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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Muss ein neuer Hund sofort her?



Feuergott
17.06.2003, 08:18
Hallo,

am Wochenende ist der kleine Mischlingsrüde einer Freundin an Alterschwäche gestorben.
Die Trauer bei ihr ist natürlich groß und doch musste sie gestern unbedingt noch ins nächste Tierheim, um sich einen neuen Hund auszusuchen. Die Idee fand ich nicht besonders gut, ich bin dann aber doch gestern abend mit ihr losgefahren. Es hat nicht lange gedauert und wir verließen das Heim; sie tränenüberströmt.

Wie würdet ihr an die Sache herangehen?
Was sind eure Erfahrungen?
Macht es Sinn sich sofort nach einem neuen Hund umzusehen? Nach dem gestrigen Erlebnis kann ich nur sagen: nein.

dobby
17.06.2003, 09:04
Also erst mal tut es mir schrecklich leid für deine Freundin.

Aber auch ich muss sagen: lieber etwas Zeit verstreichen lassen. Deine Freundin sollte sich erstmal die Zeit nehmen um um ihren alten Schatz zu trauern. Sicher würde ein neuer Hund für Ablenkung sorgen. Aber ich glaube der Schmerz sitzt noch zu tief.

Ciao und alles Gute weiterhin
Dobby

AnnaS
17.06.2003, 09:57
Ich denke, jeder ist da anders.
Es gibt sowohl den "Trauer-Typ", der lange braucht, bis er sich wieder einen neuen Hund kauft, und es gibt den "Verdrängungs-Typ", der den Tod den Hundes irgendwo verdrängen will, in dem er sich schnellst möglich einen neuen Hund kaufen möchte.

Man kann auch nicht sagen, das oder das ist besser. In beiden Fällen wird man automatisch immer irgendwelche Vergleiche ziehen zwischen neuem und altem Hund, aber dadurch muss der Hund ja nicht leiden.

Warum war deine Freundin tränenüberströmt? Weil sie in dem TH keinen Hund gefunden hat (also vor Enttäuschung), oder eher, weil es sie alles an den alten Hund erinnert hat? Ich denke, wenn das zweite zutrifft, wird sie es sich gut überlegen, ob sie nicht doch noch etwas wartet.

In der Trauer machen Menschen eben zum Teil "verrückte" Dinge, und manches ist für andere auch nicht nachvollziehbar. Da sind dann halt wirklich die Freunde gefragt, die dann auf denjenigen versuchen einzugehen, und ihm vielleicht auch direkt sagen, das und das ist blödsinnig oder eben gar schädlich. Doch letztlich muss halt jeder selbst entscheiden, was für ihn das richtige ist.

Gruß
Anna

Feuergott
17.06.2003, 10:16
Original geschrieben von AnnaS

Warum war deine Freundin tränenüberströmt? Weil sie in dem TH keinen Hund gefunden hat (also vor Enttäuschung), oder eher, weil es sie alles an den alten Hund erinnert hat? Ich denke, wenn das zweite zutrifft, wird sie es sich gut überlegen, ob sie nicht doch noch etwas wartet.

Eher das zweite. Zumal auch einige Hunde dabei waren, die ihrem alten durchaus ähnelten.
Ich habe schon früher Tierheime mit ihr besucht. Da ist sie eh schon immer sehr aus dem Häusschen gewesen und hätte am Liebsten alle Tiere mitgenommen. Deswegen war ich von der Idee dort hinzufahren nicht gerade begeistert.

Ivonne
17.06.2003, 10:47
Moin,

schließe mich den anderen an, verschiedene Leute gehen verschieden mit ihrer Trauer um.
Ich hab keine Ahnung, was passiert, wenn mein Dicker mal nicht mehr is. Ich denke aber auch, das es damit zusammenhängen kann, wie der Hund aus dem Leben geht. Unfall, schnelle tödliche Krankheit, Altersschwäche. Will sagen, konnte man sich halbwegs darauf vorbereiten oder eher nicht.

Kleine Geschichte:

Barney, seines Zeichen Labradors meines Vaters ist im Dänemarkurlaub gestorben. Wir wußten, das es sein letzter Urlaub wird, aber nicht, das er dort gehen möchte . Im Nachhinein gesehen war es Kismet, davon bin ich überzeugt. Einen Tag vorher waren Freunde und Bekannte da, die uns besucht haben. Darunter auch Barneys beste Hundefreundin Bärchen. Barney war sowas von gut drauf, fing auf einmal an, die Schuhe durch die Gegend zu schleppen, draußen ist er rumgekaspert wie ein junger Gott.
ZWEI Tage vorher haben wir <durch Zufall> eine der besten (alles erst im Nachhinein rausgekommen) Labbi-Züchterin DK's kennengelernt - auf der Suche nach Brennholz! Conny hatte <zufällig> grade einen Wurf und der "Draht" war auch sofort da.

