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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trauer & Trost



ChiaraKimberley
24.05.2002, 21:05
Ich besuche diese Seite immer nur, wenn ich Zeit habe und alleine bin. Denn immer, wenn ich Eure Beiträge lese, wird mir mein eigener Verlust wieder schmerzlich bewußt. Dann brauche ich Zeit und Ruhe für meine Tränen. Im März mußte ich meine Bonniemaus mit beinahe 17 Jahren einschläfern lassen.Es war eine der schwersten Entscheidungen meines Leben - und eine der richtigsten. Immer habe ich mir gewünscht, dieser Entscheidung durch einen natürlichen Tod meiner Schnuffelmaus enthoben zu werden. Natürlich macht man sich mit zunehmendem Alter und abnehmender Gesundheit seinen Hundes Gedanken über den "Tag X". Wie oft bin ich morgens voll Angst von schlechten Träumen aufgewacht und die Treppe runtergelaufen um zu sehen, ob meine Bonnie noch lebt, oder ob ihr altes Herzchen aufgehört hat zu schlagen. Immer war ich froh, sie friedlich schlafen zu sehen. Und doch habe ich oft gedacht, daß wenn sie schon sterben muß, es doch schön wäre, wenn sie einfach einschliefe. Ich weiß, daß das besonders ein Wunsch zu meinen Gunsten war. In ihren letzten Lebenstagen, hatte sie zunehmend Schwächeanfälle oder auch kl. Schlaganfälle. Doch sie war bis dahin ein "Stehaufmännchen". Von 3 Schlaganfällen hatte sie sich prima erholt. An jenem Wochenende habe ich auch schon gedacht sie stürbe in meinen Armen, aber auch da war zuerst nach einigen Minuten alles vorbei und sie tappste in den Garten. Doch Dienstags kam ich nach Hause und sie lag im Flur in einer Art Krampf, hatte unter sich gemacht, konnte nicht mehr stehen und weinte leise. Ich wußte, was das bedeutete. So sehr ich diesen Moment gefürchtet hatte, jetzt war er da. Es war an mir, meiner Bonniemaus all ihre Liebe zu mir zu vergelten, indem ich den schwersten Schritt meines Lebens tat und sie von ihren Qualen erlöste. Sie beruhigte sich in meinen Armen und ich hielt sie fest, bis wir beim TA waren. Da er leider nicht direkt zu erreichen war, verbrachten wir noch eine Stunde am Rhein. Ich wurde ganz ruhig, denn ich wußte sie würde mich spüren. Wir saßen nur da, eng aneinander gekuschelt wie eins. Es war, als wenn sich unsere Seelen untrennbar verbinden. Ich werde diesen Moment nie vergessen. Der TA kannte uns schon lange und mußte nicht viel fragen. Mein Mann hat ihm kurz alles geschildert und fast ohne Worte wußten wir, das es nun kein Zurück mehr gab. Ich hielt meine Maus fest im Arm und sie schlief friedlich ein. Es war, als stürbe ein Teil von mir. Der Schmerz schien mir unerträglich. Doch meine Bonnie hat mir immer über schwere Zeiten hinweggeholfen. Und genau das, tut sie noch immer. Denn ich weiß, daß nur ihr alter kranker Körper im Garten beerdigt ist. Ob an der Regenbogenbrücke oder im Hundehimmel, ich weiß, daß sie auf mich wartet - ohne Schmerzen, ohne Angst. So wie unsere schönsten Tage waren, voll Liebe und Sonnenschein, so lebt sie schon jetzt irgendwo. Und dieses Licht und diese Liebe und Wärme strömt in mein Herz, wenn ich es nur zulasse. Sie trocknen die Tränen und zaubern ein Lächeln in meine Seele. Denn meine Maus war traurig, wenn ich traurig war. Sie hat mit mir gelitten und war mit mir glücklich. Sie würde weinen, wenn ich nur im Schmerz an sie denken würde. Und sie ist glücklich, wenn ich voll tiefer, ruhiger und unendlicher Liebe und voller Glück über unsere wunderschöne Zeit, die uns geschenkt wurde, an sie denke.
Ich hatte zum Glück schon bevor sie mich verlassen mußt zwei andere Hunde. Sie helfen mir sehr. Keiner von ihnen ist wie meine Bonnie und kein anderer Hund wird es jemals sein. Doch auch sie sind einmalig und schenken mir all ihre Liebe. Und keinen von ihnen möchte ich missen. Sie lenken mich ab und trösten mich, wenn ich traurig bin. Auch sie haben Bonnie sehr vermißt und fragend in ihrer leeren Ecke geschnuffelt und mich mit großen Augen fragend angeschaut.
Doch gemeinsam geht unser Leben weiter. Und ich denke, daß man sich nicht schuldig fühlen muß, wenn es einem gut geht. Denn der geliebte Hund, der einen verlassen hat weiß, daß man ihn niemals vergessen wird. Er hat für immer seinen Platz im Herzen. Doch dort ist noch mehr Platz. Nicht derselbe, aber anderer. Und als ich unseren Ivan letzte Woche zur OP bringen mußte und ihn einschlafen sah, war die Angst ihn zu verlieren wie meine Bonnie genauso groß. Und als ich ging, betete ich zu Gott ihn mir noch zu lassen. Es ist auch aus der Narkose wieder erwacht. Und mir wurde klar, daß ich jeden Tag der uns geschenkt wird genießen sollte. Denn niemand weiß, wann der letzte Tag kommt. Die grenzenlose und reine Liebe und Treue und das Vertrauen, das ein Hund uns schenkt, wenn wir es uns, beruhend auf Gegenseitigkeit, verdienen, ist eines der schönsten Geschenke, die wir in unserem Leben erhalten. Doch wir erhalten sie nur auf Zeit. Und diese gemeinsame Zeit soll man in vollen Zügen genießen, denn sie währt immer zu kurz! Und wer einmal diese schöne Zeit erlebt und sie ja auch seinem geliebten Hund geschenkt hat, der sollte wenn sie zuende ist, nicht verzagen. Denn unsere tiefe Trauer ist Beweis, daß wir das Glück hatten einem Hund dieses wundervolle Geschenk auch zuteil werden zu lassen. Und dieses Glück sollten wir nicht mit Füßen treten, sondern es nutzen und aufblühen lassen, indem wir einem anderen Hund dieses Geschenk machen. Er wird niemals sein wie der alte; er wird niemals dessen Platz einnehmen; aber er wird auf seine Art genauso wunderbar sein und uns ein neues Glück erleben lassen. Weder meine Bonniemaus, noch Eure geliebten Hunde würden Euch dieses Glück neiden. Denn viele unserer menschlichen negativen Gefühle sind unseren Hunden zum Glück fremd. Und Neid und Mißgunst stehen sicher ganz vornean. Es wird immer Zeit für Trauer und Tränen geben - auch wenn ein neuer Gefährte da ist. Aber es muß auch Zeit für Trost und Glück geben. Und diese sollte überwiegen. Denn unser Hund hat uns nicht verlassen, er bleibt immer bei uns. Er wird uns den Rest unseres Lebens auf dieser Erde begleiten, auch wenn wir ihn nicht sehen. Und er wird mit uns glücklich sein. Und wenn wir einmal an der Reihe sind diese Welt zu verlassen, wird uns dort wo wir hingehen - wenn wir unsere Gabe einen Hund zu lieben und ihm ein erfülltes, glückliches Leben zu schenken nicht unnütz haben verstreichen lassen - ein ganzen Rudel treuer Weggefährten erwarten, um wieder mit uns vereint zu sein.
Liebe und tröstende Grüße
ChiaraKimberley mit Ivan & Othello
***Das mir der Hund das Liebste sei, sagst Du oh Mensch
sei Sünde.
Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nichtmal
im Winde *****