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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : artgerechteste Haltungsform!?



Safimaus
24.06.2003, 13:35
Eigentlich wollt ich nur mal wissen, was ich so für am "Pferdegerechtesten" haltet.
Wer kann den heute schon noch das Wort "artgerecht" definieren?
Für mich ist Offenstall immer noch eine sehr gute Haltungsform, obwohl sicherlich auch nicht das gelbe vom Ei.
Was denkt ihr darüber?

Alles Liebe
Safimaus

Katastrophenzoo
24.06.2003, 14:19
Hallo Safimaus,

ich denke es gibt keine "artgerechteste Haltung", das hängt ganz stark von den äusseren Umständen ab und von der Aufgabe, die das Pferd hat.

Also Jungpferde sollten meiner Meinung nach am besten mit gleichgeschlechtlichen, gleichaltrigen Kumpeln Tag und Nacht auf einer großen Weide mit Unterstand und frischem Wasser stehen und möglichst wenig gefüttert werden, also natürlich niemals hungern, aber lieber etwas magerer als mit Kraftfutter hochgefüttert.
Ein Freizeitpferd (und darunter zähle ich jedes Pferd das nicht regelmässig 2x täglich gearbeitet wird) kann u.U. sein ganzes Leben so verbringen. Offenstall hat den Nachteil, das man die Gruppe stabil halten sollte, ist also für Pensionsställe, in die laufend Pferde ein- und ausziehen häufig ungeeignet. Ausserdem müssen Pferde, die regelmässig geritten werden in Ruhe Kraftfutter fressen und das ist auch häufig nicht gegeben.
Ich persönlich würde ein Reitpferd in einem Pensionsstall nie anders halten als in Boxenhaltung mit regelmässigem kontrolliertem Koppelgang am liebsten nur zu zweit, wobei die Box gross, luftig, hell und sauber sein muss.
Ich persönlich kenne keinen einzigen Pensionsstall, wo es möglich wäre das Pferd ganzjährig wirklich zu arbeiten und es trotzdem im Offenstall zu halten. Wenn man die Pferde hinterm Haus hält mag das anders sein, da man da erstens eine homogene Gruppe hat, die kaum Stress hat, da die Herdenordnung über Jahre gleich bleibt und da man zweitens so Dinge wie nasse Thermodecken im Winter, das Pferd, das man gleich reiten will, reinholen bevor es regnet etc selbst im Griff hat.

Safimaus
26.06.2003, 16:15
Wenn ich mal so überlege, war die Fomulierung voll fürn A...!

Na ja, das musste halt schnell gehen, war bloß nebenbei während des Informatikunterrichts.

Entweder das ist artgerecht oder nicht.
Ich stimm dir voll zu.

Alles Liebe
Safi

AnnaS
27.06.2003, 09:28
Veronika, ich glaub, wir zwei habens im Moment miteinander bzw gegeneinander ;) . Ich muss dir nämlich voll widersprechen.

1.) Wieso sollte ein Pferd, was kein Freizeitpferd ist, 2x (!!!) täglich gearbeitet werden? Ich bin früher auch Turniere geritten, hatte gewiss kein Freizeitpferd, und trotzdem wurde es nur einmal am Tag gearbeitet. Also wieso unbedingt 2x, damit es von der Bezeichnung "Freizeitpferd" wegkommt.

2.) Pferde sind Herdentiere. Welchen Vorteil soll eine Haltung, wo die Pferde nur zu zweit auf die Weide kommen, für das Pferd haben? Hat es nicht eher den Vorteil für den Menschen, der sein Pferd nicht von einer Weide mit zig anderen holen muss? Immerhin könnte das Pferd es so angenehm empfinden, dass es sich nicht gleich einfangen lässt? Sorry, wenn es zynisch ist.

Es ist definitiv so, dass die artgerechteste Haltung, die man dem Pferd bieten kann, so aussieht:
Offenstallhaltung in der Herde mit mindestens 5 Pferden, wobei es nach oben keine Grenze gibt. Für jedes Pferd steht 1 Hektar Weide zur Verfügung. Der Unterstand ist so groß, dass alle Pferde darin Platz finden, oder aber man baut mehrer Unterstände auf der Weide verteilt. Zusätzlich gibt es Bäume zum Unterstellen.
Man plaziert einige Rundballen Heu auf der Weide, wo die Pferde nach Bedarf fressen können, so viel sie wollen. Allerdings müssten die Ballen überdacht stehen, damit sie bei Regen nicht wegfaulen.

Das allerdings können die wenigen ihren Pferden bieten, also werden diese Ansprüche runtergeschraubt.
Sollen die Pferde in Offenstallhaltung gefüttert werden, muss gewährleistet sein, dass sie in Ruhe fressen, aber nur, sofern sie gearbeitet werden. Ansonsten ist es am natürlichsten, wenn die Pferde eben nach der Rangordnung fressen. Schließlich ist in der Natur auch niemand da, der bestimmt, welches Pferd wie viel und welches Futter fressen darf.

Sollen die Pferde nun so gefüttert werden, dass jedes Pferd ausreichend bekommt, weil es im Training steht, dann muss man sicherlich drauf achten.

Entscheidet man sich für die Boxenhaltung, sollte jedes Pferd morgens rauskommen, und abends erst wieder reingebracht werden. Der Besitzer muss dann leider sein Pferd von der Weide holen, und auch mal vernünftig putzen, weil es sich ja auch mal dreckig gemacht haben könnte. Angenehmer ist es da sicherlich, wenn man das Pferd aus der Box holt (der Weg auf die Weide kann manchmal lang sein), und es auch nicht all zu dreckig ist, weil es natürlich immer auf sauberem Stroh/Späne steht.
Dennoch sollten die Pferde den ganzen Tag raus (auch nach dem Arbeiten wieder). Dazu gehört dann eine Herde von mehreren Pferden. Die Box muss groß genug sein und ein Außenfenster haben. Andernfalls ist es in keinster Weise mehr artgerecht.

So, ich glaube, der eine oder andere wird sich über meinen Zynismus aufregen, doch ich verstehe überhaupt nicht, wie man so was wie von Veronika als artgerecht bezeichnen kann, und dem auch noch zustimmt. Denn es dient lediglich dem Wohle und der Bequemlichkeit des Menschen, aber in keinster Weise dem Wohle des Pferdes.

Gruß
Anna

Katastrophenzoo
27.06.2003, 11:00
Hallo Anna,

das wir bei Thema unterschiedlicher Meinung sind war mir vollkommen klar und das macht auch überhaupt nichts.

Ich denke zum Thema Offenstall haben wir beide unsere Meinung hinreichend begründet, so dass ich darauf nicht weiter eingehen werde. Du hast natürlich recht, aber das ist eben für die allermeisten Privatreiter nicht realisierbar und mir ist gute Boxenhaltung viel lieber als schlechte Offenstallhaltung!

Zum Thema "Freizeitpferd": Ich bezeichne ein Pferd, das hobbymässig am Wochenende auf ländlichen Turnieren läuft auch als Freizeitpferd. Ein Sportpferd ist für mich ein Pferd das wirklich Berufssportler ist, also z.B. ab Donnerstag Einlaufprüfungen und am Sonntag dann großen Preis oder lange Vielseitigkeiten geht etc.

Übrigens bin ich bei einem gerittenen Pferd für Koppelgang zu zweit, weil diese Pferde normalerweise 4x beschlagen sind und ich da die Verletzungsgefahr einfach zu gross finde wenn sie in grösseren Herden rausgehen, vor allem eben dann wenn viel Fluktuation in der Gruppe ist.

AnnaS
27.06.2003, 16:40
Hi Veronika

Ich weiß, dass wir zwei unterschiedliche Ansichten haben. Aber ich denke, ein Forum ist halt dazu da, auch über die unterschiedlichen Ansichten zu diskutieren.

Es gibt sicherlich Gründe, die eine Offenstallhaltung nicht jedem ermöglichen. Keine Frage. Auch ich halte mein Pferd nicht im Offenstall, obwohl ich es könnte. Er steht bei mir auf dem Hof, ich habe einen Stall mit 3 Boxen, zusätzlich einem Offenstall auf dem Paddock, kann selbst entscheiden, wann er wie draußen ist, usw. Und dennoch kommt er bei mir abends rein und morgens wieder raus.
Ich habe dafür meine Gründe, wie du deine Gründe hast. Aber wenn die Frage aufkommt, welche Haltung die ARTGERECHTESTE ist, kann man eigentlich nicht mit kontrolliertem Koppelgang (wohl nur stundenweise, denn wer kann schon den ganzen Tag die Koppel bewachen?), Boxenhaltung und Auslauf mit zwei Pferden als Antwort ankommen, oder?

Artgerecht bedeutet ja nun mal so viel wie, dass man das Pferd so natürlich wie möglich hält und die Haltungsbedingungen bestmöglich an die Natur des Pferdes anpasst. Und das ist nun mal

- unbeschlagen
- 24 Stunden am Tag Freilauf
- keine Boxen, die die Freiheit des Pferdes so enorm einschränken
- Herdenhaltung

Und wenn man es ganz krass nimmt, sollte ein Pferd auch keinen Unterstand haben, sondern Bäume, und es sollte auch nicht geritten werden, denn das widerspricht auch der Art. So krass sind wir ja aber gar nicht, und ich denke, wenn man als Mensch etwas mit seinen Ansprüchen zurücksteckt, kann man die Ansprüche des Pferdes erhöhen, nämlich mit den oberen 4 Punkten, die auch jedem Pferdehalter möglich sein sollen.

