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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ganz deprimiert bin



dobby
04.06.2003, 08:39
Hallo Liebe Clickerfreunde,

also ich habe mit Aruscha jetzt auch intensiv angefangen zu Clickern. Also erst habe ich sie natürlich (wie im Buch beschrieben) konditioniert. Und das klappt auch richtig super. Ich habe zwei drei mal einfach so geklickt und sofort flog ihr Kopf herum in Erwartung des Leckerchens.

So, dann wollte ich die nächste Stufe (gestern war das) in Angriff nehmen: Da Aruscha schon Pfötchengeben kann, dachte ich mir ich möchte, dass sie mit der Nase ihre Leckerchentasche anstupst. Ich also die Tasche vor sie hingelegt. Sie neugiereg, schnuppert dran, ich click+Leckerchen. Doch danach hat es nicht wieder geklappt. Sie hat mich nur noch angesehen in Erwartung des nächsten Click. (Gabs natürlich nicht!) Und irgendwann hat sie sich dann hingelegt und vor sich hin gestarrt. Und sich nicht mehr gerührt.

Was macht ihr denn in so einem Fall. Ich weiß nicht, wie ich mich dann verhalten muss. Die Übung einfach abbrechen? Aruscha wieder zum Sitz bringen? Wenn ich die Tasche dann mal Bewegt habe (auf die andere Seite gelegt, oder nur angestupst) hat Aruscha auch nicht reagiert. Bin ich vielleicht zu ungeduldig? Oder habe ich was falsch gemacht?

Bitte helft mir *schnief*

Dobby

Thomas
04.06.2003, 10:03
Hi Dobby,

ich kann gut nachvollziehen das Du leicht gefrustet bist. Aber sei versicht - das Verhalten (oder besser gesagt "Nicht-Verhalten") von Auruscha ist gaaaaaanz normal. Steht in Deinen Buch nix darüber drin? Sollte eigentlich, denn bei dem allermeisten Hunden gibt es während der ersten Tage bzw. Wochen (je nach Hund) immer wieder mal solche "Auszeiten" beim Hund (bei "fortgeschrittenen" Clickerhunden kommen diese Auszeiten dann durchaus auch wieder, wenn es um komplexere Handlungen geht). Normalerweise kann man dem Hund das über dem Kopf schwebende Fragezeichen ja förmlich ansehen. Da greift dann die Clickerregel Nr. 16: Sei ausdauernder als Dein Hund. Wenn sich Aruscha hinlegt dann beobachte sie genau ob sie weiterhin das Target fixiert und "nachdenkt". Solang sie das tut, tust Du garnichts (das kann auch mal 5 + x Minuten andauern). Wenn Du Dir jedoch sicher bist, das sie zu einem Zeitpunkt X komplett abgeschalten hat, dann lass sie aufstehen und bringe sie ein bischen in Bewegung indem Du schweigend um das Taget (auch mal nen kurzen Blick draufwerfen) rumschleichst.

Wenn wirklich nichts mehr "geht" dann lass Dich nicht in Versuchung führen, ihr (vorallem bei einer relativ leichten Übung wie dem Target-Touch) zu helfen, z.b. mit Handzeichen in Richtung Target. Hund soll nicht lernen: Ich muss nur lange genug warten bzw. mich passiv verhalten, dann hilft mir Frauchen schon. Sie wird es von sich aus machen. 1000 % Guarantee. Nur eben nicht dieses mal. Brech also diese Übung ab (aber wie oben gesagt nicht zu früh...) und häng direkt danach noch eine kleine Clickerübung dran, die sie bereits ausführen kann (positives Ende der Clickersession).

Keine Bange, je mehr Routine sie UND Du in Sachen Clickertraining entwickelst, desto besser wird es flutschen...aber GEDULD ist beim clickern nicht nur eine Tugend sondern ein absolutes MUST-HAVE.
Gruß
Thomas

PS. Ob es eine gute Idee war, ausgerechnet ihre Leckerchentasche als Target herzunehmen (Futterstupsen = Futter)? ;)

dobby
04.06.2003, 10:11
... die Leckerchentasche zu nehmen, meine ich? Unser (gaaaaanz weit entferntes) Fernziel ist es, dass ich eines Tages die Tasche werfe (als Beute sozusagen, um ihren Jagdtrieb von Enten auf was anderes zu lenken), und sie sie mir weiderbringt und dann daraus ihre Belohnung bekommt. Sollte ich das anders handhaben? Hast du ne Idee?

Danke jedenfalls schon mal für deine Aufmunterung. Aurscha hat es bestimmt doppelt schwer als andere Hunde, da sie ja schon (relativ) alt ist (ca. 4 Jahre) und außerdem in ihrem Leben zuvor noch nie was von einem Clicker gehört hat:p

Wenigstens ist das eines der wenigen lauteren Geräusche vor dem sie keine Angst hat!:D

Wir halten durch

Gruß
Dobby

Thomas
04.06.2003, 10:39
Hmmm, ich würde das als 2 völlig voneinander getrennte Übungssessions aufbauen. Auf den ersten Blick hast/hattest Du evtl. den Eindruck das es sich um einen direkte "Ablauf-Kette" handelt. Das apportieren (durchaus auch von Futterbeuteln, wenn das für Aruscha im Hinblick auf Antijagd-Training das sicherste MO ist) kannst Du später ohne weiteres separat mit dem Clicker aufbauen.

Ist halt die Frage was Du JETZT gerade machen willst. Reines Target-Training oder apportieren. Falls das apportieren erst später auf Aruschas Stundenplan steht mußt Du jetzt, also im Vorfeld, keine vorauseilenden Aufbauübungen dafür machen.
D.h. Apportieren-Training schaffst Du locker innerhalb einer Woche, egal ob sie zuvor irgendwann mal ein Leckerbeutel-Touch gelernt hat oder nicht....

Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich etwas anderes als Target nehmen, sonst läufst Du u.U. Gefahr das sie Dir ständig am Futterbeutel hängt (den du ja auch bei ganz anderen Übungen dabei hast), ihn ggf. anstubst, kein Leckerlie bekommt (Du willst Dir ja keine Bettlerin erziehen) und sich dann noch mehr Fragezeichen über ihrem Kopf bilden. Ich würde Gegenstände bevorzugen, die ihr im Alltag nicht immer zu Verfügung stehen und somit extra für die Target-Übung hervorgekramt werden.

Gruß
Thomas

dobby
04.06.2003, 10:45
Werde deinen Tipp sofort (also heute Abend) umsetzen und nochmal gaaaaanz von vorne anfangen.

War wohl auch zu ungeduldig mit Aruscha. Die arme Maus. über 3 Jahre lang kümmert sich kein Mensch um sie (im gegenteil wurde geschlage) und jetzt muss sie für ihr Futter arbeiten. Aber wir kriegen das schon hin. Werde wohl in den Foren noch mehrmals mit meinen "Anfängerproblemen" nerven:p !!!

Aufgemunterte Grüße von Dobby

linus & mika
04.06.2003, 12:05
Hallo Dobby,

die Tipps von Thomas finde ich ziemlich gut, denn das was er schreibt, stimmt auf jeden Fall.

Normalerweise benutzt man die Futterbeutelmethode als eigene Trainingseinheit für das Erlernen des Apportieren. Vermutlich hat Dein Hund nicht so ganz verstanden, was der Clicker dabei soll, denn eigentlich löst ja der Click das Leckerlie aus, in dem Fall steht eigentlich der Beutel im Vordergrund.

Daher ist es wirklich völlig normal, wenn sie nicht auf Dein Training eingeht. Ich habe gemerkt, wenn Linus partout einen Blackout hatte (war zu Beginn mit dem Pfötchen geben das Problem), habe ich ihn einfach ins Sitz geschickt, geclickt und Leckerlie gegeben, da war er schon wieder so motiviert und freudig bei der Sache, daß er zum Schluß das Pfötchen solange in meine Hand gelegt hat, bis ich geclickt habe. Manchmal reicht auch nur kurz was machen zu lassen, was er eh schon kann, damit er wieder dabei ist.

Daher würde ich das Pfötchengeben einfach ausweitern, das kann sie ja schon, hattest Du geschrieben, und zwar soweit, daß sie am Ende auf "gib mir fünf" ihre Pfote auf Deine Hand schlagen kann. Das wird sie so stark motivieren, wenn sie diesen ersten Trick richtig gut kann, alles weitere, was Du üben willst, mit noch mehr Begeisterung zu machen.

Übrigens, zu Deinem Satz, daß die arme jetzt für ihr Fressen arbeiten soll. Für sie und für Dich ist das das beste Bindungsspiel, was es gibt. Und das kann ich wirklich aus eigener Erfahrung sagen. Sie wird aufmerksamer werden, die Trainingseinheiten lieben lernen, immer wachsam, was hat Frauchen jetzt wieder tolles? Und das alles "nur" mit dem Clicker. Klaro sind diese Kunststückchen nicht unbedingt sinnvoll, aber der Hund hat etwas für den Kopf zu tun und ihr kommt Euch immer näher. Und Du wirst sehen, der Hund wird gerne für sein Fressen arbeiten. Und das allerbeste ist, es macht dem Hund sichtlich Spaß, auch anderen seine Kunststücke zu zeigen, Du musst nicht mal was sagen.