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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probleme mit meinem Chihuahua



zoemaus
04.05.2003, 02:49
Hallo,
ich habe seit September 2002 einen süssen Chihuahua, er war 8 Monate als ich ihn bekommen habe. Er hat in diesen ersten 8 Monaten beim Züchter keine Erziehung bekommen und nur mit den anderen Hunden im Rudel gelebt, ohne Kontakt zu anderen Menschen. Als er bei uns war, war er natürlich total verängstigt, weil er ja niemanden ausser sein Herrchen kannte. Dann kam noch mein Kater und hat ihm auch noch eine verpasst, da war ganz vorbei. Also habe ich meine Bettdecke geholt und mich zu ihm auf das Sofa gelegt, damit er nicht so alleine ist und damit der Kater nicht wieder ran geht. Das hat auch prima geklappt, er war die ganze Nacht total lieb ( Hund und Kater ). Von da an, weicht Enzo mir nicht mehr von der Seite. Er fasste also Vertrauen und das fand ich klasse, das er sich so schnell traute. Allerdings war es sehr schwierig, wenn ich Besuch bekam. Er zitterte am ganzen Körper und versteckte sich. Also ein richter "Angsthase", wie meine kleine Tochter (3 Jahre ) immer sagt. Aber damit nicht genug, er kannte mit seinen 8 Monaten kein "komm", "sitz" usw.Also wusste ich, dass mich viel Arbeit erwartete, aber kein Problem, denn Enzo konnte ja nichts dafür. Also habe ich langsam angefangen, mit Leckerlie ihm "komm" beizubringen. Und siehe da, es klappte auf Anhieb. Er wollte also. Kein Thema, jeden Tag ein wenig üben und dann immer ein wenig mehr fordern. Heute ist es so, dass er hier in der Wohnung 1A hört. Alles was ich möchte, das macht er auch. Auch Besucher sind kein Problem mehr, er brauch zwar 5 Min. aber dann wird der Besuch ihn auch nicht mehr los. :)
Jetzt kommt auch mein Problem:
Sobald wir draußen sind, schaltet er auf stur, da tut er so, als wenn er mich gar nicht kennt. Ich kann rufen, wie ich will, keine Reaktion. Ausserdem ist er sehr ängstlich draußen, weil ja viel fremde Geräusche usw. Ich habe dann die grosse Runde auf abends verschoben, wo weniger los ist, damit er sich dran gewöhnt, aber da komme ich irgendwie nicht weiter.
Wer hat da ein paar Tips für mich?
Vielen Dank schon mal!

AnnaS
04.05.2003, 08:33
Hm kann es sein, dass du deinen Hund viel beruhigst und ihm gut zuredest, wenn er Angst hat? Das wäre nämlich falsch. Durch das gut Zureden erreichst du nur, dass er sich bestärkt fühlt in seiner Angst.

Du musst deinem Hund zeigen, dass es keine Gefahr gibt bei dir, bei euch zu Hause, und auf den Straßen, weil DU aufpasst. ER muss NICHT aufpassen, sondern du. Und das erreichst du, in dem du ihm den Eindruck vermittelst, dass es alles völlig normal ist.

Hat er z.B. Angst an einer Mülltonne vorbei zu gehen (blödes Beispiel, ich weiß), dann bleibst du nicht mit ihm stehen und sagst "Ist ja gut, das tut dir nichts", sondern du gehst weiter, als würde dort keine Mülltonne stehen. Und dann lobst du ihn, als hätte er das allerbeste der Welt getan, wenn er an der Mülltonne vorbei ist. Verstehst du?

Was euch sehr gut getan hätte, wäre eine Hundeschule von Anfang an gewesen. Gerade weil er die ersten 8 Monate seines Lebens nichts und niemanden kennenlernen durfte. Er hätte in der HuSchu andere Hunde kennengelernt, andere Menschen, andere Umgebungen, eventuell auch Stadtspaziergänge in Fußgängerzonen, und, und, und.
Solltest du nicht in einer HuSchu sein, würde ich dir dringend raten, dich nach einer guten umzusehen und so schnell wie möglich dort hinzugehen.

Ich denke auch nicht, dass er draußen wirkich stur ist, sondern einfach nur schrecklich verunsichert. Seine Angst ist größer als das Vertrauen zu dir. Vielleicht traut er dir draußen auch nicht, eben durch das gut Zureden? Ich weiß, du hast davon nichts geschrieben, aber irgendwie ist es so ein Gefühl, vielleicht auch, weil du die erste Nacht mit ihm auf dem Sofa verbracht hast, weil er Angst hatte.
Wenn er nun draußen solche Angst hat und irgendwo das Gefühl fehlt, dass er sich auf sein Frauchen schon verlassen kann, dann versucht er, allein draußen "zu überleben", um es mal krass auszudrücken. Es ist mehr Instinkt als Vertrauen in dich, also kümmert er sich nicht um dich, sondern um sich selbst.

Behandle deinen Hund nicht wie ein kleines Geschöpf, was ganz viel Schutz und Trost braucht, sondern wie ein Tier, ein Lebewesen. Wie einen Hund eben. Und lass ihn lernen. Sei ihm behilflich beim lernen und zeige ihm, dass die Welt nicht böse ist. Und geh bitte in eine Hundeschule, die dir zeigt, wie du es richtig machst.
Aus solch ängstlichen und unsicheren Hunden können ganz schnell auch Angstbeisser werden, und ich glaube, das willst du nicht.

