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Sunny_Filiz
11.04.2003, 21:22
Hallo Ihr alle,
Die ist mein erster Forumsbeitrag übehaupt, obwohl ich doch schon einer der älteren Jahrgänge bin.
Also erstmal möcht´ich meinen Hund vorstellen: Sunny ist 9 einhalb Monate alt und ein Collie/Husky (Mutter), Berner Sennen/Akitu Inu?????(Akitu Inu sagt mir gar nix)(Vater)-Mischling und kam mit 4 Monaten zu uns.
Den ersten Tag hat Sie ca. 10 x in meine Wohnung und genauso oft in den Garten gepinkelt und 3 x ins haus gesch...., aber draussen gar nicht. Dieses Problem existiert Gott sei Dank seit langem nicht mehr.
Die erste Zeit war Sie total ruhig – ein richtiges “Mäuschen”, hat auf Ihren Namen gehört wie die eins - ließ sich sogar von Fahrradfahrern abrufen, hat nix kaputtgemacht, hat irgendwie gar nix gemacht. Nach 2 Wochen hat sie den ersten Blödsinn angestellt - sie hat 2 Stangen Baguette aus der Küche geklaut - und ehrlich gesagt war ich darüber ziemlich glücklich...... bis sie angefangen hat den Teppich zu ZERFETZEN, die Tapete zu ZERFETZEN und vieles mehr... ist aber seit sie vor unserer Schlafzimmertür schlafen kann ( vorher war sie unten, weil sie noch keine Treppen laufen sollte), Gott sei Dank vorbei.
...Dann kam der Jagdtrieb - Renntrieb - ich komm jetzt aber nicht, aber gleich - muss erst noch das Mauseloch ausgraben, muss erst noch mal nachguckn, was sich da bewegt hat...muss jetzt noch ´mal ganz schnell rennen...bin aber gleich wieder da...DAS PROBLEM EXISIERT noch.

So, jetzt komm ich aber auf den Punkt: ich habe das Gefühl, daß noch immer keine richtige Bindung zwischen uns da ist. Es wird zwar immer besser: Am Anfang hat sie zwar super gut gehört, wäre aber mit jedem mitgelaufen, hat sich gar nicht gefreut, wenn wir wiedergekommen sind und lag auch immer ziemlich weit entfernt von uns, das alles wird jetzt immer näher...aber ich hab immer noch nicht das Gefühl “Wir beide und der Rest der Welt”- das Gefühl war bei meinem ersten Hund im ersten Augenblick schon da - es war ganz klar: Du gehörst zu mir und ich zu Dir....

Und jetzt die eigentliche Frage:
Heute habe ich mit dem Menschen-Papi (Kein Züchter, Sunny ist im Haus mit Mutter, 10 Geschwistern und 3 lieben, aber lebhaften Kindern aufgewachsen) von meiner Sunny telefoniert und der meinte, wir sollten doch ´mal vorbeikommen. Ich bin auf der einen Seite TOTAL NEUGIERIG wie sie auf ihre alte Umgebung reagiert, habe aber Angst, dass das unsere keimende Bindung total zurückwirft,...was meint Ihr???

mellyonsurf
11.04.2003, 21:55
Das Problem mit der Bindung habe ich bei unserem "Zweithund" (blödes Wort), welchen wir jetzt seit ca. 10 Wochen haben, auch. Wenn ich mir ihr im Feld bin, ist die ganze Umgebung (wie Du so schreibst, Mäuselöcher, Fährten, andere Hunde etc.) viel interessanter als ich. Und sie ist schon über 2, also ein ganzes Stück erwachsener als deine Fellmütze, also kann es nicht mehr die jugendliche Neugier sein...
Aber hier zu Hause hat es auch eine ganze Zeit gedauert, bis sie immer mehr Nähe gesucht hat. Sie kommt allerdings aus Spanien und ist alleine sein wohl gewöhnt.

Als die Zicke vor rund 2 Wochen die Chance genutzt hat und ihren Jagdtrieb ausgenutzt hat (sie sah ein paar Rehe und FUTSCH war sie), habe ich auch erst gedacht:

"ohhhh, traurig, wohl doch noch gar keine Bindung!!!"
Aber als wir sie am nächsten Tag bei ihrem FINDER abgeholt haben, hat sie sich gefreut wie irre. "Doch Bindung?!?"

Und dann kam der letzte Samstag auf dem Hundeplatz: Der Trainer hat die einzelnen Hunde festgehalten und wir die Besitzer sind WEG gelaufen, und sollten dann rufen. Blue (so heißt meine Zicke) hat sich gebärdet wie wild und hat den Trainer fast in die Hand gebissen, damit er sie los läßt.

