PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund gibt in fremder Umgebung keine Ruhe.



Boboskar
08.04.2003, 13:24
Hallo!

Mein 6 Monate alter Collie-Mix Oskar gibt in fremder Umgebung einfach keine Ruhe. Er jammert und fängt dann auch noch das bellen an. Ich hab schon versucht ihm Spielzeug mitzunehmen , klappt aber auch nicht. Ich hab gelesen, daß das Ignorieren unerwünschten Verhaltens das Beste sein soll, aber in einem Cafe macht sich das natürlich schlecht, wenn er dann das Bellen anfängt.
Ich könnte Oskar auch mit in die Uni nehmen, aber eben nur, wenn er sich dort ruhig verhält. Ich trau ihn mir aber auch gar nicht erst mitnehmen, wenn er dort alles auf den Kopf stellt, und die anderen stört. Ausgelastet ist er eigentlich, ich bin ca. 3-4 Stunden mit ihm täglich unterwegs....
Kann mir vielleicht jemand einen Tip geben?

Inge1810
08.04.2003, 13:56
Hallo,
ich hab jetzt ein bißchen zurücküberlegt, was bei uns zum Erfolg geführt hat und eigentlich war das Wirksamste, dass ich kaum was getan habe und nur konsequent geblieben bin.
Vom Welpenalter an war Kira mit dabei, wenn ich in Bistro`s gegangen bin und sie mußte immer neben mir liegen. Ich hab nie Spielzeug mitgenommen. Hin und wieder gab`s mal nen Kauknochen, aber nur, wenn ich dran gedacht habe. Voraussetzung ist, dass der Hund weiß, was Platz und Bleib bedeutet. Sitz, Platz und Bleib sind die ersten Grundkommando`s, die ein Hund lernt, erst spielerisch und dann muß es auch ohne Spiel und Leckereien gehen. Soweit müßtet Ihr ja schon sein. Wenn ich also in ein Bistro bin, dann habe ich sie neben mir abgelegt und habe darauf bestanden, dass sie liegenbleibt. Ich berühre meinen Hund nicht, wenn ich etwas einübe und versuche auch immer Handzeichen mit reinzubringen. Wenn sie also unaufgefordert aufgestanden ist, dann reichte meist eine Handbewegung und sie ist wieder in`s Platz gegangen, wenn nicht, dann habe ich sie auch mal zurückgeholt und runtergedrückt, aber ohne was zu sagen, eher so nebenbei, während ich mich unterhalten habe. Das natürlich nicht brutal, aber sanft und bestimmt. Mit Bellen hatten wir nie Probleme, aber ich kann mich erinnern, dass eine Bekannte mit ihrem Hund ein Mordstheater hatte, weil er ähnlich wie Dein Hund das Bellen anfing, sobald sie ihn nicht beachtete. Er war damals auch noch recht klein und sie hat ihm die Schnauze zugehalten, das zwei bis dreimal und Ruhe war, ansonsten hat sie ebenfalls nichts weiter getan. Ich denke, dass diese Kombination von Ignorieren und Handeln am Besten funktioniert. Der Hund weiß ja nicht, was Du von ihm willst, aber je mehr Aufmerksamkeit Du ihm in solchen Momenten schenkst (auch wenn Du schimpfst), desto weniger wird er verstehen, dass es einfach Situationen gibt, in denen es einfach so ist, dass er liegenbleiben und still sein muß und das ohne Kompromisse. Gespielt wird hinterher. Mittlerweile ist es bei uns echt angenehm, weil oft ganz nette Mitmenschen unterwegs sind, die den Hund dann auch noch ansprechen und locken, aber Kira reagiert zum Glück nur noch mit einem Schwanzwedeln drauf, bleibt aber liegen. Früher hab ich da fast die Krise bekommen, weil ich meinen Hund für die Unüberlegtheit der anderen Leute "bestrafen" mußte, auch wenn es andererseits schön ist, dass es noch Hundefreunde gibt.
Ich wünsch Euch viel Erfolg

Boboskar
08.04.2003, 14:14
Danke für die schnelle Antwort. Ich glaube ich brauch noch ein bisschen Geduld. Hab den kleinen noch nicht so lange, weil ich ihn aus dem Tierschutz zu mir genommen habe. Mit bleib hat er noch Probleme, und wie du auch schon geschriben hast....andere Leute werden eben begrüßt und die meisten finden ihn dann auch noch süß, und streicheln ihn.....ist eben nicht so einfach bei soviel Abwechslung. Schnauze zuhalten hab ich auch schon probiert....scheint ihm aber egal zu sein.....wahrscheinlich braucht er noch ein bisschen, bis er auch in fremder Umgebung Ruhe gibt....ich were es wohl viel trainieren müssen.....danke nochmal!
Liebe Grüße

zasko
08.04.2003, 16:03
Hallo Boboskar,

wichtig ist am Anfang vor allem auch: langsam trainieren!!! 5 min irgendwo mit hin, und der Hund bleibt ruhig und man kann ihn zwischendurch für's ruhig sein belohnen, sind viel besser, als 10 min und der Hund hat angefangen zu bellen und 'rumzuhampeln. Denn wenn man dann geht, hat er mit seinem Verhalten Erfolg gehabt, geht man nicht, kriegt man Ärger (zumindest im Lokal). Also am besten erst mal bei Freunden ausprobieren, Zeitdauer langsam steigern. Und ich habe meinem Hund immer mal zwischendurch Aufmerksamkeit geschenkt, wenn er ruhig war (Loben, Leckerchen, kurz gekrault). Allerdings nicht, wenn er geschlafen hat...;) Wurde er doch mal unruhig habe ich einfach die Leine kurz gehalten und ihn ignoriert. Sobald wieder Ruhe war, bekam er ein Leckerchen. So hat er sehr schnell gelernt, dass ruhig liegen belohnt wird, alles andere aber zu nichts führt. Allerdings hat er nie gebellt...

Viel Erfolg
Susanne

Boboskar
08.04.2003, 17:15
Hallo Susanne,

danke für den Ratschlag. Das Problem ist vorallem, daß er jeden im restaurant begrüßen will, und wenn er an der leine ist, und nicht hinkann, dann fängt er eben das bellen an, aber vielleicht erwarte ich schon zu viel von ihm. Er muß sich, wei du geschrieben hast wahrscheinlich erst langsam daran gewöhnen. Ein problem ist eben auch, daß die meisten Leute ihn dann mit Streicheln belohnen, weil er doch sooooo süß ist. Aber ich hab das Gefühl, daß er sich auch erst langsam so richtig eingewöhnt. Ich hab ihn noch nicht so lange.
Danke nochmal!
Liebe Grüße Steffi & Oskar

Sallydoggy
08.04.2003, 18:15
Hallo Steffi!

Da hast Du ja wirklich schon die besten Tips bekommen!

Ich möchte auch nur kurz noch eine Sache zu bedenken geben.

Wenn Du Oskar vom Tierschutz hast, dann hat er vielleicht vorher noch nicht soviel erlebt oder es sind ihm noch nicht viele "nette" Menschen begegnet.
Er hat also eventuell einen, im wahrsten Sinne des Wortes "tierischen" Nachholbedarf und den sollte er auch ausleben dürfen.

Irgendwann ist sein Erkundungsdrang gesättigt und er legt sich von alleine hin.

Gehe ruhig vorher mit ihm durch die Örtlichkeit, wo Du Dich befindest, damit er alles erkunden kann.

Für einen 6 Monate alten Hund, der jeden Tag noch immer neu entdeckt, ist still liegenbleiben eine der schwersten Übungen.
SITZ und PLATZ sollte er schon können, aber wohl eher nicht, wenn Du ihn selber noch nicht so lange hast.
BLEIB, also die Vollendung von PLATZ, muß er noch nicht können, aber es kann langsam geübt werden.

Und zwar wie folgt:
Lege Oskar ins Platz und lobe ihn dafür. Setz ruhig viele Leckerchen ein, später wird es ja eh abgebaut und so vermittelst Du ihm am schnellstens, was erwünscht ist und was nicht.
Wenn er liegt, dann gehst Du einen kleinen Schritt zurück oder zur Seite.
Bleibt er liegen, dann schnell zurück und ganz doll loben und Leckerchen geben.
Steht er auf, weil er bei Dir bleiben möchte, dann lege ihn freundlich aber bestimmt wieder ins Platz.
Bedenke: Er weiß noch nicht, was Du willst, also nicht schimpfen.
Arbeite direkt mit Handzeichen, also die geöffnete Hand nach oben und von Dir strecken.
Diese Übung wird später immer weiter ausgebaut, wirklich schrittweise. Also erst einen Schritt weg, bei Erfolg zwei Schritte weiter weg etc.
Nicht zu schnell üben und Oskar nicht überfordern, das bringt nur Mißerfolg und nicht korrekt ausgeführte Übungen.

Ich würde ihn jedesmal, wenn Du weißt, er muß länger ruhig bleiben, ihn richtig müde machen.
Dann ist die Chance, daß er schläft, sehr hoch, selbst wenn alles sehr aufregend ist.
Irgendwann legt sich die Aufregung und er legt sich hin.

Außerdem würde ich auch direkt vor Ort üben, also schon im Lokal oder in der Uni.

Im Lokal würde ich auch erst fünf Minuten bleiben und wenn er die ruhig ist, dann loben und raus.
Wird er unruhig, dann war die Zeit schon zu lang und Du mußt die erste Zeit niedriger ansetzen.
Fange dann mit einer Minute an und steigere super-langsam.
Erkläre am besten den Gastwirten, daß Du mit Deinem Hund übst, so daß Dich keiner schief anguckt und Du vielleicht rausfliegst, weil Du nix bestellst.
Wenn es hundeliebe Gastwirte sind, dann dürfte es kein Problem sein.
Wenn es keine hundelieben Gastwirte sind, dann machen sie später auch mal Streß, wenn vielleicht doch mal gebellt wird oder mal ein Malheur passiert.

Ich habe meine Sally, ebenfalls ein Bordercollie-Mix (mit Schnauzer) mit 7 Wochen bekommen und sie von Anfang an überall mit hingenommen.
Sie fährt Bus und Bahn, obwohl ich ein Auto habe, geht mit einkaufen, geht mit in die Altstadt auf`n Bier und geht mit zur Krankengymnastik und schläft dann dort eine halbe Stunde.
Ich bekomme oft ein Lob, daß sie besser hört als manches Kind.
Sie läuft immer frei, auch in der Stadt und vor den Augen der Polizei.
Deren einziger Kommentar war letztens:"Endlich mal ein erzogener Hund!"
Sie ist 48 cm hoch und es gibt nie Probleme mit ihr.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit Oskar, ihr werdet bestimmt noch ein gutes Team und Oskar ein Hund, den man überall mit hinnehmen kann1

Liebe Grüße von Ina und Sally

zasko
09.04.2003, 17:34
Hallo Steffi,

da fällt mir gerade noch was ein: Hast du eine Decke mit, wenn ihr irgendwo hin geht? Ich habe, zumindest wenn es in Lokale geht, immer Zasko's Decke mit, so dass er auch wissen kann: Das ist mein Platz! Das auf der Decke liegen bleiben kann man übrigens auch zuhause ganz toll üben, so wie Ina das für's Bleib beschrieben hat. Und wenn Oskar immer zu anderen Gästen hinmöchte, dann versuch' doch mal, ihn so unter den Tisch oder vielleicht eine Sitzband oder in eine Ecke zu legen, dass du davor sitzt, und ihm wenigstens ein bisschen die freie Sicht nimmst. Und wie Ina schon schrieb: Ganz langsam steigern. Ich bin mir sicher, dass ihr das im Laufe der Zeit hinbekommt.

Liebe Grüße
Susanne

Boboskar
09.04.2003, 19:24
Hallo Susanne und Ina,

danke für die guten Tips.....ich find's echt toll, wie das Forum hier funktioniert.....ich werde mit Oskar üben, und ein schlaues Kerlchen ist er ja.....hat echt schon veil gelernt in kurzer zeit...und das rezept heißt eben doch: Geduld......das mit der decke hab ich mir auch schon überlegt, vorallem für die Uni......das wird schon, danke für's Mut machen!

Ganz liebe Grüße!
Steffi und Oskar