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Sachari
15.04.2003, 20:05
Hallo!
Unsere Hündin (aus Griechenland), ca.1 1/2 Jahre alt, seit gut 5 Wochen bei uns. Sie ist nicht leinenführig, wahnsinnig ängstlich. Ich habe heute mit einem Verhaltenstherapeuten (er führt auch eine Hundeschule) telefoniert und einen Termin vereinbart. Ich soll zu ihm kommen, auf ein großes eingezäuntes Gelände. Unsere Hündin muß ich dafür in ihrer Flugbox transportieren.
Meine Fragen:
1. Ist es richtig, daß es besser ist, ich gehe mit Sachi zu ihm, als daß er zu uns ins Haus kommt?
2. Was haltet ihr von dem Vorschlag, Zitronensaft in einen Sprüher zu tun und diesen mit einem kurzen Sprühstoß einzusetzen, wenn man "Pfui" (o.ä.) sagt, d.h. es nur einsetzt, wenn der Vierbeiner etwas macht, was er absolut nicht soll ??!!??
(ich muß dazu erwähnen, daß Sachi leider und zu unserem Entsetzen :( schon ein Kind gebissen hat) , das Kind trug ein übles Hämatom davon.... Dabei waren wir schon vorsichtig, haben aufgepaßt und das hat nicht gereicht... Ich muß schon sagen, ich war total fertig...
Und die letzte Frage: Was kostet eine Einzelstunde beim Therapeuten im Schnitt? Mir wurde ein Betrag von 80,-- Euro genannt.
LG Tina

Sachari
15.04.2003, 20:10
Nachtrag:
Der Beißvorfall war und ist übrigens der Auslöser für die Suche nach einem Fachmenschen für unseren Vierbeiner.
Wir waren geschockt und es ging wirklich blitzartig!
Sachi lag auf dem Sofa, ich saß neben ihr. Das Kind (8 J.) ging an ihr vorbei und da "schoß" Sachi bellend auf sie zu...
Wir hatten erst gar nicht realiersiert, daß Sachi auch zugebissen hatte, erst als das Mädchen anfing zu weinen!
Seitdem darf Sachi nicht mehr auf das Sofa (überhaupt nicht erhöht liegen), sie hat in ihr Körbchen oder auf den Fußboden zu gehen. Sie darf allerdings auch nicht mehr unter den Tisch im Wohnzimmer, da sie ihn als Höhle anscheinend ansieht....
LG Tina:eek: :(

Thomas
15.04.2003, 22:27
Hallo Tina!

Das ihr euch dringend fachmännische Hilfe holen solltet steht außer Frage. Es freut mich das ihr das angehen wollt. Nun zu Deinen Fragen:

1.) Hmmm, also das es besser sei, das ihr auf seinen Platz geht, statt eines Hausbesuches, kann mann so pauschal wirklich nicht sagen. Grundsätzlich würde ich eher zum Gegenteil tendieren. Die Trainer, die ich kenne, schauen sich einen neuen Hund/Kunden in der ersten Stunde normalerweise zu Hause bei den Haltern an, da dort die gezeigten (kritischen) Verhaltensweisen am ehesten zu Tage treten. Auf einem, für den Hund fremden Platz, sieht die Sache oft gleich ganz anders aus (u.U. völlig undramatischer als im eigenen Revier).
2.) Das mit dem Zitronensaft (am End´ gar unverdünnt ??) halte ich jetzt nicht unbedingt für die Weißheit letzten Schluß. Das Zeug brennt höllisch in den Augen - kannst ja mal nen Selbstversuch starten (oder auch nicht..). Konditionierung mit Disc-Scheiben wäre, WENN ÜBERHAUPT, dann schon eher ein Hilfmittel mit dem ich mich u.U. in speziellen Fällen anfreunden könnte. Aber gut - ich habe da keine umfassende Erfahrung, ist nur meine persönliche Meinung.
3.) Kosten: 80,- Flocken für eine Einzelstunde finde ich ganz schön deftig. Handelt es sich dabei wirklich um EINE STUNDE á 60 Minuten? Oder meint er evtl. eine Trainingssession, welche auch 2 oder mehr Stunden dauern kann?. Ich habe zwar schonmal davon gehört, das es Trainer geben soll, die in besonders schweren Fällen, einen erhöhten Stundensatz verlangen, was ich allerdings nicht so recht nachvollziehen kann. Wäre also interessant zu wissen, ob das sein "üblicher" Satz ist (also auch für nicht verhaltensauffällige Hunde) und wielang die Stunde in der Praxis nun tatsächlich dauert.

Zum Thema "Was kost´ dat?" habe ich hier <click> (http://forum.zooplus.de/forum/showthread.php?threadid=9798
) mal was geschrieben. Ich kopier Dir das mal hier rein:

------------------ schnipp------------------------
die Kosten für Einzelstunden können in der Tat ziemlich varieren, evtl. gibt´s sogar regionale Unterschiede? Wie beim Hundefutter kann man natürlich keine Milchmädchenrechnung aufmachen a lá "Teuer = Gut" (und umgekehrt). Allerdings denke ich, das ein erfahrender Hundetrainer(in) sicherlich seine Dienste i.d.R. nicht unter EUR 20,- anbieten wird. Das wäre für einen Freiberufler garnicht machbar (bestenfalls in der Start-Up-Phase, Kundengewinnung etc.). Ich denke das derzeit ein Stundensatz von ca. 25 - 30 EUR angemessen sind. Wobei es natürlich u.U. noch drauf ankommt wie/ob z.b. Anfahrtskosten etc. abgerechnet werden.
Wir selbst zahlen übrigens für eine Einzelstunde EUR 30,- wobei unsere Trainerin den Begriff EinzelSTUNDE nicht so wörtlich nimmt, d.h. eher zum teilw. sehr großzügigem überziehen neigt
Dumpingpreise können jedenfalls nur innerhalb eines Vereins angeboten werden. Das ist dann natürlich ein ganz andere Sache weil sich dort ja i.d.R. ehrenamtliche (Vereinsinterne) Trainer tummeln.
Sehr zurückhaltend wäre ich allerdings sogenannten (!!!) Trainern, die nebenberuflich noch ne Mark machen wollen.
------------------ schnipp------------------------

Also, ich will den Trainer nicht zu Unrecht vorverurteilen. Vielleicht taugt er ja wirklich was. Ein bisserl komisch find ich das allerdings schon.
Mein Tip wäre also letzlich: Bevor Du die Einzelstunde fest buchst, würde ich mir an Deiner Stelle mal einen Kurs in seiner allgem. Hundeschule angucken. Ruf ihn also nochmal an und bitte um einen Besuchstermin. Falls er daraufhin abwiegeln sollte, dann kannst Du Dir den Weg ohnehin sparen. Falls es für ihn OK ist, dann schau Dir seine Methoden ganz genau an und lasse dann Dein "Bauchgefühl" entscheiden, ob er der richtige sein könnnte oder ihr besser noch ein wenig weitersucht...

Gruß
Thomas

Brana
15.04.2003, 22:34
Hallo Tina,

was ist, wenn Du Dir un Deiner 'Sachi' den Günther Bloch bzw. sein Hundeschule antun würdest. Die sind wirklich auf Hunde mit Verhaltensstörungen ausgerichtet und wenn Du 14 Tage Urlaub mit dem Hund dort verbringen könntest denke ich, wäre Euer Problem gelöst ohne Psychopharmaka, ohne Stachelbhalsband, ohne Sprühmax.
Günther Bloch sitzt in Badmünstereifel. Über die Telekom bekommst du seine Telefonnummer ansosnten weiß ich hier in Bayern noch den 'Anton Fichtlmeier', aber der dürfte zu weit von Dir entfernt sein.

LG brana

Mr.Rick
16.04.2003, 07:27
Hallo Tina,

hm, 80 Euro für ne Einzelstunde finde ich ganz schön happig. Ich zahle 25 Euro und kenne keinen so im Hundebekanntenkreis der mehr als 30 Euro für ne Einzelstunde bezahlt.
Kann mich eigentlich nur der Meinung mitanschliessen, dass du bevor du mit ihm anfängst zu arbeiten: schau dir den Unterricht an.

zasko
16.04.2003, 10:21
Hallo Tina,
du kannst mal hier ( http://www.bhv-net.de/ ) schauen, ob da vielleicht noch wer anders in deiner Nähe ist.

Auf alle Fälle solltest du dir den Betrieb vorher ansehen, bevor du dich fest entscheidest - und am besten mehrere. Alle Verhaltenstherapeuten die ich kenne, machen auch Hausbesuche. Manchmal gleich in der ersten Stunde, manchmal auch erst in der zweiten - je nach Fall -, wobei die erste in der Regel eh aus einem ausführlichen Gespräch und meist einem Spaziergang besteht, damit der Therapeut den Hund und die Probleme kennenlernen kann.

Ich denke mal, 80 € wären vielleicht noch für den Mehraufwand für einen Hausbesuch akzeptabel, für eine normale Einzelstunde finde ich das ziemlich viel (siehe auch deinen zweiten Thread).

Liebe Grüße
Susanne

Sachari
16.04.2003, 13:06
Hallo!
Danke für Eure Antworten und Infos!
Ich habe heute den Termin abgesagt. Der Typ reagierte derartig patzig und frech - einfach unglaublich!!
Ich teilte ihm mit, daß ich den Termin absagen möchte und ich fragte höflich nach der Möglichkeit, ob ich bei ihm mal eine Stunde nur zuschauen könnte (natürlich nicht bei einer Einzelstunde !). Er lehnte dies derartig ab, der Ton war mega-unfreundlich! Er meinte, er ließe die anderen Teilnehmer doch nicht von irgendjemanden ablenken. Das käme überhaupt nicht in Frage. Ich sagte ihm dann: Gut, bei mir auch nicht. Das könnte man auch anders einem eventuellen "Kunden" beibringen und ich wüßte nicht, was gegen eine Art Schnupperstunde (ohne meinen Vierbeiner natürlich !! )sprechen würde. Er wurde noch patziger und ich legte schließlich wutentbrannt auf.....
Ist das zu fassen?!?!? Zum Glück habe ich unsere Maus nicht zwangsweise dorthin verfrachtet!! Wer weiß, ob ich das hätte wieder gut machen können...
DANKE für Eure Tips!
LG Tina:D

Thomas
16.04.2003, 13:30
Hast Du gut gemacht, Tina! Solche Typen gibt´s leider immer wieder -> aufregen -> abregen -> weitersuchen ;)
Ergänzend zu Susannes Link-Tip kannst Du auch noch hier <click> gucken (www.ig-hundeschulen.de). Oder es kommt noch eine Empfehlung eines Fories in Deiner Nähe. Im Zweifelsfall wirklich lieber etwas länger suchen - für Experimente ist Dein Hund zu schade...

Viel Glück
Thomas

zasko
16.04.2003, 17:12
Hallo Tina,

wenn du clickern würdest, würde ich jetzt sagen "Click" und Jackpot für dich!:D

So bleibt's bei einem ganz dicken Lob, dass du nochmal nachgefragt hast und ihm abgesagt hast.

Ich wünsche dir viel Glück bei deiner Suche!!! Und frag' ruhig wieder nach, wenn du nicht so genau weißt, wie du dich entscheiden sollst.

Wie Thomas schrieb:

Im Zweifelsfall wirklich lieber etwas länger suchen - für Experimente ist Dein Hund zu schade...

Genau!!!

Liebe Grüße
Susanne

vepido
17.04.2003, 01:14
hi!
hier mal ein kleiner versuch einer fern-diagnose:

du sagst, die hündin sei seeeehr ängstlich. andererseits hat sie nach einem kind geschnappt.
nun... das ist kein "andererseits", sondern vermutlich ein versuch ihrerseits eine "bedrohung" abzuwehren. eine unklare rangordnung erzeugt nicht automatisch dominanz beim hund, sondern kann einen unsicheren, ängstlichen hund noch mehr verunsichern.
daß sie nicht mehr auf erhöhte plätze darf ist tatsächlich schonmal schritt nr. 1. dadurch kommen menschen weniger in gefahr, der hund bemerkt, daß die menschen ranghöher sind. eine geklärte rangordnung kann, wenn sie konsequent gezeigt wird, dem hund sicherheit geben.
mein tip: gebt dem hund eine "höhle" in die er sich zurückziehen kann und wo er auf keinen fall gestört wird. (evtl. ein großer umzugskarton mit loch als eingang oder eine flugbox).
beim gassi gehen:
sobald sich die leine spannt: stehen bleiben, bis die leine sich wieder lockert. zur not ein bis mehrere schritte rückwärts gehen. dabei absolut konsequent sein! auch wenn ihr nur noch 5 meter in 20 minuten zurück legt!!! DER RUDELFÜHRER BESTIMMT DEN WEG UND DIE GESCHWINDIGKEIT!!! außerdem lernt der hund so die leinenführigkeit...
bringt den hund nicht in die situation, daß er aus unsicherheit evtl. erneut nach einem menschen schnappen könnte.
für die bindung: kontakt-liegen (kuscheln..) auf neutralem boden (wohnzimmer-teppich?).
zum training: zunächst auf hundeart spielen. dann dabei spielerisch das "aus" üben.
ansonsten würde ich natürlich das clickertraining empfehlen (jede aufmerksamkeit, jeden blick bestärken...). dann spielerisch und mit leckerlis das sitz üben und immer mal wieder in spiele einbauen. erfolgserlebnisse bei "unterordnungstraining" (sitz, platz, etc.) können den hund auch gleichzeitig sicherer werden lassen.
als nächstes:
laßt ein kind den futternapf hinstellen (dabei hund an leine!)! nach ein paar happen nehmt ihr den napf wieder weg, usw.
wenn ihr der meinung seit, daß der hund nicht mehr so unsicher gegenüber dem kind ist, laßt das kind leckerlis füttern. erst auf den boden werfend, später evtl. aus der hand, usw.
vor dem füttern ist ein sitz-kommando auch schonmal förderlich.
wenn der rang geklärt ist, ebenso die bindung und das vertrauen hergestellt sind, kann es sein, daß der hund seine ängste im allgemeinen abbaut, und somit auch keine ernsten aggressionen entwickelt.
viel glück!
veronika

vepido
17.04.2003, 01:20
WICHTIG:

FÜR JEDE KLEINIGKEIT, DIE DER HUND GUT MACHT (anschauen beim spaziergang, gehorsam, freundlichkeit, etc.) LOOOOOOOOOBEN!!!!!!!!!

und wenn der hund angst zeigt:
NIIIIIIIEMALS mitleid in die stimme legen!!!!!!!! immer aufmuntern reden! wenn hund sich dann vielleicht doch etwas mehr traut:
LOOOOOOOOOOBEN!!!!!!

spricht man mitleidig, bestärkt das den hund in seinem leid, seiner angst!

vepido
17.04.2003, 01:29
ich schauen mir die hunde GRUNDSÄTZLICH in ihrer gewohnten umgebung an!!! auf fremdem gelände zeigen sie sich meist nicht so wie im alltag.
besonders, wenn es sich um verhaltensauffällige hunde handelt.
bei einem ängstlichen hund würde ich nie auf die idee kommen, ihn direkt zusätzlichem streß auszusetzen!
wenn ich dann zu den leuten komme, der hund auch mir gegenüber unsicherheit zeigt, gehe ich niemals auf ihn zu, bewege mich grundsätzlich nur seitlich zu ihm (zeigt ihm, daß ich seine individualdistanz respektiere. frontal = bedrohung...), rede erst in ruhe mit den besitzern, damit der hund merkt, daß ich keine bedrohung darstelle, versuche dann ihn mit leckerli oder spielzeug neugierig zu machen und handele dann entsprechend seiner reaktion mit lob oder weiterem "respekt".
außerdem ist es wichtig zu sehen, wie die besitzer mit dem hund "kommunizieren", wie sich der hund dabei verhält. dann wird ein konzept erarbeitet (evtl. sogar bachblüten-unterstützt..).
ich hoffe, daß ihr jemanden findet, der sich in einem fall wie eurem ähnlich verhält und sich vor allem ausgiebig zeit für euch, bei euch daheim nimmt...
veronika

Rintintin
17.04.2003, 15:47
Ich löhne derzeit € 40 für eine Einzelstunde. Und es tut mir um keinen Cent Leid!
(Sieh mal unter "http://www.ig-hundeschulen.de")
Ich wünsche Dir und Deinem Hund viel Glück & Erfolg!