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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bauch-OP bei Katzen: achtet auf die Wunde!



Carmen
30.08.2003, 13:16
Hallo zusammen!

Dies soll kein normaler Bericht über eine Erkrankung werden, sondern ein sehr ernst gemeinter Rat, sich seine Katze (oder jedes andere operierte Haustier) sehr genau anzusehen und zu beobachten! Und in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken!

Anfang August war unsere blaucrème Kätzin Merlin (*09.09.94) nicht so gut dran. Wir führten es auf die Hitze zurück. 35 °C im Schatten sind ja auch nicht gerade leicht zu verkraften.

Bis sich etwas Ausfluss zeigte und wir am 04.08.03 mit ihr zum Tierarzt gingen. Diagnose war eine Gebärmuttervereiterung.

Sie überstand die sofortige Operation und Kastration gut.

Merlin sprang schnell wieder herum, fraß mehr oder weniger normal. Sie ist eine mäkelige Katze, die nicht alles mag. Und wenn sie etwas heute frisst, dann frisst sie es morgen noch lange nicht.

Sie kletterte auch auf ihren Kratzbaum und schlief im Bett. Eben alles ganz normal.

Leider war es das nicht. Nur hat niemand sie genauer betrachtet, da sie auch nicht gern auf den Arm genommen wird.

In der Nacht vom 09. auf den 10.08. kamen wir von einer Feier nach Hause und fanden eine unruhige Merlin vor. Sie lief nervös hinter uns her. Wir beachteten sie aber nicht weiter, da sie das normal auch häufig machte.

Nach einer dringenden Dusche bei den Temperaturen fanden wir sie im Flur auf dem Teppich liegen: Verstört, die Bauchwunde war geplatzt und ein Teil der Eingeweide heraus gerutscht!

Sie blieb liegen, hatte offensichtlich Schmerzen, es blutete leicht, sie hatte gebrochen.

Nun hieß es Ruhe bewahren! Dies ist leichter gesagt als getan, es nutzt aber nichts!

Es war noch nicht lange her, der Darm glänzte noch feucht, das ist wichtig, je länger er trocknet, um so schwieriger wird die Operation. Wer hat, befeuchtet sie mit sterilem Wasser oder Kochsalzlösung. (Wer trägt Kontaktlinsen und hat welche??)

Der sofortige Anruf bei unserem Tierarzt, welcher 24-Stunden-Dienst und auch noch in der Nachbarschaft seine Praxis hat, war hilfreich. Ebenso die Hilfe einer Nachbarin, welche hauptberuflich OP-Schwester ist, war sehr gut. Weniger für die Katze als für uns nervöse Dosenöffner!

Die Not-OP hat sie gut überstanden, sie blieb bis Mittwoch stationär und bekam natürlich reichlich Medikamente und Infusionen.

Der Kratzbaum wurde vorsorglich abgebaut, damit sie auf keinen Fall große Sprünge machen konnte. Außerdem behielt sie bis zum endgültigen Fädenziehen einen Verband um den Bauch, der sie auch nicht störte oder den sie entfernen wollte.

Es ist völlig falsch zu glauben, daß es dem Tier gut geht, wenn es herum springt! Man sollte tatsächlich die Wunde täglich (mehrfach) kontrollieren! Vielleicht war es sichtbar, daß etwas nicht stimmt.

Sicherlich ist es sinnlos, uns selbst Vorwürfe zu machen, aber wer weiß???

Merlin geht es wieder besser, sie muß nun nur noch wieder "in Form" gebracht werden.

Nehmt es als Tipp: Schränkt das Tier in seiner Bewegung ein, ein großer Kennel (wie man ihn für Überseereisen verwendet) mit allem wichtiges ausgestattet, genügt in den ersten 10 Tagen. Aber man muß sich klar darüber sein, daß das Tier damit nicht glücklich sein wird, aber es ist besser!!!

Unsere "Geschichte" ist gut ausgegangen, die einer Freundin 2 Wochen später nicht: ihr passierte das gleiche mit einer erst 1,5 jahre alten Katze!

Nun interessieren mich natürlich ähnliche Fälle!!! Bitte schreibt mir kurz, wenn Euch etwas in der Art passiert ist.

Liebe Grüße
Carmen

:cu:

Katzenmammi
30.08.2003, 17:47
Hallo Carmen,

da habt Ihr aber alle Glück gehabt! Den Schock und die Panik kann ich mir vorstellen!

Unsere Kleine wollte nach der OP auch gleich wieder springen, aber da habe ich aufgepaßt und sie die erste Nacht ins Schlafzimmer eingesperrt, mit Klöchen, Wasser und Fressen. Und einer nervösen Katzenmammi. Ich weiß nicht, wie oft ich nachgesehen habe, aber so konnte ich auch sehen, daß sie sich die Wunde nach einer Woche oberflächlich etwas aufgeleckt hatte. Die Nähte und das Heilen haben wohl gejuckt. Die TÄ hat uns dann beruhigt und einen Schlauchverband mitgegeben. Aber so klein und dünn wie Lucca war, hatte sie das Ding keine 30 Sekunden an! Aber es ist alles supergut gelaufen - wahrscheinlich aber auch, WEIL ich eben dauernd nachgesehen habt.

Viele Grüße

TINA3
30.08.2003, 18:33
Hallo Carmen

puh da hast du aber was mitgemacht.
Bei meinen vielen Kastrationen hat es ( Gott sei Dank ) noch keine Komplikationen gegeben.
Ich lasse hauptsächlich die wilden Katzen in unseren Dorf kastrieren und habe sie dann drei Tage im Haus eingesperrt,danach düfen sie , lt.Tierarzt , wieder raus.
Da hatte ich wohl sehr viel Glück bisher gehabt.

Vielen Dank für deine Warnung.

Alles Gute euch allen.
Tina und ihre 6 Racker.

Gabi
30.08.2003, 21:23
boah Carmen, das ist ja hammerhart, was Du da erleben musstest.

Nach der Kastration meiner Mädels habe ich die Kratzbäume gekippt, sämtliche Regale demontiert und das Zimmer, wo sie auf den Kleiderschrank können, für 10 Tage geschlossen. Sicher ist sicher.

Dennoch hat Gini sich ständig an der Wunde geleckt, es hat sich entzündet und natürlich meinte Madame auch noch, sich den Faden selber ziehen zu müssen. :( Mein TA sagte, das sei nicht weiter schlimm, da ja immer doppelt genäht wird. Die zweite Naht unter der offenen Naht konnte ich erkennen.
Zum Glück ist alles gut geheilt. Ich habe aber auch bei beiden jeden Tag mehrfach kontrolliert.

Carmen
30.08.2003, 22:45
:wd:

Danke für Eure Worte!

Ich denke, niemand rechnet damit. Wäre es nicht so traurig, wäre der Zufall, daß es eine Freundin 2 Wochen später auch traf, lustig.

Deshlab suche ich auch Fälle, denen es ähnlich ging!

Gruß
Carmen

Schubsi
31.08.2003, 13:56
@Carmen
Da hattet ihr wirklich Glück.
Meine Gina mußte zur Kastration eine Socke mitbringen, da kamen dann Löcher rein und die trug sie 2 Tage, dann war sie runter. Aber sie kam eben nicht an die Wunde. Klettern und so, das hatte mir der TA gesagt, war nicht, hab dafür gesorgt.

Im Fressnapf-Forum ist eine Dosenöffnerin, die fand Maden in und auf der Wunde. Die hat auch was mitgemacht.

Übrigens würde auch normales Wasser seinen Dienst tun, Hauptsache der Darm wird feucht gehalten, da er bei Austrocknung hätte entfernt werden müssen. Infektionen lassen sich eh kaum vermeiden und sie hat sicher Antibiotikum bekommen um diese in Grenzen zu halten.

Gruß Schubsi

Mullemiez
24.09.2003, 18:13
Schubs hoch für Birgit:cu:

Suse
24.09.2003, 22:17
Oh weh Carmen,
was für ein Alptraum, seine Katze so vorzufinden.
Ich kann allen Katzenbesitzern nur zu folgendem raten:
Bei einer Bauch - OP unbedingt auf eine intracutane Naht zu "bestehen". D.h. auch die äussere Naht wird in der Haut genäht. Der Vorteil hierbei ist, daß man ( und auch die Katze) keinen Faden sieht. Die Katze kann somit auch nicht an den Fäden knabbern oder sie gar ziehen.
Das Nahtmaterial löst sich selber auf - ein Fädenziehen ist also auch nicht notwendig.
Diese Nahttechnik ist zwar für den Operateur wesentlich aufwendiger, aber in meinen Augen absolut gerechtfertigt.
Als Maja kastriert wurde ( und ich eben diese Nahttechnik vorgeschlagen hatte ), hat sie im Laufe der Wundheilung zwar auch ihr Bäuchlein geleckt ( es juckt halt soooo) aber es gab kein rumgezuppel an den Fäden, keine Entzündung o.ä.

Der Begriff intracutane Naht ist jedem Mediziner, der Operationen durchführt bekannt und er sollte sie, wo es von Vorteil ist auch anwenden.

Sprecht mit Eurem TA.
:) Suse

Anschla
25.09.2003, 10:13
Hi, oh man, bin ich froh, dass ich meine (bzw. die meiner Katzen) schon hinter mir habe...sonst hätte ich echt schiss...

Habe drei Katzendamen im gleichen Alter.
Alle drei sind dann gleichzeitig kastriert worden. Ich kann jedem nur raten: drei Tage nach der OP frei nehmen! Alles Hohe wegräumen und ein guter Tipp von meinem Tierarzt:
Bekanntlich sollen die Tiere ja nach der OP nix fressen, wg. erbrechen/ erstickungsgefahr. Meinen habe ich etwas Vitaminpaste um das Mäulchen geschmiert sobald sie anfingen rumzuwanken und gut wach waren. Hat ihnen wohl sehr gut getan.

Das Krankenlager habe ich im Flur aufgebaut (da nur hier keine Klettermöglichkeit, alle anderen Räume geschlossen), meine Matratze und viele Decken für die Miezen auf den Boden...konnte so immer wieder schlafen zwischendurch und ganz gemütlich mal ein gutes Buch lesen.
Achtet auf Zugluft!
Und bereitstehen sollten natürlich Wasser und eine Toilette mit niedrigem Rand (habe bei menem Gimpet Klo einfach den Deckel abgenommen). Meine Katzen waren sehr dankbar, als ich sie kurz nach dem Aufwachen vorsichtig ins Katzenklo gesetzt habe, das Narkosemittel schien "die Blase zu füllen" bzw. zu treiben.

Das hört sich jetzt aufwendig an, aber es war eine sehr angenehme und ruhige Aktion, man sollte alles vorbereiten und ich wollte halt bei meinen drei Damen sein. Die decken auf dem Boden waren übrigens uninteressant. Meine Matratze auf dem Boden war wohl bequemer...

Am zweiten Tag waren eigentlich alle drei schon wieder fit. Null Probleme!!

Kleeblatt
25.09.2003, 12:54
Hallo,

also - die Freundin, von der Carmen berichtet hat war ich :(

Bei meiner Katze war das leider keine normale Kastration sondern eine Total-OP (bei einer Gebärmuttervereiterung wird in der Regel die gesamte Gebärmutter entfernt). Die Naht war etwa 3 x so lang wie nach einer Routine-Kastration.

Das Unglück ist eine Woche nach der OP passiert, einen Tag bevor die Fäden gezogen werden sollten! Die Naht war äußerlich gut verheilt, die Katze hatte kein Fieber und war schon wieder ganz die Alte - so daß wir uns gar keine Sorgen mehr gemacht haben. Sie hatte auch während des gesamten Zeitraums keine Möglichkeit mehr als 50 cm in der Höhe zu springen, in den ersten Tagen hatten wir sie sogar in einer großen Transportbox und sie durfte nur unter Aufsicht heraus.

Ich bin dementsprechend auch nicht mehr rund um die Uhr bei ihr gewesen, was ich in den ersten Tagen schon gemacht habe - auch nachts.

Als ich dann nach einigen Stunden Abwesenheit nach Hause gekommen bin, kam sie mir entgegen und die gesamte Bauchwunde war aufgeplatzt. Die Eingeweide waren aus dem Bauchraum ausgetreten und sie zog sie hinter sich her. Offensichtlich hatte sie keine Schmerzen und verlange lautstark nach ihrer gewohnten Futterration. Ihr könnt Euch diesen Schock gar nicht vorstellen, ich konnte tagelang nicht schlafen. Wir sind natürlich sofort zur Tierklinik gefahren, allerdings musste sie dann doch eingeschläfert werden, das Ausmaß der Schädigung war schon zu groß. Die Kleine war erst 1 1/2 Jahre alt.

Die Tierärztin, die operiert hatte, war auch ganz geschockt, so etwas war in ihrer Laufbahn noch nie passiert. Eventuell war die innere Naht (z. B. allergische Reaktion?) nie richtig verheilt und die Eingeweide haben die äußere Naht zum Platzen gebracht. Entzündet war nichts und die genaue Ursache läßt sich leider im Nachhinein nicht mehr klären.

Liebe Grüße
Kleeblatt

Anschla
25.09.2003, 13:07
Oh Du Arme, das hört sich wirklich schlimm an, ich werde schon blass, wenn ich meine mal niesen oder Haare würgen höre...
Das war mit Sicherheit schlimm!!!

Aber es ist "beruhigend" zu hören, dass selbst die TA den Fall für "selten" hält...und so lange nach der OP hätte bestimmet niemand hier mit Komplikationen gerechnet.

Ich werde jedesmal nervös, wenn ich nach Hause komme und meine drei begrüßen mich nicht sofort...:(

Suse
25.09.2003, 13:16
Meine Güte Kleeblatt, da kann ich mir gut vorstellen, daß Du einige Nächte nicht schlafen konntest.
Ich finde es absolut bewundernswert, daß Du in dieser Situation (bei dem Anblick ) noch besonnen reagieren konntest.
Alleine bei Deiner Schilderung, muss man erstmal ganz tief durchatmen.

Suse

Catgirly
25.09.2003, 15:36
Hallo Kleeblatt,

es tut mir unendlich leid mit Deiner Katze :-(.

Zu Kastrationen kann ich nur sagen, dass meine Maine Coon-Katze Gypsi von der Seite kastriert wurde. Hier können solche Dinge wie Herausfallen der Eingeweide nicht passieren. Es ist wohl eine veraltete Methode, funktioniert aber immer noch genauso gut.

Der Schnitt bei ihr war ca. 1cm und meine TA praktiziert nur so. Das sagte sie mir bereits im Vorfeld.

Von Fell-Farben-Veränderung konnte ich nichts feststellen ...

Liebe Grüsse

Kleeblatt
25.09.2003, 15:49
Hallo Suse,

die Ruhe habe ich leider auch nicht bewahrt (ich war sogar halbwegs hysterisch) - aber meine Freundin und mein Mann waren auch da und geistesgegenwärtiger als ich und haben sich um alles gekümmert. Alleine hätte ich das wahrscheinlich nicht gepackt. Selbst wenn man einige Jahre züchtet, ist man auf so eine Situation einfach nicht vorbereitet - vor allen Dingen, wenn einen so etwas unvermittelt aus heiterem Himmel trifft.

Liebe Grüße
Kleeblatt