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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ängstlicher/unsicherer Hund



Mili
16.04.2002, 22:41
Hallo alle zusammen!

Vor 14 Tagen habe ich einen 4jährigen DSH-Rüden (heute kastriert worden) vom Tierschutz übernommen. Wie das manchmal so ist, gesehen, Herz im Sturm erorbert. Der Hund hat weiß Gott ein gutes Zuhause verdient. Er ist durch zig Hände gegangen und absolut schlecht gehalten worden. Warum er dennoch ein so herzensguter Kerl geblieben ist, ist mir schleiherhaft, spricht aber natürlich für den Hund. :-) Da ich und mein Lebensgefährte vollzeit berufstätig sind, ist der Hund bei meinen Schwiegereltern und am WE unternehmen dann ich u. mein Lebensgefährte lange Spaziergänge mit ihm. Der Hund hat sich wirklich gut eingelebt, leidet aber unter starken Verlassensängsten(er bekommt Bachblüten und Ignatia) und ist sehr ängstlich bzw. unterwürfig, sobald man ihn mal lauter anspricht oder auch nur streng mit ihm spricht. Wo er nicht ausweichen kann, legt er sich direkt auf den Boden oder aber weicht aus. Besonders schlimm ist es, wenn man ihn von der Leine läßt. Er kennt die Kommandos und vernatzt uns ständig, indem er auf Ruf/Pfiff nicht zurückkommt. Wenn man dann versucht ihn energischer zu rufen, kommt er vor lauter Angst erst recht nicht. Man kann ihn allerdings zurücklocken, wenn man einen Ball in die Hand nimmt (natürlich nur, wenn er das im Eifer des Gefechts auch registriert ;-)) Wie dem auch sei, ab Mai werden wir die Hundeschule besuchen, um das Gelernte wieder aufzufrischen und damit er Kontakt zu Artgenossen bekommt, denn wenn er andere Hunde sieht wird er ganz verrückt und will unbedingt zu ihnen. Aber vielleicht hat ja einer von euch auch schon so einen "Problemhund" gehabt, und kann mir im Vorfeld Tipps geben. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, aber die Erziehung dieses sensiblen Hundes ist für mich ein Rätsel........! Ich weiß, daß 14 Tage noch keine lange Zeit sind, möchte aber trotzdem betonen, daß der Hund bereits seine Leute kennt, ihnen auf Schritt und Tritt folgt und total nervös wird, wenn man außer Sichtweite ist (auch bei Spaziergängen). Außerdem ist er ein Clown, man sieht im förmlich an, daß er guckt, wie weit er gehen kann. Also, was tun?

LG Mili

sporty
17.04.2002, 17:11
hallo mili,
ich habe selber einen "problemhund" (italienischer zwingerhund) und die erziehung ist wirklich nicht leicht.
solche hunde sind sehr ängstlich, wir haben über 1 jahr tägliches arbeiten gebraucht damit er alleine bleibt.

timmy hat auch bei lauten geräschen angst. es ist zwar schon besser geworden, aber ich glaube, dass wir das nie ganz raus bekommen werden. er duckt sich, wenn ich mal etwas strenger rufe (immer noch).
ganz peinlich wird es, wenn ich ihn überraschend am halsband nehme ( zb. wenn straßen oder fußgänger kommen),
dann jault er so auf als ob ich ihn schlagen würde.

aber mit der erziehung klappt es eigentlich ganz gut.
doch das mit dem vera..... kenne ich ganz gut,da man dazu neigt so einen hund nicht wirklich zu bestrafen. das merkt er natürlich und nutzt es aus. du musst lernen ihn konsequent, freundlich und bestimmt zu erziehen, dann klappt es auch! ;)

eins kann ich dir noch sagen, trotz der vielen probleme
kann ich mir nichts besseres vorstellen als diesen hund. er ist einfach spitze und so dankbar! :)

