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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund kommt nur wenn er will



nivoe
15.02.2004, 09:57
Unser 8 Monate alter Bernersenn-Rüde kommt nicht wenn wir ihn rufen, z.B. er ist im Garten, wir rufen, er kommt einfach nicht, auch in der Wohnung. Nur wenn er Lust hat. Leckerlies bringen auch nichts. Oft kommt er nur auf 2 Meter heran, wenn man dann auf ihn zu geht, rennt er weg und fordert uns zum spielen auf, ignoriert haben wir es schon, uns umgedreht und weg gegangen. Manchmal klappt es das er uns hinterher rennt.
Wir haben ihn nicht als Welpen bekommen, er war vorher bei einer Familie mit 2 Kindern. Bei uns ist er jetzt 14 Tage.

Brana
15.02.2004, 11:21
Lockt Ihr ihn mit den Leckerlis, wenn er schon mit seinen normalen Mahlzeiten 'abgefüllt' ist? Dann hat er natürlich 'Nullbock' , weil er nicht mehr hungrig ist.
Laßt ihn erst mal 1 - 2 Tage hungern und dann fangt Ihr an aus der Hand zu füttern, d.h. es gibt nur noch Futter oder Leckerlis, wenn er was dafür getan hat. Ansonsten ist absolutes Fütterverbot.
So solltet Ihr den Racker eigentlich dazu bekommen, daß er gerne zu Euch kommt.

Viel Glück - brana

juebili
15.02.2004, 15:07
Hallo Nivoe!

Erst mal: Mach Dir noch nicht so viele Gedanken, dass er nicht kommt. Er ist erst zwei Wochen bei Euch, das dauert!

Generell erst mal lobst Du ihn total übertrieben, wenn er (ohne Kommando, ohne Rufen) von alleine zu Dir kommt ("So ein toller Hund, kommt soooo toll hier, ja so ein Braver...."). Wenn er Dich etwas seltsam anschaut, auf die Art von "Hat die jetzt völlig den Verstand verloren?" ist es genau richtig.

Er muss verknüpfen, dass es super klasse ist, wenn er zu Dir kommt. Belohne ihn dann mit was Leckerem, nicht nur mit Hundeleckerli, z.B. Käse oder so.

Dann ruf ihn nach zwei/drei Tagen in der Wohnung, ohne Ablenkung und nur, wenn Du auch sicher bist, daß er den Käse in Deiner Hand schon sieht (Verknüpfung Rufen - Loben und Käse).

Ruf ihn nie (!!!!!) in der Anfangszeit, wenn er die Auswahlmöglichkeit hat "Komm ich oder nicht".

Im Garten könnt Ihr aus Stühlen einen "Gang" aufstellen, etwa zwei Meter lang. Einer steht mit ihm am einen Ende und hält ihn fest, der andere ruft und lockt am anderen Ende, dann loslassen und - oh Wunder - er kommt! (Kann ja links und rechts nicht weg und ein Erfolgserlebnis hat er trotzdem).

Ablenkungen erst langsam aufbauen. Im Garten gibt es einfach zu viel zu riechen und zu gucken, als dass er da Veranlassung sieht zu Euch zu kommen.

Ach ja - Rufen sollte nicht bedeuten "Spiel/Ausflug zu Ende" sondern er darf immer mal wieder noch mal gehen, wenn er brav gekommen ist. Sonst ist das Rufen ja für ihn negativ verknüpft mit Spaß vorbei!

Viel Erfolg!

Bianca

Mäusezahn
16.02.2004, 10:22
Hallo,
versucht, zusätzlich Bindung an Euch aufzubauen! Der Hund ist erst zwei Wochen bei Euch, er kann Euch gar noch nicht richtig einschätzen, "gehört quasi noch nicht dazu". Spielt mit ihm, lasst ihn Leckerlis suchen, kleine Aufgaben erledigen, sehr empfehlenswert finde ich das Buch "Mentales Trainig für Hunde" von Anders Halgren.
Ach so: was kann Dein Hund denn? War er mit Deinen Vorgängern in einer Hundeschule? Weiß er überhaupt, was "hier" bedeutet?
Du wirst sehen, die Arbeit lohnt sich!
Karin

Mascha
17.02.2004, 15:24
Hallo nivoe,

du schriebst:
wir rufen, er kommt einfach nicht, auch in der Wohnung. Nur wenn er Lust hat. Wenn es Dich tröstet: Das ist bei allen Hunden so. :D Die Kunst des Trainers ist es, dafür zu sorgen, dass der Hund (fast) immer Lust hat!

Die anderen haben Dir ja schon gute Tipps gegeben. Noch eine Idee habe ich beizusteuern:

Habt Ihr schon einen "Komm"-Pfiff (mit Pfeife oder ohne)? Das kann ich nur empfehlen! Einige Vorteile: Einen Pfiff äußert man nicht mal so nebenbei oder aus Versehen; er ist für den Hund gut zu hören. Wenn man eine Pfeife benutzt, kann auch so ziemlich jedeR, der mal mit dem Hund unterwegs ist, denselben Pfiff verwenden.

Klar, dass man auch ein Wort oder mehrere als Signal verwendet, z.B. "Komm" für ein lockeres in-die-Nähe-Kommen, "an die Leine" für ein Kommen und Abwarten, "Hier" für das vorschriftsmäßige Kommen mit Vorsitzen und "Willst Du ein Leckerli?" für ein erwartungsvolles Kommen. ;)

Ich habe meinem Hundi die Pfeife mit Hilfe des vollen Futternapfes *schmackhaft* gemacht. Zuerst habe ich einfach gepfiffen, wenn das Hundchen erwartungsvoll auf den Napf schaute - dann erst gab es das Futter.
Nach ein paar Mahlzeiten habe ich dann heimlich das Futter vorbereitet und den Hund mit dem Pfiff darauf aufmerksam gemacht, dass es jetzt was gibt.
Dann musste ihn immer jemand festhalten, damit er nicht schon da war, wenn ich das Futter in den Napf füllte, und ich habe mich in der Wohnung versteckt. Wenn mein Hundi den Pfiff hörte, explodierte es förmlich und suchte mich - das Futter gab es dann an der Stelle, an der ich wartete.

Das alles dauerte zwei oder drei Wochen - mein Hund war damals noch klein und bekam dreimal am Tag eine Mahlzeit. Wir hatten also sicher mehr als 50 Wiederholungen, die immer nur die Verknüpfung *Pfiff - Hund kommt - Futternapf* brachten.
Dann hätte ich, wenn ich einen Garten gehabt hätte, die Übung (mit hungrigem Hund und nach dem Toben) nach draußen verlegt und nochmal zwei Wochen trainiert.
Wir hatten aber keinen Garten, darum musste ich die Pfeife gleich beim Spaziergang ausprobieren. Es ging gut! (Wichtig wieder: nach dem Spielen und Toben, mit hungrigem Hund.) Als *Belohnung* gab es nun nur ein Superleckerli, keinen Napf, aber auch wieder Freilauf und Toben.

Weiterhin habe ich noch eine Weile jede Mahlzeit mit Pfiff begonnen; im Laufe der Zeit dann nur noch gelegentlich.

Ich benutze die Pfeife nicht täglich - manchmal wochenlang gar nicht - aber es gibt für das Kommen dann IMMER etwas Gutes; mindestens ein Leckerli, überschwengliches Lob und nochmal Freilauf.


Prinzipiell kann man einfach jede Gelegenheit, zu der der Hund gerne kommt, nutzen: Die Ankündigung eines Spaziergangs oder einer Toberunde im Garten z.B. ist meistens das Klappern des Schlüssels oder der Tür - es könnte auch der Pfiff sein! (Es macht anfangs nichts, wenn der Hund schon da ist, wenn man pfeift. Er verknüpft ja trotzdem den Pfiff mit 1. der erfreulichen Situation und 2. der Anwesenheit des Menschen.)


Du schriebst:
Oft kommt er nur auf 2 Meter heran, wenn man dann auf ihn zu geht, rennt er weg und fordert uns zum spielen auf Das erscheint mir ganz logisch: :) Es macht ihm natürlich Spaß, Fangen zu spielen, und er hat die Erfahrung gemacht, dass diese Situation eine gute Gelegenheit dazu ist. :(
Was macht er denn, wenn Du Dich dann hinhockst, statt auf ihn zuzugehen?
Mein Vorschlag wäre: Nimm das Fangenspielen als Belohnung! Das heißt: Du bestimmst, wann es gespielt wird - und zwar immer nur dann, wenn Wuffi etwas (in Deinem Sinne) erfreuliches getan hat. Zum Beispiel wenn er sich hat einfangen lassen und dann zwei Meter an der Leine gegangen ist. Warum nicht zum Ausgleich danach ein kleines Tobespiel? Und dann wieder heranlocken, Leine, Toben...

Viel Spaß! Und lasst Euch nicht entmutigen! Hier noch ein Linktipp für viele Beschäftigungsideen, die die Bindung stärken: www.spass-mit-hund.de