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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jagdtrieb



Elke_Lena
31.03.2003, 16:59
Hallo

wir haben einen Münsterländer-mix ( 4,5 Monate alt ) und möchtern gern wissen ob und wie man den Jagdtrieb unterbinden kann.

Mfg elke

Hovi
31.03.2003, 17:17
Hallo Elke,

einen Trieb kann man nicht unterbinden. Man kann die Triebhandlung unterdrücken (dann gibt es einen Triebstau, der oft Verhaltensprobleme mit sich bringt), oder man kann versuchen, sie umzuleiten. "Ersatzbeute" für Deinen Münsterländer könnte z. B. ein Ball sein, den er apportieren muß. Und um die (zumeist hochintelligenten) Jagdhunde auch geistig auszulasten, empfiehlt sich eine Hundesportart wie Agility.

Liebe Grüße
Claudia

sandinchen
31.03.2003, 17:51
Hallo Elke,
mein Hund jagt auch alles was weg läuft.
Gerne natürlich Katzen. Wenn die Samtpfötchen aber nicht vor ihm davon laufen, sondern stehen bleiben, dann kuckt er sie nur blöd an und macht einen Bogen um sie.
Wenn man seinen Hund schon leider nur schwer davon abbringen kann, dass er allem hinterher jagt, so ist es doch wenigstens etwas beruhigend zu wissen, dass er den Tierchen sonst nichts weiter antut.
Vielleicht könntest du versuchen, deinem Kleinen soviele Kleintiere wie möglich "vorzustellen", damit er sie nicht als Beute betrachtet.

billymoppel
31.03.2003, 18:27
das ist eine gute idee, dürfte aber bei reh, kaninchen und hase nicht klappen. auf meine bekanntschaftsanzeigen hat bisher keines von denen reagiert:D
ansonsten ist claudias ausführungen nicht viel hinzuzufügen.
ist der jagdtrieb denn schon sehr ausgeprägt? da wäre er mit 4,5 monaten früh dran

Dagi
31.03.2003, 18:57
Hallo,

wichtig ist für euch auch, daß der Hund dieses Jagdverhalten nicht EIN EINZIGES MAL mit Erfolg durchführen kann - am besten nicht einmal die "Hetze" - weil es einfach nichts tolleres für so einen Hund gibt und es dann sehr schwer, evtl. sogar nie möglich sein wird diesen einen Reiz (eine selbstbelohnende Handlung) durch einen anderen "abzulösen".

Es wäre sehr von Vorteil, daß ihr schon jetzt, bevor der Jagdinstinkt überhaupt richtig erwacht, trainiert, jede vom Hund gestartete Aktion unterbrechen zu können. Das zuverlässige Abrufen und Herankommen ist sehr, sehr wichtig.

Ganz toll wird dieses Trainin in dem Buch "Hunde sind anders" von Jean Donaldson beschrieben. Ein Buch, welches mit vielen Vorurteilen "aufräumt" und rein von der Verhaltensbiologie heraus erklärt und sich rein die Verhaltensbiologie des Hundes im Training zunutze macht. Ich habe das Kapitel gerade gestern gelesen, und es ist absolut logisch, wie das Training aufgebaut ist! Es wird auch noch mal zu den unterschiedlichen Schlüsselreizen etwas gesagt - wie ich finde, ein absolut tolles Buch!

Am Ende ist die Motivation des Hundes zu Dir zu kommen höher, als hinter etwas herzujagen - und das gilt es zu erreichen.

Es ist ein aufwendiges Training und es würde zu lange dauern, es hier zu erklären. Eines kann ich aber schon sagen: ihr müsst versuchen, möglichst das Interessanteste für den Hund überhaupt zu sein. Und für ihn muss es das tollste sein zu euch zu kommen.

Wie gesagt, ich finde, es gibt nicht viele Bücher, die man so unbedingt weiterempfehlen kann - aber dieses ist eines der wenigen! Der Erziehungsteil ist relativ klein - aber das gesamte Buch ist sehr spannend, wenn man sich für das Verhalten seines Hundes interessiert und sich oft fragt: warum macht er dieses und jenes. Und toll geschrieben ist es auch noch!

