PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage



NicoleB
13.07.2002, 21:33
Hallo,

ich habe vor einiger Zeit in einem Hundemagazin (http://www.zooplus.de/magazin/hund) etwas gelesen. Es ging um agressive Hunde. Da hieß es, wirkungsvoll bei Hunden die gegen andere nur Raufereien aufbringen gäbe es eine neue methode in einer Hundeschule etc. Man legt allen Hunden einen Maulkorb an- natürlich ein stabiler und so das sie sich nicht befreien können. Dann werden die hunde auf einen eingezäunten platz gebracht- etwa gleichgroße und welche wo etwa gleich "stark" sind. Da sie sich nicht verletzten können wegen des maulkorbes und sich auch aufgrund nicht zu großer gewichte verletzten können solle es nach einiger zeit helfen- das die hunde lernen "ohne kräftige beißereien" miteinander umzugehen oder so. Hunde wo sich nach mehreren treffen verträglich zeigten durften ohne maulkorb in die runde.
Wer weiß näheres über diese neue art der agressions-bewältigung?

Tschau Nicole + Jerry

Einstein
14.07.2002, 00:53
Hm würde mich ja mal Interessieren wo du das gelesen hats ich kann mir nicht vorstellen dass das geht.
So was hab ich mal wo anders gelesen aber da ging es darum Hund für Kämpfen ab zu Richten.

OESFUN
14.07.2002, 12:01
Hallo

Ich habe davon auch noch nichts gehört, frage mich aber, wer denn das "Opfer" zur Verfügung stellen soll. Von der reinen Logik her kann es doch eigentlich nur klappen, wenn der andere Hund nicht agressiv ist.

Ich würde auf keinen Fall meinen Rüden zur Verfügung stellen.
Er ist total lieb , nicht agressiv und verträgt sich auch mit allen Rüden.
Selbst wenn er nicht gebissen werden kann, kann es doch zu starken Prellungen im schlimmsten Fall mit ziemlicher Sicherheit auch zu Brüchen (Rippen) kommen.

Und nach so einem Erlebnis wäre er vielleicht nicht mehr eine solche "Knutschkugel" wie jetzt.

Birgit

Chaostruppe
14.07.2002, 18:59
Hallo!

Von dieser Methode hab ich auch noch nie gehört, und ich kann mir nicht vorstellen, daß sie erfolgreich ist. Ich glaube, sie bewirkt eher das Gegenteil! Ich hab so einen aggressiven Rüden, ein 40 kg Monster. Oh, der stürzt sich nicht auf jeden Hund den er entdeckt, aber er kann große, kräftige, und vor Selbstbewußtsein strotzende andere Rüden nicht ausstehen, und wenn er die Gelegenheit dazu hat, dann geht es richtig zur Sache. Hündinnen sind kein Problem. Und komischerweise lebt er mit zwei geschlechtsreifen, nicht kastrierten Rüden zusammen, ohne irgendwelche Probleme.

Ich hab die Erfahrung gemacht, daß selbst mit Rüden die ihm eigentlich egal sind, Feindschaften entstehen, wenn er nur lange genug mit diesem anderen Hund konfrontiert wird, während nur so im Vorbeigehen nichts passiert.
Jedenfalls bin ich mir ganz sicher, daß mein Hund in dieser Situation nach kurzer Zeit schier ausrasten würde, und je länger er mit den anderen Hunden "eingesperrt" wäre, desto tiefer die Feindschaft wäre, die dadurch entsteht. Der beste Weg also, einen latent aggressiven Hund erst richtig zum Kämpfer zu machen!

Virgilswelt
14.07.2002, 20:04
Hallo,

ich habe dazu auch einen Artikel gelesen und muß als erstes sagen, daß die Hunde nicht einen Maulkorb umbekommen und dann aufeinander losgelassen werden.
Es sind erfahrene Hundetrainer anwesend und alle Hunde einschließlich ihrer Besitzer werden vorher, mehr oder weniger, getestet. Die Besitzer müssen dazu bereit sein ihr eigenes Verhalten zu ändern und einsehen welche Fehler sie gemacht haben, denn meißtens sind es Haltungs- oder Erziehungsfehler. Hundehalter, die sich nicht einsichtig zeigen und denken sie können ihren Hund mal eben terapiert bekommen werden abgelehnt. Außerdem MUSS jeder Hund mit seinem Halter an einem Kurs in der Hundeschule, der parallel läuft, teilnehmen.

