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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund läuft immer weg



Dobermann
04.04.2003, 13:59
Hallo zusammen.

Ich habe folgenes Problem. Ich habe eine 3 Jahr alte Dobermann Hündin die in regelmäßigen Abständen meint allein spazieren gehen zu müssen.
Kurz zu ihrer Vorgeschichte. Ich habe sie mit 5 Mon. übernommen mit gebrochenem Vorderlauf da sie sonst eingeschläfert worden wäre. Wegen ihrer Verletzung durfte sie dann ungefähr ein 3/4 Jahr nur an der Leine laufen. Sie ließ sich nur von Personen anfassen die sie gut kannte, hatte selbst vor Kindern Angst; das Problem ist aber bestens gelöst, habe einen offenen wenn auch nicht gerade belastbaren Hund ( hat sie sich mehr oder weniger von meinem Bulli abgeschaut, was er macht macht sie auch :-) ).
Nachdem mein Hund gesund war ging es dazu sie los zu machen ( wohne sehr ländlich), man will dem Hund ja was Gutes, tollen, rennen, zurück kommen!?! Denkste!
Sie läßt sich ein zwei Spaziergänge lieb zurück holen und dann ist sie wieder weg, kommt zwar Stunden später nach Hause, aber ländlcih hin oder her, Jäger und Autos machen diese "Ausflüge" nicht ungefährlich. Hab alles versucht, lange Leine, Lecker, Balli...
Hat sie eine Fährte rennt sie kopflos einfach hinterher und ist weg, da hilf es auch nix wenn der Bulli zurückkommt (sie orientiert sich sehr stark an ihm, bleibt auch nicht zu Hause wenn er nicht da ist).
Hab es mit einem Lufthalsband versucht, stört sie überhaupt nicht, jetzt sagen alle Elektro oder immer Leine, das erste lehne ich aber ab, vertrete die Meinung das man was man mit Strom schafft auch mit Geduld und ??? schaffen muß, nur Leine ist auch doof, schließlich ist sie ja auch noch recht jung.
Vielleicht ist es wichtig zu sagen das wenn sie mal Wild "trifft"
sie es nur hetzt, nicht fängt, das hat sie sich auch nur abgeschaut, ohne den Grund zu wissen, was andere Hunde machen macht sie auch.
Wäre für jeden noch so kleinen Rat unheimlich dankbar, sie ist sonst echt gehorsam, nur abrufen, damit hat sie keinen vertrag... :-(

doggie
04.04.2003, 14:04
Hi,

tja, da hilft wohl nur monatelanges konsequentes Schleppleinentraining. Wie das geht wird bspw. im Buch "Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde" eingehend geschildert.
Gruß

igelchen
04.04.2003, 15:31
Hallo Dobermann!

Ich kenne Dein Problem ziemlich gut von meiner Labimix-Hündin... :rolleyes: Aber um Eure Situation richtig zu verstehen, wären ein paar weitere Angaben wirklich hilfreich. ;)

Original geschrieben von Dobermann
Nachdem mein Hund gesund war ging es dazu sie los zu machen ( wohne sehr ländlich), man will dem Hund ja was Gutes, tollen, rennen, zurück kommen!?! Denkste! Hattet ihr denn das Kommen auf Zuruf vorher richtig aufgebaut und geübt? Falls ja: Wie habt ihr das in der Leinenzeit geübt?

Sie läßt sich ein zwei Spaziergänge lieb zurück holen und dann ist sie wieder weg, kommt zwar Stunden später nach Hause, Gibt es denn konkrete "Auslöser" für das Weglaufen (Fährte, Geräusche oder Wildsicht)?

Hab alles versucht, lange Leine, Lecker, Balli... Was genau hast Du denn schon wie und v.a. wie lange ausprobiert? Hattest Du professionelle Hilfe (Hundeverein, Hundeschule,...) dabei? Wenn ich Dich richtig verstehe, zeigt Deine Hündin dieses Verhalten nun schon seit 2 Jahren, richtig?

Vielleicht ist es wichtig zu sagen das wenn sie mal Wild "trifft" sie es nur hetzt, nicht fängt, das hat sie sich auch nur abgeschaut, ohne den Grund zu wissen, was andere Hunde machen macht sie auch. Ich glaube nicht, dass sie sich das von irgendeinem anderen Hund "abgekuckt" hat, denn jeder Hund hat einen ureigenen Jagdinstinkt. ;)

sie ist sonst echt gehorsam, Wie trainiert ihr denn die anderen Kommandos?

Viele Grüße
Igelchen

billymoppel
04.04.2003, 17:51
irgendwie klingt das so, als wäre es nicht nur ein jagd-problem.
eine jagd dauert doch nicht ewig. kein hund hält einen sprint länger als 10min durch, dann hat er das wild enweder gestellt, oder es ist weg und er kehrt zurück. das klingt mir mehr nach klassischem streunern. ich kenne so einen beagle, der mir auf meinen spaziergängen gelegentlich über den weg läuft. ich sammle ihn dann immer ein und bringe ihn heim (er geht zwar irgendwann selbst nach hause, dazwischen liegt aber eine bundesstraße). dort ist es so, dass der opi (eigentlich ist es der hund der enkelin, aber die hat ja keine zeit, seitdem der hund erwachsen ist) den hund überhaupt nicht im griff hat, er tanzt ihm auf der nase rum. es ist eindeutig ein dominanzproblem.
wie steht es da bei euch? verhält sie sich dir gegenüber auch sonst dominant? hast du sie wegen ihrer schlimmen vorgeschichte eventuell zu sehr in watte gepackt?

igelchen
04.04.2003, 18:49
Original geschrieben von billymoppel
irgendwie klingt das so, als wäre es nicht nur ein jagd-problem.[...] das klingt mir mehr nach klassischem streunern. Ja, das Gefühl hatte ich auch. Die Ursache muss aber nicht unbedingt ein Dominanzproblem sein. ;)
Vielleicht ist die Dobi-Hündin einfach nicht richtig ausgelastet und sie findet die Spaziergänge langweilig (zumindest langweiliger als alleine im Wald rumzustreunen).

lg Igelchen

Dobermann
04.04.2003, 20:26
Vielen Dank erstmal für die Antworten.

Igelchen: Sie hat sehr viel Power, das ist richtig, aber wir fahren fast täglich mehrere km Rad oder ich fahre mit ihnen zum Baggerloch, Sandberge hoch und runter rennen, ich denke das alleine kann es nicht sein, obwohl es naheliegt, hab das konsequente Radfahren deshalb begonnen... war nix ;-)
War auch schon reiten mit ihr, da kann die Zunge bis zum Boden hängen, mein Mädchen wird wieder 100%ig fit wenn sie was interessantes riecht
Ich geh mit ihr regelmäßig auf den Platz, die anderen Kommandos hab ich ihr mit Lecker oder ihrem Tau als Bestätigung beigebracht.
Mit Hundeplätzen (war schon auf mehreren schauen) ist das so eine Sache mit der "professionellen" Hilfe bei diesem Thema, das besteht meist aus Strom :-(
Als ich sie bekommen hab blieb sie immer in meiner Nähe weil sie recht scheu war und froh wenn sie sich verstecken konnte.
Ball, Lecker: Bei jedem Spaziergang eins von beiden mitgenommen, mit ihr gespielt oder sie belohnt wenn sie kam. sie mal den Balli suchen lassen (wo sie dann Hase hat Hase sein lassen und echt nur den Ball suchte) das klappte ganz gut, aber halt nur ein paar mal, so dass es nicht zu langweilig wurde, und das reicht nicht für einen anständigen Spaziergang



Billymoppel: Natürlich hat man ein wenig mehr auf sie geachtet, da sie ja nun recht jung war und auf alles Lust hatte nur nicht darauf mal ruhig angehen zu lassen, aber in watte gepackt? Wenn man ehrlich ist finde ich fällt einem selbst das als letztes auf, aber ich finde nicht.
Ansonsten gehorcht sie, sie läßt ihr geliebtes Tau beim ersten "aus" fallen, bleibt im auto sitzen bis man sie rausruft, so habe ich keine Probleme mit ihr, nur sie kommt halt nicht wieder :-(

Nochmal Dankeschön für eure Mühe, weiß echt nicht was ich mit der Hexe weiter machen soll.

billymoppel
04.04.2003, 20:52
es tut mir wirklich leid, zumal ein jäger bei einem dobi wohl nicht lange zögern wird...:(
ihre vorgeschichte scheint ja ziemlich harsch gewesen zu sein, eine pfote bricht man sich wahrscheinlich auch nicht eben mal so.
mangelt es ihr eventuell an der inneren bindung zum menschen generell? so nach dem motto: ihr könnt mich mal?
von strom halte ich auch gar nichts, erst recht nicht bei solchen sensibelchen, wie dobis es ja meistens sind.
gibt es nichts, was für sie interessanter wäre als ein ausflug, was sie bei dir hält?

sandinchen
04.04.2003, 20:57
Hallöchen!

Wo und wie hat sie denn vorher gelebt?
könnte es sein, dass sie nicht genug auf menschen sozialisiert wurde? du sagst, sie war auch anfangs sehr ängstlich und ließ sich gar nicht anfassen. das klingt danach, dass sie wenig kontakt hatte, als sie jung war. wenn du sie mit 5 monaten bekommen hast, dann hat sie da natürlich bestimmt viel aufholen können, aber wir alle wissen ja, wie wichtig die ersten wochen sind.
vielleicht hat sie früher schon solche "spaziergänge" auf eigene faust unternommen, da ist es jetzt natürlich schwierig ihr das wieder auszutreiben.


das ist jetzt natürlich wenig hilfreich, aber diese überlegungen könnten vielleicht helfen, die ursachen besser zu analysieren.

Barkley
04.04.2003, 21:42
Hallo!
Ich würde ein Teletakt bei Deinem Hund auch nicht einsetzen.Dobermänner sind ja eigentlich sehr sensibel und auf "Ihrer"Menschen bezogen,ich denke das würde den Hund kaputtmachen.Ich würde auf jeden Fall eine Ausbildung mit dem Hund machen,allerdings nicht auf einem Platz,sondern mit einem Trainer,der Dich auf den Spaziergängen begleitet und vor Ort sagen kann,was in der jeweiligen Situation zu tun ist.Vielleicht bist Du auf den Spaziergängen nicht interessant genug für den Hund.Ich würde viel Spiel in den Spaziergang einbauen,dem Hund Aufgaben geben und evtl. auch nur Unterwegs füttern,wenn sie etwas dafür getan hat.Eine Freundin von mir hat 2 Hunde und beide jagen.Der Hundeausbilder meinte,es wäre ein Dominanzproblem,sie müsste ihre Stellung bei den Hunden verändern.Ausserdem riet er ihr,den Hunden beizubringen,auf Entfernung"Platz"zu machen,dies wäre eine Möglichkeit,die Hunde beim davonrennen aufzuhalten.Aber evtl. kommtst du auch um die Schleppleine nicht herum.Das Problem ist ja schon ernstzunehmen,denn früher oder später wird der Hund mal Pech bei den Ausflügen haben.Ich denke aber dass Dir nur ein Ausbilder vor Ort helfen kann.
Drücke die Daumen!

AnnaS
05.04.2003, 10:26
Hallo Dobermann

Also ich habe (hatte) mit Peppa ein ähnliches Problem. Auf Spaziergängen hab ich sie schon gar nicht mehr laufen lassen, weil alles andere interessanter war als ich. Dort hatte ich sie dann nur an der Schleppleine. Doch sobald sie ohne Leine bei uns auf dem Hof war, lief sie weg und kam auch erst Stunden später wieder. Selbst wenn sie in meiner Nähe war, ließ sie sich nicht anfassen.

Ich war auch absolut verzweifelt, weil ich mir keinen Rat wusste. Dann hab ich eine sehr nette Trainerin entdeckt. Bei ihr beginne ich heute die Hundeschule, aber zuvor sind wir mal zusammen spazieren gegangen. Die Trainerin sagte bereits nach 5 Minuten, dass Peppa keine wirklich enge Bindung zu mir habe. Und genau daran muss ich arbeiten, nicht am Gehorsam an sich, sondern an der Bindung.

Dieser Spaziergang ist nun 1,5 Wochen her. Seit dem habe ich bewusst auf den Aufbau der Bindung geachtet. Und ich kann Peppa draußen frei laufen lassen, ohne dass sie abhaut. Auf dem Hof bleibt sie an der Leine, aber im Garten kann sie frei laufen. Selbst gestern, als sie durch die Haustür "geschlüpft" ist, hab ich sie zurückrufen könne. Mein Hund hat sich echt um 180° gedreht. Und es macht super viel Spaß jetzt.

Vielleicht könnte das bei euch ja auch der Fall sein. Wobei ich denke, dass man selbst in seinem eingefahrenen Trott seine eigenen Fehler gar nicht bemerkt. Du musst diese Fehler auch sicherlich nicht bewusst machen, aber es ist immer sehr hilfreich, wenn jemand da ist, der wirklich Ahnung hat und einem mal erzählt, was falsch läuft.

Ich rate dir auch, eine wirklich kompetente Trainerin oder Trainer zu suchen. Sicherlich helfen dir vielleicht auch Einzelstunden. Doch wenn dein Dobi sich so leicht ablenken lässt und du dann Luft für ihn bist, ist die Übung in der Gruppe wohl auch nicht schlecht, da da hat dein Hund wirklich Ablenkung durch andere Hunde und andere Menschen. Außerdem wird ja auch geübt, dass der Hund auf dich hört, wenn er bewusst von den anderen abgelenkt wird.

Ich wünsch dir alles Gute
Anna

Dobermann
08.04.2003, 17:33
Danke nochmal für die vielen Ratschläge.
Werde mich mal nach einem kompetenten Trainer umsehen, hoffen das das etwas bringt.
Das man sich seiner eigenen Fehler im Alltagstrott nicht unbedingt bewußt wird bzw. ist hat schon was Wahres :-(
Naja, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen :-/
Eine wirkliche Bindung hat sie zu niemandem aus unserer Familie und ich beschäftige mich eigentlich meine ganze Freizeit mit den beiden, wobei man das bei dem Bulli auch merkt, ohne Frauchen geht nix ;-)
Sie freut sich, sicher, aber sie achtet kein Stück auf mich, wogegen der Dicke mich nicht aus den Augen läßt.

Weiß auch leider kein Stück über sie, woher sie genau kommt, wie sie gehalten wurde, etc.. Hab sie praktisch beim Spaziergang geschenkt bekommen...

Liebe Grüße und nochmal besten Dank an alle

Dobermann

P.S.: Laß euch wissen wie`s ausgeht ;-)

NinaV
08.04.2003, 21:22
Hallo Doberman,

leider bist Du noch nicht darauf eingegangen, ob Deine Hündin auf von Dir gegebene Signale auch zuverlässig reagiert (Heranrufen, Distanzkontrolle). Auch die Frage nach dem Auslöser des Davonlaufens (Sichtjagd, Fährte?) wurde nicht erläutert.
Bis Du einen kompetenten Trainer gefunden hast, würde ich Dir raten, Erfolgserlebnisse (Hetzen und Streunen) Deiner Hündin ausnahmslos zu verhindern (Schleppleine) und auch mit dem Training an einer solchen Schleppleine zu beginnen.
Ein guter Trainer wird Dir ausreichend Hilfestellung zur Bindungssteigerung geben, mit Dir an den problematischen Orten üben und das ganze ohne den Einsatz irgendwelcher Starkzwangmittel. Clickertraining wäre meines Erachtens auch sehr empfehlenswert.
Viele liebe Grüße
Nina

billymoppel
08.04.2003, 21:40
dem ist zuzustimmen.
als weiteres problem, sehe ich noch, dass du zwei hunde hast. ich weiß aus eigener erfahrung, wie schwierig es ist, auch für den zweiten hund noch genügend energie und willen aufzubringen, zumal wenn beide sehr verschieden sind. ich ertappe mich auch immer mal wieder, wie ich möbi dinge durchgehen lasse, die ich bei billy nie geduldet habe. kleinigkeiten meist, aber trotzdem. für den dobi ist es zudem auch einfach sich einer engen bindung mit dir zu entziehen, es gibt ja immer noch den anderen hund, an den er sich halten kann
deswegen würde ich dir auch raten, jedwede ausbildung ohne den anderen hund zu machen, wenn es sich ermöglichen läßt.
ich halte es nach wie vor so, dass ich aller paar monate mal mit möbi allein verreise (zu meinen eltern), wo ich mich dann ausschließlich auf sie und ihre probleme - die sie auch nach einem jahr, vor allem in bezug auf andere hunde, nach vor hat - konzentrieren kann.
viel erfolg
bettina