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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich möchte mir ein pferd kaufen. Kann mir jemand Tipps geben?



April-chan
29.05.2003, 21:22
Also wie oben schon erwähnt, möchte ich mir ein pferd kaufen. Das wünsche ich mir eigentlich schon seitdem ich denken kann. Ich hatte aber noch nie ein eigenes pferd und war auch nie bei einem kauf dabei. Ich möchte einen friesen, Haflinger oder Tinker haben. Was muss ich bei einem Kauf beachten? Ich würde eigentlich gerne ein jungpferd haben, aber ich habe angst, dass ich bei der erziehung und beim einreiten was falsch mache. Bitte helft mir.

AnnaS
30.05.2003, 08:52
Tja also als erstes solltest du dir überlegen, ob du wirklich genug Erfahrung für ein Jungpferd hast. Das muss ja nicht in Form von eigenen Pferden sein, sondern eben Erfahrung im Umgang mit Pferden im Allgemeinen.
Hast du noch nicht genug so wahnsinnig viel Erfahrung, gibt es ja vielleicht in dem Stall, wo dein zukünftiges Pferd mal hin soll, jemanden, der dir gerne und kompetent hilft.
Aber sehr schnell kann ein Jungpferd einem über den Kopf wachsen, also überleg es dir bitte vorher gut.

Wenn du dir dann sicher bist, was es für ein Pferd sein soll, dann solltest du gezielt nach gewissen "Kriterien" suchen. Z.B. würde der Charakter bei mir an erster Stelle stehen. Dann sollte es natürlich nicht zu klein sein (bei einem Hafi würde für mich z.B. nur ein Endmaß-Hafi in Frage kommen). Die Farbe z.B. wäre mir ganz egal. Der Rest muss halt stimmen.
Sieh dir auch nur Pferde an, die in den Rahmen deiner Vorstellungen passen, denn man verliebt sich schnell in jedes Pferd, und stellt dann hinterher fest, dass man doch nicht zusammen passt.

Preislich solltest du dir natürlich auch überlegen, was du ausgeben kannst. Unbedingt einkalkulieren solltest du aber eine Ankaufsuntersuchung (ca. 150 - 200€), die vom Interessenten zu bezahlen ist in der Regel. Natürlich brauchst du auch Zubehör für Sattel und Trense, Putzzeug, etc., was du auch einkalkulieren musst, da das meistens nicht mit verkauft wird, es sei denn, jemand gibt den Reitsport komplett auf.

Wenn du dir darüber klar bist, dann überleg dir, von wo du ein Pferd kaufen möchtest. Händler würden für mich z.B. nicht in Frage kommen. Zucht- und Ausbildungsställe sind meist teurer, dafür sind die Pferde in der Regel gut ausgebildet und gesundheitlich okay. Bei Pony- bzw Reiterhöfen muss man drauf achten, wie so ein Pferd geritten ist, denn da reitet jeder, der reiten kann oder auch nicht, auf diesem Pferd. Und Unarten, Unrittigkeit oder Probleme rauszubekommen ist oft sehr schwer.
Privatleute können ehrlich sein, sie können einen aber auch gnadenlos übers Ohr hauen. Also ist das ganze so ein bissl Abwägungssache.

Bei einer Besichtigung dann würde ich mir das Pferd zuerst in Ruhe im Stall bzw auf der Weide ansehen. Sein Verhalten Menschen und anderen Pferden gegenüber, und erst mal dieses Pferd "auf mich wirken lassen". Dann sieht man sich das Pferd genauer an. Sprich, man holt es raus bzw von der Weide, sieht sich den ganzen Körper an, und untersucht auf Narben, Fehlbildungen und äußerliche "Macken". Schönheitsfehler sind ok, aber hinter manch einem Schönheitsfehler kann sich etwas verbergen, was das Pferd beeinträchtigt oder später hohe Tierarztkosten mit sich bringt.

Dann bittest du den Besitzer, dass DU das Pferd in Ruhe putzen kannst. Dabei achtest du darauf, ob das Pferd vernünftig still steht beim Putzen oder nur herum zappelt. Natürlich achtest du darauf, ob es auch vernünftig die Hufe gibt, ob es oft die Ohren anlegt oder freundlich ist, ob es müde und "unmotiviert" aussieht oder ob es dich als fremden Menschen interessiert beobachtet. Gerade das wäre für mich wichtig. Denn ein abgestumpftem Pferd ist es egal, wer da was mit ihm macht. Ist es aber aufmerksam und interessiert, dann nimmt es eben noch richtig teil an dem, was man da macht.

