Situation). dadurch, daß es sehr ruhig war und das spielen nicht zu sehr gesteigert wurde, und im fröhlichen bellen endete. Bellt Schröder heut ( 11 Monate ) so gut wie nie. Das bellen ist ein Signalruf zur Wiederfindung und nicht zum ich will spielen- ich belle, ich habe hunger- ich belle, mir ist langweilig- ich belle.
Es wurde nicht verboten, sondern lediglich nicht zusätzlich gefördert. Seine Spielsachen waren nur wenige ( altes Handtuch, Putztuch ). damit wurde gespielt und zwar richtig mit allem was dazugehört. Der Lerneffekt ist einfach: Er wuste genau was ihm gehört und hat bis heute nichts kaputt gemacht oder zerstört außer natürlich seinem Handtuch und Putzlappen, den er im übrigen immer mit sich herumträgt. Im Ergebniss haben wir gespielt und zwar nur mit seinem Tuch, aber für ihn waren alle anderen Dinge ja auch langweilig. Nicht verboten- sondern nicht gefördert.

Das war im großen und ganzen schon alles bis auf vielleich 1000 andere Dinge.

Da Schröder nun 11 Monate ist hat sich seine Physis wie auch Psyche so weir gefestigt, daß er für eine Ausbildung belastbar ist.

Und nun das wichtige:

Das 1% lernt er zuerst.


Das weitere Warum und wie, erkläre ich gerne.

Bis bald

Gruße
Volker