Dass es eine ganze Menge von Reitern/Pferdehaltern gibt, die das nicht tun, steht außer Frage. Und dennoch ist es die artgerechteste Pferdehaltung.

Nichts für ungut
Anna

Katastrophenzoo
27.06.2003, 17:46
Naja, so kommt man nicht wirklich weiter, da es dann ja auch nicht artgerecht ist, Pferde auf einer Weide zu halten. Schliesslich sind es Nomadentiere. Und ausserdem sind unsere durchgezüchteten Hochleistungssportler ja auch schon ziemlich weit weg vom Steppentier.
Also habe ich artgerecht nicht grundsätzlich sondern je nach Einsatz definiert, quasi "beste" Haltung.
Hältst Du Dein Pferd eigentlich alleine?

AnnaS
27.06.2003, 20:40
Ja ich halte mein Pferd alleine. Ich weiß, dass das auch nicht artgerecht ist. Ich halte es daher allein, weil ich bis vor kurzem ein Mädel hier hatte, was ihren Norweger bei uns untergestellt hatte. Nun ist sie weggezogen und hat ihr Pony natürlich mitgenommen. Ich hab wieder eine Anzeige geschaltet, dass ich noch einen Einsteller suche. Aber hier auf dem Land finden sich da nicht so leicht Leute. Mein Pferd hat zwei Ziegen zur Gesellschaft, was nicht ideal ist, aber wenigstens etwas, da Pferde recht gute Gesellschafter sind. Glaub mir, hätte ich die Zeit, würde ich noch mehr eigene Pferde haben, um Dusty nicht allein stehen zu lassen.

Und noch etwas:
ICH persönlich kann Dusty auch nicht meinen Traum von Pferdehaltung bieten. Der sähe dann in etwa so aus, wie ich in meinem ersten Beitrag geschrieben habe. Auch Dusty gehört zu den Pferden, die aus Egoismus seiner Besitzerin (also aus meinem Egoismus) zurückstecken muss. Dafür versuche ich aber, ihm das bestmögliche zu bieten, was ich ihm eben bieten kann.
Und ich verurteile dich auch nicht, weil du deinem Pferd ebenso wenig die ideale Haltung bieten kannst. Ich denke, man muss nur einfach seine eigenen Ansprüche zurückschrauben, und sich Gedanken darüber machen, was das Pferd braucht, und wie viel man ihm davon bieten kann. Kann man dann ruhigen Gewissens sagen "Mein Pferd hat es wirklich gut bei mir", dann ist das doch ok.

Wie gesagt, es geht weder gegen dich noch gegen sonst wen. Es geht nur darum, wie die artgerechteste Haltung halt aussieht, und ich glaube, man sollte nicht so vermenschlicht denken und das dann in "Pferde-Sparten" bzw nach Gebrauch einteilen. Denn dann teilt man es wiederum nur nach seinem menschlichen Verständnis ein, aber nicht immer unbedingt artgerecht.

Aber ich weiß, es ist eine leidige Diskussion zwischen uns beiden ;) .

Gruß
Anna

Fauna
01.07.2003, 22:29
ich vertrete auch die Meinung von AnnaS. bloss finde ich diesen Punkt auch wichtig:

Das Adjektiv "artgerecht" ist nicht steigerbar !
Es gibt nicht : Ich halte mein Pferd artgerechter als andere. Entweder halte ich es artgerecht oder ich halte es nicht artgerecht !

Die "Pferdewelt" streitet ja mit Vorlieben über diese Thematik und das verurteilen des jeweils anderen hat noch nicht aufgehört. Es gibt in diesem Punkt 2 Gruppen von Pferdehaltern . Die einen halten ihre Pferde in sauberen warmen Boxe, und achten penibel darauf, dass ihrem Pferd kein Schmerz zugeführt wird. Die anderen halten ihre Pferde "robust", was in dem Fall dann heißen kann, das die Pferde vom Herbst bis frühjahr bis zum Bauch im Matsch stehen, da sie aber mit anderen Pferden beisammen stehen, fügt man dem Pferd keinen Seelischen Schmerz zu.

Denn ich denke zur artgerechten haltung gehört auch der artgerechte Umgang mit dem Pferd, nicht nur die Haltung, das hat man hier leider gar nicht angesprochen. :sn: ;)

das heißt ja schließlich das man ein Pferd trotz artgerechter Haltung immernoch nicht artgerecht behandeln kann !


Wir sperren unsere Pferde ein, wir zwingen ihnen mehr oder weniger sanft unseren Willen auf, das können wir, weil wir die mächtigeren sind ! aber wenn wir auch die klügeren seihen wollen, dann sollten wir dem Pferd seine gefangenschaft so angenemh wir nur möglich machen.
;)

Einmal durch Artgerechte Haltung und zum anderen durch artgerechten Umgang !

Liebe Grüße
Fauna:rolleyes:

Vanessa7948
18.07.2003, 14:21
Hallo zusammen!

Ich Habe seit ca. 8Monaten ein Pflegepferd.
Ich habe ihn übernommen weil er sonst zum Schlachter gekommen wäre. Also der Reitverein ist pleite gegangen, eine Tunierreiterin hat ihn gepachtet und wollte die alten Schulpferde loswerden. Da sie aber ein Herz hatte wartete sie das die drei schulpferde die übrigblieben vielleicht noch gekauft werden. Naja und jetzt reite ich Maiky. Er ist schon 20Jahre alt aber noch ganz gut in Form... Bis auf das seine glelenke etwas kaputt sind und das er einen unterhals bekommen hat weil er nur mit Ausbindern geritten wurde. Aber ich bin gerade gut dabei den unterhaus wegzubekommen :) .
Normalerweise ist er ein super Pferd denn er kann alles ,hat es blos im laufe der Jahre etwas verlernt oder vergessen . aber ich baue alles wieder auf es dauert nur etwas länger ... Das ist aber nicht das Problem. Das hauptsächliche Problem ist ,dass Maiky Sommerreude hat und tierisch empfindlich gegenüber Bremsen ist! Er steht nun schon sein Leben lang in einer Box (zum Glück eine mit Fenster) und kann den ganzen Sommer (auch nicht Nachts) nicht einmal auf die Weide! Entweder dreht er total durch wegen den bremsen... was ich zuerst nicht wusste und er den ganzen Zaun durchbrach und im Wald verschwand...oder flippt aus wegen seiner Sommerreude! Aber ich habe auch keine Möglichkeit! Offenstall könnte ich total vergessen und sonst gibts keine Möglichkeiten! Bremsen und Fliegenspray oder Fliegendecke bringt auch nichts bei ihm,... und salben für sommerreude kann man auch in die tonne kloppen! Ich würde ihn so gerne auf die weide stellen weil er doch schon so alt ist und es ihm gut tun würde! Ich hoffe einige haben dafür verständnis oder hätten einen rat für mich und meinen schatz!!!
Liebe Grüße
Vanessa

Katastrophenzoo
18.07.2003, 15:02
Hallo Vanessa,

herzlich willkommen hier.

Es gibt doch diese Ekzemer-Decken, also keine normalen Fliegendecken, sondern ganz engmaschige Netzdecken in die das Pferd komplett eingehüllt wird.
Die sind allerdings extrem teuer und relativ schwierig für Großpferde zu bekommen, da es ja meistens Isländer sind, die so ganz extrem am Sommerekzem leiden.

Übrigens wäre ich mit einem so alten Pferd sehr vorsichtig mit Offenstall, gerade weil er Weide mit nichts positivem verbindet. Manche alten Pferde sind sofort glücklich wenn sie draussen stehen, aber viele die Jahre lang nur im Stall waren, brauchen etwas bis sie sich umgewöhnt haben und müssen da sehr vorsichtig ran geführt werden.

Shelby
21.07.2003, 17:49
Hallo!!

wollte auch mal meinen "Senf" dazugeben :)

Ich denke jeder sollte sein Pferd so halten wie er die "artgerechte" Haltung versteht. Leider gibt es da auch rechlich Ausnahmen.. aber mal abgesehen davon, will doch jeder das beste für sein Tier, oder?
Meine Stute steht im Sommer komplett in der Herde (ca.15 Tiere) auf der Weide. Im Winter kommen Sie Nachts in die Boxen, und sind aber tagsüber im (trockenen!!) Auslauf.
Mein Pferd kommt damit prima zurecht, und das ist doch das wichtigste!?
Im Winter ( ab Gefrierpunkt ) bekommt Sie eine leichte Decke auf, da Sie natur aus wenig Winterfell bekommt und bei Regen/Schnee wirklich friert! Ich mache dies nicht (wie manche andere Reiter) um Schmutz fernzuhalten oder nicht so lange trocken zu reiten, sondern weil es einfach nicht anders geht.
Von daher sollte man auch nicht alle eingedeckten Pferde verurteilen.
Ich denke bei keiner von euch hat es das Pferd schlecht, ihr wisst das es da ganz andere Leute gibt!
Über "artgerecht" kann man sich wohl nicht streiten, denn ich glaube dieser Ausdruck ist einfach zu vielfältig.

Hauptsache unseren lieben Huftieren geht es gut, oder?!

liebe Grüße!
:wd: