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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rüden anknurren



mauju
14.01.2004, 21:07
mein Labrador Rüde (16 Monate) meint manchmal "jetzt bin ich der Boss" und zwar knurrt er manche Rüden an. Egal ob er ohne oder mit Leine herumläuft. Sonst ist er eigentlich ein sehr friedlicher Hund, hat seinen Wesenstest sehr gut gemacht. Im Moment lasse ich ihn nur mit langer Leine laufen und versuche dieses wieder in den Griff zu bekommen. Wenn wir auf der Strasse an Rüden vorbeikommen sage ich sofort "ganz schön lieb und keinen Krach". Manchmal hilft es. Hat jemand vielleicht noch mehr Tipps für uns wie wir dieses Verhalten wieder ändern können?
Ich danke Euch im voraus

Hovi
16.01.2004, 13:02
Hallo Mauju,

das Knurren gehört zum ganz normalen Verständigungsritual zwischen Hunden.

Wenn daraufhin nicht sofort eine wilde Keilerei folgt, ist das völlig in Ordnung.

Ich beschreib Dir mal eine Situation, wie sie des Öfteren vorkommt, wenn ich Jason (2 dreiviertel Jahre alt) frei laufen lasse:

Ein fremder Rüde (ebenfalls frei) kommt in Sichtweite. Beide Hunde erstarren zunächst. Dann geht es mit gesträubtem Fell aufeinander zu. Kurzes Schnuppern, Ruten erhoben, Hunde umkreisen einander, knurren.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder, einer der beiden läßt die Rute sinken und trollt sich. Dann war ihm der "Gegner" zu heikel / zu selbstbewußt. Oder aber die Situation schaukelt sich hoch, das Geknurre und Gekreise wird heftiger. Dann gehe ich zügig weiter und bitte den Besitzer des fremden Hundes (sofern in Sichtweite :D :D :D), dasselbe zu tun.

Jason rufe ich zu mir. Er folgt auch, vordergründig zwar nur widerwillig, aber insgeheim wohl heilfroh, dass er nicht raufen mußte ;).

Was ich damit sagen will: Imponiergehabe (und dazu gehört auch knurren) gehört bei Hunden, bei welchen der Rang nicht geklärt ist, zum völlig normalen Kommunikationsverhalten.

Natürlich ist Knurren auch die Vorstufe zum Angriff. Vermenschlicht ausgedrückt, will der Hund mit dem Knurren sagen: "Mach jetzt noch eine falsche Bewegung, dann beiß ich Dir in Deine doofe Nase!!!"

Den Satz "Ganz lieb sein und keinen Krach machen" versteht Dein Hund nicht :D... er kann kein Deutsch, bis auf einzelne Kommandos, die Du ihm beigebracht hast.

An Deiner Stelle würde ich nicht versuchen, diese Form der hundlichen Kommunikation zu unterdrücken! Im schlechtesten Fall erreichst Du damit nämlich, dass Dein Hund nicht mehr knurrt, sondern ohne Vorwarnung gleich angreift, und das ist ja nicht Sinn der Sache!

Begegnet ihr einem ungeliebten Rüden, und Dein Hund ist angeleint, würde ich Dir folgende Strategie vorschlagen:

Dein Hund ist ein Labbi, und ich unterstelle jetzt einfach mal so :rolleyes: (weiß gar nicht, wie ich da drauf komme), dass er auch verfressen ist? Also: Käsestückchen, getrocknete Leber oder sonstige feine Leckerlis in die Tasche. Hund absitzen lassen und seine Aufmerksamkeit auf die Leckerlis lenken. Während der fremde Hund vorbeigeht, wird Dein eigener mit Leckerli vollgestopft.

Das hat 2 positive Effekte:

1. Ein kauender Hund knurrt nicht
2. Dein Hund lernt: Fremde Rüden = angenehm (weil´s Leckerlis gibt)

Also, wenn Du schon versuchst, Deinem Hund das Knurren abzugewöhnen, dann bitte mit positiver Verstärkung. Die hat langfristig den zuverlässigeren Effekt ;), und sie hat NICHT den Nebeneffekt, dass Dein Hund glaubt, Knurren sei generell verboten und daher ein Angriff ohne Vorwarnung angesagt!

