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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dalmatinerin mit Launen



Lis
11.04.2003, 12:14
hallo!

ich möchte euch folgenden fall schildern und hoffe auf rat:

meine großeltern haben eine dalmatinerdame, nicht ganz reinrassig, aber soweit ich das beurteilen kann, schon dominant ein dalmatiner, ca. 6 jahre alt. nun ist es so, dass sie andere menschen als H&F zwar begrüsst, dann aber schlägt ihre laune urplötzlich um, sie bellt, knurrt, bleckt die zähne und beisst auch hie und da zu. ganz schlimm tut sie, wenns ums fressen geht, versteht man ja, wenn man halbwegs ein verständnis für tiere hat, aber bei ihr gehts los, steht man schon an der küchentür. nur frauchen als jene, die sie versorgt, wird weitgehend verschont, während sie ihr herrchen oft auch ganz sauber verbellt. wäre diese hündin ein mensch würde ich sie charakterisieren als: launisch, eigenbrötlerisch, unberechenbar - und verfressen, da sie, wenn sie allein draussen ist (die g. leben auf dem land), auch gern komposthaufen überfällt und plündert. und das, obwohl sie wirklich gut zu fressen bekommt daheim. auch wenn sie eine problemhündin ist und eigentlich eine belastung, würden die großeltern sie nie weggeben wollen.

deshalb meine bitte um rat, vor allem in bezug auf erfahrungen mit bachblüten!!

vielen dank ! lisa

buffymaus
11.04.2003, 17:41
Hallo Lisa,

ich würde sagen, die Dame hat zu Hause die Hosen an.

Gerade ein Dalmatiner sollte richtig ausgelastet werden, ist das der Fall ???

Wie lange haben Deine Großeltern die Hündin schon???

Liebe Grüße
Andrea

Lis
11.04.2003, 19:48
hallo andrea,

das mädchen war etwa 5-6 monate alt, als es zu meinen großeltern kam, und ist nun wie gesagt um die 6 jahre. meine g.e. hatten davor immer hunde (zuerst dackel, dann brackenmischling).

wiederum 'menschlich' betrachtet verhält sich die hündin wie ein störrisches und verzogenes einzelkind, das die umgebung terrorisiert.

nur, was kann ich meinen g.e. raten, was für sie auch machbar ist, sie sind ja doch nicht mehr die jüngsten und v.a. kräftigsten? ist das mädchen nicht schon zu alt für umerziehung? deshalb meine frage bzgl. bachblüten.

lg! elisabeth

Lis
11.04.2003, 19:52
- bzgl auslastung kann ich nur sagen, dass sie jederzeit raus kann, um sich auszutoben; gassi wird auch mit ihr gegangen und auch sonst geniesst sie viel aufmerksamkeit, speziell von meiner großmutter.

lg!

Dagi
12.04.2003, 10:55
Hallo Lis,

mein Eindruck ist, daß sie die "Ressourcen" bewacht. Außerdem bekommt sie lt. Dir viel Aufmerksamkeit von Deiner Großmutter. Die Hündin fühlt sich eventuell als Chef. Vielleicht auch nur in bestimmten Bereichen - ist aus den wenigen Schilderungen schlecht rauszulesen. Man kann einem Hund auch systematisch beibringen, daß er das "Sagen" hat...

Der Hund ist keinesfalls zu alt um ihn "umzupolen". Wie wäre es z.B. mal mit der Verlegung des Essensplatzes an einen Platz, der momentan keine strategische Bedeutung für den Hund hat? Nicht in die Nähe des Eingangsbereiches! sonst wird das Reinkommen anderer Leute zu gefährlich! Wie wäre es, wenn nicht Deine Oma, sondern Dein Opa mal die Fütterung übernimmt? Der Hund muss vielleicht lernen, daß es nicht nach SEINEN Regeln geht, sondern nach denen seiner Herrchen! Auch eine Fütterung aus der Hand wäre zu überlegen, damit kein Futternapf existiert, den es zu verteidigen gibt...
wie sieht es denn mit Körbchen aus, wird das auch verteidigt? Wo steht es? Wo wird das Futter aufbewahrt? Wird der Ort auch "bewacht"?
Es ist klar, daß Hunde eigentlich in Ruhe fressen sollen, ich halte eher wenig von diesen Methoden Napf wegnehmen etc. - würde man ja bei uns auch nicht wollen, oder? Und ich glaube nicht, daß so etwas in einem natürlichen Rudel vorkommt.
Also, daß sollte momentan nicht versucht werden - Hund würde ihn verteidigen.
Hat der Hund jederzeit Zugang zu Trockenfutter z.B.? Hat er ansonsten irgendwelche/viele Privilegien?
Also, etwas mehr müssten man noch wissen, aber auch dann ist die Ferndiagnose schwierig.
Es hört sich ja erst mal für viele noch relativ harmlos an, aber ich würde da schon mit einem Trainer arbeiten, der ins Haus kommt und sich das vor Ort ansieht - das kann auch noch weiter ausarten...

Es ist kein Hund, der tyrannisieren will - er zeigt im Prinzip normales Hundeverhalten! Da ist irgendwann mal was verpasst worden, wie es mir scheint...

Liebe Grüße
Dagi & Amy

Lis
13.04.2003, 14:47
hallo dagi,

zuerst vielen dank dafür, dass du dir so gedanken gemacht hast. auf alles was du ansprichst fällt es mir fast schwer zu antworten.

deinen tip jedenfalls mit der verlegung des essplatzes finde ich sehr gut! und eventuell kann ich meine oma überreden, auch den opa einmal an die arbeit zu lassen. die idee mit einem trainer finde ICH zwar gut, wird sich aber nicht duirchsetzen lassen. wenn mein mann und ich in der nähe wohnen würden, könnten wir das ja übernehmen, aber wir wohnen 600 km weit weg. mit alten menschen ist das so eine sache ...

bzgl. futterplatz: ist hauptsächlich die küche. zudem verteidigt sie auch eine kammer, wo ihre kauknochen aufbewahrt werden. aus der hand wird sie auch oft gefüttert (wenn sie vom tisch ein bisschen mitfuttern darf - großer fehler, das weiss ich, aber ---). trockenfutter bekommt sie meines wissens nicht, muss ich nachfragen. aber ich weiss worauf du hinauswillst. ich habe bzgl. fressen mit meinem kater absolut keine probleme in punkto gewicht, da er immer trockenfutter hat, also auch kein stress für ihn, weil die versorgung gesichert ist.

bzgl. schlafplatz: hat sie, auf einem sofa und der wird auch zähnefletschend verteidigt, wenn sie schlafen will.

bzgl. privilegien: hm, vom tisch eben nicht gerade selten was abkriegen ist das einzige, was mir einfällt.

sicher ist auch das menschliche verhalten ausschlaggebend in dieser situation, wenn sie sich, sage ich einmal salopp, "aufführt": hauptsächlich wird mit ihr geschimpft, auch einmal beruhigend auf sie eingeredet, auf alles reagiert sie nur noch wilder .

hoffentlich konnte ich fürs erste deine fragen beantworten!

lg, lisa

billymoppel
13.04.2003, 21:26
ich glaube auch an ein dominanzproblem und zwar ein ziemlich eindeutiges. mit futter ist das so eine sache, da kann man knurren unter umständen noch tolerieren, weil man sich im rudel tasächlich nichts wegnimmt, was der eine erst mal hat. aber die sofa-geschichte spricht eine eindeutige sprache.
ich habe auch nichts dagegen, wenn meine wauzis auf dem sofa sind, aber wenn i c h es will, haben sie den abgang zu machen. das problem liegt aber sicher tiefer, nur dem hund das sofa zu verbieten, wird nicht reichen. eher sehe ich da noch die gefahr, dass sie den kürzeren ziehen und das wäre noch verheerender.
ob sich bei älteren leuten da noch was machen läßt, wage ich aber zu bezeifeln. dominanz auszuüben ist ja nicht nur eine frage von gesten, sondern kommt auch von innen.
ich sehe es momentan an meinen schwiegereltern: sie hatten immer hunde. ganz ohne probleme. einer davon sogar ein ausgesprochen schwieriger königspudel aus dem th. der rest dann immer bouviers. der letzte ist ihnen aber völlig aus dem ruder gelaufen, er ist quasi enkelersatz von anfang an gewesen und wie häufig bei omis und opis zu beobachten, die ihren eigenen kindern gegenüber eher streng waren: beim enkel ist das alles vergessen, der kann ihene auf der nase rumtanzen.
das problem ist halt, dass es gerade bei recht großen hunden wirklich gefährlich werden kann, z.b. bei besuch.
vielleicht kannst du ja mal eine woche dort einziehen und vorsichtig etwas lenken? alte leute sind nun mal stur:D

Dagi
14.04.2003, 08:47
Hallo Lisa,

das hört sich in der Tat wirklich nicht gut an :(
Sie verteidigt Futter, Schlafplatz, und die Kammer wo ihr Kauknochen aufbewahrt wird. Und zu allem Übel wird sie auch noch vom Tisch gefüttert...
Ich kann mich Bettina nur anschließen - da scheint tatsächlich ein handfestes Dominanzproblem zu existieren. Normalerweise wird mit dem Begriff ja recht leichtfertig umgegangen, aber in diesem Fall dürfte er zutreffend sein.

Und normalerweise würde ich niemand unerfahrenem raten, da selber rumzuexperimentieren - da gehört (gerade weil es sich eben um ältere Leute handelt) ein Fachmann ran.

Normalerweise müssten ihr alle Privilegien genommen werden. Wenn jetzt aber Oma/Opa den Sofaschlafplatz verbieten - kann es zu handfesten Auseinandersetzungen kommen, denn man kann jetzt nicht einfach hergehen, und Hund am Halsband packen und runterschicken - es könnte sein, daß sie beißt, denn aus Sicht des Hundes hat ihm niemand diesen Platz streitig zu machen.

Maßnahmen wären normalerweise eben: Tabu der erhöhten Liegeplätze, Futterplatz an strategisch unwichtigen Platz verlegen, Futter komplett woanders (evtl. Keller?) aufbewahren, was sie nicht wissen sollte, für das Futter IMMER etwas "tun", also z.B. Unterordnungsübung vorher Platz für ca. ein paar Minuten OHNE jaulen, knurren etc. Überhaupt sollte richtig mit dem Hund gearbeitet werden.

Es ist leider auch gänzlich falsch, den Hund zu schimpfen oder auch beruhigend auf ihn einzureden - er sieht ALL DAS als Bestätigung seines Verhaltens. Ignorieren wäre da momentan das einzig machbare.

Normalerweise müssten Deine Großeltern unter Anleitung lernen, wie sie wieder die Führung des "Rudels" übernehmen - aber ich weiß, was Du meinst ... die älteren Leute werden da kaum den Rat eines professionellen Hundetrainers in Anspruch nehmen.

Wenn sie jetzt z.B. nur den Futterplatz verlegen, aber ansonsten nix ändern, wird das äußerst wenig bringen. Eventuell wird sie wieder anfangen, den nächsten Futterplatz zu verteidigen - es müssten wirklich alle Verhaltensweisen geändert werden. Aber das ist ein ganzes Stück Arbeit und erfordert viel Hundeverstand, Konsequenz und Durchhaltevermögen - ich kann leider nicht beurteilen, ob Du ihnen wirklich klar machen kannst, wie gefährlich die Situation werden kann, daß sie auch mal eskalieren kann und daß es wirklich dringend ist, hier jetzt sofort Maßnahmen einzuleiten...

Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Inanspruchnahme eines Verhaltenstherapeuten oder Abgabe in PROFESSIONELLE Hände! NICHT an irgendjemanden oder gar an irgendeine Familie...

Mit Bachblüten (weil Du sie ansprachst) kann man zwar vieles unterstützen, aber nicht so ein ausgewachsenes Problem "wegzaubern" - das geht nur in der Änderung des Verhaltens Deiner Großeltern und der absoluten strikten Einhaltung von Regeln - und wenn der Hund noch so lieb guckt - es ist und bleibt ein Tier, welches nach ganz bestimmten Regeln lebt, wahrnimmt und immer seinen Vorteil suchen wird.....

Ich hoffe, daß Du ihnen wirklich ins Gewissen reden kannst.

Liebe Grüße
Dagi + Amy

Lis
14.04.2003, 11:59
vielen dank bettina und dagi ! im prinzip habt ihr nur bestätigt, was ich mir eh schon gedacht habe, auch die sache mit den bachblüten, die sicherlich keine, wie ihr schreibt, dominanzprobleme wegzaubern können. man ergreift halt jeden strohhalm, wenn alles andere nicht fruchtet. eigentlich ist es wirklich so, dass das problem meine großeltern sind, nicht der hund ... und die sache mit dem enkelersatz, wie bettina schreibt, stimmt auf sie bezogen sicher. nun, mein mann und ich sind anfang mai wieder auf besuch bei den großeltern, vielleicht kann ich eure gedanken und meinungen doch irgendwie anbringen.

nochmals vielen dank!
lisa

billymoppel
14.04.2003, 14:37
hallo lisa,
dann viel erfolg! am besten vorher taktik zurechtlegen, mache ich bei meiner oma (80 jahre) auch immer, wenn ich sie zu irgendwas bringen will.:D