Am Morgen von Barneys letztem Tag stand er nicht auf. Er hatte nich getrunken, wollte sogar kein Lecker mehr. Mein Vater + Frau in die Tierklinik, haben ihn dort gelassen.
Zwei Tage haben wirs ausgehalten, dann sind wir zu Conny gefahren, Hand aufs Herz: Wir wollten uns wirklich nur ablenken.
<Zufälligerweise> war ein Welpe übrig, der Interessent war in letzter Sekunde abgesprungen. Dieser Welpe kam aus diesem ganzen Pulk von schwarzen Kugeln auf uns zu und da wars klar: Den nehmen wir mit.

So kann es gehen....

Mäusezahn
17.06.2003, 12:44
Hallo miteinander,
auch ich meine, dass Jeder anders mit Trauer umgeht, kommt wohl auch auf die Umstände an. Am meisten verwundern mich aber die Leute, die sagen: Jetzt tu ich mir keinen Hund mehr her! (Man ist dann so angehängt, die Kinder haben zu sehr um den alten getrauert, die Arbeit, das Geld etc)
Eines weiss ich genau: wenn Frizzilein mal gehen muss (was hoffentlich noch viiiiele Jahre Zeit hat), kommt wieder ein Hund ins Haus, nicht gleich und sofort vielleicht, aber nach einiger Zeit, und dann ein älterer Tierheimhund, ders nötig hat.
Als unser alter Perserkater eingeschläfert werden musste, haben wir uns nach ein paar Monaten auch wieder eine Katze aus dem TH geholt, ohne war das Haus einfach nicht das Gleiche!
All eurern Wuffs ein besonders langes Leben wünschen
Karin und Frizzi (und Euch natürlich auch!):p

Feuergott
17.06.2003, 14:10
Original geschrieben von Mäusezahn
Am meisten verwundern mich aber die Leute, die sagen: Jetzt tu ich mir keinen Hund mehr her! (Man ist dann so angehängt, die Kinder haben zu sehr um den alten getrauert, die Arbeit, das Geld etc)

Okay, diese Beweggründe sind doof, aber, wenn bis zu dem Zeitpunkt denke, an dem meine Tiere sterben werden, dann kann ich jetzt auch nur sagen: "Nein, ich will dann keines mehr haben!"
Der Grund ist dann allerdings ein anderer: Ich will sie nicht ersetzen, denn das ist unmöglich.
Aber niemand weiß, was die Zukunft bringt.

Marianne Zmija
17.06.2003, 17:40
Meine 2 Hunde sind meine ersten,also habe ich noch keine erfahrung damit wie es ist wen ein Hund stirbt.Schon der Gedanke ist kaum zu ertragen.
Bei meinen Kaninchen hat es mir immer geholfen ein neues zu haben.
Es lenkt von der Trauer etwas ab,und man kann sich nicht so hängen lassen,weil da ja jemand ist der einen braucht.
Aber wahrscheinlich ist da jeder anders.

buffymaus
17.06.2003, 21:13
Hallo,

ich glaube auch, das man das nicht pauschal sagen kann.
Als ich meine Hündin (sehr jung) einschläfern lassen mußte, wollte ich nie wieder einen Hund.
Die ganze Familie hat nur noch Rotz und Wasser geheult, bis unsere Nachbarn beschlossen, nur mal so ins TH zu fahren.
Zuerst wollte ich nicht, aber dann........halt mal schauen.

Unser Arco fuhr dann sofort mit nach Hause.;)

Er hat mir auch sehr über Kira hinweg geholfen, auch wenn er sie nie ersetzen kann.

Liebe Grüße
Andrea

JanaLPN
17.06.2003, 22:49
Wie die anderen schon sagten: Jeder geht mit Trauer anders um. Ich finde aber, es kommt zusätzlich darauf an, ob ich nur einen Hund habe oder mehrere. Wenn ich mir vorstelle, dass der einzige Hund, den ich habe, plötzlich weg ist - und dann diese furchtbare Leere - das könnte ich auch nicht lange ertragen. Und wenn ich mein Zuhause als Pflegeplatz für eine In-Not-Orga zur Verfügung stellen würde, bis ich mich ganz für einen neuen Hund entschieden habe. Aber ich habe drei Hunde - da muss nicht sofort ein neuer her. Da habe ich dann noch zwei, um die ich mich kümmern kann/muss.

Ich hoffe, ich habe mich nicht zu unverständlich ausgedrückt.

Grüße

Elke_Lena
17.07.2003, 19:46
Hallo Feuergott

Habe schon länger nicht mehr in das Forum geschaut.
Als ich deine Frage gelesen habe;hatte ich das Bedürfnis
dir zu schreiben.
Hat deine Freundin schon einen neuen Hund?
Unsere Kleine ist auch erst vor kurzem verstorben und ich
komm damit garnicht klar.Sie war noch so jung............
Mein Mann und die Kinder haben gleich nach einem anderen
Hundchen geschaut,aber als wir einen Welpen beim Züchter
anschauten,habe ich den ganzen Weg nach Hause geweint.
Vor knapp 2Wochen haben wir ihn dann abgeholt.
Ich habe noch 2 Tage vorher absagen wollen,weil ich das Gefühl hatte diesem Hund niemals meine Liebe geben zu
können.
Ich kann es,ich liebe die Kleine auch,aber ich kann den Weg,
den ich mit Lena immer Gassi war ,noch nicht laufen.
Wenn ich an sie denke,werde ich so traurig.......................
Ich glaube für mich war es einfach zu früh.
Liebe Grüße Elke

Moor Jumper
18.07.2003, 07:58
Hallo, in irgendeiner Hundezeitung(natürlich weiss ich nicht mehr welche)stand, dass das Trauern meistens in drei Abschnitten abläuft.
Und dass man erst seine Trauer verarbeiten solle, damit man frei für einen neuen Hund ist.
Ich schaue mal, ob ich die Zeitung noch finde.
Aber ich denke auch, dass es bei jedem anders ist, bei mir war sogar der einzige Grund, weswegen ich so lange gezweifelt hab, ob es für meine Familie und mich einen Hund geben soll der, dass ich immer Angst hatte vor der Trauer, die kommt, wenn der Hund geht, aber gerade für Kinder soll diese Art von 'Trauer auch wichtig in der Entwicklung sein.
LG
Moor Jumper

Dagi
18.07.2003, 13:52
Hallo MoorJumper,

Du hast recht, Trauer kann man tatsächlich in drei Phasen einteilen. Es ist halt nur wieder so, daß diese Phasen bei jedem unterschiedlich schnell ablaufen. Bei dem einen kann das innerhalb von drei Tagen sein, bei dem anderen kann es Jahre dauern, weil er in einer Phase einfach hängenbleibt. Dazu kommt es aber auch wieder auf den Grund der Trauer (hier also Tod eines Familienmitglieds) an, und aber auch auf die Umstände. Ein zusätzlicher Faktor ist, wie stark das Thema Tod in die eigene Persönlichkeit "integriert" ist.

Wie es alle hier gesagt haben, jeder ist da anders. Was wirklich wichtig ist denke ich, ist auf sein inneres Gefühl zu hören, wirklich zu fühlen ob es so weit ist. Ich würde die Frage niemals "verkrampft" angehen. Ivonnes Geschichte ist das beste Beispiel: auf sich zukommen lassen! Es wird sich schon ergeben - bei dem einen, bei dem anderen schneller. Und wenn es sich eben einfach ergibt, daß man morgens aufwacht und denkt - heute ist es so weit, ich schaue mich nach einem anderen Hund um - dann ist auch das auf einen zugekommen.

Liebe Grüße
Dagi & Amy

Hundenarr
18.07.2003, 17:09
Hallo,

der Tod eines geliebten Vierbeiners ist natürlich ein trauriges Thema, und ich denke auch wie einige hier, dass jeder anders mit seiner Trauer umgeht. Wichtig ist wahrscheinlich, dass man mit dem Schmerz und der Trauer um den gegangenen Hund abgeschlossen hat. Bei manchen geht das schneller, bei anderen dauert es länger. Ich will hier noch ein Beispiel aus meinem eigenen Bekanntenkreis geben: Im letzten Spätjahr musste der Kleine Münsterländer einer Bekannten im Alter von knapp 11 Jahren ziemlich plötzlich und unerwartet eingeschläfert werden, weil er wohl einen ziemlich schlimen Bandscheibenvorfall erlitten hatte, der laut Aussage des TA keine andere Entscheidung zuließ. Meine Bekannte war am Boden zerstört, was tut ihr Mann? Rennt ohne es mit ihr abzusprechen zu irgend einem Züchter und kauft einen kleinen Golden Retriever. Meine Bekannte ist bis heute nicht über ihren alten Hund weg. Klar, sie liebt ihren jungen Hund, trotzdem hätte ihr sicherlich eine längere Trauerzeit gut getan, um mit ihrem alten Hund endgültig abzuschließen.

Und noch eins, ich glaube nicht, dass man bei der Suche nach einem Hund etwas erzwingen kann. Wenn es so läuft wie Ivonne es beschreibt, ist es eigentlich perfekt, aber das ist halt nicht unbedingt die Regel.

Liebe Grüße

bjchaosmom
26.07.2003, 18:22
Den geliebten Vierbeiner kann man nicht ersetzen und sollte es auch gar nicht versuchen.Was einen so trauern sein läßt,ist ja die Erkenntnis:nie wieder werde ich diesen Hund streicheln können,bellen hören,wird er mich begrüßen!Wohl war-ein anderer kann diese Dinge auch-aber es ist nicht dasselbe!Unsere Carrie ist am 10.09. vorigen Jahres gestorben-wir haben noch keinen neuen,können es einfach nicht.Dafür haben wir eine Alternative gefunden:im Tierheim sitzen viele Hunde,die dringend auf "Gassigänger" warten.Außerdem betreuen wir ab und zu den kleinen Hund von Bekannten,wenn sie in den Süden wollen.So warten wir es ab,bis wir wieder "reif" für einen eigenen Liebling sind.
Gudrun