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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hundeerziehung - Theorie und Wirklichkeit



Hovi
26.05.2003, 12:40
Hallo ihr Lieben,

am Samstag war ich mit Klein-Dustyn zum ersten Mal in der "gemischten" Welpenspielstunde. Dieses Mal auf einem Platz vom RZV (Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde).

Bekanntlich wird ja in der Welpenstunde nicht nur gespielt, sondern auch ein klein bissel Erziehungs"arbeit" geleistet.

Was ich da wieder zu sehen bekam, macht mich sprachlos. Ein etwa 10 jähriger Junge mit einem 13 Wochen alten Welpen an der Leine ruckt den Welpen mehrfach derart stark an der Leine, dass dieser sich nach hinten zweimal überschlägt.

Ein alter "Hundesportler" hat seinen älteren Schäferhund einschläfern lassen, weil man mit ihm "nicht mehr arbeiten" konnte. Der nun 12 Wochen alte Groenendael-Welpe (man gönnt sich ja sonst nichts) wird nicht per Leckerli, sondern per Ohrfeige erzogen, beim Kommando "SITZ" wird er am Hals halb stranguliert, der Hintern in einem Sekundenbruchteil zu Boden gedrückt.

Von den "Ausbildern" bzw. "Leiterinnen" der Welpenspielstunde kam keine einzige Ermahnung!

Wofür haben wir eigentlich die modernen Erkenntnisse der Erziehung mit Lob, Leckerli, Spiel, Motivation? Wo wird das denn auch praktisch umgesetzt? Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet ich immer nur zufällig auf Plätzen lande, wo Gewalt noch an der Tagesordnung ist? Und das schon bei der Welpenspielstunde???

Besonders widerlich fand ich wirklich das Kind, das den Welpen regelrecht mißhandelt hat. Wo hat es das wohl gelernt?

Irgendwie driften Theorie und Praxis ganz schön weit auseinander - oder gerate immer nur ich auf "solche" Hundeplätze???


Verwirrte Grüße
Claudia

Cockerfreundin
26.05.2003, 12:51
Hallo, Claudia!

Tja... was soll man dazu sagen - außer: Pfoten weg von solchen Hundeplätzen!!!!

Lies mal meinen Beitrag in Gini Aikos Thread "Wenn etwas schiefgeht" ... :mad: :mad: :mad:

Zum Glück hatten wir damals den Spaniel Club als Alternative :) :) :)

ICH jedenfalls hab seit dem Erlebnis damals die Nase voll von sämtlichen (Gebrauchs-) Hundeplätzen ... Sorry, aber is so...

LG von
Annette + Basti :)

linus & mika
26.05.2003, 13:41
Hallo Hovi,

grmpf, ich bin nicht mehr in der Welpenspieltstunde, nachdem die letzte Stunde dermaßen besch.... gelaufen ist. Da Linus sehr neugierig und hyperaktiv ist, braucht er auch eine andere Motivation, als strenges: PLATZ, SITZ, FUSS usw. Das Platz sollte mit runterdrücken beigebracht werden, das FUSS IMMER NUR mit Leckerlie und wenn Linus mal unaufmerksam wurde, weil er nervös war und die Strenge nicht verstand, wurde ich auch noch angemotzt, daß die antiautoritäre Erziehung für so einen Jack Russell wohl nix wär. Da ist mir fast der Kragen geplatzt, weil ich auch andauernd ermahnt wurde und habe mir gesagt, daß ich dort nicht mehr hingehe, allerdings erst nachdem ich LINUS mit dem Clickertraining innerhalb von fünf minuten PLATZ beigebracht hatte.
Ich bin nun auch auf der Suche nach eine neuen Hundeschule, da Linus ja mitlerweile in den Junghundekurs darf.

Ist schon unglaublich, daß selbsternannte Experten Hunde zu kleinen Agressoren ausbilden dürfen. Ich jedenfalls nicht mehr, ich muss meinen Hund nicht verprügeln, damit er kommt, wenn er kommt, soll er freudestrahlend angerannt kommen, weil er zu mir WILL und nicht weil ihm sonst Schläge drohn. Ich versteh dann auch manchmal die Welt nicht mehr.

mellyonsurf
26.05.2003, 13:52
Da bin ich ja froh daß ich bei unserem EKV (eingetr. Verein im VDH) nen guten Platzt erwischt habe. Da geht eigentlich alles locker flockig ab, im Gegenteil - - - es habe sich schon Neulinge verkrümelt nach dem sie gesehen habe, daß sie angemosert werden wenn sie ihre FEllmütze drangsalieren.

Klar bei (größeren) Wuffs wird auch schon mal an der Leine geruckt, aber in Maßen und in angebrachten Situationen.

IM Grundsatz wir alles mit Ruhe und Lob beigebracht und das klappt. Auch bei uns fliegen schon mal die Discscheiben vom Trainer, aber immer VOR den Hund, damit er umdreht und zu Fraule zurückläuft. Alles in einem Rahmen den ich gut vertreten kann.

Aber gestern waren wir auf einem Manschafts-BH-Pokalkampf und da haben wir es wieder gesehen:

Unsere Mannschaft war die EINZIGE die zusammen mit ihren Hunden im dichten Pulk zusammen gesessen, geguckt und gefiebert haben.
Bei den anderen lagen die meisten Wuffs schön in ABSTAND, oder blieben im Auto oder in den blöden AUSSENBOXEN die viele Vereine haben. Nene, alles Bockmist!

Ich hoffe ihr findet einen Platz, wo VERNÜNFTIG gearbeitet wird, ich glaube wir haben das geschafft.

Liebe Grüße,

Melly

P.S: An die Fellmützen: lasst Euch nicht alles gefallen, wenn Euch so ein doofer Trainer drangsaliert PINKELT ihm in nem unbeobachteten Moment über die Schuhe... Gruß, BLUE

Ginger_19
26.05.2003, 14:29
Hallo,
bei uns gibts auch nur diese tollen Hundeplätze, wo man 3 km gegen den Wind hört, was für ein Befehl gegeben wird, nee danke.
In den Welpenspielstunden spielen die Hunde aber nur, hab ich mir sagen lassen. So das gelbe vom Ei scheints aber auch nicht zu sein.
Im Sommer ziehen wir nach Nürnberg. Mal hoffen das wir da was Ordentliches finden. Wenn nicht, dann geht das Leben ohne Hundeschule auch weiter.

LG Ginger

gini_aiko
26.05.2003, 15:05
hallo claudia,

da stellt es mir wirklich die nackenhaare auf ... es ist zum haarausraufen, dass solche ausbildungsmethoden noch *mode* sind :mad: :mad: :mad: :mad:

traurige grüße
claudi mit aiko

Hamsterfan
26.05.2003, 15:10
Tut mir leid, aber ich finde Hundeschulen echt zum k...tzen.:mad:

Natürlich mag es ja auch gute geben, aber dort wo ich herkomme, sind die Hundeschulen unter aller Sau. Man hört die Besitzer der Hunde schon Kilometer weit weg, die Befehle "schreien". Also das muß ich meinem Hund wirklich nicht antun und schon garnicht den Welpen, der am Sonntag zu uns kommt. da bring ich meinen Süßen doch liber alles selber und mit aller Ruhe und Gedult bei !

Also da trifft der spruch in meiner Signatur doch völlig zu, oder ?

Liebe Grüße

Evgenia

linus & mika
26.05.2003, 15:25
*grins* guter Spruch

Ja ich denke auch, daß man manchmal ohne besser bedient ist, allerdings scheint es zur Sozialisierung nicht verkehrt zu sein, wobei ich gemerkt habe, daß Linus Hunde seiner Größe gar nicht leiden kann (die kläffen ihm zuviel und beissen meistens unkontrolliert) und er sich lieber mit den größeren Kalibern abgibt.

Schlimm finde ich auch immer andere Hundebesitzer, die meinen, ihren Hund zu schlagen oder mit der Leine hinter sich herzuschleifen. Man sollte immer erst seinen eigenen Welpen kennenlernen, bevor man mit ihm auf einen Platz geht. Das war meine Erfahrung und dazu würde ich auch jedem raten. Ist mein Hund sensibel, ängstlich, lernt er schnell, ist er dominant etc. Darauf kann ich als Besitzer bestimmen, in welchem Tempo er Übungen mitmacht oder wann ich ihn lieber von einem anderen Welpen schütze, weil er sensibel ist usw. Wann will mein Welpe nicht auf mich hören, oder wann ist er einfach unsicher und gestresst, so kann ich bestimmen, ob es Dominanzgehabe ist oder er eher verunsichert ist und blockiert. Bei dem Spruch, als Linus völlig überfordert und unter Druck gesetzt wurde, PLATZ zu machen, und ich ihn dann mit Calming Signals beruhigt habe (Linus saß völlig apatisch da und hat gezittert), hat die Trainerin nur gesagt: " So jetzt belohnt sie auch noch ihren Hund, daß er nicht hört. Hier sieht man ein Beispiel, daß der Hund den Besitzer im Griff hat und nicht umgekehrt" hätte ich ihr am liebsten was entgegen geworfen, so sauer war ich. Dann hackten auch noch die anderen Besitzer auf MIR rum und mein Freund, der mit LInus eher abends oder am Wochenende zusammen ist, hat mich dann auch noch gefragt, ob es nicht doch besser sei, etwas strenger zu werden. Ich wurde immer stinkiger und die Trainerin hat es wohl gemerkt und mich ganz doof gefragt, ob ich denn nächste Woche wieder käme.

Seither war ich nicht mehr dort und seither sind wir ein super Gespann. Linus hört selbst, wenn er mit anderen Hunden spielt, Linus macht PLATZ, setzt sich dann und gibt Pfötchen, sogar wenn es um sein Spielzeug geht. Zur Belohnung spielen und toben wir dann. Linus hört an der Leine, Linus kommt sogar vom Garten, wenn ich ihn rufe, weil ich arbeiten muß, also von daher werde ich mir die nächste Schule, wenn überhaupt, ganz genau anschauen, denn ich mag den Spruch nicht "Na, sie haben aber auch ein Problemhund" grmpf

linus & mika
26.05.2003, 15:27
Nochwas zu den kleinen Hunden, das soll jetzt kein Angriff auf ALLE kleinen Hunde sein, sondern ich habe damit die gemeint, die in unserer Welpenspielstunde sind. Nicht, daß das jemand falsch versteht :D

Cockerfreundin
26.05.2003, 18:14
Hallo, Mika!

Zitat
_____

Man sollte immer erst seinen eigenen Welpen kennenlernen, bevor man mit ihm auf einen Platz geht.
_____

GENAUSO IST ES!!!!
Deshalb halte ich persönlich auch nicht viel von diesen Ratschlägen, die Dir weismachen wollen, ein Welpe müsse, kaum habe er den Züchter verlassen, sofort in die nächste Krabbelgruppe ... Wie viele Welpen sind nach so einer Session total verstört ...
Ich habe Basti damals erst einmal 4 wochen Zeit gegeben, sich einzugewöhnen und seine nähere und weitere tägliche Umgebung und all die hunde dort kennenzulernen ... Er hatte doch von Anfang an und jeden Tag Hunde jeden Alters, jeder größe und rasse um sich ... auch den ein oder anderen Kumpel zum Spielen. DANACH war die Welpenstunde ne tolle Sache!

Selbiges gilt auch für dieUO !!!

Grüße von
Annette + Basti :-)

Hovi
27.05.2003, 10:09
Hallo Annette,

ich denke mal, man muß es vom Welpen abhängig machen, wie früh man die Welpenspielgruppe besucht.

Dustyn ist alles andere als schüchtern oder verstört ;) , und ihm tut es SEHR gut, wenn andere Welpen ordentlich zurückzwicken, wenn er zwickt :D. Er war jedenfalls eine volle Stunde lang hochaktiv damit beschäftigt, den anderen Welpen intelligente Dinge beizubringen (z. B. spielte er NICHT, wie vorgesehen, auf der Wiese. Er sprang erstmal in das bereitgestellte Planschbecken, damit er schön klebrig wird, und spielte danach AUSSCHLIESSLICH in den neu angepflanzten, erdigen Blumenbeeten :p . Die anderen Welpen fanden die Idee wohl klasse).

Logisch, wenn Hundi noch sehr unsicher oder verschüchtert ist, tut man ihm noch keine Welpenspielstunde an - aber für kleine Powerpakete mit überschäumendem Selbstbewußtsein gibt´s einfach nix Besseres ;).

Liebe Grüße
Claudia

gini_aiko
27.05.2003, 10:14
hallöchen,

ich kann mich claudia nur anschließen ... also ich bekam aiko mit neun wochen ... ich hätte DA schon mit ihm in einen anderen weku gehen können ... nur ist mein kleiner einfach ein kleiner, schüchterner *angsthase* gewesen und da wäre es noch nicht ideal gewesen. ich hab dann gewartet bis er 12 wochen alt war, da hatte er beim ersten mal dann zwar auch etwas angst ... *uiiii so viele fremde hundekinder, gehen wir wieder heim mama* ... aber ab dem zweiten mal quieckte er vor freude, wenn wir im auto richtung hundeplatz abbogen ;)

grüßle claudi mit aiko

dobby
27.05.2003, 11:34
Hallo alle beisammen,

das liest sich ja wirklich grausam, was ihr mit euren armen Wauwis in so manchen Schulen erlebt habt... einfach grausam.

Meine Aruscha war schon über drei Jahre, bevor ich sie bekommen habe und ein "echter Problemfall". Sie war überängstlich und wollte vor allem und jedem davonrennen. Also, was macht ein hundeunerfahrenes Frauchen? Sie geht zur Hundeschule. Dort bekamen wir erstmal Einzelunterricht. Und? Es hat tatsächlich was gebracht. Für alle Münchner (und Umgebung) kann ich diese Schule (zumindest den Einzelunterricht) nur empfehlen. Schaut doch mal unter www.artgerechte-hundeerziehung.de.

Hoffentlich bleiben damit vielen vielen Welpen/Hunden solche Traumas wie ihr sie beschrieben habt, erspart...

Grüße
dobby

linus & mika
27.05.2003, 12:03
Logo muss man das vom Welpen abhängig machen, hab ich ja eigentlich auch gesagt, daß der Besitzer den Hund vielleicht erst mal kennenlernt. Linus schien mir auch mega frech, draufgängerisch und kein bisschen ängstlich. Ist auch heute noch so, daß ich das denke, aber der Hund tut einfach so, als hätte er keine Angst, ist aber im Grunde sensibel. Da ich überhaupt keine Ahnung von dieser Rasse hatte, bevor ich mich zu dieser entschlossen habe, habe ich natürlich vorher zig Bücher gelesen, mich mit mehreren Leuten unterhalten, die mir sagten, daß das schwer erziehbare Hunde seien. Jetzt weiß ich, daß die Hunde super intelligent sind, aber einfach eine andere Motivation zum Lernen haben, wie andere Hunde.

Daß ich dann natürlich jedes Wort der Trainerin für bare Münze genommen habe und einen Fehler nach dem anderen gemacht habe, dafür habe ich vor zwei Wochen die Quittung bekommen und die Hundeschule auch.

Hätte ich etwas gewartet, bis ich den Hund besser kenne, hätten einige Fehler vermieden werden können, unter anderem auch, daß die Trainerin so einen Bockmist veranstaltet hat.

Im Nachhinhein finde ich wichtig zu wissen, bevor man mit seinem Welpen in eine Welpenspielstunde geht, wie er auf einzelne Einflüsse reagiert. Wie kann ich ihn am besten motivieren, etwas zu lernen oder zu machen? Was kann er schon, weiß er schon seinen Namen? Wann reagiert er nervös, oder versteht nicht, was ich von ihm will? Wann sollte ich ihn in Ruhe lassen, weil er überfordert ist, und wann nicht, weil er einfach seinen Sturkopf durchsetzen will. Diese Signale sollte man meiner Meinung nach an seinem Hund deuten können, dann kann man wohl bedenkenlos in eine Welpenspielstunde gehen.

Sicherlich sind hier einige Foris vertreten, die schon öfter Welpen großgezogen haben, die haben ihre Erfahrungen auch schon gemacht und wissen eher, was man dem Welpen zumuten kann und was nicht, ich spreche jetzt auch nur aus meiner Erfahrung und kann mir gut vorstellen, daß andere neuen Besitzer ähnlich reagieren, wie ich das gemacht habe.

Cockerfreundin
27.05.2003, 18:18
@ Claudia (Hovi)

Klar muss man es vom welpen abhängig machen! Und jemand, der schon öfter Welpen/ Hunde goß gezogen und erzogen hat, kann das sicherlich besser und schneller einschätzen als ein Hunde-Frischling.

@ all

Für mich ist als persönliches Fazit aus den HuSchu-Erfahrungen mit Basti (wie gesagt: super gute und auch schlechte) EINE sehr wichtige erkenntnis gewachsen: Mit meinem nächsten Welpen (wann immer sie kommen wird) werde ich NUR und AUSSCHLIESSLICH und VON ANFANG an in eine Hundeschule gehen, in nach MEINEM Grundverständnis und mit den von mir für gut befundenen Methoden gelernt wird. Und zwar IMMER und in JEDER Situation. Und wo die Trainer zum Erlernen von Kommandos mehr als eine Methode zur Verfügung haben.

LG von
Annette + Basti :-)