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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Streit zwischen 2 Rüden



rflott
07.03.2004, 00:30
Meine 2 Hunde, Schäferhund und Labrador, heute 2 Jahre, beide Rüden, sind zusammen aufgewachsen. Seit mehreren Monaten greift der Schäferhund den Labrador an, sobald sich beide innerhalb des Hauses befinden. Außerhalb, im Garten, ist die Situation entspannter. Zwar kommt es da auch gelegentlich zum Kampf, doch nicht in dem Ausmaß wie innerhalb des Hauses. Die Kämpfe blieben anfangs ohne Folgen, werden mittlerweile jedoch immer brutaler. Der Labrador greift niemals als erster an, wehrt sich jedoch während des Kampfes heftig und rupft dem Schäferhund büschelweise Haare aus, so daß diese Stellen anschließend bluten. Der Schäferhund wiederum hat beim letzten Kampf den Labrador fast skalpiert und wir mußten den Tierarzt holen.
Während des Kampfes sind alle Versuche, die beiden zu trennen - sei es mit guten Worten oder strengem Ton - vergeblich. Da die schlimmsten Kämpfe meist in meiner Anwesenheit stattfinden, jedoch weit weniger, wenn mein Mann oder meine Kinder allein mit den Hunden sind, vermutet meine Familie, es handle sich um Eifersucht zwischen den Hunden.
Was kann man dagegen tun? Bei Anfragen in einigen Hundeschulen hatte ich den Eindruck, daß die
dafür auch keine Lösung wissen.

Hovi
07.03.2004, 01:38
Hallo rflott,

Um die Situation richtig einschätzen zu können, müßte man die beiden Hunde "live" erleben.

Ich finde es ungewöhnlich, dass es unter Rüden zu so starken Beschädigungskämpfen kommt, wenn sie zusammen aufgewachsen sind. Das hört sich für mich nicht nach "Klärung der Rangordnung an", sondern eher so, als würde der Schäferhund den Labbi in "seinem" Revier nicht mehr dulden.

Nicht gerade erleichtert wird die Situation dadurch, dass beide Rüden gleich alt sind.

Geht es bei diesen Kämpfen denn um irgendwelche Ressourcen (Futter, begehrte Schlafplätze, menschliche Zuwendung etc.) ? Falls ja, hättet ihr hier die Möglichkeit, regulierend einzugreifen, indem ihr die "Ressourcenverwaltung" allein übernehmt und nichts, aber auch wirklich nichts herumliegen lasst.

Wie verhält sich der Labbi denn, wenn der DSH angreift? Habt ihr den Eindruck, dass "er es wissen will", oder verteidigt er sich nur?

Meine zwei Rüden fetzen sich auch öfter mal, aber das verläuft völlig unblutig. Lächerlich dabei ist das laute Gebrüll und Getöse... wenn man genau hinguckt, sieht man, dass jeder der beiden peinlich darauf achtet, dem anderen mit dem Gebiß nicht zu nahe zu kommen. Es sind reine Ringkämpfe, bei denen der ältere (3 Jahre) stets gegen den Jüngeren (1 Jahr) "gewinnt". Es handelt sich hier also lediglich um eine Klarstellung des Älteren, dass der Jüngere gefälligst nicht aufzumucken hat.

Du schreibst, die schlimmsten Kämpfe finden in Deiner Anwesenheit statt? :?:

Das irritiert mich etwas, denn Beschädigungskämpfe würde ich niemals dulden und hier unverzüglich eingreifen... und zwar,bevor es überhaupt zur Beisserei kommt. Die Anzeichen / Vorzeichen kennst Du ja sicher. Hier solltest Du m. E. schon konsequent beide Hunde zur Ordnung rufen! Wie verteilst Du denn Deine Aufmerksamkeit und Zuwendung Deinen Hunden gegenüber?

Wie gesagt, aus der Ferne ist es etwas schwierig, die Situation zu beurteilen, da man die Körpersprache der Hunde leider nicht sieht...

Grüßle
Claudia

Rüsselterriene
07.03.2004, 10:42
Hi rflott (?),

Die Situation kenn ich aus dem Haus meiner Nachbarn.