Gruß
Anna

PS: Sollte meine Einschätzung komplett falsch sein, dann entschuldige bitte.

zoemaus
05.05.2003, 23:48
Hallo,
ich habe einen Tiertrainer, der zu uns nach Hause kommt, damit der Hund in seiner gewohnten Umgebung lernen kann.
Ich mache es genauso, wie du mir empfohlen hast, einfach an der "Sache" vorbei gehen, als wenn nichts wäre! Aber ich komme da einfach nicht weiter, denn er registriert mich gar nicht.
Die erste Nacht habe ich bei ihm auf dem Sofa verbracht, weil ich Angst hatte, das der Kater ihm was tut, denn der Hund wiegt2,5 kg und der Kater 10 kg, also ein kleiner Kampfkater und so hat er sich ihm gegenüber auch verhalten, das war aber das einzige Mal, das ich den Hund beschützt habe und wie gesagt nur die erste Nacht, die zweite Nacht habe ich die beiden dann mit sich alleine gelassen.
Das Verhalten hat sich verbessert, wir waren heute in einer fremden Stadt mit stark befahrener Strasse und der lief mit erhobenen Kopf und Schwanz immer schön bei mir und lief nach kurzer Zeit auch etwas vor, aber als ich ihn rief, keine Reaktion! Musste ihn also mehrmals anrufen und dann kam er auch. Fand ich sehr merkwürdig, denn hier zu Hause geht gar nichts obwohl alle anderen Hunde auch dabei sind, mit den denen er sonst immer zusammen ist. Denn wir haben hier 4 andere kleine Hunde mit denen er von Anfang an häufig zusammen ist und auch schon einiges von ihnen gelernt hat, einschliesslich Unsinn zu machen :) was er sich ja zu Anfang auch nicht traute

AnnaS
06.05.2003, 09:24
Hm wieso lernst du mit einem Trainer in gewohnter Umgebung? Heißt das so viel wie Einzelunterricht? Das wäre in meinen Augen vielleicht nicht wirklich richtig, denn Grundgehorsam lernt dein Hund auch in der Gruppe, und es geht ja darum bei dir, dass dein Hund mehr kennenlernen soll.

Falsch ist, deinen Hund mehrmals zu rufen, wenn er dich ignoriert. Der einzige Lernerfolg ist, dass dein Hund weiß, er muss nicht beim ersten Rufen kommen, weil du auch noch 10 Mal rufst und er kommen kann, wann er will.

Wenn du eine Sache ignorierst und weitergehst - wieso kommst du da nicht weiter? Ich meine, es klingt jetzt vielleicht blöd, aber einen so kleinen Hund bekommst du doch nun wirklich ziemlich leicht mit. Anders sähe es bei einem Neufundländer und bei Hunden gleicher Kaliber aus, denn wenn die stehen, stehen die und da kann einem schon mal die "Puste" ausgehen.

Wenn du sagst, dein Hund läuft vorweg und kommt nicht, wenn du rufst - hast du ihn da ohne Leine? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, weil du von einer fremden Stadt schreibst. Und da lässt du ihn hoffentlich nicht ohne Leine laufen. Warum holst du ihn dann nicht zu dir ran, wenn er an der Leine ist und dein Rufen ignoriert?

Ich habe so ein bisschen den Eindruck, als würdest du dich von deinem Hund beherrschen lassen. Und dein Hund ist nicht dumm, wenn du dich nicht durchsetzt, weiß er ganz genau, dass er es mit dir machen kann. Ich rede jetzt nicht von Gewalt, ganz und gar nicht. Nur von Konsequenz und einem gewissen energischen Verhalten.
Bsp.: Du hast ihn an der Leine, er läuft voraus und reagiert auf dein Rufen nicht. Du bleibst nicht stehen und rufst und rufst und rufst, sondern du drehst dich um und gehst in die andere Richtung. Irgendwann MUSS er mitkommen, eine andere Wahl bleibt ihm nicht. DANN lobst du ihn, sobald er in deine Richtung kommt. Und das tust du konsequent.
Oder du hockst dich hin, und rufst. Kommt er nicht, machst du dich mit Leine auf dich aufmerksam. Das heißt, du "zupfst" ein bisschen an der Leine, bitte nicht ziehen oder rucken. Und wenn er nicht reagiert, holst du ihn mit der Leine in deine Richtung. Sobald er den Blickkontakt zu dir aufnimmt und freiwillig kommt, lobst du ihn ganz dolle und zeigst ihm, wie prima er das macht. Reagiert er nicht, holst du ihn mit der Leine ganz zu dir ran, wiederholst dein Kommando, wie z.B. "Hier" und gehst ein paar Schritte weiter. Dann wiederholst du es, so lange, bis du kleine Erfolge hast.

Lass dich nicht von deinem Hund leiten, sondern leite deinen Hund. Und bitte erkläre mal, wieso du nicht in eine Gruppe gehst und auch "raus" in HuSchu gehst, sondern bei dir zu Hause lernen willst. Ich glaube, das ist in den seltensten Fällen wirklich nötig und sinnvoll.

Gruß
Anna