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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Haltung im Zoo, gut oder schlecht?



Sandy
18.04.2002, 15:47
Ein liebes WuFF an alle!
Zur Zeit machen wir mit der Schule recherchen über die
(artgerechte) Tierhaltung von exotischen Tieren im Zoo.
Was meint ihr dazu?
Glaubt ihr der Zoo ist vollkommender Mist,
oder findet ihr alles super und einwandfrei? (:( )
Oder wie findet ihr z.B. den Münchner Zoo Hellabrunn?
Ich freue mich auf eure Meinungen und Antworten!

Mit freundl. Grüßen:
Sandy und die Klasse 8B
des Luisengym. München

Ps; Wir bringen dann alles zusammengefasst nach dem Besuch des Tierparks in einem Artikel der SZ heraus!
=> Wenn ihr wollt auch mit Namen":cool:

Topsy
18.04.2002, 16:09
Hallo Sandy

den Zoo Hellabrunn kenn ich nicht, nur den in Hannover und Hamburg.
Wenn die Tiere genug Platz und Beschäftigung haben, das Gehege artgerecht gebaut ist, finde ich Zoos für die Arten-forschung/erhaltung sehr gut.
Allerdings gibt es noch schlechte und viel zu enge Käfige, sowas ist glatte Tierquälerei...wenn man die Raubkatzen beobachtet, die in solchen Käfigen leben, erkennt man die Verhaltensstörung z. B. am ständigen Auf- und Abgehen.
Tiere müssen sich zurückziehen können und sie sollten auch an 1. Stelle stehen und nicht die Zoobesucher die jammern, weil die Tiere sich gerade verkrochen haben.
Schlimm finde ich allerdings, wenn mehr Babys produziert werden, wie die Zoos gebrauchen können und sie anschließend wenn sie zu groß werden eingeschläfert werden. Sowas ist neulich mit Bärenbabys passiert und bei einigen Großkatzen soll das auch so sein und das alles nur, damit die Zoobesucher Babys bewundern können und ihretwegen die Zoos besuchen.
Am besten sind Tiere da aufgehoben wo sie hingehören und man ihnen genügend Freiraum zum Leben läßt - in freier Natur.

Soweit meine Meinung und noch viel Spaß beim
recherchieren :p

Liebe Grüße

Elke :)

Sandy
18.04.2002, 16:15
Vielen Dank
für deine schnelle Antwort!
Einige Punkte die du hier gerade genannt hast
werden uns bestimmt beim Interview einiger Tierpfleger
des Tierparks HB sehr weiterhelfen!

Liebe Grüße!
Sandy

Topsy
18.04.2002, 17:23
Hoffentlich bekommst Du noch viele Beiträge/Antworten auf Deine Fragen, damit Ihr die Tierpfleger ordentlich mit Fragen löchern könnt :D

Liebe Grüße

Elke :)

Verena
18.04.2002, 18:17
hallo, sandy.
ein breites feld, ich werde versuchen, es nicht allzu ausgiebig zu beackern.
von zoos im allgemeinen halte ich nichts. sie werden meist mit der rechtfertigung betrieben, kinder an tiere heranführen zu wollen, dabei kommen dann so abartige einrichtungen wie streichelzoos heraus. ich denke, wenn man etwas über die fauna lernen will, sind dokumentationen über tiere in freier wildbahn eindeutig die bessere wahl.
meiner meinung nach sollten tierparks wirklich nur vereinzelt und verantwortungsvoll betrieben werden, damit die tiere nicht wegen geldmangels in viel zu kleinen gehegen oder neben lärmigen fahrgeschäften dahinvegetieren müssen.
das problem der vermehrung und mangelnder rückzugsmöglichkeiten wurde ja bereits angesprochen.
allerdings will ich auch positive beispiele nennen: a) die freigehege des safariparks hodenhagen, b) das freifluggehege des tierparks groningen, c) das neu gebaute affengehege in hellabrunn. in groningen und hodenhagen gibt es leider auch noch viele mißstände, hellabrunn habe ich persönlich noch nicht besucht.
gruß, verena

Sandy
18.04.2002, 20:11
Ganz genau!
Wir werden sie durchlöchern!
Nochmals danke für eure Beiträge und ich freu mich auch schon total auf die Nächsten!