Ihr Ridgeback duldet keine anderen Rüden im Revier. Deren Münsterländerrüde bekam nach unzähligen blutigen Kämpfen, die jedesmal eine Renovierung nach sich zogen, sein eigenes Revier innerhalb des Hauses.
Eine ziemlich unzufriedenstellende Lösung, wie ich finde. Sie mußten höllisch aufpassen, dass sie alle wichtigen Türen geschlossen hielten (der ML ist mittlerweile tot).

Neulich hätte ich bald die Folgen dieses "Siegers" im Hause zu spüren bekommen. Sie verwechselten meinen Keno mit meiner Flecki und riefen mich ins Haus. Flecki wäre kein Problem gewesen, Keno war eins.

Wenn ich an deiner Stelle wäre würde ich nochmal genau prüfen (evtl.mit Fachmann an der Seite) was die Kämpfe auslöst. Dazwischengehn würde ich nicht.
Ich würde allerdings versuchen den Ansatz zu ersticken. Evtl. kann es helfen, wenn du den "Rangniedrigen" kastrieren lässt. Du würdest den Konkurrenzdruck an einer entscheidenden Stelle minimieren.

Anke

rflott
07.03.2004, 16:56
Danke für die Anregungen. Jetzt zu den gestellten Fragen:
Es geht nicht ums Essen. Beide fressen morgens und abends gemeinsam in einem Raum, ohne jede Probleme.
Es dürfte auch nicht um (sichtbare) Zuneigung gehen. Alle Leckerli, Streicheleinheiten usw. werden gleichmäßig verteilt.
Die beiden beim Streit zu trennen ist nahezu unmöglich. Sie sind derart ineinander verkeilt - wobei der Schäferhund den Labrador entweder fest am Ohr hält (und auch nicht loslassen würde, wenn wir ihn wegziehen) oder am Nackenfell sich festgebissen hat. Wie der Labrador reagiert? Zunächst ruhig, wobei er sich offenbar nicht wagt, sich aus dem Kreis, den der Schäferhund um ihn und über ihn vollzieht, zu entfernen. Hat der Kampf begonnen, dann kämpft der Labrador mit allen Mitteln und (wie ich meine) noch wütender und verbissener als der Schäferhund. Wobei er aus Gründen der Körpergröße immer nur von unten angreifen kann (also Halsfell des Schäferhundes usw.). Gelingt es uns, den Schäferhund in einer Situation, in welcher er gerade den Labrador nicht in der Zange hat, wegzuziehen, zischt der Labrador in Sekundenschnelle wie ein Pfeil hinterher und greift seinerseits den Schäferhund von hinten an. Dies spielt sich alles in so kurzer Zeit ab und auf so engem Raum ab, daß de facto 2 Erwachsene mit Einsatz aller Kräfte hier Ruhe schaffen müssen (und anschließend die beiden Kampfhähne für mindestens 2 Tage getrennt halten müssen). Und das ist keine Lösung für die Zukunft. Manche Trainer empfahlen Teleimpulsgeräte, andere sind der Meinung, eine Tracht Prügel könnte auch helfen. Was die Kastrierung betrifft, sagt unser Tierarzt: Erfolg ist nur bei 50 % der Fälle.
Vielleicht noch am Ende: Der Labrador akzeptiert in der Tat nicht die "untergeordnete Rolle", ist aber äußerst gutmütig.

Hovi
07.03.2004, 17:36
Original geschrieben von rflott
Es dürfte auch nicht um (sichtbare) Zuneigung gehen. Alle Leckerli, Streicheleinheiten usw. werden gleichmäßig verteilt.


Hallo,

einer der beiden Hunde (ich vermute von Deiner Beschreibung her, dass dies der Schäferhund ist) fühlt sich definitiv ranghöher als der andere. Mir scheint, dass der Labbi sich nur verteidigt, die die Initiative für die Beisserei vom DSH ausgeht.

Ist der DSH aber von den beiden der ranghöhere Hund, dann wäre es fatal, Leckerli, Streicheleinheiten usw. gleichmäßig zu verteilen! Hunde sind keine Demokraten!

Teletakt, Prügel usw. würden bewirken, dass die beiden sich erst so richtig hassen lernen! Erfahrungsgemäß können sich Rüden, bei denen die Rangordnung ein für allemal geklärt ist, auch ohne solchen (tierschutzrelevanten) "Hilfsmittel" wieder vertragen. Aber: ihr müßt den Rang des Ranghöheren unterstützen!

Durch eure gleichmäßige Verteilung der Zuwendung, des Futters etc. untergrabt ihr die Autorität des Schäferhundes und provoziert damit immer wieder neue Kämpfe, in denen er "sich beweisen" muß.

Wenn meine Vermutung richtig ist, dass der DSH der ranghöhere Hund ist, solltet ihr dies respektieren und ihm entsprechende Privilegien gegenüber dem Labrador einräumen! Ist seine Position gefestigt, mag sich dies später hinaus erübrigen, aber momentan scheinen die beiden Hunde sehr hart zu kämpfen, weil beide nicht wissen, wo sie stehen.

Grüßle
Claudia

kimba450
07.03.2004, 17:43
Hallo,
also für mich klingt das nach einem Problem,an dem man nicht selbst "ausprobieren" sollte.Besonders wiel Kinder mit im Haushalt leben,besteht meiner Meinung nach dringendster Handlungsbedarf.Ich weiß,das ist einfacher gesagt als getan.Ist sicher nicht einfach diese Situation,aber da würde ich nicht selbst rumerziehen wenn ich nicht weiß wie,oder auf andere Ratschäge warten was jene Leute machen würden.Dazu müßte man diese Kämpfe wirklich selbst sehen.Ich würde den Hund der immer anfängt mal eingehend vom Tierarzt untersuchen lassen,vielleicht hat er ja irgendein gesundheitliches Problem!Auf alle Fälle würde ich auf ein großes Blutbild bestehen um zu sehen ob seine Werte ok sind.Bei meiner Freundin ihrem Rüden war die Schildrüse nicht in Ordnung und er war zum Raufer geworden.Seit die Schilddrüse wieder eingestellt ist,ist er wieder der Alte.Laß doch mal ein Blutbild machen,und wenn er kerngesund ist,dann such dir einen wirklich guten Hundetrainer der zu dir nach hause kommt und sich die Zeit nimmt und sich die beiden mal anschaut.Ein wirklich guter Trainer sieht viel mehr als unser einer!Ich drück dir auf alle Fälle die Daumen und wünsch dir viel Glück.
Lieben Gruß
Ela

Yuma
07.03.2004, 20:05
Hallo,
ich würde Claudia in jedem Fall zustimmen. Sollte der DSH der ranghöhere Rüde sein, müsst ihr ihn in jedem Fall bevorzugen.Auch wenn das aus "Menschensicht" ungerecht erscheint,aber Hunde brauchen eine stabile Rangordnung um sich wohl zu fühlen.
Das heißt, der DSH frisst zuerst, wird zuerst begrüsst, bekommt mehr Streicheleinheiten und Leckerchen, geht beim Spaziergang evtl. vor dem Labbi.
Wenn sie sich in die Wolle kriegen, solltst du unspektakulär dazwischen gehen und den RANGNIEDEREN strafen.
Der fühlt sich nämlich bestätigt (durch dich als Rudelführung) wenn du den DSH strafst, und beisst ihn dann erst recht in den Hintern. Versuche die beiden in ihrer Körpersprache so zu beobachten, dass du sie trennst BEVOR es kracht.
Achte darauf, dass beide sich keine strategischen Plätze in der Wohnung erobern (Diele, Hauseingang).
Überprüfe evtl. noch mal mit professioneller Hilfe deine Rudelführung,wie ernst nehmen dich deine Hunde.
Kastration hilft nicht in allen Fällen, aber oft. Vorher aber auf jeden Fall klären, wer der Rangniedere ist, und nur den kastrieren lassen,auf keinen Fall beide.

