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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rettungshundausbildung



kimba450
12.06.2003, 11:08
Hallo,
kann mir jemand sagen wo es konkrete Infos für eine Rettungshundausbildung gibt?Ich interessiere mich sehr dafür,habe aber bisher nicht wirklich etwas sehr informatives gefunden.Besonders interessiert mich wie so eine Ausbildung aufgebaut ist und was sie kostet.
Lieben Gruß
Ela

Girasol
12.06.2003, 12:35
Hallo Kimba!
Ich kopiere dir mal meinen Beitrag rein, den Ich Mausezwerg zum Thema "Rettungsstaffel" auch in dieser Rubrik gegeben habe:

"Für mehr Infos klicke doch mal hier:

http://www.suchhunde.de/ ( hier gibt´s ganz viele Infos)
http://www.drk.de/rettungshunde/inhalt.html
http://www.rettungshunde.net/
http://www.rettungshund.de/

Hier kopiere ich dir mal die Anforderungsliste an Hunde vom DRV Franken- Oberpfalz rein
( http://www.drv-franken-oberpfalz.de/):
"An einen Rettungshund werden physisch und psychisch hohe Anforderungen gestellt. Grundsätzlich ist jeder gesunde, körperlich leistungsfähige, wesensfeste Hund, der über eine gute Nase verfügt, für die Rettungshundearbeit geeignet. Rüde oder Hündin spielt kaum eine Rolle. Ob Rassehund oder Mischling, beim Körperbau ist nicht Schönheit, sondern Funktionalität gefragt. Mittlere Größe ist am günstigsten (50 - 60 cm Schulterhöhe). Wesentlich kleinere oder größere, schwere Tiere haben meist Probleme mit der Ausdauer und der Geländegängigkeit. Bei Riesen muß man unter Umständen noch mit Transportproblemen rechnen.

Neben einer grundsätzlich freundlichen Einstellung dem Menschen gegenüber sollte ein Rettungshund folgende psychische Anlagen möglichst ausgeprägt besitzen bzw. sollte gefördert werden:

Wesenssicherheit in friedlichen Situationen. Der Hund hat sich ruhig, aufmerksam und sicher zu verhalten.
Geräuschunempfindlichkeit. Besonders laut knallende oder knatternde Geräusche (Explosion, Generatoren, etc.) sollten den Hund nicht erschrecken.
eine gewisse Härte bei guter Führigkeit. Es ist ein Irrtum, zu glauben, Rettungshunde müßten besonders sensible Wesen sein.
ein gute Assoziations- und Kombinationsfähigkeit.
einen ausgeprägten Such- und Stöbertrieb.
eine mittlere Temperamentslage bei hoher bis mittlerer Reizschwelle.
Gleichgültigkeit gegenüber Feuer, Rauch und anderen lästigen Gerüchen.
Ausdauer, sowohl körperlich, als auch psychisch. Ein Einsatz bedeutet für den Hund eine Dauerbelastung, beim Auslandseinsatz über mehrere Tage bis zu ungefähr einer Woche.
eine enge Bindung an seinen Führer.
ein gewisser Grad an Beutetrieb ist besonders für die Ausbildung sehr nützlich. Daß triebstarke Hunde für die Rettungshundearbeit ungeeignet seien, ist eine irrige Ansicht. Gerade diese Tiere (keine wilden Beißer!) verfügen über den Durchhaltewillen und die Nervenstabilität, um in einem Einsatz, der das Letzte von ihnen fordert, nicht durchzudrehen oder zu versagen.


Unerwünscht ist:

jede Art von Wesensschwäche
Empfindlichkeit gegenüber lästigen Umwelteinflüssen
Ängstlichkeit
ausgesprochene Weichheit
ausgeprägte Schärfe
die Neigung zum Raufen
grundsätzliches Mißtrauen dem Menschen gegenüber
eine niedrige bis niedrigste Reizschwelle
Scheuheit
schwache Bindung an den Führer
Jagdtrieb


Optimal ist es, wenn bereits mit dem Welpen begonnen wird. Je früher man ihn an die Rettungshundearbeit heranführt, desto leichter hat man es nachher, wenn es ernst wird. Jedoch muß jede Arbeit dem Entwicklungsstadium des Hundes angepaßt sein und darf ihn nicht überfordern. Kommt ein Hund erst im fortgeschrittenen zur RH-Arbeit, so ist ein gewisses Maß an Vorbildung äußerst wünschenswert. Ein Ausbildungskennzeichen zeigt, daß der Hund bereits trainiert ist und durch die bisherige gemeinsame Arbeit hoffentlich einen guten Kontakt zu seinem Führer hat. Außerdem kann der Hundeführer besser abschätzen, worauf er sich einläßt. Besonders Anfänger ohne Vorbildung sind oft begeistert von dem Gedanken, einen Rettungshund auszubilden und zu führen, ohne auch nur die geringste Vorstellung davon zu haben, wieviel Zeit, Mühe und Ausdauer es kostet, einen Hund zu Höchstleistungen zu bringen, geschweige denn davon, wieviel Idealismus und Engagement es fordert, in einer Rettungshundestaffel als aktives Mitglied mitzuarbeiten."

Girasol
12.06.2003, 12:36
Und hier noch die Anforderungen an den Hunde- Führer:

"Auch der Führer eines Rettungshundes muß einige Voraussetzungen erfüllen:

Gesundheit
körperliche Fitneß
physische und psychische Belastbarkeit
ausgeprägten Teamgeist
Bereitschaft, sich ein- bzw. unterzuordnen
Lernbereitschaft
physische und psychische Beweglichkeit
Einfühlungsvermögen für Mensch und Tier
Disziplin


RH-Arbeit kennt kein Schema. Der Hundeführer wird ständig mit neuen Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert. Er muß versuchen, diese möglichst ruhig und sicher zu meistern.
Rettungshundeführer sind keine Einzelkämpfer. Schon die Ausbildung fordert die enge Zusammenarbeit von Hundeführern und Helfern.
RH-Teams (Hund und Hundeführer) werden im Namen der Staffel in den Einsatz geschickt. Je besser die einzelnen Teams und Helfer aufeinander eingespielt sind, desto effektiver kann im Einsatz agiert werden. Konkurrenzdenken ist Gift für jede Kameradschaft. Es darf keine Rolle spielen, welcher Hund gerade an der Stelle gesucht hat, an der das Opfer lag. Wird der Vermißte gefunden, so ist das der Erfolg der ganzen Staffel.

Hundeführer, die
labil
ängstlich
allzu ehrgeizig
leicht erregbar
unsicher

sind, sind als Rettungshundeführer ungeeignet. Stimmungen übertragen sich auf den Hund und wie soll der ruhig arbeiten können, wenn Herrchen vor Aufregung nahezu platzt?
Der Hundeführer muß dem Einsatzstreß gewachsen sein; er ist der Halt für seinen Hund und soll Ruhe und Sicherheit ausstrahlen.

Die Ausbildung kann man ja unter Umständen noch als Hobby ansehen, die Einsätze dagegen sind keines mehr.
Da gibt es keine Pokale zu gewinnen, meistens nicht mal ein "Dankeschön". Das einzige, was man hat, ist das befriedigende Gefühl, geholfen zu haben.
Einsätze haben außerdem die Eigenart, immer im unpassendsten Augenblick auf einen zuzukommen. Man erwartet Gäste, ist selbst eingeladen oder will gerade die Fußballübertragung sehen, der Kuchen ist im Backofen, die Waschmaschine läuft oder man wird aus dem Schlaf gerissen. Unglücksfälle lassen sich nun mal nicht vorprogrammieren, zumal sie meist auch noch bei denkbar schlechtem Wetter eintreten. Aber wer sich für diese humanitäre Aufgabe zur Verfügung stellt und bereit ist, anderen Menschen zu helfen, der muß ebenfalls bereit sein, einmal auf sein eigenes Vorhaben zu verzichten.
Auch die Familienangehörigen müssen mitspielen. Wenn der Partner jedesmal sauer wird, weil der Hundeführer zur Übung geht und seine Freizeit nicht daheim verbringen kann, ist das der Sache nicht dienlich. Der Haussegen darf nicht schief hängen, sonst führt das auf Dauer zu Komplikationen.
Hinzu kommt, daß der Arbeitgeber bereit sein muß, bei einem Einsatz ein paar Stunden, ausnahmsweise auch mal einige Tage, auf seinen Arbeitnehmer zu verzichten. Der Arbeitnehmer sollte daher, bevor er die Verpflichtung zur Tätigkeit in einer Rettungshundestaffel eingeht, seinen Arbeitgeber informieren und dessen Einverständnis einholen.

Alles das sollte man bedenken, bevor man mit der Rettungshundeausbildung beginnt. Denn die Sache hat keinen Sinn, wenn man gewisse Opfer nicht bringen kann oder will. "

Girasol
12.06.2003, 12:38
Übrigens: hier ist noch eine Informative Seite ( schau mal unter Information/ Ausbildung nach):
http://www.rettungshunde-brh.de/main.html
und hier noch zwei:
http://www.brk-rettungshunde.de/index.htm
http://www.rettungshund.org/ ( mit Forum!)

Also viel Spaß beim lesen!
Girasol

maff
15.06.2003, 15:37
ich habe mich auch mal nach einer solchen Ausbildung erkundigt. Was ich bei den aufgeführten Tipps nicht gefunden habe, sind zwei Punkte, die man aber unbedingt bedenken muss.

Der zeitliche Aufwand: In die normale Hundeschule geht man meist einmal in der Woche, das hier gezeigte sollte man dann selber beim Gassigehen etc. festigen. Die Rettungshundestaffeln erwarten viel mehr Einsatz: Meist wird am Wochenende an beiden Tagen geübt, oft auch noch unter der Woche. Wer sich aus beruflichen Gründen die Zeit nicht so leicht einteilen kann, kommt hier schnell an seine Grenzen.
Man sollte sich also genau überlegen, ob man das kann, denn die Staffel hat wenig davon, wenn man nur sporadisch zum Training auftaucht.

Es ist auch nicht so, das die Hunde bei der Ausbildung ständig viel Action haben. Gerade am Anfang müssen sie sehr viel Zeit mit warten verbringen, nehmen auch an den Einsätzen nicht teil. Herrchen oder Frauchen aber schon z.B. müssen sie mitgehen und Kartenlesen o.ä. Man ist also schon eingebunden, der Hund aber nicht unbedingt im gleichen Maße.
Und wenn man das alles gemeistert hat, können die Einsätze jederzeit kommen. Auch hier wieder das Jobproblem: Wer am nächsten morgen aufstehen und ins Büro muss, kann eigentlich kaum die Nacht bei einem Einsatz verbringen.

Wem es nur darum geht, seinen hund zu fordern und auszupowern, der ist beim normalen Hundesport besser aufgehoben. Darüber sollte man auf jeden Fall nachdenken - auch der Rettungshundestaffel zuliebe.