Grüßle
Claudia

Melhase
16.01.2004, 16:05
Hund absitzen lassen und seine Aufmerksamkeit auf die Leckerlis lenken. Während der fremde Hund vorbeigeht, wird Dein eigener mit Leckerli vollgestopft.

und was wenn der hund sich in so einem moment nicht für leckerlies interessiert? :confused: :(

ist im prinzip das gleiche problem wie ich auch hab, kommthald noch hinzu dass jango versucht zu dem hund hinzuziehen wie ein irrer. er knurrt oder bellt aber immer erst dann wenn der andre hund auch bell toder knurrt. mir ist aufgefallen er ist nie der erste der "laute" von sich gibt,

Hovi
16.01.2004, 16:28
Dann muß man eben herausfinden, für was sich der Hund interessiert. Es kann genauso gut ein Spielzeug oder ein anderes Motivationsobjekt sein. Wichtig ist einzig, dass der Hund ständig ein positives Erlebnis hat, wenn fremde Hunde an ihm vorbeilaufen. Es gibt sogar Hunde, die freuen sich über stimmliches Lob.

Anfangs hält man den Abstand zu dem fremden Hund so groß, dass der eigene nicht im letzten Augenblick doch knurrend auf den anderen zustürmt. Jeder Hundehalter muß selber herausfinden, wo beim eigenen Hund die "Schmerzgrenze" der Individualdistanz liegt. Und die verringert man nur schrittchenweise. Dann klappt´s auch mit der Motivation.

billymoppel
16.01.2004, 16:37
....Dann gehe ich zügig weiter und bitte den Besitzer des fremden Hundes (sofern in Sichtweite), dasselbe zu tun...

und dabei den hund um himmels willen nicht an die leine nehmen! sonst kommt es zum show-down.
billy wird in so eine situation übrigens zum bravsten hund der welt: er ist mit absoluter sicherheit froh, dass er dann kommen MUSS und leider nicht mehr mit dem anderen rüden sprechen kann. :D
ansonsten stimme ich clau´dia völlig zu: knurren gehört zum normalen lautspektrum und hat eine wichtige warnfunktion.
und noch was: dein rüde wird jetzt langsam richtig erwachsen. billy versucht auch immer, bei jung-rüden ordentlich zu dominieren, findet es dann aber auch i.o., wenn ihm von diesem rüden gesagt wird, dass er solche spiele nicht mehr duldet. von daher denke ich, mit weiter steigendem alter werden die dominanten annäherungen von fremden rüden geringer werden und für deinen besteht dann auch weniger grund, die anderen auf distanz zu halten.

lg
bettina

mauju
17.01.2004, 19:08
Hallo Claudia,

was Du geschrieben hast stimmt alles, leuchtet mir alles ein. Aber etwas habe ich vergessen zu schreiben, denn mein Hund knurrt nicht nur, er möchte auch über andere Hunde herfallen, also sie platt machen. Der will wahrscheinlich testen wer ist hier der Boss. Heute waren wir im Wald, keine 20 Meter (ohne Leine) kam der erste Hund, er fing an zu knurren und fiel über ihn her. Wir haben ihn zu packen bekommen, er wurde zusammengeschissen, an die Leine genommen und es ging nur noch "Fuss" durch den Wald. Das gleiche Spiel noch zweimal, er war aber immer noch an der Leine und machte zwei andere an, der eine kam gar nicht in seine Nähe, aber er musste den den Dicken markieren. Habe ihn wieder zusammengeschissen und weiter gings per "Fuss". Dann geht er wie ein Lamm neben mir her. Flegelphase oder was?????