LG

rflott
07.03.2004, 20:36
Hallo Claudia, Ela, Yuma -
Eure Antworten helfen mir in jedem Fall, zumal mir klar wurde, daß ich alles andere als ein autoritärer "Rudelführer" bin.
Eine Blutuntersuchung des Schäferhunds werde ich vornehmen lassen. Muß aber sagen: Ich habe ihn jetzt auf eine Reise (im Auto) nach Ungarn mitgenommen und er ist sanft und folgsam wie aus dem Bilderbuch. Der Labrador ist zuhause und fühlt sich offenbar auch wohl, mal einige Tage Urlaub vom DSH-Stress zu haben. Natürlich werde ich Probleme haben, den Labrador zu bestrafen, wenn ihn der Schäferhund angreift. Habe auch Angst, daß der Labrador dann psychisch angeknackst wird, nach dem letzten Kampf mit dem DSH hatte er 2 Tage Schock und wollte nicht mal fressen.
Kennt Ihr in Bayern (kann auch wo anders sein) eine sehr gute Hundeschule, die sich diesem Problem widmen würde und nicht (wie bisher bei den Schulungen der beiden) nur den Sitz- und Komm-Kommandos? In München gibt es ja (war im TV zu sehen) eine Hunde-Psychotherapeutin (Renate John?), was haltet ihr davon?
Seid herzlich gegrüßt, Renate

Hovi
07.03.2004, 20:40
Hallo Renate,

schau mal hier:

www.ig-hundeschulen.de

Vielleicht ist was in eurer Nähe dabei?

Grüßle
Claudia

Rüsselterriene
07.03.2004, 20:41
Renate,

Ich würde dir dazu raten: http://www.fichtlmeier.de/bigpics/plan.gif

Der Herr Fichtlmeier hilft bestimmt.

Anke *Viel Glück!*

kaviar1
07.03.2004, 23:46
Hallo Renate,
Deine Schilderungen von den Hundekämpfen erinnert mich wieder an unsrere Situation. Ich habe einen Malteser- und einen Tibet-Terrier-Rüden. Sind von Babyalter zusammen aufgewachsen. Mit ca. acht Monaten(Pupertät) fingen die Rangkämpfe an, Gott sei dank nicht blutig und dauerten zwei Jahre. Mit 2 1/2 Jahren bekam der TT seinen ersten Epi-Anfall
und es wurde eine Herzkrankheit festgestellt. Seit er tablettenmäßig eingestellt wúrde, ist er viel ausgeglichener und geduldiger und es kommt noch selten zum Rangkampf.
Ich weiß nicht, ob seine Krankheit ausschlaggebend war für
seine leichte Reizbarkeit gegenüber seinem Hundekumpel?
Nun muss ich aber noch erwähnen, dass sich der kleine Malteser mit aller Macht gewehrt hat, die zweite Geige zu spielen.
Ich kann Dir gut nachfühlen, in welcher Lage Ihr im Moment steckt.
Mischt die ganze Familie auf und kostet unendlich viel Nerven für alle.:0(
Mitfühlende Grüße von Maria und ihren inzwischen friedlichen Jungs

Tina1965
08.03.2004, 10:11
Hallo Renate,

Anke hat Dir ja schon den Tip gegeben, das Du es mal bei Fichtlmeyer melden sollst.....dazu kann ich Dir nur raten...
Dort bekommst Du eine äußerst kompetente Beratung.
Ich hatte vor einiger Zeit ein großes Problem mit meinem Rüden und unserem 10 jährigen Sohn...(knurren und sogar beissen) ich war total fertig
Ich habe bei Fichtlmeyer angerufen, Frau Fichtlmeyer hat einen Anruftermin mit mir vereinbart (Ich wohne leider zu weit weg um persönlich vorbeizukommen) und hat sich dann eine halbe Stunde Zeit für mich genommen und mir wirklich super Tips gegeben...die auch geholfen haben. Sie hat mir aufgezeigt woher das Problem kommt und ich bin nach dem Gespräch gleich viiiiieeel optimistischer an die Sache herangegangen.
Heute gehen Hund und Sohn sehr entspannt miteinander um.

Ich drücke Dir die Daumen und hoffe das Du Dein Problem auch in den Griff bekommst.

Liebe Grüße
Tina
:cu: :cu: