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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bericht: Animal-Learn-Trainerin



sandinchen
22.06.2003, 13:58
Hier ein kleiner Bericht für die, die mich bei meinen Pubertätsfragen etc. beraten haben und natürlich für allen anderen Neugierigen.

Ich war gestern und vorgestern bei der Animal-Learn-Trainerin. Das Gespräch am Freitag dauerte über 3 Stunden. Sie hatte auf jede meiner Fragen eine für mich einleuchtende Antwort. Natürlich dachte ich mir bei manchen Sache: "Mensch! Da hätte ich ja auch selbst drauf kommen können!" Aber so ist das ja immer.
Gestern sind wir dann zusammen "spazieren" gegangen. Sie wollte mich eben sehen, wie ich mit meinem Hund umgehe. Es war natürlich etwas blöd, weil ich durchaus etwas befangen war (ich neige zur Nervosität :D ) Aber sie meinte, dass ich es gut mache und sie hat den Eindruck, dass ich viele Dinge instinktiv richtig mache.
Viele Dinge, die sie mir gesagt hat, wusste ich schon. Aber sie hat mir auch einige Dinge genannt, deren ich mir nicht so bewusst war.
Geschirr tragen ist Pflicht. Sie trainiert keine Hunde mit Halsband. Es kommt im schlimmsten Fall mal ein ernsterer, tiefer Stimm-Ton als "Druckmittel", aber niemals irgendeine körperliche Manipulation zum Einsatz.

Allgemein könnte man sagen, dass sie mit ihrer Einstellung auch meine trifft. Die erste Trainings-Stunde war jetzt kein "A ha-Erlebnis", aber war schon okay. Liegt wohl auch daran, dass wir mit leichten Übungen angefangen haben und dass es keine besonderen Vorkommnisse gab.

Zu der Prügelbereitschaft meines Hundes meinte sie, dass es sie nicht wundert, dass ein Hund nach 1 Stunde non-stopp Gehorsamsübung sich auf den nächsten "stürzt", der ihm über den Weg läuft. 1 Stunde sei viel zu lang. Ich habe es auch immer so empfunden, dass die Hunde auf dem Hundeplatz meist schon nach einer halben Stunde gar nicht mehr bei der Sache sind.
Ausserdem hat sie mir noch gesagt, dass der Hund bei so einer Prügelei Adrenalin und Cortisol ausschüttet. Das Adrenalin würde schnell wieder abgebaut, aber das Cortisol sorge noch einige Tage dafür, dass sich der Hund bei manchen Situationen vielleicht anders verhält als sonst. Auch "Jagdausflüge" des Hundes könnten dafür verantwortlich sein, dass der Hund sich mal eher zu einer Klopperei hinreißen lassen würde, als sonst, da auch hier diese Stoffe ausgeschüttet werden. Man sollte also ruhig etwas mehr Acht geben, wenn der Hund in den letzten Tagen ausgebüchst ist, um Wild zu verfolgen.
Soviel also zur biologischen Seite.
Sie meinte auch, dass ich die Prügeleien verhindert sollte. Ich sollte die Hunde splitten, in dem ich mich einfach zwischen sie stelle und sie auseinander "dränge". Um so häufiger der Hund sich prügeln würde, desto mehr Erfahrung würde er sammeln und schließlich auch immer öfter erfolgreich aus einer Prügelei heraustreten. Ein Prügeleien-unerfahrener Hund würde einer Prügelei eher aus dem Weg gehen, als einer der sich schon öfters erfolgreich geprügelt hat. Macht Sinn, oder? Dabei sollte ich den Hund aber nicht anfassen, sondern einfach durch meine körperlich Präsenz zu verstehen geben, dass das Verhalten nicht erwünscht ist. Natürlich darf das Ganze auch von ein paar "deutlichen" Worten begleitet werden, um klar zu machen, dass eine Auseinandersetzung nicht erwünscht ist. Ich als die Person, die "über" dem Hund steht, hätte schon das Recht, die Hunde zu trennen. Ich finde sie hat Recht. Dies geschieht ja auch unter Hunden selbst, dass ein anderes Tier zwei Streithammel zur "Vernunft" bringt.

Sie selbst hat einen Herdenschutzhund-Mix. Ein Riesenvieh. Er trägt wohl sehr stark die Eigenschaften eines H.Schutzhundes in sich. Wenn Besucher kommen, dann muss er auf seinem Platz warten. Sie sagte mir, dass sie ihren Hund nicht dazu überreden kann, dass er alle fremden Leute toll findet. Also hat er gelernt, dass er sich nicht von seinem Platz weg bewegen darf. Es ist egal ob er steht, sitzt oder liegt. Nur von dem Platz darf er nicht weg. Scheint zu funktionieren.

Unsere beiden Hunde werden sich auch noch begegenen. Sie wird sich dann das Verhalten von Dax sehr genau anschauen. Bin ja mal gespannt.

Ich werde jetzt auf jeden Fall noch ein paar weitere Trainingsstunden bei ihr machen. Sie hat mich schon auf einige Sachen aufmerksam machen können, deren ich mir vorher nicht bewusst war. Und das ist ja mein Gedanke bei der Sache.

Für Fragen und Kritiken steh ich euch gern zur verfügung.

Cockerfreundin
22.06.2003, 14:34
Hallo, Sandra!

Das klingt doch schon mal sehr gut !!! Die Trainerin ist ihr Geld bestimmt wert (würd ich mal so sagen) :-))

Das mit dem Prügeln zum Stressabbau stimmt übrigens. Merke es bei Basti im Kleinen. wenn wir mit mehreren Hunden unterwegs sind und Basti wird aus irgendeinem Grund von mir VOR den ANDEREN geschimpft oder muß irgendeine Unterordnungsübung machen, kann ich sicher sein, dass es anschliessend der nächstbeste Hund abkriegt :-(( ... An MICH traut er sich ja nicht ran ;-))

Und eine stunde Unterordnung am Stück SIND in der Tat viel zu lang und absolut stressfördernd.

LG und schon gespannt auf weitere Berichte sind
Annette + Basti :-)

Thomas
22.06.2003, 14:40
Hi Sandra,

erstmal danke für Deinen Bericht. Freut mich, das es recht gut gelaufen ist. Ich darf vielleicht anmerken, das mich die Ansichten dieser A.L.-Trainerin in keinster Weise überraschen, die Einflüsse ihrer Lehrer(innen) sind ja sehr deutlich, (siehe Geschirr, Splitting etc.) und ich insgeheim ein klein bisschen Genugtuung verspüre. ;)
Vielleicht hat sie es ohnehin schon vorgeschlagen, aber ich würde an Deiner Stelle darauf drängen, viele Rüdenbegenungen zu "trainieren". Richtiges Splitten (zu treffende Entscheidungen: Ob, wann, wie, was dann) will gelernt sein und wie könnte man das besser lernen als am praktischen Beispiel...

Gruß
Thomas

PS. Es ist sehr schön mitzuverfolgen, wie Du Dich von den Methoden, die in Deiner alten Hundeschule (clickt hier (http://forum.zooplus.de/forum/showthread.php?threadid=10882) ), weiterentwickelt hast. Die meisten Deiner damaligen Mit-Schüler werden diesen Absprung leider nicht schaffen, da die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen heutzutage nicht mehr besonders weit verbreitet ist und gerade auf Hundplätzen allzuoft von einer Obrigkeitshörigkeit verdrängt wird.

Jela
22.06.2003, 18:00
Original geschrieben von Thomas
, da die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen heutzutage nicht mehr besonders weit verbreitet ist und gerade auf Hundplätzen allzuoft von einer Obrigkeitshörigkeit verdrängt wird.

Ääähm, wie alt bist du denn, Thomas? In welchen Zeiten war denn das Hinterfragen deiner Meinung nach weiter verbreitet als "heutzutage"?

Und was meinst du bitte mit "Obrigkeitshörigkeit"? "Obrigkeit" ist ein Begriff für Regierungen mit feudalen oder diktatorischen Strukturen und passt vielleicht in die Zeit der Weimarer Republik oder des Nationalsozialismus.


:eek:

Grüßle
Jela

sandinchen
22.06.2003, 18:29
@ Anette

In der alten Hundeschule hieß es immer, die Hunde müssten lernen, eine Stunde zu "arbeiten". Aber ich finde, dass eine volle Stunde selbst für den fleißigsten Hund zu lang ist. Da braucht man doch nur bei sich selbst schauen. Wenn ich eine Arbeit habe, die große Konzentration erfordert, dann geh ich mir zwischendrin mal die Beine vertreten, im Sommer mal die Arme mit kaltem Wasser abduschen etc. Aber ich kann mir das selber aussuchen, wann ich das mach. Die Hunde fragt da keiner.

@ Thomas

Überrascht von der Einstellung der Trainerin bin ich in dem Sinne auch nicht. Aber ich habe das gute Gefühl, dass sie weiß wovon sie redet. Ich denke nicht, dass sie blos eine Theoretokerin ist. Sonst hätte sie vermutlich auch ihren eigenen Hund nicht unter Kontrolle. Der hat sich wirklich während der 3 Stunden Gespräch nicht von seinem Platz weg bewegt. Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen.
Sie hat auch vor, mit mir die Rüdenbegegnungen zu üben. Sie hat auch schon überlegt, welche Hunde sich da anbieten. Schließlich prügelt sich Dax ja nicht mit jedem. :rolleyes:
Irgendwie hat mir ihre Meinung zum Thema "dazwischen gehen" aber auch noch etwas mehr Sicherheit verschafft. Ich schaffe es jetzt leichter, meinen Hund verbal und durch Körpersprache von einem andern Rüden "weg zu kriegen". Ich denke, einfach weil ich jetzt weiß, dass es okay ist, wenn ich das tue. Heute waren wir am See und da war auch ein Hund, der ihm nicht "gefallen" hat, aber er ließ sich ganz leicht von mir "überreden", das Interesse an dem Hund zu verlieren.

Zum Thema "weiterentwickeln".
Ich war von diesem Marschieren auf dem Hundeplatz noch nie begeistert, aber ich dachte halt, ich tu meinem Hund was gutes, wenn er dort die Möglichkeit hat, auf andre Hunde zu treffen. Dass ich bei den "Erziehungsmaßnahmen" immer mehr auf mein Herz als auf die Ratschläge der Gruppenleiter gehört habe, war eigentlich zunächst kein Problem. Aber wie man ja an den Prügeleien sieht, hat es meinem Hund nix gebracht, ausser stundenlang auf dem Platz seine Nerven zu strapazieren. Er ist so ein lieber, quirliger Kerl. Auf dem Hundeplatz wurde er ständig nur ausgebremst. Doch das ist nun vorbei. Zum Glück habe ich rechtzeitig die Kurve gekriegt. :D

Thomas
22.06.2003, 21:21
In welchen Zeiten war denn das Hinterfragen deiner Meinung nach weiter verbreitet als "heutzutage"?
1. Streiche bitte das Wort "heutzutage", es hat in diesem Satz in der Tat keinen tieferen Sinn. Mein Fehler. Ich bitte vielmals um Verzeihung.

2. Was die Obrigkeitshörigkeit anbelangt, so hat vermutlich jeder, einschließlich Dir verstanden, was ich damit sagen wollte. Leider habe ich in der Schule beim Geschichtsunterricht nicht so gut aufgepaßt wie Du, weswegen mir die genaue historische Definition nicht wirklich geläufig war. Und selbst wenn, hätte ich diesen Ausdruck trotzdem verwendet, weil mir, trotz längerem grübelns, kein passendes Synonym dazu einfällt (Entscheidungsträger, oder "die da oben" finde ich irgendwie sprachlich unprickelnd). Ich finde es ja klasse von Dir, das Du meine Beiträge so aufmerksam liest und schließe daraus, das ich auch in Zukunft auf Dein Geschichtliches Wissen zurückgreifen darf; Du mich also weiterhin umgehend korrigierst, falls mir mal wieder so ein schlimmer Lapsus passiert (ups, mit ist die Wortabstammung des Wortes "Lapsus" jetzt gerade nicht geläufig, hoffentlich isses nix schweinisches).

3. War/Ist Dir einfach nur langweilig oder hast Du auch noch was zum Thread-Thema beizusteuern?

Gruß
Thomas

Jela
23.06.2003, 00:18
@Thomas

Wollte nur mal kritisch hinterfragen, sorry!!! :p