Liebe Grüße
Dagi + Amy

sandinchen
31.03.2003, 20:02
Hallo Dagi,
ich habe mir dieses Buch gestern gekauft !

Da bin ich schon gespannt auf das was du gerade erzählt hast. Mein Kleiner ist nämlich sogar hinter Vögeln her.
Leider konnte ich "das erste Mal" bei meinem Hund nicht verhindern da er "second hand" ist, aber er macht schon Fortschritte und das wo er erst 5 Wochen bei mir ist.
Die Katze lässt halt das Mausen nicht. Ich kann ihn schon gut verstehn. Sind halt nunmal Jäger, die Hundchen.;)

billymoppel
31.03.2003, 21:41
alles richtig, aber: habe ich mit solchen büchern insofern probleme, als dass sie dem leser suggerieren, er könnte tatsächlich hundertprozentigen erfolg haben. das ergebnis ist dann leider häufig, dass es nicht funktioniert, jedenfalls nicht immer und hundi landet im th.
erstmal ist sicher zwischen der jagdbeute zu differenzieren: bei rehen wird man guten erfolg haben können: rehe stehen meist weit weg, sodass man auch die zeit hat, den hund abzurufen.
bei kaninchen wird das schon schwer. klar sitzen die vor allem in der rammelzeit auch debil auf dem feld rum, normalerweise ducken sie sich aber in die furche, auch wenn mensch/hund unmittelbar in der nähe ist und springen erst in letzter sekunde auf. der rest läuft dann in bruchteilen von sekunden ab. da ist nix mit abrufen. da hilft nur, kaninchengebiete zu meiden, aber absolut funktioniert das nicht. nun, eine kleine kaninchenjagd ist nicht weiter schlimm und meist fix beendet. kanninchen haben überall eingänge zu ihren bauen und sind schnell verschwunden. wirklich dramatisch wird es bei feldhasen, die keine bausysteme haben und auch sehr schnell sind. sie rennen einfach schnurstracks, hundi immer hinterher.
weiterhin muss man natürlich auch zwischen der art der hunde unterscheiden: bei einem genetisch ausgeprägten hetzjäger und vorsteher(wie eben z.b. dem kleinen münsterländer) wird man sicher weniger erfolg haben, zumindest wenn das jeweilige individuum auch die disposition aufweist. bei einigen rassen, die auch sonst eine schwere führigkeit aufweisen (jagdterrier, deutsch-drahthaar u.ä.) ist der mißerfolg quasi zwangsläufig. brutalität geht natürlich immer, wird in jägerkreisen auch gern praktiziert.
es ist einfach genetisch vorprogrammiert, dass einige hunde jagen, nichts und niemand kann sie davon abhalten. kein leckerli dieser welt, keine erziehung dieser welt., kein ball dieser welt. das war ja auch so gewollt bei der züchtung dieser rassen. vielmehr geht es darum, diesen trieb zu händeln: zuerst natürlich durch meideverhalten und dann natürlich durch eine gründliche jagdliche erziehung, die es dem hund ermöglicht, z.b. stets zurückzufinden, eine erfolglose jagd abzubrechen und wild zu stellen, nicht zu töten.
ich halte es für eine krux der heutigen zeit auf der einen seite jagdhunde als ideale familienhunde anzupreisen (was sie auch i.r. aufgrund ihrer hohen aggressionschwelle - jagd hat nicht aber auch gar nichts mit aggression zu tun - auch sind), gleichzeitig aber erziehungratschläge auszupacken, die vielleicht minimum bei einem dackel (verzeih, aber die hetzjagd ist sicher nicht des dackels stärke) noch funktionieren. natürlich gibt es heute viele züchter, die jagdhunde mit wenig trieb züchten wollen, aber ein vieltausendjähriges genetisches programm ist nicht so leicht abzustellen.

Dagi
31.03.2003, 22:34
Hallo Billymoppel,

ich geb Dir ja in fast allen Punkten recht. Mir geht es ebenso, daß ich mit den meisten Büchern "Probleme" habe - und trotzdem empfehle ich dieses Buch, da sie so ehrlich ist und auch sagt, daß man selbst einen noch so gut trainierten Hund nicht mehr abrufen können wird, wenn er dicht am Objekt ist. Und ich habe jetzt einige Bücher gelesen - klar, da wird Schleppleine empfohlen, damit man den Hund dann unter Kontrolle hat und mit ihm dann abrufen trainieren kann. Ich glaube aber kaum, daß man damit den Jagdtrieb abtrainieren kann - zumindest nicht, wenn er relativ gut ausgeprägt ist. Was in diesem Buch allerdings trainiert wird per "Ersatzbeute" halte ich schon für so sinnvoll, daß man es wenigstens trainieren sollte (Also wirklich wildes Beutespiel z.B. und den Hund aber trotzdem in dem Moment abrufen, wenn er auf die Beute loshetzt - das ist das Ziel! Langsam und schrittweise über einen langen Zeitraum aufgebaut) bzw. wenigstens versuchen sollte, ob es einem nicht doch gelingt. Man kann ja im vorhinein noch gar nicht wissen, wie stark der Trieb ist.

Klar ist: sollte der Hund einen so starken Jagdtrieb haben - dann gehört er zu den entsprechenden Zeiten in weniger Wildreiches Gebiet oder eben auch an die Leine.

Ich hab z.B. grad neulich einen Mann getroffen, der einen Münsterländer aus zweiter Hand bekam. Er möchte ihn für die Jagd verwenden - leider vergebens. Tja, "Wunder" gibt es immer wieder....

verzeih, aber die hetzjagd ist sicher nicht des dackels stärke
Das verzeihe ich dir sogar SEHR GERNE :D :D :D Und bin da auch seeeehr froh drüber.

Ich glaube übrigens nicht, daß die Krux ist, daß die falschen Erziehungsratschläge "ausgepackt" werden, sondern daß der Schwachpunkt a)bei den Züchtern liegt die ausgesprochene Jagdhunde als Familienhunde abgeben und eben auch anpreisen, damit sie genug Welpen loswerden (natürlich nicht alle - aber es gibt leider genug davon) b)bei den zukünftigen Haltern, die sich viel zu wenig über die von ihnen favorisierte Rasse informieren, etwaige Bedenken beiseite schieben und sich gar nicht vorstellen können, was es bedeutet einen Hund mit ausgeprägtem Jagdtrieb zu halten, und auch gar nicht in der Lage sind, ihrem Hund die passende Ausbildung zu ermöglichen.
Klar, es wird in den Erziehungsbüchern viel zu sehr generalisiert, aber ein paar wenige gute gibt es doch...

Liebe Grüße
Dagi + Amy

mellyonsurf
31.03.2003, 23:09
Hallöchen @all!!!

Na dann will ich das Thema mal noch erweitern:p

Wie ich hier im Forum jetzt schon mehrfach "erzählt" habe, sind wir seit jetzt rund 2 Monaten Besitzer einer Hündin aus Spanien!

Ihr JAGDTRIEB ist extrem hoch.

Zum einen ist sie ein Mischling aus HUSKY (nicht zu übersehen) und wahrscheinlich Schäferhund. Also GRUND 1 für einen hohen Jagdtrieb.

2. war sie ja schon geschätzte 2 Jahre alt als wir sie bekommen haben, also konnten wir sie nicht "formen" oder frühzeitig "umlenken"

und 3. (wohl am "schlimmsten") mußte sie sich in Spanien ja irgendwie ernähren...(verständlich oder???)