Seit dem weiß ich: SIE hat mich doch ein bischen gern, und jeder Hund hat wohl - ebenso wie Menschen - seine eigene Art es zu zeigen. :D :) :D

Vielleicht probierst Du das mit dem Festhalten bei Gelegenheit einfach mal aus?!?

Und mit dem Besuchen: Ich glaube nicht daß das unbedingt falsch ist, meiner Meinung nach zeigst Du ihr spätestens wenn ihr heim fahrt daß sie WIRKLICH zu ihr gehörst und umgekehrt!

Liebe Grüße,

Sunny_Filiz
11.04.2003, 23:21
Hallo Mellyonsurf (klingt irgendwie komisch die Ansprache...)na ja...

Erstmal vielen Dank für deine Antwort.
Aber schau mal, sie ist zwar schon älter als meine, aber erst 10 Wochen bei Dir, meine Sunny schon seit über 5 Monaten, wie gesagt, wir nähern uns zwar immer mehr an, aber kann es sein, dass sie sich an die vorhergehende Familie ganz arg gebunden hat und ich-wir immer "zweite Wahl" sein werden - ich denke da ein bisschen an Konrad Lorenz und die Prägung - oder denke ich vielleicht zuviel????

Liebe Grüsse Angi

mellyonsurf
11.04.2003, 23:55
Hi Angi!

Also erstmal : MELLY reicht!!!

Klar hast Du schon recht, was die Prägezeit betrifft. Aber meine Blue hat die ersten Monate (wahrscheinlich ca. 1 1/2 Jahre) als Straßenhund in Spanien verbracht --> hat wohl dann eher keine oder vielleicht sogar schlechte Prägung erhalten. Und dann war sie für fast 3 Monate in einer Pflegefamilie wo sie zum ersten mal HEIMAT und Liebe kennengelernt hat.

Aber nun muß ich mal was genauer nachfragen:


Am Anfang hat sie zwar super gut gehört, wäre aber mit jedem mitgelaufen, hat sich gar nicht gefreut, wenn wir wiedergekommen sind und lag auch immer ziemlich weit entfernt von uns

Sie kommt dir näher schreibst Du, ich habe das so verstanden, daß sie sich mittlerweile auch freut wenn ihr kommt, oder???

Das zeigt in meinen Augen, daß sie schon eine Bindung aufgebaut hat. Aber es gibt halt Hund die nicht ständig um einen herum scharwenzeln. Meine Beiden liegen jetzt auch gerade im Flur auf den Decken und schlafen tief und fest (wir waren heute fleißig GASSI), anstatt neben mir im geheizten Wohnzimmer (ich habe kalt...brrrrrrrrrrrrrrrr) zu liegen. Trotzdem denke ich, daß wir eine gute Bindung zueinander haben.

Vielleicht machst Du Dir ein bischen zu viel Sorgen, aber vielleicht sehe ich das zu locker. Ein Besuch bei der "Erstfamilie" kann natürlich die Folgen haben, die Du befürchtest, ABER genau das Gegenteil könnte auch eintreten: nämlich daß sie freudestrahlend in dein Auto hüpft wenn Du sagst: KOMM WIR FAHREN NACH HAUSE!!!

Vielleicht schreiben ja noch andere Hunde-Fori´s mal ihre Meinung!

Liebe Grüße,

Melly

Dagi
12.04.2003, 10:36
Hallo Angi,

ich glaube, daß das eine bei euch nichts mit dem anderen zu tun hat. Ich denke, daß die Bindung bei euch völlig normal und gut ist.
Warum sie dann lieber etwas anderes macht, als zu Dir zu kommen? Weil sie Hund ist. So einfach ist das. Sie hat auch am Anfang keinen "Blödsinn" gemacht, als sie Dinge angeknabbert hat - Hunde knabbern gern, für sie ist ALLES Knabberspielzeug, und man muss es nur in die richtigen Bahnen lenken.
Klar ist auch, daß ein kleiner Welpe folgt und sofort kommt - ist er doch noch in viel höherem Masse von dem Hundeführer abhängig und will ja auch nicht den Anschluss verlieren. Tja, aber aus dieser "Haltung" wächst er raus, er wird selbständiger, traut sich mehr zu (jetzt mal mit menschlichen Worten gesprochen), die Neugier ist absolut stark. Und in der Natur hat das ja auch seine Berechtigung, ist doch die Neugierde eine unabdingbare Eigenschaft, um Erfahrungen zu machen und zu LERNEN.
Und dann kommt unser Hund auch noch in die Pubertät, wo dann bei vielen auch noch mal angesagt ist zu testen, ob die Regeln überhaupt noch gelten. Ich denke, daß Dein Hund da auch mitten drin ist? Und wenn er weit weg von euch liegt - sei froh darüber. Viele, die ich kenne, bei denen der Hund ständig am Rockzipfel hängt, wünschten sich manchmal, daß es anders wäre. Oft haben die Hunde auch Angst allein zu sein - sie sind anscheinend in viel stärkerem Maße abhängig als die Hunde, die es gut ertragen auch in einem anderen Raum allein zu sein. Wir haben auch so ein selbständiges Exemplar. Am Anfang war ich etwas "enttäuscht", daß sie oft irgendwo abseits lag - mittlerweile habe ich die Vorteile klar erkannt :D Und ab und an kommt sie ja auch mal zum kuscheln vorbei...

