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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Blinder Hund



Verena
25.05.2002, 19:11
Hallo,

wenn alles klappt, werden wir in vier Wochen einen blinden Hund bei uns aufnehmen. Er ist vier Jahre alt und erst kürzlich aufgrund einer unbehandelten Netzhautentzündung erblindet - und dann wegen seiner Blindheit im Tierheim abgegeben worden. Die Adresse eines Augenspezialisten habe ich schon, allerdings gehe ich zunächst einmal davon aus, daß der Schaden irreparabel ist.
Die Bedingungen bei uns sind, denke ich, recht günstig: Ein großes Haus mit eingezäuntem Garten und weitgehend gefahr- und hürdenlosem Spaziergehgebiet und ein Ersthund, der sich meinen Informationen nach gut als "Blindenhund" eignet.
Bisher weiß ich nur, daß man den Hund so normal wie möglich behandeln, Umgebungsveränderungen vermeiden und ihm die Ortung des Rudels durch akustische Hilfsmittel erleichtern sollte. Hat jemand darüber hinaus noch Tips für mich, wie ich dem Hund das Leben erleichtern bzw. Fehler vermeiden könnte? Vieles wird sich im Umgang ergeben, aber ich möchte von Anfang an möglichst viel richtig machen.
Gibt es darüber hinaus Literaturempfehlungen, vielleicht auch speziell die Erziehung betreffend? Links brauche ich keine mehr, habe das Internet diesbezüglich schon durchstöbert.
Bin für jede Hilfe dankbar.

Gruß, Verena

Stefanie
28.05.2002, 20:35
Hallöchen!!!
Finde ich echt toll, dass ihr einem blinden Hund ein neues zuhause geben wollt. Umso lächerlicher ist es einen blinden Hund ins Tierheim zu geben!
Unsere Hündin, die leider vor fünf Jahren verstorben ist, war auch plötzlich blind. Keine wußte genau warum und es war auch irreparabel. Trotzdem hat sie weiter gelebt wie immer. Sie kannte sich ja auch gut bei uns aus. Trotzdem sollte man es vermeiden die Umgebung des Hundes zu verändern, durch Möbelrücken oder so. Aber wenn dein neuer Hund erstmal seine Umgebung und seine Spazierwege kennt, wird er garantiert keine Probleme haben. Jessi ist z.B. mal in ein kleines Loch gefallen, weil ich einen Moment nicht aufgepasst habe. War aber nicht schlimm, das sie wieder rausspringen konnte. Außerdem hat dein Hund jau auch noch einen Partner.
Heute habe ich wieder einen neuen Hund. Auch ein kleines Sorgenkind, weil sie regelmäßig Epilpeptische Anfälle bekommt. Naja, da kann man aber auch mit leben. Wäre schön , wenn du mir mal schreiben würdest, wies mit deinen Hunden so läuft.
Viel Grüße Stefanie und Lisa

ChiaraKimberley
29.05.2002, 23:00
Hallo Verena,

ich finde es auch toll, daß Ihr einem blinden Hund ein neues Zuhause geben wollt. Unsere inzwischen leider verstorbene Hündin begann m. ca. 7 Jahren zu erblinden. Ich hätte niemals gedacht, daß wir und sie so gut damit zurecht kommen. Wir hatten natürlich den Vorteil, daß sie schon lange bei uns lebte und damit eine Vertrauensbasis schon bestand. Anfangs sah sie nur im dunklen schlecht. Wir haben sie dann angeleint und vermehrt mit Kombination v. Zurufen und "dirigieren" durch die Leine gearbeitet. (z.b. "Langsam", "Halt", "Rechts", "Links"). Bonnie hat das sehr schnell gelernt. Auf gewohnten Spaziergängen lief sie ohne Leine. Auch auf freiem Gelände war Freilauf kein Problem. Dies blieb auch so, als sie ganz erblindete. Auch 2 Umzüge hat sie gemeißtert. Es dauerte natürlich einige Tage, bis sie sich in der neuen Umgebung zurechtfand. Natürlich sollte man unnötige Veränderungen vermeiden. Als sie 11 J. alt war, bekamen wir unseren zweiten Hund. Als dieser etwas älter war, hat er auch die Funktion des "Blindenhundes" übernommen. Sie hat sich schön an ihm orientiert. Fremde Leute haben ihr ihre Blindheit nicht angemerkt. Sie hielten sie höchstens mal für etwas jünger, weil sie sich etwas vorsichtiger und manchmal auch wie "tolpatschig" bewegte. Bücher zu diesem Thema kenne ich auch nicht. Da sich der Umgang mit unserer Bonnie aber durch ihre Blindheit nicht so extrem geändert hat, haben wir auch nie nachgeforscht. Was man beachten sollte ist, daß unerwartete Berührungen des Hundes ohne vorheriges ansprechen (z.B. durch Kinder/Fremde) vermieden werden. Der Hund könnte erschrecken und schnappen. Man muß in allem etwas umsichtiger und vorausschauender handel - für den Hund mit - als man es vielleicht manchmal mit seinem nicht behinderten Hund tut. Aber daran gewöhnt man sich sehr schnell. Und Nase und Ohren des Hundes gleichen den Sehverlust stark aus. Daher sollte man diesen beiden Sinnesorganen entsprechende Kontrolle und Pflege angedeihen lassen, um sie "in Schuß" zu halten. Ich wünsche Euch viel Erfolg und bin sicher, daß Ihr Euerem Familienzugang ein tolle Zuhause bietet.
Viele Grüße ChiaraKimberley
(P.S. Bonnie wurde fast 17 Jahre alt)