Ciao, Sandy!

klasu
19.04.2002, 00:48
Hi Sandy,
wir leben in einem Zeitalter, in dem wir durch Bücher, Zeitschriften, TV, Internet ... die ausgefallensten und exotischsten Tierarten kennenlernen können und durch die entsprechenden Verkehrsmittel schnell und (zumindest sehr oft) erschwinglich in die entferntesten Ecken unseres Heimatplaneten reisen können. Welches Argument spricht dann noch dafür, Tiere wie Elefanten, Nilpferde, Antilopen, Eisbären und und und aus ihren natürlichen Lebensräumen und Klimazonen herauszureissen und hier in doch bei allen Engagements der Tierpfleger letztendlich nicht artgerechte Haltungsverhältnisse zu bringen. Auch das Argument der Arterhaltung trifft m.E. nicht zu, da man das Geld, das man hier für die Arterhaltung ausgibt, besser in die jeweiligen Heimatregionen der Tiere investieren sollte , um dort die natürlichen Lebensräume der bedrohten Tierarten zu erhalten bzw. wiederherzustellen.
Viel Erfolg bei Eurem Projekt wünscht
klasu

PS: im Zoo Osnabrück ist vor kurzer Zeit ein Tierpfleger durch einen Elefanten schwer verletzt worden. Siehe auch den folgenden Zeitungsartikel :
http://www.neue-oz.de/information/noz_print/stadt_osnabrueck/umtali.html

Topsy
19.04.2002, 10:22
Hallo Verena,

in Hodenhagen werden während der Saison die Tiere gut gehalten. Im Winter soll es da aber erhebliche Mißstände geben, da werden die Tiere in viel zu enge Käfige gefercht und sterben deshalb teilweise auch. So stand es vor Jahren mal in der Zeitung und vielleicht meinst Du ja genau diese Mißstände in Deinem Beitrag.


Hallo Klasu,

leider erhalten die Länder nicht die notwendigen Lebensräume für die Tiere, siehe Berggorillas und es gibt einige Tierarten die in freier Natur schon oder fast ausgestorben sind. Natürlich ist es auch wichtig für den Erhalt der natürlichen Lebensräume zu kämpfen, nur ist das ein schwerer Weg...
Wenn man Tiere in Natura sieht, vesteht man die Notwendigkeit der Artenerhaltung manchmal besser, als nur über die Medien und Urlaubsreisen z. B. nach Afrika kann sich nicht jeder leisten.
Es werden auch Tiere wieder ausgewildert, die in der freien Natur ausgestorben sind und in ihren natürlichen Lebensräumen wieder angesiedelt. Dafür arbeiten auch viele Zoos. Die meisten Tiere in den Zoos sind aber keine Wildfänge, sondern Nachzuchten. Natürlich gibt es in den Zoos auch Mißstände, das habe ich ja schon oben beschrieben.

