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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welpe akzeptiert keine Familienmitglieder!



michi11111
08.04.2004, 20:47
Hallo!

Ich habe seit ca. 3 Wochen einen Collie-Rüden, knapp 14 Wochen alt.
Es ist nicht mein erster Hund aber dieses Problem ist etwas völlig unbekanntes:

Also erstmal ist er auffallend zurückhaltend und extrem ängstlich. Gut, letzteres gibt sich anscheinend so langsam, aber nur mit sehr, sehr viel Geduld.
Hund ist nicht gleich Hund, OK!
Wie gesagt, so ganz langsam taut er auf, hat sich an die Leine gewöhnt und animiert mich mittlerweile sogar zum spielen.
Wenn es abends in die Hütte geht, folgt er mir (incl. Futternapf) tadellos.

Das Problem:
Bei mir klappt das.
Nur meine Eltern, die ja auch den ganzen Tag auf dem Hof sind und sich um ihn kümmern sollen, wenn ich nicht da bin, akzeptiert er irgendwie nicht.
Zu beiden hält er ständig ungelogen mindestens 5 Meter Abstand, kläfft sie sogar an!
Da hilft kein gut zureden oder locken, sogar die angebotenen „Leckerlies“ ziehen nicht.
Vater hat es sogar mit einem Stück Wurst und Eis versucht – nichts!
Dabei spielt es keine Rolle, ob ich dabei bin oder nicht.
Dementsprechend folgt er abends auch keinem von beiden zu seiner Hütte, das hingestellte Futter ist am nächsten Morgen allerdings alle.

Das eigenartige ist, die ersten 2 Tage ging das, er ließ sich auch von Fremden locken (auf dem Hof, in meinem Beisein)...danach ging das los.
Was man nun vermuten würde, kann keinesfalls sein:
Irgendetwas Böses hat ihm garantiert keiner getan!

Ich befürchte nun, daß sich dieses Verhalten manifestiert, da es ja überhaupt nicht besser wird…

Vielleicht noch wichtig:
Ich habe ihn mit 12 Wochen geholt. Er war der einzige, der aus dem Wurf noch da war.
Außerdem vermute ich (die Tierärztin ebenfalls), dass sich dort keiner so richtig um den Hund gekümmert hat…

Kann jemand helfen?

Gruß
Michi

kimba450
08.04.2004, 20:56
Hallo,
was heißt denn "wenn es abends in die Hütte geht"?Hier könnte eventuell die Ursache liegen.
Lieben Gruß
Ela

Thomas
08.04.2004, 23:53
Hallo Michi,

ein paar "unbequeme" Fragen bzw. Anmerkungen:

1.) Wieso habt ihr einen Welpen geholt, dessen Aufzucht nach Deiner eigenen Aussage wohl alles andere als optimal war? Selbstverständlich ist eine mangelhafte Prägung beim Züchter (?) ursächlich für sein ängstliches Verhalten. Das Collies zu den eher sensiblen Rassen zählen ist Dir evtl. bekannt?

2. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, ist der Welpe auf eurem Hof draussen in einer Hütte untergebracht. Somit seit nun IHR verantwortlich, das die schlechte Prägung in den zurückliegenden 3 Wochen bei euch zu Hause fortgeführt wurde! Sehr bedauerlich das ein ängstlicher (!) Welpe (!) Nachts nicht bei seinem Rudel sein darf! Mehr sage ich dazu jetzt mal nicht.

So, was soll man Dir jetzt raten? Die Prägungsphase ist fast abgeschlossen (ihr habt max. noch 2 Wochen) -> klemm Dir den kleinen Zwerg also sofort untern Arm und suche einen kompetenten Trainer auf der gerade eine Welpenspielgruppe hat. Dort lernst Du etwas über die Bedürfnisse eines Welpen und Dein Hund kann evtl. noch ein bisschen Sozialisierung inhalieren. Nutze die Osterfeiertage und häng noch ein paar Tage Urlaub dran - das Zeitfenster wird sich bald schließen - alles was er jetzt versäumt wird später nur noch mit großer Mühe auszubüglen sein....

Warum er sich bei Deinen Eltern so extrem verhält kann Dir hier keiner beantworten...keiner war dabei. Nur eines: "Gut zureden" in dem Augenblick wo er Deine Eltern ankläfft, verstärkt das Problem eher da er ja für dieses Verhalten belohnt wird.

Komm bitte in die Gänge...
Thomas

Hovi
09.04.2004, 01:01
Original geschrieben von michi11111
Irgendetwas Böses hat ihm garantiert keiner getan!



Hallo Michi,

das Schlimmste, was man einem Welpen antun kann, ist, ihn von seinem Rudel zu isolieren. Das ist für den Welpen mindestens genauso schlimm (wenn nicht noch schlimmer) wie körperliche Mißhandlung.

Ob das bei euch der Fall ist, wirst Du selbst am besten wissen.

Grüße
Claudia

Briddy
09.04.2004, 11:02
Hallo,
mal abgesehen davon, daß ich Ela, Thomas und Claudia absolut zustimme, kommt mir da noch so 'ne Ahnung. Diese extreme Scheu und Ängstlichkeit durch mangelhafte Prägung kommt mir doch sehr bekannt vor. Ich hab' da auch so ein Exemplar, allerdings hab ich meines schon mit 8 Wochen bekommen, hatte also etwas mehr Zeit, daran zu arbeiten. Bestechen mit Wurst und Leckerlies ging bei meiner Kleinen aber auch nicht. Es hat sich vieles gebessert, aber ein total cooler und gelassener Hund wird sie wohl nie.
Nach meiner Erfahrung würde ich sagen, daß Euer Collie z. Zt. total überfordert ist, einfach tierisch gestresst. Ist halt wie beim Menschen auch: Manche haben starke Nerven und andere sind schon bei Kleinigkeiten überlastet. Daß Collies generell eher zu denen mit den schwachen Nerven zählen, wurde ja schon erwähnt. Obwohl die Zeit der Prägung bald abläuft, würde ich nichts überstürzen. Geh in ganz kleinen Schritten vor und wenn Du merkst, daß Hundis Nerven nicht mitmachen, geh' halt lieber wieder einen Schritt zurück. Ganz wichtig: hol den Hund ins Haus. Er muß unbedingt eine starke und vertrauensvolle Bindung zu Dir aufbauen, das geht aber nicht, wenn er in eine Hundehütte abgeschoben wird. Du schreibst, dem Hund hat niemand etwas getan. Glaube ich Dir, aber das Dumme bei diesen Sensibelchen ist, daß das aus Sicht des Hundes ganz anders aussehen kann. Ich will damit sagen, daß schon ein Geräusch, eine laute Stimme, irgendwas erschreckendes halt (und für einen derart ängstlichen Hund ist vieles erschreckend, was Du echt nicht glauben würdest!) für den Hund bedeutet, daß ihm "was getan" wurde. Mein Hund hat auch heute noch, mit 3 Jahren, manchmal solche Anwandlungen. Ein Fläschchen mit Bachblüten-Rescue-Tropfen habe ich immer im Haus... Falls Du nicht die Zeit oder den Nerv hast - was ich verstehen könnte - , Dich auf die Übersensiblität Deines Hundes einzulassen, dann ist es einfach der falsche Hund für die falschen Leut und es wär' besser, ihn in eine ruhige Umgebung weiterzuvermitteln. Ich weiß jedenfalls, mein Hund ist froh, daß wir alleine leben. In einer Familie mit der entsprechenden Unruhe wäre sie heillos überfordert gewesen.
Viel Glück!
Briddy

michi11111
09.04.2004, 14:00
Vielen, vielen Dank für die hilfreichen Ratschläge…
Ich hatte hier eigentlich Hilfe erwartet, keine Belehrungen von oben herab (mal Ela bzw. Briddy, die sich anscheinend tatsächlich Gedanken machen, ausgenommen)!

@ Thomas und Claudia:

Habt Ihr bloß „Hütte“ gehört und dann sind Lichter ausgegangen?
Bitte lest wenigstens DIESEN Text richtig!!

Extra hatte ich erwähnt, dass dies nicht mein erster Hund ist.
Der letzte war ein Collie-Mischling, der genau die gleiche Behandlung erfahren hat, wie dieser – der liebste Hund, den man sich vorstellen kann!
Leider nur 9 Jahre lang…

Sagt mal, Ihr wollt mir hier nicht im Ernst erzählen, das ein Collie ein Hund für die Wohnung ist, oder???
Das Tier stammt von einem Bauernhof, hat also noch nie eine Wohnung von innen gesehen.
Und wenn es ihm denn hier SO schlecht geht, warum ist er MIR gegenüber „normal“, nur zu anderen nicht?
ICH bin doch der böse Mensch, der ihn nicht in die Wohnung lässt!!!!
MICH akzeptiert er doch!
Und noch mal: Die Hütte hat er am ersten Tag angenommen!!!

-„Wenn ich Dich richtig verstanden habe, ist der Welpe auf eurem Hof draussen in einer Hütte untergebracht. Somit seit nun IHR verantwortlich, das die schlechte Prägung in den zurückliegenden 3 Wochen bei euch zu Hause fortgeführt wurde! Sehr bedauerlich das ein ängstlicher (!) Welpe (!) Nachts nicht bei seinem Rudel sein darf!“

Sagt mal…???
Natürlich werde ich ihn nicht loben, wenn er meine Eltern ankläfft.
Soviel kannst Du mir schon zutrauen. Selbstverständlich bekommt er zu verstehen, das er hier etwas falsch macht (und nur vorsichtshalber gesagt, weil ich ja der böse Hundewegsperrer bin: Schläge gehören NICHT dazu!).
Ich meinte, wir haben versucht ihn anzulocken, wenn er „nur“ seine 5 Meter Abstand hält.

Das andere…
Ja, vielleicht hätte ich diesen Hund nicht zu mir nehmen sollen, richtig!
Vielleicht hätte es mir scheißegal sein sollen, was aus einem Tier wird, das einfach übrig bleibt, weil es keiner haben wollte und er 4 Wochen über der Zeit war.
Vielleicht hätte er es besser gehabt, wenn man ihm dort eins mit der Axt gegeben hätte, denn in einem Tierheim wäre er mit absoluter Sicherheit nicht gelandet, den Aufwand hätten die Leute sich gespart, glaub mir!!!
Ja, dann hätte ich mir solche Kommentare freilich sparen können!
Aber klar, dass DU (Thomas) solch einen „komischen Hund“ NICHT zu Dir genommen hättest…das glaube ich Dir gern!
Und IHR wollt mir hier „Grausamkeit“ vorwerfen, oder wie???

-„das Schlimmste, was man einem Welpen antun kann, ist, ihn von seinem Rudel zu isolieren“

Du hältst einen Hovi in der Wohnung?


@kimba450:
Nein Ela, ich denke eigentlich nicht.
Beißt Euch doch nicht an der „Hüttenfrage“ fest, die Hütte akzeptiert er doch problemlos!
Das gibt kein Theater und kein Jaulen, völlig unkompliziert.
Die Frage ist doch, warum klappt das GRUNDSÄTZLICH bei mir (als „Rudelführer“) und bei den anderen „Rudelmitgliedern“ nicht?
Das Grundproblem:
Zu mir hat er offensichtlich Vertrauen, zu den beiden anderen nicht!!!
Das ist doch die Frage…

@Briddy:
Ja, ein „Sensibelchen“ ist es wohl wirklich…und schreckhaft dazu, daran wird es wohl auch liegen…
Eine ruhige Umgebung hat er eigentlich, es verlangt ja auch keiner übermäßig viel von ihm.
Nur stell Dir mal vor, ich würde ihn jetzt irgendwo hin geben. Das ist sicher auch nicht stressfreier, oder?
Diese Bachblüten, gehört habe ich schon davon. Aber was sollen die bewirken?

Gruß
Michi

Tina2809
09.04.2004, 14:25
Du hältst einen Hovi in der Wohnung?
Claudia hat sogar zwei davon. Und das klappt prima.

Welche andere Art von "Hilfe" hast Du denn erwartet?

Grübelnde Grüße
Tina

Rocky
09.04.2004, 14:39
Sorry Michi,aber ich muß hier allen Recht geben.Ich verstehe nicht wie man einen Hund mit 14 Wochen in eine Hütte tun kann.Er ist doch noch ein Baby,er bracuht Liebe,Zuneigung und Wärme von Euch Familienmitglieder.Du sagst er weint in der Hütte nicht und es ist alles ok!
-Woher willst Du das wissen dass es Ihn nicht trotzdem belastet!?
Er braucht Euch doch!

Sorry,aber ich könnte das nicht über das Herz bringen...:0(
Der Gedanke daran tut mir schon weh...Ich mein,Mann hat doch kein Tier um es weg zu sperren.Ich denke schon dass mit daran liegt dass er in der Hütte ist...Es heisst doch nicht ,wenn er vom Bauernhof kommt dass er dann keine Wohnung braucht?!

Ich finde es ok wenn Du den Hund zu Dir genommen hast.Klar sollten sie normal gut sozialisiert sein und irgendwie hat Micha da schon Recht.Aber ich bin auch der Meinung dass solche Tiere auch ein Zuhause verdient haben.Auch wenn sie sozusagen übrig waren.
Aber gib Ihm doch bitte ein warmes Zuhause wo er Zuwendung vo Euch kriegt-Tag und NACHT.
Unser Sam schläft mit uns im Schlafzimmer neben uns in seinem Korb.Und er genießt es sichtlich,Tag und Nacht unsere Nähe zu spüren.
Du mußt immer bedenken-Du hast alles-Dein Hund hat nur Dich,bzw.Euch.

Und ich kann mir nicht erklären warum ein Welpe "einfach so" seine Besitzer anbellt...
Normal ist doch jeder Welpe erst mal freundlich.Ich mein er spielt ja auch gerne,usw.Ich kann mir das nicht erklären,sorry...
Versuch es doch mal mit einer Bachblütentherapie oder einer Hundeschule für Angsthunde.

Und fang bitte erst mal Du an,Ihn in Euer Familienleben einzuschließen!
Jeder Hund kann ein Wohnungshund sein.Ich habe sowas noch nie gehört,von wegen wie man darauf kommt dass ein Collie ein Haushund ist?!Sorry,aber wir haben in der Nachbarschaft 2 Collies,die im Haus leben und mega lieb und überglücklich sind.Collies sind normal sehr ruhige und gutmütige Hunde-FAMILIENHUNDE.


LG Mone


:D

Inge1810
09.04.2004, 14:57
Hallo,
ich möchte nur kurz ein Zitat einfügen, weil ich gleich weg muss:
"Die momentane Gemütsverfassung sieht man dem Collie im Gesicht an. Vornehmer Ausdruck, geprägt durch die Kopfform, die dunklen Augen in mandelförmiger, leicht schräg gesetzter Lidspalte, die kleinen Kippohren und die schwarze Nase, machen diesen Hund unverwechselbar. Der Körperbau vereint Kraft, Eleganz und Ausdauer, darf aber niemals plump oder grob erscheinen.
In seinem Inneren hat er sich viele seiner Urinstinkte bewahrt. Seine Herde, die zu begleiten Aufgabe eines Hütehundes ist, sind nun wir geworden. Er wird seine Familie begleiten, bewachen und beschützen, soferne man ihm Gelegenheit dazu gibt und ihn wirklich in der Familie mitleben lässt.


Der Collie ist kein Hund für die Hundehütte. Das hat nichts mit seiner körperlichen Beschaffenheit zu tun, er würde ohne Probleme rauhe Witterung im Freien überstehen, aber er gehört zu seinem Herren, wie auch der Platz des Hütehundes beim Hirten und nicht alleine in einem Zwinger ist."

Quelle: http://www.huetehunde.at/club/collielanghaar.htm

Nun nochmal die Frage: Lasst Ihr ihn WIRKLICH in der Familie mitleben?

Grüsse

Inge1810
09.04.2004, 15:28
Ach, bevor ich gehe, muss ich mich doch noch schnell unbeliebt machen ;)

Extra hatte ich erwähnt, dass dies nicht mein erster Hund ist.

Der letzte war ein Collie-Mischling, der genau die gleiche Behandlung erfahren hat, wie dieser – der liebste Hund, den man sich vorstellen kann!
Ein einziger Hund macht Dich also zur Expertin? "Kennste einen, kennste alle?" Dein vorheriger Hund mag scheinbar damit klargekommen zu sein, keinen festen Familienanschluss gehabt zu haben, Dein jetziger aber tut das nicht, willst Du unbedingt in eine Schublade quetschen?
Probier es doch erstmal die nächsten Wochen aus, nehm den Hund mit in`s Haus, lass ihn am Familiengeschehen teilhaben, alle zusammen, einmal die Woche gehste in ne Welpenspielstunde und dann kommste wieder und erzählst wie es gelaufen ist und ich trau mich mit Dir zu wetten, dass Eure Probleme keine mehr sind, wenn der Hund im Rudel (das seid Ihr nämlich, auch Deine Eltern) integriert wurde und sich in der Hütte die Spinnen einnisten, weil der Hund im Haus ein Körbchen in Eurer Nähe hat.
Übrigens, ich bin mit Hunden aufgewachsen und niemals geb ich mich der Illusion hin, jemals zwei identische Hunde zu bekommen. Jeder ist einmalig in seinem Wesen und Charakter und Du tätest gut daran, das zu lernen und darauf einzugehen.
Grüsse

cheroks
10.04.2004, 03:37
Hallo Michi,
du hast hier im Forum gepostet um Hilfe zu bekommen. Nun sind hier viele hundeerfahrenen Leute unterwegs die dir ihre Meinung sagen, die dir nicht passt!
Du willst Hundeerfahren sein - dann wüsstest du, dass Hunde Rudeltiere sind. Sie leben in ihrem Rudel und sind überwiegend zusammen. Das entspricht der Natur eines Hundes.Natürlich muss ein Hund auch lernen für ein paar Stunden allein zu sein, aber überwiegend sollte der Hund dabei sein. Es gibt vielleicht einige Exemplare die ohne Anschluss irgendwie klar kommen (auch wenn Isolation die wohl schlimmste Strafe ist und ich mich doch sehr frage, wie so ein Hund je ordenlich und an richtiger Stelle in ein Rudel integriert werden kann), aber aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass isoliert gehaltene Hunde allein verkümmern, ein grauenvolles Sozialverhalten an den Tag legen (deiner ist auf dem besten Wege dahin) und *neurotisch* werden.


Sagt mal, Ihr wollt mir hier nicht im Ernst erzählen, das ein Collie ein Hund für die Wohnung ist, oder???
Es ist einem Hund total egal wo er lebt, solange er nicht alleine und isoliert von seinem Rudel lebt. Kein Hund ist dafür geschaffen, draussen ALLEIN zu sein, auch wenn sein Fell dick ist.
Das Tier stammt von einem Bauernhof, hat also noch nie eine Wohnung von innen gesehen
Mag ja sein, das sagt mir allerdings nur, dass der Hund bis jetzt nicht gelernt hat, sich unter Menschen zu bewegen. Wie kannst du von einem fast "wilden" Hund erwarten, dass er Menschen und deren Gesellschaft zu schätzen weiss??? Hat er ja bis jetzt nicht gelernt.
Und wenn es ihm denn hier SO schlecht geht, warum ist er MIR gegenüber „normal“, nur zu anderen nicht? Hat er denn eine Wahl? Irgend wem muss er sich ja anvertrauen, ansonsten vereinsamt er ja total.
Und IHR wollt mir hier „Grausamkeit“ vorwerfen, oder wie???
JA, wenn ein 14 Wochen alter Welpe nachts alleine in einer Hütte pennen muss, JA! Der Hund ist doch vom Regen in die Traufe gekommen. Was ist denn an seiner jetztigen Situation besser???

Beißt Euch doch nicht an der „Hüttenfrage“ fest, die Hütte akzeptiert er doch problemlos!
Doch, denn genau das ist ja das Problem! Nimm den Hund mit rein, gib ihm noch 2 Wochen und er wird deine Eltern akzeptieren und die Angst vor ihnen verlieren - so einfach ist des Rätsels Lösung!

lg tina

P.S. schlag mal irgend ein Hundebuch auf, egal welches, in keinem wirst du lesen, dass es ok ist, einen Welpen von seinem Rudel zu trennen!

Dagi
10.04.2004, 10:26
Hallo Michi,

zuerst möchte ich mal sagen, dass es löblich ist, dass Du dem Hund ein Zuhause geben willst. Ich hätt wahrscheinlich nicht anders gehandelt, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte.

Jetzt guck mal: der Hund kommt aus den Verhältnissen, wie Du sie beschrieben hast. Was bedeutet, er ist nicht gut an Menschen gewöhnt. Was bedeutet, Handbewegungen, die Körpersprache von Menschen, die Stimmen, Alltagsgeräusche - all das hat dieser Hund bisher nicht kennenlernen dürfen, wie es eben bei einem ordentlichen Züchter der Fall gewesen wäre. Und, wie schon gesagt, ist der Collie sowieso ein eher "schüchternerer" Hund Fremden gegenüber, wohingegen er sehr auf seinen "Herrn" bezogen ist. Kann ich bestätigen, da ich NUR solche Collies kenne.

Nun kommt dieser schüchterne Hund, der praktisch nix kennt, zu euch. Vorher hat er noch seine Mutter gehabt. Man weiß aus der Wolfs- und Hundeforschung, dass Welpen, bis sie Junghunde werden, wenn sie von ihrem Rudel getrennt werden, dass sie praktisch Todesangst ausstehen (ohne zu jammern oder so), weil ohne "Anschluss" sind sie dem sicheren Tod geweiht. Das ist z.B. ein Grund, warum Wölfe immer ein Mitglied des Rudels zurücklassen (nach dem Säugen ist das nicht immer die Mutter) zur Betreuung und zum Schutz der Welpen.
Diese Kenntnis allein würde mir schon ausreichen, um den Welpen nicht allein zu lassen. Er hat noch Zeit, dass schrittweise zu lernen.

Aber es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, gerade bei euch.
Wie gesagt, er kennt sich noch nicht gut mit Menschen aus. Da reicht Deine Anwesenheit ab und an auch nicht aus. Wenn er jetzt Deine Eltern sieht, ist er erst mal unsicher. Er weiß nicht, was er von ihnen halten sollen. Beugen sie sich vielleicht vor um ihn zu locken? Das würde in den Augen eines Hundes schon eine Bedrohung darstellen und er bellt deswegen. Er kennt eben die Körpersprache des Menschen noch nicht. Er fühlt sich beobachtet, bedrängt (auch von weiterem Abstand), angeguckt. Er kennt ja bisher nur die Hundesprache. Da ist das in die Augen gucken auch Bedrohung und "Herausforderung". Wie gesagt, ich weise noch mal darauf hin, dass er das ja alles noch nicht in einem "normalen Maß" kennt.

Zu dem, dass er nicht belohnt wird, wenn er bellt. "Belohnen" ist vielleicht der falsche Ausdruck (wenn wir hier auch alle wissen, was damit gemeint ist). Es wird darauf reagiert. Dem Hund ist egal ob IHR das schimpfen nennt oder ob ihr "aus" oder "Nein" sagt - er kennt die Bedeutung der Worte noch nicht, und Stimmlagen der Menschen (böse oder freudig) kann er in der kurzen Zeit ja auch nicht unterscheiden - wie auch, er kann ja auch nicht ihrem täglichen Familienleben lauschen.

Ich kenne Leute, die mögen es nicht, wenn der Hund im Schlafzimmer ist, oder im Wohnzimmer. Ich kenne Hunde, die nur in Küche und Flur dürfen. Aber selbst das ist besser, weil er von da alle Geräusche hören kann, weil er ihren Stimmen lauschen kann, weil er im Vorbeigehen mal ein freundliches Wort bekommt - somit ist alles für ihn ok.

Damit euer Hund überhaupt noch ein wenig Alltagstauglich wird wäre es dringend zu empfehlen, ihn wenigstens einen Platz auf dem Flur zu geben. Guck mal, der muss sich auch an Dinge gewöhnen wie: es geht mal ein Glas zu Bruch, das Telefon klingelt, da gehen mal schnellere schritte, mal langsamere. Nur so bekommt man auf Dauer einen zuverlässigen Hund, der nicht bei jeder Kleinigkeit hochspringt und bellt weil er die Geräusche einfach nicht zuordnen kann.
Es wäre wirklich immens wichtig!!! GERADE bei einem Collie. Ein guter Colliezüchter hätte Dich/euch auch darauf hingewiesen.

Und ist doch klar, dass er Dir gegenüber nicht so sehr verunsichert ist und es da klappt: Dich kennt er wahrscheinlich am besten, also hat er Dich zur Bezugsperson auserkoren.

Ich kenne übrigens einen ähnlich gelagerten Fall. Der Hund hat zwar einen großen Zwinger mit isolierter Hütte, und sogar die Familie ist viel im Garten, die Kinder. Aber der einzige, der ihn ausführen kann etc. ist der Mann. Er hat nur diese einzige Bezugsperson. Und glaub mir, vor dem Hund hat jeder Angst, weil jeder das weiß, denn solche Hunde, die schlecht sozialisiert wurden, sind einfach eine Gefahr, weil sie vor lauter Schreck und Panik mal schnell um sich beißen können, wofür die natürlich nix können. Es liegt IMMER am Menschen!!!

Ach ja, und warum der Hund seine Hütte akzeptiert hat? Hunde fügen sich in ihr Schicksal. Leider. Viel zu oft. Sie denken nicht planend nach wie wir. Sie nehmen es hin, auch wenn es ihr größter Schaden ist. Guck mal, ich kenne Hunde, die übelst geschlagen wurden, und die trotzdem an ihrem Herrchen hängen. SO sind Hunde. Da wundert man sich manches mal. Wir an ihrer Stelle hätten längst zurückgeschlagen. Wir an der Stelle Deines Hundes würden euch die "Freundschaft" kündigen und uns neue Leute suchen.
Es ist ja nichts dagegen einzuwenden z.B., wenn der Hund irgendwann draußen sein WILL. Mein Trainer hatte so einen Hund. Allerdings hatte der die WAHL, ob er rein oder raus will. Und die letzten Jahre seines Lebens, von Arthrose geplagt, wollte er halt doch lieber rein, auch wenn er früher vom Schnee bedeckt auf dem Hof Wache gelegen hat.
Im übrigen kann euer Welpe sich auch schnell noch mal ne schicke Blasenentzündung holen, das geht bei denen noch ziemlich schnell. Merkt ihr nur nicht, weil er ja nicht in der Wohnung ist. Die können zwar jetzt schon viel Fell haben, aber der Bauch ist ja meist noch etwas weniger behaart und bei den momentanen Temperaturen, und ohne Mutter die wärmen würde, ist es für den Organismus doch etwas schwieriger da resisten zu bleiben.

Alles in allem:

Also, ich würde den Hund wenigstens in den Flur holen, damit er euch alle als sein Rudel akzeptiert. Deine Eltern sollten momentan das Futter einfach wortlos hinstellen und wieder weggehen, damit er sie nicht (in seinen Augen) als bedrohlich erlebt, sondern damit er nur erlebt: aha, die geben mir auch Futter, die tun mir nix und sich an sie einfach erst mal als "Futtergeber" gewöhnt. Vielleicht können sie nach einigen Tagen schon ein Stückchen näher kommen.

Aber bitte, bitte, holt den Hund ins Haus. Der muss doch deswegen trotzdem nicht vertüddelt und verhätschelt werden (das wäre das andere Extrem, was auch überhaupt nicht gut ist), sondern der Hund SOLL doch Begleiter des Menschen sein. Das hat ihn bei uns doch so beliebt gemacht...

Dagi & Amy