Du sprichst Konrad Lorenz und die Prägung an: Hund ist keine Graugans :p Bei Gänsen ist es ja so, daß sie demjenigen ewig nachfolgen, den sie als erstes "sehen", wahrnehmen. Es gibt für Prägung noch ein tolles Beispiel: die Ziegen. Ziegenmütter lassen nur diejenigen am Euter trinken, deren Geruch sie innerhalb von ca. 1 Stunde nach dem Geburtsvorgang wahrnehmen! Sind also nicht als Ammen geeignet.
Prägung wird oft als Begriff missverstanden. Prägung ist nur in einem ganz minimalen Zeitfenster möglich - von der Geburt an bis maximal drei Wochen danach. Hundewelpen z.B. prägen sich den Geruch der Mutter ein - sie werden auf die Mutter geprägt. Prägung sind "Dinge" die nie wieder auszulöschen sind! Mit dem Begriff wird leichtfertig umgegangen - nicht alles, was Prägung genannt wird, ist auch Prägung. Wer einen Hund mit 8 Wochen bekommt, kann ihn nicht mehr prägen - "nur" noch sozialisieren!

Also: ich denke, wenn Du trotzdem das Gefühl hast, daß mit der Bindung was nicht stimmt, kannst Du ein paar Dinge tun: mach tolle Spiele mit Deinem Hund. Das unterstützt Bindung sehr gut. Gib Futter z.B. aus der Hand. Und bring dem Hund bei, daß Kommen etwas ganz tolles ist.
Ruf ihn mal ran und mach als Belohnung sein Lieblingsspiel mit ihm (Ball, Zerren?). Mach das immer, wenn Hund auf Ruf kommt - wechsel immer mal ab, auch mal tolles Leckerchen (gekochtes Hühnchenfleisch) - der Hund WIRD lernen, auf Ruf zu kommen.
Momentan solltest Du, gaaaanz doll loben, wenn Hund sofort auf Ruf kommt, und einfach nur mit Wort loben, wenn er sich Zeit gelassen hat, aber letztendlich trotzdem gekommen ist. Dann aber wirklich nur ganz knapp.
Ruf NUR EINMAL. Sonst gewöhnt sich Hund daran, daß es ja ruhig mal dauern kann, und Frauchen ja auch öfter ruft, bis man kommen muss.

Dann solltest Du Dich evtl. vielleicht im Net noch mal über die einzelnen Rassen die in dem Hund stecken informieren. Steckt ja auch ganz schön was drin. Über die Rassen kannst Du auch erfahren, was alles so an "Interessen" in Deinem Hund steckt. Husky z.B. hoher Jagdtrieb. Collie - Hüte-/Arbeitstrieb. Es sind alles anspruchsvolle Rassen, die da drin stecken. Der Hund braucht bestimmt viel Abwechslung, viel geistige Arbeit. Zeig ihm, daß Du total interessant bist, immer was parat für ihn hast, so nach dem Motto: wenn ich mit Frauchen zusammen bin, erleben wir immer was tolles. Wenn Du ihn auf Spaziergängen nicht einfach so "rumlaufen" lässt und ihn sich selbst überlässt (Achtung: Selbstbelohnende Verhaltensweisen schleichen sich ein! Vorsicht bei Jagdtrieb!), sondern ihn ordentlich beschäftigst (Stöckchen werfen, Ball werfen, Suchspiele, etwas ausgraben, über Hindernisse springen...sonstwas, was Dir einfällt), wird er viel mehr Interesse an Dir zeigen! Zeig ihm, daß DU der Schlüssel zu ALLEM bist - zu Spielzeug, Futter, Artgenossen, Spaß. DANN wird der Hund Dich LIEBEN!
Versuch es immer mal, aus den Augen Deines Hundes zu sehen! Und denk auch dran: er ist in keiner einfachen Phase :D ;)

Liebe Grüße
Dagi & Amy

Cockerfreundin
12.04.2003, 20:29
Hallo, Sunny!