Gruß

Elke

defor
22.04.2002, 22:03
liebe Sandy
Ich kenne den Zoo in München seit ich ein kleines Mädchen bin und habe
genau mitbekommen wie der Tierpark über all die Jahre immer mehr versucht , seine Besucherdurch Führungen und wirklich informative Tafeln vor jedem
Gehege aufzuklären über die jeweilige Tierart.
Leider sind es jedoch die wenigsten Besucher die deshalb,also aus Interesse an
Informationen über verschiedene Tierarten,in den Tierpark kommen.
Denn wenn zb die Bären Nachwuchs haben dann schaart sich alles um diesen.
Leider,denn Braunbärenbabies sind zwar zweifelsohne süss , jedoch auch nur halbso interessant wie zb. beobachten zu dürfen wie ein Waldschrat(Vogelart in der Voliere,sehr zu empfehlen!!!!)die Besucher nur dann durch „sein“ Gelände laufen lässt wenn sie ihm als Tausch ein Ästchen schenken!!!
Solange die Besucher nur kommen wenn die Zoo-Klassiker , also Bären,Löwen und co ,
Jungtiere haben,wird sich die Tatsache nicht ändern dass jedes Jahr in Zoos Tiere geboren werden die NICHT vom Aussterben bedroht sind und die keiner mehr will wenn sie erst erwachsen und nicht mehr ganz so süss sind.
Mich würde wirklich interessieren was der Münchner Zoo dazu sagt wohin denn all die Jungtiere kommen???
Trotzdem denke ich dass der Zoo dazu beiträgt Arten zu erhalten und er ist je auch an vielen Auswilderungs – und Nachzuchtprogrammen beteiligt.
Natürlich muss man aber als Zoobesucher ganz ehrlich sagen dass es keinem Tier im Zoo besser geht als in freier Wildbahn.Und sollte das wie bei den verfolgten Berggorillas doch der
Fall sein dann müssen wir Menschen uns ganz schön schämen dass wir Wiltiere in IHREM
Zu Hause vor uns Menschen selbst schützen müssen,oder?!
So ,dann noch viel Spass und lest schön brav auch ein paar Tafeln ...
Liebe Grüsse
Defor

SnoopDog
23.04.2002, 13:25
:rolleyes:
Ich kenne Hagen Becks Tierpark in Hamburg und finde ihn Super. Nicht so toll finde ich jedoch das er Mitten in einer doll von Autos Befahrenden Gegen liegt. Doe Gehe sind aber groß genug und die Tiere haben alle (oder fast alle) Partner, mit denen sie auch spielen können. alles in einem würde ich sagen, er ist Artgerecht und die Tiere haben genug Auslauf.
Tschüß Carina Bärthel

Lotta
24.04.2002, 17:19
Hallo Sandy,

noch ein paar Gedanken zur Zootierhaltung:

zum Thema "Tiere lieber in Büchern, Filmen oder in freier Natur anschauen"
Ich war schon mit einer Reihe von Kindern in verschiedenen Zoos und freue mich immer, wie beeindruckt sie von den echten Tieren sind.
Die Idee, dass alle, die z.B. einmal einen Gorilla sehen möchten, nach Afrika fliegen und durch den Regenwald stiefeln, finde ich nicht besonders gut.

zum Thema "überflüssige Tierbabys"
ja, da hat es die Natur natürlich viel leichter. Sie produziert haufenweise überflüssige Babys, die nicht sehr alt werden (bei den Wildkaninchen in unserem Park sind es etwa 98%, so etwa 800 Junge jedes Jahr, die kein Jahr alt werden, weil für sie einfach kein Platz da ist.) Und was ist eigendlich besser z.B. für ein kleines Zebra, geboren werden, ein oder zwei Jahre frei von Hunger und Krankheiten zu leben und dann getötet zu werden (das Fleisch wird dann noch an die Löwen verfüttert), oder gar nicht zu leben. Ich finde über diese Frage sollte man ruhig mal nachdenken, ich finde die Antwort gar nicht so einfach.

Übrigens, in der Natur leben Tiere zwar artgerecht, das ist aber für das einzelne Tier keineswegs immer angenehm (siehe Kaninchen). Im Zoo bemüht man sich dagegen um das Wohlergehen aller Tiere, die man hält. Die Ansprüche sind also durchaus verschieden.

Viel Spaß bei eurem Zoobesuch

klasu
25.04.2002, 01:46
Hi Lotta,

Ich war schon mit einer Reihe von Kindern in verschiedenen Zoos und freue mich immer, wie beeindruckt sie von den echten Tieren sind.
Natürlich sind sie beeindruckt.War ich auch als Kind. Aber hilft es den Tieren weiter? Und um die Leute und speziell die Kinder zu beeindrucken, wird in den Zoos immer wieder Nachwuchs produziert, denn das ist ja der Anziehungspunkt schlechthin. Und wohin damit, wenn der Nachwuchs ausgewachsen ist???
Zum anderen sind Kinder auch von Serien wie Flipper, Lassie, Unser Charly etc. beeindruckt und auch dies ist einem vernünftigen Umgang mit Tieren auch nicht gerade förderlich. Darum sollten Zoo's meiner Meinung nach nicht auch noch auf diesen Zug mit aufspringen.