Danach lässt du dir das Pferd mal freilaufend vorführen. Achte dabei in allen drei GGA auf Trittsicherheit, Reinheit der Gänge, ob es evtl unklar geht oder gar lahmt. Das geht an der Longe oder ganz frei laufend.
Wenn dabei alles ok ist, dann sattelst und trenst du es auf. Reite das Pferd erst mal Probe und zwar so lange, wie du es willst und nicht schnell schnell, nur um den Besitzer nicht all zu lange aufzuhalten. Reite alle drei GGA, und auch das, was das Pferd können soll und was du kannst. Wenn dir z.B. ein M-Dressur-Pferd angeboten wird, solltest du auch testen können, ob es wirklich M-Lektionen kann (nur mal als Beispiel).
Anschließend kannst du es dir auch noch mal vorreiten lassen, um von unten zu sehen, wie das Pferd unterm Sattel geht.
Frag auch ruhig, ob du ein paar Minuten ins Gelände gehen kannst, um zu sehen, ob es auch wirklich straßen- und geländesicher ist, ob du es im Gelände halten kannst oder ob es sich aufheizt, sobald ihr den Hof verlassen habt.

Papiere sind nicht wichtig, aber der E-Pass sollte vorhanden sein, denn laut Gesetz darf kein Pferd mehr ohne Pass verkauft werden. Sollte es keinen Pass haben, musst du noch mal um die 60€ rechnen, damit du den Pass beantragst.

Sage dem Besitzer auf jeden Fall, ob er dir gefällt oder nicht und sage auch, dass du es dir in jedem Fall noch mal überlegen möchtest. Du kannst später, wenn du wieder zu Hause bist, sofort anrufen oder absagen, aber gib dir selbst noch mal ein bissl Zeit, um in Ruhe drüber nachzudenken. Und wenn irgendwas nicht ok sein sollte, musst du abwägen, ob es ein "Aus-Kriterium" für das Pferd ist, oder ob du damit leben kannst.

Und am Besten ist auch, wenn du dir jemanden mitnimmst, der Ahnung von Pferden hat.

Lass dich vom Besitzer nicht abwimmeln bei Fragen oder wenn du etwas machen willst (wie Vorreiten lassen, kurz ins Gelände gehen, o.ä.), denn das ist meist ein ungutes Zeichen.
Frag dem Besitzer auch Löcher in den Bauch (vor allem, wieso er das Pferd verkauft, Erkrankungen wie z.B. häufige Koliken).
Und wenn du dich dann für das Pferd entschieden hast, versuch ruhig, im Preis zu handeln. Das ist üblich beim Pferdeverkauf. Dann bestehst du auf eine Ankaufsuntersuchung durch deinen TA oder durch einen neutralen. Tierärzte sind zwar 30 Jahre lang haftbar für eine falsche Ankaufsuntersuchung, aber ich würde da trotzdem auf der sicheren Seite sein wollen.

So, ich glaube, das war nun schon alles, was mir dazu einfällt. Wenn du noch mehr Fragen hast, dann stell sie ruhig.

Gruß
Anna

calla
30.05.2003, 18:32
hi anna,

also soweit ich das gehört hab, muss der verkäufer eine ankaufuntersuchung machen un diese auch selbst bezahlen. hab ich im fernsehn ma gesehn, das is jezz rechtlich festgelegt seit einem jahr......


liebe grüße calla

AnnaS
31.05.2003, 07:13
Hm also der Verkäufer hat ja keinerlei Interesse daran, dass eine Ankaufsuntersuchung gemacht wird. Es sei denn, man bezieht das neue Pferdekaufrecht in Betracht, denn da ist der Vorbesitzer verpflichtet, das Pferd innerhalb von 2 Jahren zurück zu nehmen, wenn gesundheitliche Probleme auftreten, die so schon beim Kauf da gewesen sein müssen. Da KÖNNTE der Besitzer sich absichern und sagen, er macht eine Ankaufsuntersuchung, damit ER auf der sicheren Seite ist, und dann muss er die selbst zahlen. Logisch. Doch wenn der Interessent eine Ankaufsuntersuchung machen will, dass muss er das auch zahlen.

Für beide Seiten fair und sinnvoll wäre es, wenn Besitzer und Käufer (Interessent) sich einigen, dass sie sich die Kosten hierfür teilen. Aber gesetzlich geregelt glaub ich nicht und im Februar war es auch noch nicht so, denn da hab ich meine 4jährige Stute mit Ankaufsuntersuchung verkauft und da gab es noch kein Gesetz.

Aber bei unserer tollen Gesetzgebung ist ja alles möglich.

Gruß
Anna