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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund fällt fremde Männer an



Kerstin + Geeny
08.05.2003, 16:04
Ich bin vor drei Monaten neu nach Berlin gezogen.
Meine Hündin hb ich erst bekommen, als sie 11 Monate war. Damals war sie ein Häufchen Elend, konnte nix, machte alles falsch und war eine kleine Katastrophe.

Meine Hündin Geeny hat sich sehr gut in Berlin eingelebt.

Wir treffen uns jetzt jeden Abend mit einer großen Gruppe Leuten mit ihrem Hund oder ihren Hunden und alle zusammen gehen eine Riesenrunde spazieren. Mit den Hunden kommt Geeny sehr gut klar, egal ob jung und stürmisch oder alt und zickig... Und das obwohl sie bis vor ein paar Monaten, als wir noch in Leipzig gewohnt haben, kaum anderen Hundekontakt hatte und wenn, dann mit maximal einem Hund gleichzeitig.

Geeny macht mir nur Sorgen, weil sie jetzt schon 2 mal eine Macke gezeigt hat, die ich nicht verstehe und die mir auch großen Ärger einbringen kann, wenn ich nix dagegen tu!

Zum erstem Mal war es beim Spazierengehen mit der Meute, als ein fremder Mann ohne Hund vor uns den Weg von rechts nach links überqueren wollte. Er war noch gut 15 Meter von uns entfernt und hat nicht weiter auf uns reagiert. Plötzlich schießt Geeny wie verrückt auf ihn los, springt an ihm hoch (ohne ihn zu berühren) und schnappt in der Luft nach ihm. Es wirkte sehr aggresiv, denn sie bellte ihn auch an. Freude war das klar und deutlich nicht.
Sie hat dann aufgehört. Ich weiß, dass der Mann selbst einen großen Hund hat. Aber verwundert war er schon.

Das zweite Mal war gestern abend beim Meutespaziergang, da stand ein fremder Mann mitten auf dem Weg, wo wir alle lang kamen und wartete auf seinen kleinen Hund, der noch im Gebüsch war. Der Mann gehörte nicht zu der Gruppe und stand da ganz normal.
Wieder das gleiche Spiel! Geeny springt an ihm hoch, schnappt und bellt. Auch diesmal hat sie dann aufgehört und ist weiter gegangen.

Ich habe Angst, dass sie wirklich mal jemanden erwischt oder an einen gerät, der uns Ärger macht oder jemand, der Hundeangst hat...

Weiß vielleicht jemand einen Rat?

Maggie_HH
08.05.2003, 19:11
Ich hab mal eine Frage: Wie reagierst du auf das Verhalten? Wie verhält sich deine Hündin denn dir gegenüber? Würdest du sagen, dass sie dich als Chef akzeptiert?
Also für mich sieht es so aus, als wenn sie die Gruppe vor Fremden verteidigt! Sie sollte dazu keine Gelegenheit mehr haben dürfen! Du könntest mit Hilfe einer Schleppleine vielleicht versuchen, auf sie einzuwirken. Denn ich schätze mal, wenn sie zu der Person hinläuft wird sie auf dein Rufen nicht reagieren oder?
Ist sie denn schon immer so zu Fremden gewesen? Oder erst seit dem du mit einer ganzen Meute unterwegs bist???

Juliane

Stefmama
08.05.2003, 20:19
Weißt du was Geeny in den 11 Monaten ehe sie bei dir war erlebt hat? Das wäre vieleicht hilfreich! Meine Hündin (10 J.) konnte auch keine Männer leiden, zwar tat sie nicht so gefährlich wie deine Geeny aber sie knurrte und bellte auch wenn einer unerwartet dastand oder um eine Ecke kam. Sie wurde mit 4 Monaten im Tierheim abgegeben weil die Familie (speziell der Mann) nicht mit ihr klarkam. Dieser Mann war der Meinung Hunde müsse man mit Schlägen und Futterentzug erziehen. Mit der Zeit hat sich das Problem sehr gebessert. Ich habe sie ganz langsam an Männer "herangeführt" und ihr gezeigt das es auch liebe Exemplare gibt. Ist allerdings sehr langwierig und man braucht ziemlich viel Geduld. Am Ende muß der Hund den ersten Schritt machen (immer mit Leine).

Ilona
08.05.2003, 20:50
Hallo liebe Kerstin,

eine Erklärung für das Verhalten Deines Hundes habe ich nicht, aber ich würde es auch strikt unterbinden. Was ich meine ist: Du mußt, auch in Eurer "Meute" mit sehr offenen Augen laufen. Siehst Du Männer irgendwo herumstehen, wie Du es beschrieben hast oder im Ansatz an Euch vorbei laufen, rufst Du Deine Geeny zu Dir, möglichst noch bevor sie den Mann entdeckt. Dann läßt Du sie neben Dir laufen, bis die Gefahr gebannt ist.

Beobachte Deine Hündin genau. Zeigt sie Interesse an dem Mann, wird sie abgelenkt, bis Ihr vorbei seid. Ob Du sie dazu an die Leine nehmen mußt, mußt Du entscheiden. Wichtig ist, dass Du sie in Höhe des Mannes, an dem Ihr vorbei müßt, für ihr ruhiges Verhalten belohnst. Nimm sie an Deine dem Mann abgewandten Seite und bedeute ihr durch Deine Körpersprache, dass keine Gefahr herrscht.

Es ist wichtig für die nächste Zeit, dass sie keine Möglichkeit mehr hat, dieses Verhalten zu zeigen, denn sie muß Dir vertrauen und merken, dass DU alles im Griff hast und sie keinerlei Rechte hat, Dir die Aufgabe, Dich oder ein Rudel zu beschützen, abzunehmen.

Also: Augen offen halten, nicht so viel quatschen, sondern den Hund beobachten:)

Ist nicht bös gemeint, ich weiß, wovon ich rede. Auf Benjis Konto gehen zwei Schnapper in Richtung Männerarm (auch aus einer ähnlichen Situation heraus, wie Du sie beschrieben hast) mit dicken blauen Flecken als Resultat. Und ich hab einen Rotti, stell Dir vor, was da hätte alles passieren können.

Man gut, dass nichts schlimmes draus für uns erwachsen ist. Es hätte auch anders kommen können. Ich bin noch heute unserem Schutzengel dankbar.

Übrigens: Benji hab ich mit drei Jahren aus dem Tierheim geholt, Vergangenheit unbekannt, da Fundhund.

Rechne deshalb immer mit dem Schlimmsten. Ist besser, als einmal angezeigt zu werden. Auch wenn Hund nur einen Menschen anspringt, können schon die schlimmsten Anzeigen auf Dich warten. Weiß ich aus anderen Foren.

Übrigens halte ich das von Dir beschriebene Verhalten nicht für aggressiv, sondern eher für unsicher oder ängstlich. Kann mich aber irren.

Lieben Gruß, Illi

Jela
08.05.2003, 20:55
Hallo Kerstin!

Mich würde auch interessieren, ob Geeny das nur macht, wenn sie mit der Meute unterwegs ist oder auch mit dir allein? Wenn du sagst, sie springt hoch und beißt in die Luft und lässt dann wieder von dem Mann ab (von selbst?), dann hört es sich so an, als würde sie das Rudel vor dem Fremden / der Gefahr beschützen wollen. Es reicht, wenn sie ihn vertreibt, denn wenn sie zubeißen wollte, hätte sie es bestimmt gekonnt, oder? Dass sie dabei sehr böse aussieht und sich anhört, glaub ich gern, aber sie scheint nicht wirklich VERLETZEN, sondern nur DROHEN/VERTREIBEN zu wollen.

Und schließlich weiß man wirklich nicht, was in den 11 Monaten passiert ist, bevor du sie bekamst. Ist sie Männern prinzipiell ängstlich/scheu gegenüber oder unauffällig? Was für eine Rasse/Mix ist sie denn?

Ich würde diese Situationen absichtlich zu üben versuchen, also erstmal Männer fragen (erstmal ruhig welche, die sie auch kennt), die euch entgegen laufen (evtl. bei Dämmerung, mit übergezogener Kapuze). Schauen, wie sie reagiert. Dann immer auf den Mann zulaufen, freundlich begrüßen, wenn möglich, soll er Geeny streicheln. Den Hund immer für sein ruhiges Verhalten loben, wenn Aggression gezeigt wird schimpfen (ruhiges, scharfes "Pfui ist das"). Bloß nicht hektisch schreien oder schimpfen (oder rufen, wenn sie eh nicht kommt), das könnte sie nur noch mehr bestärken. Prinzipiell gilt: Wenn sie brav und ruhig bleibt wird gelobt, sich mit ihr gefreut, Leckerchen gegeben (nur du, es reicht, wenn der "Fremde" sie streichelt/sich über sie freut); wenn sie knurrt, Agression zeigt, wird ruhig aber bestimmt geschimpft und der Hund an die Leine genommen. Das müsste ein paar Mal passieren, bis sie's eventuell verknüpfen kann. Vielleicht hast du Glück und findest noch jemand Unbekanntes, der mitmacht.

Aber: Mit den beiden, die sie schon angeknurrt hat, hattest du ein Riesen-Glück, das kann schon mal böse enden. Deshalb würde ich sie an deiner Stelle in gut besuchten Gebieten (innerhalb Berlin wohl jeder Ort) nicht von der Leine lassen (Schleppleine innerhalb der Meute am besten), bis sie nicht gelernt hat, dass fremde Männer keine Gefahr bedeuten (jedenfalls nicht immer :rolleyes: ). Wenn du in einer Hundeschule bist, frag doch auch mal den Trainer, der kommt bestimmt gerne mal mit und hilft dir bei deinem Problem.

Viel Glück! :D

Kerstin + Geeny
08.05.2003, 22:49
Wow, in so kurzer Zeit schon soviele Antworten...

Im großen und ganzen sind sich ja alle einig...
Und ihr habt mir einige gute Denkanstösse gebracht...

Vielen Dank erstmal dafür...

Sie nur an der Leine in der Meute spazieren zu lassen, finde ich keine allzu gute Idee, denn wenn sie an der Leine ist, kann sie andere Hunde nicht akzeptieren...
Ich denke auch, dass das Unsicherheit ist...

Ja, mein Hund verhält sich offensichtlich sehr ängstlich. Ihre ersten 11 Monate sind leider ihr Geheimnis, aber es muss was mit Plastiktüten, Fäusten, Alkohol und PET-Flaschen zu tun gehabt haben... Denn wenn eines davon nur in der Nähe ist, ist mein Hund schon weg!

Weiterhin hat jemand gefragt, was sie ist... Sie ist ein Mix aus Irish Wolfhound und Airdale Terrier... Also mittelgroß, sehr schlank, sehr struppig und sonst eigentlich sehr lieb! SONST!!!!!!

Und ob sie mich als Chef akzepziert, beantworte ich mit NEIN! Ich gestehe, dass ich ihr immer das Gefühl gegeben habe, dass sie als Freundin, nicht als Hund bei mir ihr Leben verbringt, denn ich hab sie zu mir genommen, als sie zu nix und niemanden Vertrauen hatte.
Meine damalige Auffassung war, lieber Vertrauen aufbauen als mit einer straffen und strengen Erziehung die Psyche des Hundes gänzlich zu zerstören.

Mittlerweile akzeptiert sie sogar meinen Freund! Das hat sie bei meinen anderen Beziehungen nie getan!

Sie ist ehrlich gesagt kein Hund der eine gute Prüfung bestehen würde... Sie ist zwar immer in meiner Nähe und wenn ich sie rufe, kommt sie auch... Aber wenn sie mich verteidigen soll, hört sie nicht wirklich!

Das liegt sicherlich auch daran, dass mein Hund spürt, wenn ich Angst habe und im Dunkeln alleine bin ich total ängstlich, auch mit Hund! Davon wird ihr Verteidigungsdrang kommen und ob es hell oder dunkel ist, ist ihr dabei egal.

Ich werde jedenfalls in Zukunft immer meinen Hund an mich nehmen, wenn fremde Männer in der Nähe sind, denn ansonsten verhält sie sich ja nahezu normal...

