PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Junghund allein sein beibringen



Susanne22
28.05.2003, 16:13
Hallo.
Ich hab´mal eine Frage. Glaubt ihr das ein fast 2 Jahre alter Terrier trotzdem nochmal lernen kann allein zu bleiben?
Wir haben das damals verbockt, aus Angst vor den Nachbarn. wir geben sie immer zu meinen Eltern, aber es wär´schön, wenn ich mal für 1-2 std. weggehen könnte, ohne das der hund meckert. Ich will das nochmal stufenweise probieren und mit Tonband aufnehmen, wenn ich ein´organisiert krieg. Habt ihr Erfahrung damit oder kennt ihr jemand bei dem das nach verbockter Zeit hingehauen hat? Manche sagen, wenn Hunde das von klein auf nicht lernen, lernen sie das nie, aber in der Hundeschule lernt mein kleiner Frechdachs doch auch.

AnnaS
28.05.2003, 17:39
Also lernen kann dein Hund es tatsächlich noch. Du musst es diesmal nur konsequent und richtig machen.

Mit dem Tonband hab ich keine Erfahrungen. Bei Peppa damals hat ein Radio gar nichts gebracht und das soll ja auch dazu dienen, dass der Hund sich nicht so allein fühlt. Mit einem Tonband würde ich persönlich aber auch nicht versuchen, da ich wohl meine Hunde eher nur verwirren würde. Hören sie meine Stimme, kommen sie an und suchen mich. Und wenn sie mich dann nicht finden können, wären sie glaub ich ziemlich verwirrt. Wobei, sie wären auch mit Suchen beschäftigt, was natürlich auch von Vorteil ist :D .

Aber im Ernst, vielleicht hat jemand ja noch Erfahrungen mit einem Tonband gemacht. Ich hab zum Glück auch keine Probleme mit dem allein lassen. Bei mir bzw Peppa hat eben die Zeit und die Übung gewirkt. Bei Billy hatte ich von Anfang an keine Probleme. Wahrscheinlich, weil er ja nie richtig allein ist sondern immer bei Peppa.

Gruß
Anna

billymoppel
28.05.2003, 22:09
hallo susanne,
hat dann ja doch hingehauen mit dem eigenen beitrag:D
klar kann er das lernen! und wenn er zwölf wäre.
aber nicht vergessen: terrier! nicht gleich weichkochen lassen beim ersten mißerfolg.
kann er im auto allein bleiben?
lg
bettina

Sallydoggy
29.05.2003, 00:48
Hallo Susanne!

Klar kann Dein Terrier das Alleinesein noch lernen, wenn Du es richtig angehst!!

Hast Du ihn von klein auf?
Hat er schon schlecht Erfahrungen gemacht bzgl. Alleingelassenwerden?

Es ist oft schwerer bei Hunden, die ausgesetzt worden sind und im Tierheim landen.
Sie haben öfter eine unheimliche Trennungsangst und es dauert dann länger, bis man dem Hund soviel Vertrauen gegeben hat und er wirklich lernt, daß man immer wieder kommt.

Ohne schlechte Erfahrungen ist es um so leichter!

Und hier die "Gebrauchsanweisung":
Angefangen wird mit einem ganz kurzen, ja minimalen Zeitraum.
Du kannst auch so anfangen, daß Du Dich anziehst, als wolltest Du weggehen, den Schlüssel in die Hand nehmen - und wieder auf die Couch setzen, kochen, spülen etc.
So lernt er, daß es nichts besonderes ist, wenn Du Dir die Jacke etc. anziehst.
Er kann so begreifen, daß er nicht zur Tür stürmen muß, denn sonst hast Du ihn ja immer mitgenommen.
Wenn er sich sonst so freut, daß es jetzt raus geht und er zur Tür rast, ist die Voraussetzung schlechter, daß er alleine ruhig und lieb bleibt.

Wenn er das intus hat, dann läßt Du ihn für 1 bis 2 Minuten in der Wohnung alleine und tust so, als würdest Du das Haus verlassen.
Er darf Dich im Flur (o. ä.) nicht mehr hören oder sehen!!
Bleibt er in der Zeit ruhig, gehst Du schnell zurück und belohnst ihn, spielst mit ihm, gibst ihm einen Knochen etc.
So lernt er, daß Du immer wieder kommst!
Sollte er bellen, jaulen oder an der Tür kratzen ist es WICHTIG, daß Du NICHT zu ihm gehst, da er sonst erreicht hat, was er will.
Er wird für sein Verhalten bestätigt, wobei ihm egal ist, ob diese Bestätigung positiv (Du kommst zurück) oder negativ (Du schimpfst, weil er bellt) ist.
Hauptsache, Du bist wieder da!

Wenn das alles gut klappt, dann kann man es ausbauen, indem man kurz ums Haus geht etc.
Minutenweise steigern ist die Devise!