nicole + timmy

Alpha
17.04.2002, 17:53
Wodurch auch immer dein Hund so unterwürfig geworden ist-wenn ihr mit ihm weiterhin "natürlich" umgeht,d.h. ihn auch mal schimpft etc.,wenn er nicht hört-wird er lernen,daß sich mit Eurem Schimpfen kein anschließendes Gequäle verbindet(falls er das aus vergangener Erfahrung befürchtet).Natürlich dürft ihr ihn nicht bestrafen,wenn er nach Rufen zu euch kommt(und hat er das auch noch so lange "überhört",sonst würde er das Ankommen als Falsch ansehen.Verhätschle ihn nicht(wie das leider bei ach-so-armen Tierheimhunden oftmals ist-Leckerchen,Beruhigen,Meiden von best.Situationen),sondern gehe mit ihm fair und ruhig aber bestimmt um.Zudem solltest nicht du,sondern die Person für ihn Chef werden,bei der er lebt-wenn du als "Zaungast" versuchst,für den Hund über deinen Schwiegereltern zu stehen,wird das den Hund nur verunsichern und für ihn das Leben erschweren.Deine Schwiegereltern sollten den Hund in kleinen Schritten ans Alleinbleiben gewöhnen und dabei ist ganz wichtig:nie zurückkehren,solange der Hund heult/kläfft,sondern erst,wenn er ruhig ist.Außerdem sollten sie sich nie großartig beim Alleinlassen verabschieden sowie auch nicht begrüßen,wenn sie zurückkehren,stattdessen erst nach ein paar Minuten den Hund zu sich rufen und streicheln,etc.Gruß,Alpha

Mili
17.04.2002, 21:47
Hallo!

Vielen Dank für eure lieben Antworten, daß gibt mir dann ja doch noch Hoffnung! :-)
Wir alle haben ihn inzwischen schon sehr ins Herz geschlossen, und natürlich akzeptiere ich, daß meine Schwiegereltern für ihn die ersten Bezugspersonen sind. Aber ich wünsche mir eben, daß er sich auch von mir führen läßt, ohne "murren". ;-)
Ich bin da aber guter Hoffnung, und auf den ersten Besuch in der Hundeschule freue ich mich schon richtig!

LG Mili

Sandy
17.04.2002, 21:59
Ich hätte da eine Frage an euch!
Was bringen "Bachblüten"????
Ich hab diesen Begriff jetzt schon tausendmal gehört,
aber die wirkliche Erklärung dazu oder einen Grund zur Benutzung (Zweck) wurde mir noch nicht mitgeteilt!!!

Könntet ihr mich darüber aufklären?:rolleyes:

Schon mal im vorraus DANKE!

Liebes WuFF!
Sandy & Aramis

caro
17.04.2002, 22:08
Hallo Mili,
wir hatten vor 20 Jahren auch einen Problemhund. Es war unser dritter Schäferhund. Mein Vater hat diesen vor dem Einschläfern gerettet. Der erste Besitzer wollte ihn töten, weil er zu unterwürfig und ängstlich war. Eben kein Schutzhund. Wir waren damals noch Kinder und ehrlichgesagt habe ich diesen Hunden nur in bester Erinnerung, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass sich meine Eltern diesem Hund angenommen haben und ihn "ganz normal" behandelt haben.
Er durfte nicht mehr oder weniger als die anderen auch, es hat jedoch ca. 1 Jahr gedauert, bis er sich einigermaßen von seinem ersten Herrchen erholt hatte. Lediglich vor Männern hatte er bis zum Schluß Angst, ohne jedoch aggressiv dabei zu werden. Also, es lohnt sich zur Aufgabe zu machen solchen Hunden eine zweite Chance zu geben!


Kurzer Hinweis, wenn er beim Rufen mal wieder nicht kommt: einfach zügig in die andere Richtung gehen.Dann läuft er sicher hinter Dir her, wenn er kommt, fleißig loben!!

Schöne Grüsse und viel Erfolg!

Flocke
17.04.2002, 23:37
Hallöle,
wenn euer Hund solche Bindungsängste hat, dürftet ihr ihn eigentlich ziemlich schnell dazu bringen, dass er auf Rufen zurückkommt. Verhaltet euch so, wie Caro beschrieben hat - und wirklich nur einmal rufen und zügig - ohne nochmaliges Rufen - in die andere Richtung laufen. Und viel Loben, am Besten, wie Alpha geschrieben hat, mit Leckerchen. Macht nicht den Fehler und denkt, der arme Hund hat soviel Schlechtes erlebt, den lassen wir jetzt erst einmal. Ein Hund fühlt sich nur sicher, wenn er genau weiß, welche Position er im Rudel inne hat. Konsequenz ist wichtig. Und wenn euer Hund sooo ballverrückt ist, dann baut das in die Erziehung mit ein... nehmt immer einen Ball mit und spielt jedes Mal, wenn ihr euren Hund gerufen habt und er kommt, mit ihm. Schnell wird er merken, dass es ganz toll ist, wenn er zu euch kommt.

Griffon
19.04.2002, 14:37
:rolleyes:
Hallo Mili!
Mich wundern so einige Dinge bei der Vermittlung.
Ein "Problem"hund wird von einem Tierheim in eine Stelle vermittelt, wo 1. beide Partner vollberufstätig sind, 2. der Hund bei den Schwiegereltern untergebracht wird, 3. am Wochenende wieder Ihr, 4. wird er sofort nach 2 Wochen kastriert, 5. sofort von der Leine gelassen.

zu pkt. 1+2+3 : Wieso holt Ihr Euch einen Hund, wenn Ihr nicht selber für ihn dasein könnt..(Ihr seht ja, dass er anscheinend konsequente Betreuung braucht, um sich wieder zu fangen und Erlebtes zu verarbeiten); der Hund ist ja völlig irritiert von den wechselnden Bezugspersonen (das kann man mit einem Hund machen, wenn er seelisch gefestigt ist!)
zu pkt. 4 : Warum hattet Ihr es mit dem Kastrieren so eilig? Streß pur für den Hund! Lasst ihn sich doch erst mal eingewöhnen! Der Hund hat aber auch keine Chance, zur Ruhe zu kommen!
zu pkt. 5 : Lässt man einen Hund nicht nach 2 Wochen von der Leine! Das ist eine Gefahr- für ihn selber und andere, da sein Verhalten und seine Reaktionen noch nicht gefestigt ist. Ihr macht 2 Schritte vor dem 1. und schreibt dann diesen Beitrag.

Welches Tieheim hat denn so Kopflos vermittelt, Hauptsache TH_Zwinger leer.zu pkt. 1+2+3

Mili
21.04.2002, 20:06
Hallo Griffon!

Habe mich schon ein wenig gewundert, warum diese Fragen nicht schon eher gekommen sind! ;-)
Der Hund stammt nicht aus dem Tierheim, sondern wurde uns völlig verwahrlost in der Praxis vorgestellt und ich habe versucht, ein neues Zuhause für ihn zu finden. Schließlich ist er bei meinen Schwiegereltern gelandet. Das Ganze ist eine lange, ziemlich komplizierte Geschichte, was hier zu weit führen würde, zu berichten. Hauptsache ist doch, daß der Hund eine Stelle gefunden hat, wo es ihm gut geht, und wo immer jemand zuhause ist. Natürlich sind die auch die ersten Bezugspersonen, aber was spricht dagegen, daß wir am WE Ausflüge unternehmen, damit er sich ordentlich austoben kann? Er freut sich über jeden Besuch von uns, und auch ohne Leine hört er einigermaßen auf uns, solange kein anderer Hund in Sichtweite ist. Dann ist er völlig jeck! *g* Und genau das ist zur Zeit das Problem. Ich vermute, daß ihm jegliche sozialen Kontakte gefehlt haben, in seiner Zeit davor, und besuche u.a. die Hundeschule, damit er auch lernt, sich in einer Hundegruppe zurechtzufinden und seinesgleichen zu treffen, ohne Streß, so wie es auf den Spaziergängen ist. Ich weiß, daß es ziemlich ätzend ist, wenn der Hund nicht hört, mal abgesehen von dem Ärger mit anderen Hundehaltern(zu Recht) oder das es auch mal schief gehen kann, wenn ein Hund nicht so freundlich gesinnt ist, wie unserer. Die Kastration war uns wichtig, da in unserem Umkreis fast nur Hündinnen sind, und der Hund sich sofort in diese "verliebt" hat und ran wollte, egal ob läufig oder nicht. Er ist dann sehr unruhig, speichelt wie verrückt, fipst und versucht mit aller Macht, zu der Hündin zu kommen. Man kann jetzt von Kastrationen halten was man will, und über den Zeitpunkt kann man vielleicht auch streiten, aber es ist alles gut gegangen, und so wie das Ganze in unserer Praxis läuft, ist dies nicht unsagbarer Streß gewesen, da er in der TAP keine Angst zeigt, Frauchen bis zur Narkose dabei ist und er sofort nach der OP (als er zum 1. Mal den Kopf hob) nach Hause kam. Abends war er dann auch wieder recht fit! :-) Im übrigen stellt der im Freilauf keine Gefahr für andere dar, da wir dies natürlich nur in einem speziellen Gebiet tun, wo a) weit und breit keine Straße ist und b) gut einzusehen.
Abgesehen davon, haben meine Schwiegereltern bestimmte Rituale und Regeln, die der Hund mittlerweile kennt (und braucht), die wir nicht unterwandern, um ihn nicht zu verwirren. Nochmal zu der WE-Geschichte: Die ganze Woche arbeiten meine Schwiegereltern mit ihm, sprechen sich ab, wann wer zuhause ist, damit er nicht, oder nur kurz alleine sein muß und haben ihren Tagesablauf kopmlett umgekrempelt für dieses Tier, ist es da nicht nur recht und billig, daß wir uns auch mal um ihn kümmern, damit sie auch mal was unternehmen können?
Einerseits habe ich micht über deinen Beitrag gefreut, andererseits auch darüber geärgert, denn er ist bei mir einigermaßen aggressiv rüber gekommen , und da du nur diesen obigen kurzen Bericht kanntest, und nicht alle Zusammenhänge dazu (nachwievor auch nicht), freuen mich eher Beiträge, die mir helfen könnten. Und da der Hund sich in letzten Wochen ganz hervorragend entwickelt hat und es jeden Tag besser wird, denke ich, daß bisher alles richtig gemacht wurde, denn völlig hundeunerfahren bin ich auch nicht. Allerdings bestätigen mir Beiträge wie deine, daß man hier lieber nicht Fragen stellen sollte, denn früher oder später wird man angemacht!
Nichts für ungut,
Gruß Mili

Griffon
22.04.2002, 14:47
Liebe Mili!
Ich freue mich über jeden gut vermittelten Hund, denn ich arbeite selber in der Vermittlung. Da ich aber von TH nicht sehr viel halte und viele Hundebesitzer an der Vermittelungspraxis inzwischen Kritik üben, mache ich mir eben diese Gedanken, die ich mit der Kürze Deines Beitrages begründen kann.
Es tut mir leid, wenn ich nicht zu den Menschen gehöre, die ihre Erfahrenswerte abspulen und damit die Nerven des Beitragerstellers beruhigen.
Erst jetzt hast Du deutlich geschrieben, wie Du den Hund bzw. deine Schwiegereltern den Hund bekommen haben...dann ist ja alles geklärt.
Trotzdem muß eine Kastration nicht sofort sein..wenn es geklappt hat, schön für den Hund und Euch!
Man sollte nicht eingeschnappt reagieren, wenn man mal der Kritik ausgesetzt wird...damit muß man hier rechnen. Und ich sehe jeden Tag die Konsequenzen, die die Hunde tragen müssen, nicht die Halter. Trotzdem viel Spaß für Euch mit Eurem Hund!
Gruß Jutta

Mili
22.04.2002, 21:33
Hallo, Griffon!

Eigentlich war deine Kritik ja auch angebracht, nur die Art und Weise hat mich gestört. Es ist ja dein gutes Recht nachzuhaken! Leider habe ich hier schon desöfteren die Erfahrung machen müssen, angegriffen zu werden, ohne das mal Hintergründe erfragt wurden. Deshalb reagiere ich etwas empfindlich. Ich hoffe, das ist jetzt geklärt? *reichhand*
Wie gesagt, der Hund ist und bleibt bei meinen Schwiegereltern, man könnte uns vielleicht auch als "Paten" sehen. Wir alle haben ihn in diesen paar Wochen schon sehr ins Herz geschlossen und ich hoffe, daß er sich weiterhin so gut entwickelt wie bisher.

LG Mili