Vielen Dank nochmal... Freu mich aber weiterhin über neue Gedankengänge!

Kerstin

elke3
09.05.2003, 11:47
Liebe Kerstin,

mi meinem Hund habe ich das selbe Problem. Habe ihn mit eineinhalb Jahren aus dem Tierheim geholt und weiss nicht genau was vorher mit ihm passiert ist. Aber er zeigt manchmal genau das gleiche Verhalten wie dein Hund. Einmal wollte mich ein Mann sogar anzeigen! Ich habe gemerkt das er vor allem etwas gegen Männer hat die schwarz angezogen sind oder lange Mäntel tragen. Jetzt ist es schon viel besser geworden, jedenfalls ist schon lange kein solcher Vorfall mehr passiert. Ich hab das so gemacht, das ich meinen Hund immer an die Leine nahm wenn ein Mann unsere Wege kreuzte. Wenn er brav war während wir vorbeigingen wurde er ganz wilde gelobt und bekamm ein Leckerli. Hilfreich ist es auch wenn fremde Männer ihm eines geben würden. Allerdings muss dies sehr vorsichtig geschehen und der Hund darf auf keinen Fall gezwungen werden auf fremde Leute zuzugehen.
So alt ist dein Hund ja noch nicht und ich bin sicher du kriegst das in den Griff. Eine Hundeschule ist da auch sehr hilfreich.

Wünsch dir ganz viel Glück
Elke

billymoppel
09.05.2003, 13:34
hallo kerstin,
ich denke nicht, dass es so falsch war, deiner verängstigten hündin zunächst ein freund sein zu wollen, um ihr vertrauen zu gewinnen. aber ein gewisses maß an hierarschie sollte nach der ersten eingewöhnungsphase schon dazu kommen. das macht das leben für den hund einfacher, weil er einfach weiß, welche aufgaben er hat und welche nicht. ich bin ganz sicher kein freund aller dominanz-gebaren, die es so gibt, weil ich der meinung bin, dass, ist die eigene position als chef gefestigt und unangetastet, man darauf nicht so großen wert legen muss. der hund weiß dann schon, dass man ihm ein privileg einräumt, dass geauso schnell auch wieder aufgehoben wird, sollte es nötig sein.
um noch mal auf dein anfängliches problem zu kommen, neben ihrer angst vor männern, spielt bei den speziellen twei begegnungen sicher noch etwas anderes eine rolle: hunde sind spießer. abweichendes verhalten, dass sie nicht einordnen können, mögen sie nicht. genau deswegen haben viele hunde probleme mit betrunkenen, die sich unsicher und nicht normgerecht bewegen, fremden kindern, rollstuhlfahrern etc.und je weniger sie innerlich gefestigt sind, kommen sie damit klar. und spaziergänger GEHEN auf wegen, sie stehen nicht und kommen auch nicht plötzlich von der seite. plus der tatsache, dass beides männer waren, eine ungute kombination.
neben allem was schon richtigerweise gesagt wurde, glaube ich fast, dass sie das in genau der gleichen situation nicht noch mal machen wird. du hast ja mit den betreffenden geredet und sie hat gemerkt, dass nix passiert. aber es wird natürlich jede menge anderer situationen geben und da ist es auch erforderlich, dass du an DIR arbeitest. DU darfst keine angst haben. dein hund merkt das! und gerade in berlin, wo an jeder ecke menschen, polizisten und private wachdienste sind, ist das wirklich nicht nötig. ich habe einige jahre da gelebt und mich niemals richtig gefährdet gefühlt. ich gehörte auch zu keiner szene, wo gewalt an der tagesordnung ist. klar bin ich mal beklaut worden und eingebrochen wurde in meine wohnung auch, aber war ja nix, was persönlich gemeint war. die wollten nur geld. da fühle ich mich jetzt in der kleinstadt, wo spätestens 19.00 uhr die bürgersteige hochgeklappt werden und es nachts eine einzige streife gibt, wesentlich unsicherer. hier könnte ich stundenlang schreien, ohne dass mich jemand hört.
lg
bettina