Wichtig ist es, ihn nicht zu überfordern, denn er muß es so lernen wie ein Welpe, und da läßt man sich auch viel Zeit.
Denke dran, Du investierst in die nächsten vielleicht 15 Jahre und da lohnt sich jede Minute, um einen Hund zu bekommen, der auch mal alleine bleiben kann.

Wenn die Übung später richtig sitzt und es ihm nichts mehr ausmacht, dann ist es egal, ob er eine Stunde oder 3,5 Stunden allein ist, denn Hunde haben nicht dieses Zeitempfinden wie wir.

Sollten in irgendeinem Stadium Probleme auftreten, dann muß wieder einen Schritt zurück gegangen werden - dann war der Zeitraum zu lang.

Treten Probleme auf, er also anfängt Dinge anzukauen, zu zerstören, dann denke dran, daß er es nicht tut, um Dich zu ärgern oder Dich fürs alleinelassen zu bestrafe, sondern es stecken immer ganz schlimme Trennungsängste dahinter.
Der Hund hat tierischen Streß und muß ihn abbauen, um nicht durchzudrehen.

In solchen Fällen muß wieder von ziemlich vorne angefangen werden, dann ging es doch zu schnell.

Hat Dein kleiner Terrier-Freund nicht so großen Streß, dann kannst Du ihn auch gut beschäftigen.
Gut sind Kauknochen, weil er damit ordentlich zu tun hat.
Ist ein Knochen für diese Übung jedoch nicht interessant genug, dann kannst Du z. B. einen Kong (Hundespielzeug) nehmen, der innen hohl ist.
Dahinein kann man wunderbar Leberwurst oder Schmelzkäse schmieren und der Hund ist beschäftigt, den Kong auszulecken.
Oft zieht es besser, weil ein Knochen schon mal öfter gegeben wird und er somit nichts Besonderes ist.

Diesen Kong kannst Du ihm direkt schon am Anfang geben, wenn Du Mantel oder Jacke in der Wohnung anziehst.
So kann er nicht lernen und vorahnen, daß Du weggehst, wenn er den Kong bekommt.

Das ist nämlich auch oft ein Grund, warum Hunde in der Wohnung Theater machen!
Sie erkennen am Verhalten und an "Ritualen" der Besitzer, daß sie weggehen und steigern sich langsam in ihre Ängste rein.
Daher ist es wichtig, dieses weitgehend zu verhindern.

Ach so, es wäre noch wichtig, am Anfang alle Dinge, die nicht kaputtgehen sollten, wie z. B. Schuhe etc. aus seinem "Wirkungskreis" zu entfernen.
So verhindern man, daß doch mal etwas verkaut wird, man sich ärgert und den Hund noch mehr verunsichert.

Sollte mal etwas kaputtgegangen sein, dann bitte
nie, nie, nie mit ihm schimpfen, denn er freut sich auf Deine Rückkehr.
Wenn er dann ankommt und wird ausgeschimpft, dann wird er fürs freuen ausgeschimpft und das ist schrecklich für einen Hund.
Lob und Strafe wirken immer nur eine halbe bis eine Sekunde in Verbindung mit der Sache, die der Hund gemacht hat.
Danach belohnt/bestraft man das aktuelle Verhalten!!

So, ich denke, mit dieser Anleitung sollte es möglich zu sein, das Alleinebleiben zu üben.
Bei näheren Fragen kannst Du mir auch gerne mailen unter crazydog@telebel.de!

Ich habe in einer Hundeschule gearbeitet und helfe jetzt noch privat Freundinnen etc. mit ihren Hunden!

Viel Glück und Spaß beim Üben!!

Liebe Grüße von Ina und Sally

Susanne22
29.05.2003, 22:22
Also erst mal Danke Danke Danke für diese rege Teilnahme. Hab´mich wirklich gefreut.
Zu AnnaS: Mit dem Tonband meinte ich das so, daß man den Hund aufnimmt, ob er bellt. Sonst erzähöen einem die Nachbarm " der hat die ganze Zeit gebellt" , obwohl er das in Wirklichkeit nur einmal gemacht hat. oder man könnte merken, nach welcher Zeit es dem Hund zuviel wird.
Zu Billymoppel: witziger Name. Ja, sie bleibt allein im Auto, guckt aber auch immer wo wir hingehen und wann wir wiederkommen...ganz nervös.
Zu Sallydoggy: Danke für diesen langen und intensiven Beitrag.
cora kann ich schon ein paar mintuen allein lassen 5 min, aber ich weiß ganz genau, daß sie tierisch nervös ist. Rennt zum Fenster, guckt raus, und wenn man wieder hoch kommt, guckt sie mit einer Unschuldsmiene: "Also ich lag schon die ganze Zeit auf meiner Decke und hab´sie ganz bestimmt auch gar nicht verlassen."
Ich würd´mich freuen, wenn ich das hinkriegte, obwohl mein hund eine ganz ausgefuchste ist. Naja, eigentlich bin ich es ja nur, der mal wieder versagt und nicht der hund. Ich halt euch auf dem laufenden.
Ihr seid Super!!!