Die Idee, dass alle, die z.B. einmal einen Gorilla sehen möchten, nach Afrika fliegen und durch den Regenwald stiefeln, finde ich nicht besonders gut.
Vollste Zustimmung!


Im Zoo bemüht man sich dagegen um das Wohlergehen aller Tiere, die man hält.
Dem kann ich leider nicht zustimmen -noch immer gibt es viel zu viele kleine Käfige und Gehege ohne Ruhezonen vor neugierigen Besuchern.

CU
klasu

Verena
25.04.2002, 20:05
hallo, lotta.
ich begebe mich auf den schmalen grat zwischen meinungsäußerung und persönlichem angriff. letzteres möchte ich auf keinen fall, sondern kritik üben und auch ein wenig zum nachdenken anregen.
deine meinung empfinde ich als recht konsumorientiert und wenig hinterdacht.
daß ein besuch im zoo für alle kinder erfreulich ist, kann ich nicht bestätigen. auch meine eltern gingen als kind mit mir in den zoo, um mir eine freude zu machen. es war genau so ein kleinzoo, der speziell zur erbauung der kinder resp. zum geldmachen gebaut wurde. ich stand vor dem elefantengehege und habe angesichts dieser riesigen tiere auf viel zu wenig zubetoniertem platz nur noch geweint - meine eltern haben es nie wieder versucht, und ich habe 20 jahre lang keinen zoo gesehen. ich denke, es hat eine menge damit zu tun, wie einem kind die natur nähergebracht wird.
und um es mal ganz krass zu sagen: man sperrt ja auch keine kinder hinter gitter, um tieren die möglichkeit zu geben, sie mal anzugucken. ja, ich weiß, der vergleich hinkt, doch ich hoffe, es ist klar, was ich damit sagen will.
ferner denke ich sehr wohl, daß jemand, der einen gorilla in natura sehen möchte, in die entsprechenden gebiete fahren sollte. wer den amazonas sehen möchte, muß das ja auch.
zu dem schlechteren leben, das tiere angeblich in der natur führen: du ziehst als beispiel kaninchen heran, die in einem park leben. die von dir beschriebene situation wurde aber auch von menschen herbeigeführt: sie haben den platz derart begrenzt, daß es für viele kaninchen nicht reicht und die natürliche feinde, denen sie als nahrung dienen könnten, ausgemerzt.
tieren in freier wildbahn geht es bedeutend besser, und damit beziehe ich mich nicht unbedingt auf kaninchen, denen mit viel aufwand und sachverstand sicherlich auch in gefangenschaft ein gutes leben geboten werden kann, es geht mir um exotische tiere mit einer gewissen größe, einem lauf-, jagd- und erlebnisbedürfnis. wenn sie nicht lange leben, so ist das der natürliche kreislauf und dient eben auch immer der natur. und ich glaube allen ernstes, daß ein tiger in freier wildbahn mit drei jahren lebenszeit mit seinem leben bedeutend zufriedener wäre als einer mit einem zehnjährigen leben in gefangenschaft, denn dort wird er neimals seine persönlichen bedürfnisse ausleben dürfen.
ich hoffe, ich konnte den beitrag so verfassen, wie er gemeint war und weiß, daß du für sehr viele menschen sprichst. ob ich für die tiere spreche, weiß ich nicht, ich kann nicht in sie hineinsehen. wenn ich allerdings gefangene tiere sehe, sehe ich in ihren augen selten lebenslust.
gruß, verena

Lotta
26.04.2002, 15:48
Hallo Verena,

so schnell bin ich nicht beleidigt, und ich werde auch versuchen, einen neutralen Ton beizubehalten.