Viele Grüsse Heidi

cheroks
18.01.2004, 10:46
Hallo Heidi,
wie hast du deinen Hund denn zusammengeschissen? Es nützt nicht viel, wenn du ihn anschreisst, denn wie Claudia schon gesagt hat, die Worte an sich versteht er nicht. Er merkt nur, dass du auch aggressiv wirst und das kann ihn nur noch weiter anstacheln.

Allerdings würde ich meinen Hund auch nicht mit Leckerlies vollstopfen, denn wenn es ihm wichtig ist diesen Hund "anzumachen" dann wird er dich eher für instinklos und dumm halten, wenn du ihm in so einer Situation etwas zu fressen anbietest. Wenn du mit Leckerlie arbeiten willst, dann nur nach einem echten Erfolg, also dann, wenn du sein Verhalten wirklich beeinflusst hast.

Ich habe einen 12 monate alten Rüpel, der diese Phase auch hatte;) . Wenn dein Hund einen guten Grundgehorsam hat (mit 16 Monaten gehe ich mal davon aus), also auch in schwierigen Situationen zu dir kommt, dann würde ich es so machen bzw. so habe ich es gemacht.
Fremder Hund erscheint, dein Hund wird ja nicht ohne Ankündigung losstürmen,die meisten Hunde "fragen" was sie machen sollen z.B. in dem sie kurz erstarren, kurz zu dir sehen oder zwischen Hund und Herr hin und her sehen. Das ist der Moment in dem du ihn rufen kannst. Kommt er nicht
- Schleppleine oder mit etwas abwerfen wenn er sich entscheidet auf den Hund zu gehen (richtiges Timing!!!) um ihn zu verunsichern- denn wenn er dich ignoriert nützt dir das alles nichts und du kannst die Situation nicht kontrollieren und dein Hund setzt sich ein weiteres mal durch und du sinkst in seinem Ansehen - sie kann ja eh nichts machen.
Ich würde ihn auch mit Nachdruck in der Stimme rufen. Du kannst ihm mit deiner Stimme schon klar machen, dass du weisst was er vor hat und du das nicht gestattest.Kommt er zu dir reicht ein verbales Lob, vereierst du ihn jetzt durch zu viel Lob und anfassen und klopfen könnte er dich falsch verstehen und es eher als Spielaufforderung auffassen. Eher ein ruhiges bestätigendes "so ist´s brav" wenn er bei dir angekommen ist und eine kurze Berührung machen Sinn.

Knurrt er an der Leine und will drauf los, warne ihn so wie ein ranghöherer Hund es tun würde, rempel ihn mit dem Knie an und dräng ihn ab (Bodycheck), ohne vieler Worte aber mit Blicken! Starr ihn an und sag ihm nur ausdrücklich NEIN, er muss lernen sie will nicht dass ich mich mit fremden Rüden messe. Er bring sich und damit sein Rudel in Gefahr, denn er wird früher oder später an einen geraten der sich das nicht gefallen lässt und ihn platt macht. Ausserdem ist es Energieverschwendung, denn er hat fremden Hunden gegenüber nicht den Boss zu spielen, schliesslich soll der fremde Hund ja nicht in euer Rudel aufgenommen werden.

Rüpelphase hin oder her, dein Hund ist 1,5 Jahre alt. Drauf zu hoffen dass er das von alleine lässt wäre m.M. nach naiv. Er ist ja noch nicht mal in seiner Hochphase (2-3Jahre) da kann es erst noch richtig knallen. Jedes "plattmachen" ist ein Erfolg für ihn, auch wenn du ihm im nachhinein (2 sek später) ne Standpauke hälst.
Das Rüden sich nicht immer grün sind ist normal, dass er einen fremden Rüden (einen Konkurrenten) mit Leckerlie verknüpft halte ich für unwahrscheinlich.

Das gleiche Spiel noch zweimal das sagt mir, er hat nicht so recht begriffen, was du von ihm willst. Wenn er sich durch drängeln usw. nicht beeindrucken lässt und weiter macht mit seinem Verhalten würde ich meinen Hund auch mal packen und runter drücken inkl. Nein drüber beugen und starren.

LG Tina