Zitat
_____

Ich bin auf der einen Seite TOTAL NEUGIERIG wie sie auf ihre alte Umgebung reagiert, habe aber Angst, dass das unsere keimende Bindung total zurückwirft,...was meint Ihr???
_____

Mach es, wenn Du Lust dazu hast.

Ich bin mit meinem Cocker Basti (jetzt 2 Jahre) auch von Anfang an immer wieder bei seiner Züchterin gewesen... schon alleine durchs Trimmen alle 3 Monate ... und Basti konnte so mit seiner Schwester und Halbgeschwistern und der ganzen Meute im Garten rumfetzen. War für ihn klasse :) und für uns Menschen auch: Bastis Züchterin wußte und weiß, wie Basti sich entwickelt und ich konnte und kann all das fragen, was mir so auf der Seele liegt und konnte so (gerade am Anfang) meinen kleinen noch viel besser kennenlernen.

Was ganz Witziges noch: wir (also Basti und ich und Bastis Züchterin mit Bastis schwester) waren letzten Sommer auch zusammen in der Hundeschule beim Spaniel-Club... Basti, sonst Fremden eher gegenüber zurückhaltend, fand nichts toller, als in den kleinen Übungspausen abwechselnd mit seiner Schwester und mit der Züchterin zu schmusen :) ... während er von seiner Mama absolut nix mehr wissen will (und umgekehrt) ....

Grüße von
Annette + Basti :)

Sunny_Filiz
12.04.2003, 21:39
hallo Melly,


Sie kommt dir näher schreibst Du, ich habe das so verstanden, daß sie sich mittlerweile auch freut wenn ihr kommt, oder???

Das zeigt in meinen Augen, daß sie schon eine Bindung aufgebaut hat. Aber es gibt halt Hund die nicht ständig um einen herum scharwenzeln.


über diese Sätze habe ich lange nachgedacht und ich glaube nit dem letzten Satz triffst Du ´s ziemlich genau.

Also sie freut sich inzwischen, wenn ich komme -schwanzwedelnd, um mich "herumscharwenzelnd", aber nicht so arg wie bei Besuchern (sie versucht hochzuspringen - hat sich inzwischen gebessert, aber die Reaktion ist weit aus "stürmischer" als bei mir. Seltsamerweise legt sich die Begeisterung mit der Häufigkeit des Besuchs.


Aber ich glaube auch, dass Sunny einfach viel sebstsicherer und selbständiger ist ist als meine Balu - es gibt halt Hund die nicht ständig um einen herum scharwenzeln-, tja jeder Hund ist halt anders und ich glaube ich mache immer noch den Fehler Balu mit Sunny zu vergleichen und nicht zu akzeptieren, dass sie halt einfach Sunny ist.

..und das mit dem Besuch der alte Hundefamilie werde ich einfach probieren....


und Hallo Daggi


[QUOTE]Am Anfang war ich etwas "enttäuscht", daß sie oft irgendwo abseits lag - mittlerweile habe ich die Vorteile klar erkannt Und ab und an kommt sie ja auch mal zum kuscheln vorbei...

Auch Dein Beitrag hat mich etwas getröstet, ich sehe einfach nicht nur meine ist so - und es hat wahrscheinlich weniger mit Bindung als mit ihrem Charakter zu tun.

Aber um nochmal auf Konrad Lorenz zurückzukommen:

der Begriff "Prägung" war vielleicht falsch gewählt, aber ich beziehe mich dabei nicht auf seine Graugänse, sondern auf seine Hunde - ich habe heute wie eine Blöde nach dem Buch gesucht (ich glaube "Wie der Mensch auf den Hund kam" oder so ähnlich) aber natürlich nicht gefunden. Zu Konrad Lorenz möchte ich noch sagen: Sehr viel was er geschrieben hat ist überdenkenswert und sicher auch richtig, aber der Umgang mit seinen Hunden macht mich doch etwas skeptisch.

So, und jetzt zum Üben: "komm" (heißt bei mir: Sunnby, hierher)
Ich mach das genau so wie Du beschrieben hast, von Anfang an. Also mit lockender hoher Stimme: Sunny hierher, wenn sie sofort kommt gibts Leckerli und Lob, kommt sie auf Umwegen "passt scho", oder so was in der Richtung.
Sunny kommt auch sofort angeschossen, allerdings nicht, wenn sie wie schon erwähnt Mäuseläucher gräbt oder etwas sich bewegendes (Vogel, Fahrradfahrer, flatterndes Papier, Langläufer etc.) entdeckt hat oder einfach einen ihrer Aussetzer
(Ich sehe was, was Du nicht siehst...und ich seh wirklich nix) hat, dann RAST sie los ohne sich auch nur einmal umzuschauen und ist wie taub.

(Schlepp) Leine hab ich auch schon getestet und bin total frustriert: Alles klappt wunderbar, bis sie wieder ihren Aussetzter bekommt, sie vergißt dann alles und pirscht UNVERMUTET (kein Hase, kein flatterndes Papier, kein Fahrradfahrer - ich seh bei aller Aufmerksamkeit echt nix...) auch an der Leine, egal welche, los - was ihrer Halswirbelsäule bestimmt nicht gerade guttut.

Was tun...ich weiß nicht





Liebe Grüsse Angi

mellyonsurf
12.04.2003, 22:02
Hi Angie!

Wenn ich Dich so von deiner Sunny "reden" höre /schreiben lese:D , dann glaube ich habe ich mit meiner Blue eine Seelenschwester erwischt.

Ich mein, einmal mit den fremden Besuchern. Macht sie auch, allerdings unterbinde ich das, auch wenn sie dann "beleidigt" ist. Sie hat MEINEN Besuch in Ruhe rein zu lassen, der Besuch darf sich erst die Jacke ausziehen und DANN darf sie OHNE zu springen guten Tag sagen.

Ich glaube nicht daß sie das macht, weil sie den BEsucher MEHR mag, sondern einfach: WOW NOCH ein netter Mensch, also muß ich auch ganz nett sein.

Dann das jagen bzw. pirschen. Blue ist hier zu Hause (im Garen und im Haus) und auf dem Hundeplatz total arbeitseifrig und aufmerksam, aber im "FElD", also beim Gassi gehen hat sie kaum Augen für mich. Erst wenn wir eine ganze Weile unterwegs sind, schaffe ich es sie mit "Stöckchen schmeißen" auf MICH aufmerksam zu machen. Anfangs habe ich mich darüber geärgert, denn unser Samson (unser anderer Hund)
ist eigentlich immer total auf mich fixiert.

Mittlerweile muß sie nur BIS zum Feld (2-Minuten Fußweg) bei Fuß gehen und dann lasse ich ihr erstmal Zeit für sich. Vielleicht ist das nicht pädagogisch wertvoll , aber wir wollen ja auch mal ANDEREN BEschäftigungen nach gehen wie z. B. lesen oder im Forum posten;) und so denke ich, soll der Hund im Feld ruhig ein bischen "Freiraum" genießen.

Seit dem ich mich nicht mehr über ihre UNAUFMERKSAMKEIT mir gegenüber ärger, machen die Spaziergänge und das Spielen wieder mehr Spaß und hier zu Hause ist sie mittlerweile ganz heiß auf ein wildes Spielchen oder eine (nicht zu lange) Schmuseeinheit!!!

Liebe Grüße,

Dagi
13.04.2003, 10:35
Hallo Angi,

genau SO erging es mir mit Amy, als sie in genau dem gleichen Alter war. Nun wird sie in zwei Wochen 1 Jahr und es hat sich echt vieles geändert - manchmal muss man auch dran glauben und natürlich arbeiten :D

Zur Begrüßung:
Das fällt auch Amy immer noch schwer, da nicht total "auszuflippen" - sie freut sich total über Besuch, oder auch wenn wir andere besuchen gehen. Was sagt meine Mutter dann immer? "Diese kleine Hundeseele schlägt wieder Purzelbäume" :D :D :D Wenn es bei uns klingelt, bellt Amy NICHT, sondern sitzt schon gaaanz aufmerksam vor der Tür und wedelt wie ne Irre. Und wenn dann die Tür aufgeht, freut sie sich über alles und jeden! In kleinen Schritten versuchen wir, daß sie jetzt Platz-bleib macht, aber es fällt ihr seeeehr schwer. Vor allem dauert das, und ich kann mir ja nicht immer Zeit lassen (wenn z.B. Postbote Paket bringt und Unterschrift will). Also üben wir das mit Bekannten oder so: klingeln, platz-bleib, und einer muss sie immer wieder ans bleib erinnern, während der andere zur Tür geht und sie öffnet. Seeeeeehr schwierig :rolleyes:
Allerdings hab ich mich nie gefragt, ob sie andere evtl. lieber mag oder so, sondern ich hab mich total gefreut, daß sie sich über jeden Besuch freut, nicht bellt, knurrt oder sonstwas anstellt, sondern einfach alles und jeden in ihr Herz schließt ;)

Ich sehe was, was Du nicht siehst...und ich seh wirklich nix :D :D :D Ich sag zu Amy auch immer wieder: "Da ist NIX" - aber wir sind ja nur doofe, unterentwickelte Menschen und sehen eben nicht, was es da zu gucken gibt :rolleyes:
Auch damit hatten wir bis vor zwei, drei Monaten mal mehr, mal weniger zu kämpfen. Wir haben dann auf Hundepfeife trainiert (da mein Stimmchen auch einfach manchmal zu dünne ist, und auch Emotionen wie Angst, Wut oder so vermitteln kann) - und wirklich nur die SOFORTIGE Reaktion belohnt.