Weiterhin ist der Hund in der Gruppe auf sich allein gestellt, d. h. die Besitzer müssen draußen oder am Rand stehen bleiben. Der Hund soll sich nicht durch sein Herrchen im Rücken stark fühlen. Leider kann ich nur aus dem Artikel wiedergeben, aber so wie es beschreiben wurde klang es als hatte es Hand und Fuß.

Wen es interessiert, ich könnte den Beitrag mal raussuchen, einscannen und mailen.

mercuzia
15.07.2002, 10:39
Es handelt sich um die Resozialialisierung von agressiven Hunden und Raufern ect. Es sei dazu gesagt, das diese Hunde alle vorher im Einzeltraining waren und die Trainer genau wissen wie sich diese Hunde verhalten! Es ist oftmals die einzige Möglichkeit wie die Hunde wieder "ein normales Sozialverhalten" erlernen können. Natürlich kann das nicht einfach so und ohne Fachwissen nachgeahmt werden, dazu braucht es viel Erfahrung und Wissen.

Erst informieren dann urteilen!!

Gruß mercuzia

Thomas
30.06.2003, 14:40
Tach allerseits,

ich hol´ diesen Thread mal aus der Versenkung weil ich neulich mal einen Artikel über das Thema Raufergruppen gelesen habe. Verfasst wurde er von den Polizeihundeausbilder, Hundetrainer und Author Thomas Baumann (http://www.dogworld.de/) (ausnahmsweise ;) mal ohne Wertung, habe sonst nix von ihm gelesen, geschweige denn ihn bei der Arbeit gesehen, nur gehört das er nicht unumstitten ist...aber wer ist das nicht...?).
Den recht interessanten Artikel könnt ihr euch hier als PDF-File (http://www.dogworld.de/aktuelles/pdf/raufer.pdf) reinziehen.

Gruß
Thomas

Ilona
30.06.2003, 15:17
Hallo liebe Nicole,

diese Art, aggressive Hunde zu trainieren und sie zu resozialsieren ist in der Tat sehr vielversprechend. Allerdings muss man genau hinschauen: das WIE es gemacht wird, ist hier entscheidend.

Es werden immer stets sehr wesensfeste Artgenossen ausgesucht, die den kleinen Aggressivling mit Hilfe des Menschen therapieren. Und wie hier auch schon erwähnt wurde, lernen die Besitzer dabei ihre Hunde besser kennen und ein eventuell falsch eingeschliffenes Verhaltensmuster bei Begegnung mit Artgenossen zu durchbrechen.

Diese Therapie ist ein Fall für sehr erfahrene Trainer und hochprozentig erfolgreich.

Gruß, Illi:cu:

astridv
30.06.2003, 18:35
Hallo @ all,

ich würde mir das gerne einmal ansehen.
weiß einer von Euch wo diese Begegnungen stattfinden?
LG
Astrid

Thomas
30.06.2003, 19:55
Hallo Astrid,

auf der oben verlinkten HP von Thomas Baumann findest Du sicher auch seine Adresse...

Gruß
Thomas

Tina2809
30.06.2003, 23:42
Ich habe keine Ahnung, wie die Sache tatsächlich ablaufen soll, würde es lieber mal sehen, um "werten" zu können.
Bedenken habe ich allerdings angesichts der Tatsache, daß es in Deutschland zu wenige fähige Trainer gibt, die das Augenmass nicht besitzen, dieses Programm 100% korrekt durchzuführen. Das liest jetzt dann theoretisch wieder irgendeiner, der das mal eben aufm Platz mit zwei Hunden nachmacht.
Mann, was da wieder alles kaputt gehen kann....
Mir behagt gar nicht bei dem Gedanken....
Tina

AnnaS
01.07.2003, 10:04
Ich denke dazu, dass es sicherlich sehr unkonventionelle Maßnahmen gibt, die aber nicht alle gleich schlecht sein müssen. Und oft sieht es für jemanden, der sich eben nicht damit auskennt, so aus, als wäre es irgendwo gefährlich, idiotisch, oder dergleichen.
Mit dieser Methode habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt, aber ich denke, es ist so eine allgemeine Sache.
Mal als "Off-Topic-Beispiel" möchte ich hier mal das Beziehungstraining mit einem Pferd anführen. Wenn ich das jemandem demonstriere, und derjenige sich noch nicht damit befasst hat, kamen schon oft Kommentare wie "Die weiß ja gar nicht, wie man longiert", oder "Was soll das werden, wenn es fertig ist?" oder "Oh Gott, was macht die da?". Erst wenn sie hinterher sehen, wie das Ergebnis aussieht, und ich ihnen persönlich nach dem anschaulichen Beispiel erklären kann, wieso ich was gemacht habe, verstehen diese Leute.
Und ich glaube, so ist es auch hier mit dieser Methode (oder besser gesagt, es kann so sein).

Was Zeitungsartikel angeht, habe ich mir abgewöhnt, zu urteilen. Interessiert mich eine Sache, die ich aus einem Artikel habe (ob nun irgendwo skeptischer oder auch begeisterter Weise), versuche ich, mir davon persönlich ein Bild machen zu können. Aber eine Sache aufgrund eines Zeitungsartikels zu verurteilen, finde ich unsachlich.

Und Tina - es mag natürlich aufgrund eines solchen Artikels den einen oder anderen Trainer geben, der das mal ruck zuck ohne Ahnung nachmachen will. Aber ich glaube, das ist das Risiko bei allem, was in der Zeitung steht oder im Fernsehen gebracht wird. Es gibt aber auch die Leute, die wieder Hoffnung schöpfen durch solch einen Artikel, da sie vielleicht so einen aggressiven Hund haben und nicht weiter wissen. Also hat es so oder so negative und positive Seiten, wenn sowas veröffentlicht wird. Doch um eine Methode, die wirklich gut sein mag, zu revolutionieren, muss man sie öffentlich machen. Auch wenn es "Spinner" geben mag, die das nachahmen, ohne zu wissen, was sie da tun. Das ist LEIDER so.

Ich denke auch, man sollte nicht immer so voreilig urteilen.

Gruß
Anna

irene
01.07.2003, 15:58
Der aller größte Teil der Hunde, die sofort auf andere Hunde losgehen, machen das sicher aus Angst und Unsicherheit, wie soll man sie je wieder zu anderen Hunden lassen, wenn sie Begegnungen ohne Leine nicht üben können? Wir alle kennen ja diese Typen, die sich wie verrückt an der Leine gebärden, richtige Monster sind das - könnte man meinen. Ich stell meinen Janno auch immer gerne als "Therapeut" zur Verfügung und versuche die Leute zu überreden, den Hund von der Leine zu lassen, meistens wird nicht darauf eingegangen, aber manchmal eben doch. Da hatte ich schon "Mein Hund ist aus Zwingerhaltung und verhaltensgestört" und "ich hab Angst, dass mein Hund ihren Hund beißt!" Das mag zwar gewagt sein, finde ich aber garnicht, da ich genau weiß, wie Janno auf solche Hunde reagiert. Also Hund kommt von der Leine, sofort auf Janno los, Janno läßt sich jagen. Da er ein sehr schneller Hund ist, hat ihn noch keiner erwischt, nach ner Weile gibt der andere Hund auf und dreht um, Janno dreht sofort auch um und nähert sich dem anderen Hund wieder, also Jagd geht von vorne los. Das Spiel geht so lange, bis der andere Hund endgültig aufgibt und dann meistens zu seinem Herrchen geht, dasteht und schaut, absolute Ruhe, kein Kläffen, nichts. Er hat mit seinem Aufstand nicht erreicht was er wollte, nämlich Janno vertreiben, der steht dann so einen Meter neben ihm oder leckt ihm sogar schnell im vorbei gehen über´s Maul. Klasse Übung für verhaltensgestörte Hunde finden Janno und ich, Janno hat offensichtlich auch noch richtig Spaß dabei, für ihn sowieso immernoch das schönste Spiel, wenn jemand versucht ihn zu jagen. :D

Grüße

Irene

PS: es gibt aber auch noch die Hunde, die kommen von der Leine und dann ist garnichts! Schade, findet Janno 0(

mercuzia
01.07.2003, 16:09
Die Resozialisierungsgruppen, die ich angesprochen hatte finden bei der Hundeschule Aschaffenburg statt, unter www.hundeschule-ab.de kann man sich informieren . Auch in meiner Hundeschule biete ich dieses Training an.

Ich möchte hier nochmal betonen, daß die Hunde alle vorher im Einzeltraining waren, die Ausbilder die Hunde genau kennen und wissen wann sie einschreiten müssen und die Hunde tragen Maulkorb!!

Gruß mercuzia

Tina2809
01.07.2003, 18:28
Klar gibt es dieses Risiko.
Ich finde die Sache sicher interessant und hilfreich. Das war nur eben der erste Gedanke, der mir in den Kopf geschossen ist.
Tatsächlich würde es mich wirklich eher mal interessieren, sowas live zu sehen. Vielleicht kann ja Mercuzia mal nen kleinen Bericht abgeben, wie das bei ihr so läuft!
LG
Tina