Allerdings ist meine Ansicht zur Zootierhaltung sehr wohl durchdacht. Ich kenne einen großen Teil der Fachliteratur und habe selber Tiere sowohl im Zoo als auch im Freiland beobachtet. Warum diese Ansicht konsumorientiert sein soll, weiß ich nicht. Ich selber verdiene keinen müden Euro dran und auch die Zoos, die ich kenne (alle städtisch), machen keine Gewinne, sondern sind von städtischen Zuschüssen abhängig.

Ich stelle gerade fest, dass man hier nicht sehr viel reinbekommt. Ich muss wohl noch einen Beitrag schreiben.

Lotta
26.04.2002, 15:54
jetzt geht es weiter:
Zu den Kaninchen: Mein Wissen stammt hier aus einem 20 Jahre laufenden Semi-Freiland-Projekt, in dem die Kaninchenlebenslang beobachtet werden. Sie werden regelmäßig gefangen, so dass ihr Gesundheitszustand und verschiedene Stresswerte bekannt sind. Ansonsten leben sie frei in dem Wiesen und Buschgelände, dort gibt es auch alle natürlichen Feinde, außer dem Menschen. Vergleiche mit einer ganz wilden Population auf Sylt zeigen, dass Lebenserwartung, Todesursachen und Vermehrung denen im Freiland entspricht. Die 80 erwachsenen Tiere bekommen jedes Jahr etwas 800 Junge, nach dem Winter sind es wieder 80. Die meisten werden nicht von Freßfeinden erlegt, sondern sterben letztlich ziemlich elend an sozialem Stress. Die Vorstellung, Tiere könnten ja im Freiland einfach auswandern, ist eine Utopie. Normalerweise sind die Orte, die das Überleben erlauben bereits besetzt. Das ist zwar absolut "natürlich" aber irgendwie trotzdem traurig, finde ich.
bis gleich

Lotta
26.04.2002, 15:57
Ich denke, Tiere im Zoo haben vieles, was Tiere im Freiland entbehren, nämlich Sicherheit, Nahrung und Freiheit von Krankheiten. Dafür haben sie zweifellos öfter Langeweile. Was ist schlimmer? Ich finde das Wohlergehen von Tieren sollte man nach objektiven Kriterien beurteilen und nicht menschliche Gefühle auf Tiere übertragen (Sicher spiegelt sich Wachheit und Gesundheit in Tieraugen wieder, aber die Lebenslust?). Es gibt objektive Kriterien, z.B. Stresshormone oder Verhaltensbeobachtungen. In vielen Zoos hat sich in den letzten Jahren viel in diese Richtung verändert. Schlechte Haltungsbedingungen gibt es natürlich nach wie vor.

Ich glaube, das reicht erst mal. Wenn sich jemand für die Fachliteratur interessiert, gebe ich hier gern etwas an. Leider ist fast alles auf Englisch. Die Kaninchenforschung findet man bei: D. von Holst (1999) Social rank, Stress, Fitness and Life Expectency in Wild Rabbits. Naturwissenschaften Düsseldorf, Vol.86,8 S.388.

Viele Grüße von Lotta

Verena
26.04.2002, 17:54
hallo, lotta.
also, "konsumorientiert" bezog sich auf das hinsetzen und sich etwas zutragen lassen und somit auf den satz, man solle nicht in die ferne fahren müssen, um exotische tiere zu erleben.
als du von einem "park" schriebst, assoziierte ich damit projekte wie kaninchenkolonien auf verkehrsinseln etc., das war dann ein mißverständnis. und kaninchen sind für das, um was es mir geht, wohl eh das falsche beispiel - wie bereits gesagt, glaube ich, daß kaninchen ein artgerechtes leben in gefangenschaft geboten werden kann. und das betrifft einige tiere, bis hin zu den affen, die im münchner zoo gehalten werden. doch das hört für mich spätestens bei tieren wie raubkatzen, elefanten, giraffen, zebras, etc. auf. auf ausgetrampelten pfaden am gehegerand völlig verhaltensgestört dahintrabende füchse sind so traurig anzusehen, daß ich mir wirklich nicht vorstellen kann, daß irgendjemand seine freude daran hat (außer eben kinder, denen das wissen um natürliches verhalten noch fehlt).
leider sind die tierarten, denen ein leben im zoo zuzumuten wäre, selten diejenigen, die menschen bei einem zoobesuch wirklich sehen möchten und gehören demzufolge nicht zu dem, was einen klassischen zoobesuch ausmacht.
dein beitrag hat mich darüberhinaus doch nochmal zum längeren nachdenken angeregt: ich denke noch immer, daß ein artgerechtes kurzes leben in freiheit einem exotischen tier mehr bedeutet als ein langes hinter gittern. doch was mich wohl in dem gleichen maße abschreckt, ist die versinnbildlichung des menschen als herrenwesen, die in den zoos zur schau getragen wird. ich meine, daß gerade dieser aspekt dafür verantwortlich ist, daß die gefährlichsten und größten tiere hinter gittern den meisten menschen am attraktivsten erscheinen, ähnlich wie im zirkus.
gruß, verena

Sandy
27.04.2002, 21:58
Hallihallo! :cool:

Ich finds echt toll dass ihr alle so
hilfreiche Argumente u.a. Meinungen dazu gebt!
Doch es wird ungefähr noch einen Monat dauern
bis wir all unsere Vorbereitungen beisammen haben um in
den Zoo zu fahren, und die "Mitarbeiter" zu interviewen. Also gebt mir noch bitte ein paar neue Anregungen zum Thema Zoohaltung, gut oder schlecht?! :confused:

Ich freu mich schon auf die nächsten Beiträge!;)
Ciao, Sandy!

Goldbeere
28.04.2002, 20:33
Hallo,

Das ist echt ein sehr komplexes Thema.
Die Zoo´s haben eine sehr wichtige Aufgabe in Sachen Arterhaltungsprogrammen. Durch diese besondere Arbeit der Zoo´s wurden schon viele Tierarten vor dem Aussterben bewahrt bzw. es wurde dazu beigetragen. Jedoch kann das nur ein kleiner Teil sein, denn alle Zucht/Erhaltung bringt nichts, wenn die Lebensräume für die Tiere nicht gesichert sind. So muß dafür vorher gesorgt sein. Ich glaube, dass es schon sinnvoll ist für die Kinder, denn so lernen sie früh die Tierarten hautnah kennen und werden für spätere Jahre geprägt in Sachen Tierliebe und bestärkt das Leben der Tiere zu verbessern. Viele haben über den Zoo ihre Tierliebe und Verständnis für die jew. Tierarten entdeckt. Natürlich muß noch viel bei der Haltung verbessert werden, wie größere Gehege, artgerechte Beschäftigung etc. Wie schon desöfteren erwähnt wurde. Es gibt ausserdem auch so manche Tierart, die nur noch in Zoos existiert, da sie aus ihren Lebensräumen verdrängt wurden. Auch diese Tiere haben ein Recht zu leben!!!
Und es wäre doch wirklich schade, wenn man diese Tiere nur noch aus Büchern oder Film/Fernsehen kennen würde.

Liebe Grüße, Goldbeere :)

Mascha
29.04.2002, 22:39
Hallo an alle!

Nun will ich doch auch noch meine ganz persönliche und naive Meinung zum besten geben... ;)

:D Ich finde Zoo gut! Mir hat es als Kind immer gefallen, alle die Tiere "in echt" erleben zu dürfen - natürlich war ich einigermaßen blind für eventuelle Missstände in der Haltung; andererseits waren die Zoos, die ich kannte, auch nicht ganz schlecht. Da wurde beispielsweise erklärt, dass man keine Löwen oder Elefanten hielt, weil man den Platz nicht hatte. Dann gab es eben Mähnenböcke anzusehen (und zu riechen - und sogar durch den Zaun anzufassen, wenn sie wollten) oder Schlangen, denen ich nicht ohne sichere Glasscheibe dazwischen begegnen möchte.

Durch meine vielleicht relativ häufigen Zoobesuche, verbunden mit der Geduld meiner Eltern, die mir Zeit zum Beobachten ließen und mir auch erklärten, was sie wussten, konnte ich mir im Laufe der Zeit einiges an Wissen, Tierliebe und Umweltbewusstsein aneignen. Die Zoobesuche waren also nützlich für mich - weil sie gut geführt waren. Freilandbeobachtungen hätte ich nicht in der Qualität und dem Umfang haben können!

Außerdem möchte ich zu bedenken geben, dass man gerade mit Reisen zu Freilandbeobachtungen eventuell den Tieren schadet! Flugreisen sind nicht gut für die Umwelt, das weiß jedeR, und da mag es für den einzelnen Touristen noch so toll gewesen sein - der Natur tut er damit keinen Gefallen.
Selbst wenn man umweltverträglich reist, muss man sich auch überlegen, was man dem einzelnen Tier antut, das man da besichtigen will. Die Zootiere sind es gewöhnt, täglich Menschen auf enge Distanz zu erleben. Was würde die Gorillamutter im Urwald sagen, wenn man ihr Neugeborenes sehen wollte???

Andererseits ist es ja eigentlich "normal", dass ein Wildtier Menschen meidet. Zoohaltung trägt dazu bei, dass sich Tiere "anomal" verhalten. Gezüchtet wird wohl eher mit den Individuen, die "brav" sind und sich anschauen lassen, als mit denen, die ständig randalieren und jeden Zaun kaputt machen. Die Zuchtauswahl durch den Menschen bewirkt also langfristig eine Änderung des angeborenen Verhaltens, so dass man sich im Extremfall dann fragen muss, ob die Tierart, die man da vor sich sieht, überhaupt noch dem entspricht, was sie mal war!


Zum Thema "Artgerechte Haltung" muss ich auch noch was sagen. ;)
Man meint ja immer (ich auch!), wenn ein Tier artgerecht gehalten wird, ginge es ihm gut. Aber wenn ich mir jetzt doch mal konkret das Leben eines solchen Wildkaninchens in der von Lotta beschriebenen Fast-Wild-Haltung ansehe und mit dem vergleiche, was ich meinem Hauskaninchen bieten würde, wenn ich eines hätte, werde ich doch nachdenklich. Wenn 98 % der Kaninchen kein Jahr alt werden, weil sie an sozialem Stress eingehen oder vielleicht auch kurz vorher von einem Fuchs gefangen werden, dann ist es eben "artgerecht", an Stress zu leiden.
Aber ein Kaninchen, das keinen Stress hat, fühlt sich trotzdem wohler, da bin ich mir sicher!


Im übrigen könnte ich einiges wiederholen, was schon von anderen gesagt wurde, aber das lasse ich, weil mein Beitrag für's erste lang genug sein dürfte...

Goldbeere
30.04.2002, 00:01
Hi,

ich kann Dir Mascha da voll und ganz beipflichten. Gute Argumente. Man stelle sich vor, alle reisen nur noch an diese bestimmten Orte. trampeln alles nieder, zerstören noch mehr die Lebensräume der sowieso schon bedrohten Tiere. Ist echt eine dumme Idee!!! Damit würden wir für ein schnelles Aussterben der besagten Tiere sorgen.

klasu
30.04.2002, 01:06
Hi @ all,
ich schon wieder :) .
Klar sind Reisen zu den "Originalwohnorten" der Tiere keine sonderlich gute Lösung und erst recht nicht zum Massentourismus geeignet. Nichts desto trotz werden diese Reisen in den Katalogen angeboten und auch genutzt. Und es ist wohl auch eine wichtige Einnahmequelle für Nationalparks.
Daraus aber dann den Umkehrschluß zu ziehen und Tiere aus fernen Regionen hier in Zoos einzusperren, damit Tierliebe für diese Tiere erlernt werden kann, halte ich aber trotzdem für falsch. Und es gibt genügend Tierparks und Zoos (öffentliche wie private), die trotz ungenügender Räume Großtiere wie Elefanten, Nilpferde , Eisbären etc. halten.
Darum plädiere ich dafür, die Zoos zu schließen und lieber den Tierschutz vor Ort zu unterstützen, gerne ohne touristische Beteiligung.

Viele Grüsse
klasu