Amy ist kein Hund, der im Freilauf immer um uns rum ist - auf Kommando schon, aber eben nicht ohne Kommando. Deswegen wollte ich eben erreichen, daß sie absolut zuverlässig kommt - und durch konsequentes Training haben wir das auch schnell geschafft. Vorher konnt ich auch manchmal rufen, und es ging nicht mal ein Blick zu mir :rolleyes: Also haben wir es mit Hilfe der Schleppleine und eines nigelnagelneuen Ikea-Balles geschafft :D Wenn ich jetzt pfeife, kommt sie sofort herangewetzt, weil es könnte ja ein Ballspiel geben.
Vielleicht versuchst Du es mit einem neuen Spielzeug, welches der Hund sonst NIE bekommen darf?
Irgendwann war es so weit, Amy spielte mit drei anderen Hunden, sie tobten über die Felder und ich hatte das Gefühl, jetzt kann ich es wagen: Pfiff - und sie kam tatsächlich. Belohnung und gleich wieder zum spielen geschickt. Das machen wir jetzt immer mal.
Aber es dauert, und man darf eine Trainingsmethode nicht nach ein paar Versuchen über Bord schmeissen! Durchhalten und immer daran denken: irgendwann kommt der Durchbruch.

Wenn Du Sunny rufst - rufst Du nur um anzuleinen? Ruf sie, belohne sofortiges herankommen und dann schick Hund wieder zum spielen!

Aber wie gesagt - es ist auch die Zeit der Pubertät, da ist eh alles noch etwas schwieriger :rolleyes: Ich war damals auch kurz vor dem Verzweifeln.

Wir haben dann einen Gehorsamslehrgang belegt, damit wir einfach noch mal ein paar andere Anregungen bekommen. Der Trainer empfahl, zu Beginn des Spazierganges den Hund immer 10 Minuten bei Fuß gehen zu lassen (mittlerweile ohne Leine), sinngemäß, damit der Hund weiß, wo sein Platz ist. Ich hab nicht recht dran glauben wollen - aber es geht seitdem auch wirklich noch besser!
Den Kurs haben wir jetzt noch drei mal und danach gibt es richtige Hundeschule.

Wenn es ein richtiges Aufmerksamkeitsproblem gibt, könntest Du auch mit Bachblüten unterstützen - was aber nicht das konsequente Training ersetzt. Es gibt ein Buch von Petra Stein "Bachblüten für Hunde", da wird der Typ Hund (bzw. das Problem) beschrieben und die Wirkung der einzelnen Blüten. Das ist bestimmt ganz interessant für den ersten Überblick. Allerdings würde ich mich schon an jemand erfahrenen wenden und nicht selber rumdoktern - sie schaden zwar nicht, aber man möchte ja auch einen "Erfolg" sehen.

Tja, ansonsten weiss ich auch echt nix tröstliches für Dich, tut mir leid, denn ich weiß, wie Du Dich fühlst. Aber Du kannst das schaffen! Was ist zusätzlich mit einer wirklich guten Hundeschule? Ist nur eine Überwindung für einen selbst - den Hunden macht es Spaß!

Aber vielleicht kommen ja nocht andere Tips.

Schönen Sonntag wünschen
Dagi & Amy

PS: Das Buch von Lorenz hab ich auch - allerdings noch ungelesen im Schrank stehen :D

billymoppel
13.04.2003, 16:00
ich kann mich dem, was dagi gesagt hat, nur anschließen: gehorsam und innere bindung sind zwei verschiedene sachen: ich habe als kind meine elter sehr geliebt und hatte eine starke bindung zu ihnen und sie zu mir. habe ich deshalb gemacht, was sie gesagt haben: nö! das war zwar oft ein fehler, manchmal aber auch nicht:D
vielleicht vergleichst du den neuen hund auch ein bißchen sehr mit dem alten, das klang im posting ein wenig an.
ich habe beide extreme als hund: den gelegentlich nervig überanhänglichen und den eher distanzierten. ich gebe dir recht, dass es einfacher ist, einen anhänglichen hund zu integrieren: als möbi zu mir kam (die anhängliche) konnte ich mir schon nach einer woche nicht mehr vorstellen, dass es mal eine zeit ohne sie gab. und es war nicht liebe auf den ersten blick, ich habe sie mehr oder weniger aufs auge gedrückt bekommen.
billy dagegen hat es mir ungleich schwerer gemacht - obwohl es definitv liebe auf den ersten blick war. klar, er war kein welpe mehr, aber sowas ist wohl wie bei menschs auch, charakterfrage. er ist kein dauerschmuser und viel mehr sein "eigener hund" als möppche. dickschädel inklusive. ich habe eigentlich ein jahr gebraucht, bis ich ihn akzeptieren konnte, wie er ist. und das er kein problem mit innerer bindung hat. das problem lag nur bei mir: ich bin halt auch jemand, der gern köperliche und emotionale nähe sucht. heute sind die schmusestunden das schönste, was es gibt. eben weil sie selten sind. und noch eine positive erfahrung habe ich gemacht: er ist ein starker souveräner charakter, der nie angst hat, vielleicht ist er deshalb nicht so angewiesen auf mich.
schmuse-möbi hat dafür angst vor allem und jedem.
und was den besuch angeht: ich glaube, dass bei hunden alles wozu sie lange keinen bezug hatten, ziemlich schnell der vergessenheit anheim gerät. ich bin mit möbi vor einiger zeit an dem grundstück vorbei, wo sie viereinhalb jahre mehr schlecht als recht gelebt hat: sie zeigte keinerlei wiedererkennung, weder angst noch irgendwas. es war ihr schnuppe.
klar wird er den menschen-vati wiedererkennen, aber schon bei seiner mutter hätte ich zweifel. hunde sind keine sentimentalen wesen, sie leben immer im hier und jetzt und da bist du halt das frauchen und selbst wenn du gaaaanz böse wärest (was du natürlich nicht bist), würde es keinen unterschied machen.

Sunny_Filiz
13.04.2003, 21:40
Hallo Ihr,

jetzt habe ich einen ellenlangen Beitrag geschrieben ...und jetzt ist er weg...sch... Technik.

Also probier ich nochmal (Konsequenz is wichtig, gell)


Erstmal möcht ich mich für das aufmerksame "Zuhören" bedanken, ich glaube das wichtigste ist das Gefühl, daß deine Probleme auch mal ernstgenommen werden, denn oh Wunder, seit ich meinen ersten Beitrag geschrieben habe hat sich auch Sunny verändert: Heute morgen hat sie an der Schlafzimmertür gekratzt und sich tierisch gefreut als ich rauskam und auch heute nachmitttag hat sie sich ´mal RICHTIG gefreut als ich zurückkam. Ich denke, dass ich mir einfach mal den Ballast von der Seele schreiben konnte und das Gefühl hatte: ich bin nicht allein und es wird schon werden hat mich einfach lockerer gemacht und das spürt sie halt auch. Und das mit dem Vergleichen mit Balu stimmt natürlich auch. Ich habe lange gebraucht, über den Verlust hinwegzukommen und manchmal ist sie immer noch da...


Und nun zur Hundeschule: Seit Sunny 6 Monate alt ist gehen wir dahin. Zwecks der Qualität kann ich mich nicht äußern, da mir Vergleiche fehelen. Aber einfach mal meine Meinung: Gut finde ich, dass die Hunde erstmal eine halbe Stunde miteinander spielen, - die Gruppen völlig gemischt sind (alt und jung - groß und klein, nach dem Motto die Hunde erziehen sich auch gegenseitig). Nicht so gut finde ich, daß wenig Tipps gegeben werden, außer man fragt nach und die Übungen für einen so jungen Hund wie Sunny meines Erachtens zu lang sind (10 Minuten Sitz bleib oder ähnliches) - sie fängt ziemlich schnell an sich zu langweilen und macht dann den Kasper.


Ach ja ...und zur Leine :
Also wenn ich sie heranrufe kommt sie nicht immer an die Leine sogar relativ selten, weil ich sie zwischendurch immer mal herrufe...und wenn sie dann an die Leine "muß" gibts extra Bellohnung...

Tschüs denn und gute Nacht

mellyonsurf
13.04.2003, 21:40
@billymoppel

Hallöchen!

Ich stimme Dir und Dagi eigentlich in jeder Hinsicht zu, außer in diesem hier:


hunde sind keine sentimentalen wesen, sie leben immer im hier und jetzt

Ich mußte vor Jahren mal meinen Schäferhund Jarro abgeben (das wieso weshalb warum wäre jetzt hier zu langatmig) und habe es schweren Herzens auch getan. An ein älteres Ehepaar und ich weiß ER HATTE ES DORT SEHR GUT. Er war das ein und alles dieser Leute! Aber wenn ich ihn halt nicht halten konnte, so habe ich ihn doch Besuch. Nicht in den ersten 3 Monaten, denn ich wollte ihm Gelegenheit geben sich gut ein zu leben, aber dann. Mensch war das ein Fest! Er hat mich begrüßt als würde sein Leben davon abhängen--- ERSTE Tränen vor Glück und Heimweh nach Jarro.
Und dann, nach ca. 1 Stunde mußte ich gehen und Jarro tat das was er immer tat: Er rannte schwanzwedelnd zur Tür wollte selbstverständlich mit. DAS hat mir fast das Herz zerissen, denn ich mußte ihn ja da lassen und er ging nach einigem Zureden auch brav zur Seite seines neuen Herrchens und ließ mich gehen.
Jarro hat sicherlich nicht geweint (wie ich noch den ganzen Tag), aber in seinem Hier und Jetzt gab es immer noch das GESTERN und mich...

Sentimentale Grüße (*schluck),

Sunny_Filiz
13.04.2003, 22:03
Hi Melly.

Er hat mich begrüßt als würde sein Leben davon abhängen--- ERSTE Tränen vor Glück und Heimweh nach Jarro.
Und dann, nach ca. 1 Stunde mußte ich gehen und Jarro tat das was er immer tat: Er rannte schwanzwedelnd zur Tür wollte selbstverständlich mit.

A llein bei Deinem Bericht tut mir das Herz weh...und ich glaube auch, dass Hunde nicht nur das Hier und jetzt sehen, ich denke aber auch, dass Hunde absolute Gewohnheitstiere sind; Balu war bei mir in der Arbeit mit dabei und hattte sich angewöhnt, sobald sie einen angeschalteteten Computer entdeckt hatte, sich sofort mit einem wohlig grunzenden mmmpfffpmmmpf hinzulegen – sogar beim Tierarzt...

Also ich wünsche mir, dass Du einfach darauf vertraust, dass es Deinem Jarro jetzt gut geht und er sich neue "Gewohnheiten" schafffen konnte...



ganz liebe Grüße
Angi

mellyonsurf
13.04.2003, 22:08
Wie gesagt, die Geschichte ist schon länger her, Jarro kam später (als der alte Herr plötzlich starb) nochmal zu uns und ist dann in meinen Armen über die Regenbogenbrücke gegangen.

Trotzdem danke für die Anteilnahme und auch wenn es vielleicht unpassend ist, an dieser Stelle homepage Werbung zu machen, aber auf meiner HP habe ich Jarro auch eine Site gewidmet und da steht die ganze "Geschichte" ausführlicher drin.

www.hometown.aol.de/kidpetdomelly/jarro.htm

Liebe Grüße, und wuschelt eure Wuffs von mir,

billymoppel
13.04.2003, 22:09
ach nö, dass ist ja wirklich traurig. auf dieselbe weise hat mich übrigens moppel weichgekocht, sie doch zu nehmen: eigentlich wollte ich mit ihr nur spazieren gehen, damit sie mal rauskommt. dann habe ich sie wieder in ihrem knast abgeliefert. sie hat so gejault, dass ich es noch drei straßen entfernt gehört habe. wie oft habe ich das durchgehalten? ein einziges mal! beim zweiten mal bin ich an der zweiten straße umgekehrt und habe sie mitgenommen für immer.
meine aussage bezog sich auch weniger auf personen und gleich gar nicht auf welche, zu denen der hund mal eine sehr enge beziehung gehabt hat. natürlich vergißt ein hund seinen menschen nicht. auch nicht nach jahren. aber das verhalten deines damaligen hundes heißt ja auch nicht, dass er bei der familie unglücklich war. und hättest du ih mitnehmen können, hätte er dann wahrscheinlich sie vermißt, ein bißchen wenigstens.
nur darf man das ganze, vielleicht auch aus unnötigen schuldgefühlen (du hast ja getan, was möglch war!) heraus, nicht überinterpretieren. ich habe es lange vermieden mit billy seine damalige bezugsperson aus dem th zu treffen. aber es kam natürlich eines tages dazu, ich lebe in einer kleinstadt (seufz). er hat sich sehr schlimm gefreut, ich war regelrecht abgemeldet. ich war ein bißchen beleidigt (um nicht zu sagen, grün vor eifersucht). wir haben einen schwatz gehalten und dann bin ich weitergegangen. ich bin mir eigentlich sicher, dass billy sie an der nächsten hunde-vip-ecke aber schon wieder vergessen hatte. und sollte ich mich mal scheiden lassen und billy bliebe bei männe, wäre es wohl genauso bei einem besuch meinerseits, obwohl sicher ich die wichtigste person in seinem jetzigen hundeleben bin. aber hunde sind anpassungsfähiger als wir, sonst gäbe es ja kaum hunde, die noch in der dritten oder vierten familie relativ normal geblieben sind.