Auf jeden Fall war schon hier im Haus ihr größtes Interesse unser Welli Charlie, aber mit GEduld und Konsequenz haben wir es schon innerhalb einer Woche geschafft, daß sie ihn kaum noch beachtet. (Allerdings gibt es Freiflug nur noch wenn Blue unterwegs oder im anderen Raum ist..;) :rolleyes: )

Auf jeden Fall wurde sie hier immer zugänglicher und gehorsamer, so daß wir sie nach konsequentem Schleppleinen-Training schon nach 5 Wochen loslassen konnten. Sie hat gespielt und war sichtich happy ohne Leine laufen zu können. Wir haben sie aus all möglichen Situationen abgerufen und es hat geklappt.

Vor 3 Tagen dann hat mein Mann nen Hasen gesehen (vor Blue) und hat sie vorsichtshalber abgerufen, SIE kam auch. Aber dann liefen hinter meinem Schatz zwei Rehe los und Blue hinterher. Aus die Maus...Wir haben eine schreckliche Suchnacht (mit zig Anrufen bei Polizei und den Tierheimen in der Umgebung) hinter uns, aber am nächtsten morgen rief dann das hiesige Ordnungsamt: Leute hatten sie noch am Abend "unfreiwillig" aufgelesen und da sie selber einen Hund haben, hat sie dort im Garten geschlafen. Also HAPPY END!!!

Aber seit dem hat sie wohl "Blut geleckt" sie ist beim spazieren gehen ständig auf Anspannung und guckt wie wild hin und her um irgendwo WILD zu entdecken. Vorerst ist also leinenlos UNMÖGLICH! Ich hoffe das sich das irgendwann wieder einrenkt, habe mir aber von anderen Husky-Besitzern schon sagen lassen, daß die Huskys so einen RAPPEL immer wieder mal bekommen.

Naja, dies nun mein Beitrag zum Thema Jagdtrieb.

LG

billymoppel
01.04.2003, 00:04
@dagi
mit dem dackel stimmt natürlich nicht generell, ich habe je in einem anderen beitrag schon mal die langhaar-kt dackeline erwähnt, die selbst billy gelegentlich alt aussehen läßt:D die ist narrisch!
und natürlich soll man sein glück versuchen, wenn einen jungen oder älteren hund bekommt, nur soll man halt nicht zu enttäuscht sein, wenns nicht allzu gut klappt.
ich weiß das ja aus erfahrung: bin mit boxern groß geworden, so kam das wort jagdtrieb in meinem erfahrungsschatz halt nicht mal vor. dann nahm ich billy und keiner aus dem th hat mir von jagdtrieb auch nur was angedeutet, sie wußten es wohl auch nicht. der erste spaziegang ohne leine im wald (wie kann man so dämlich sein!) war voll das fiasko. ich habe ihn wirklich teilweise gehaßt, zumal erziehungsversuche völlig sinnlos waren. sobald die spur da war, war und ist in seinem hirn ein schalter umgelegt und er ist für niemanden mehr erreichbar. ich war echt kurz davor, ihn zurückzugeben (und hätte mich damit dann restlos unglücklich gemacht). damals habe ich dann jemanden getroffen, einen vernünftigen jäger, der mich erstens getröstet hat und mir klar gemacht hat, dass es nichts mit mangelndem gehorsam zu tun hat, sondern er einfach der hund ist, der er ist. wir haben, da nichts anderes mehr zu machen war, seine fähigkeiten in vernünftige bahnen gelenkt, so dass ich mich nun, auf eine andere weise, auf ihn verlassen kann in puncto abbruch, stellen etc., wenn es halt doch passiert und das tut es, nach wie vor. natürlich viel seltener als früher, die erfahrung hat mich gelehrt, welche plätze ich wann meiden muss, wo rehe einstehen könnten etc.
ich kenne übrigens tatsächlich auch einen deutsch-kurzhaar, bei dem mal mit einem kaninchen vor der nase wedeln könnte und sie würde noch doof schauen.:D

@mellyonsurf
ob das was mit rappel zu tun hat? ich glaube eher, es ist jahreszeitlich bedingt und das frühjahr ist die schlimmste zeit: die rehe stehen selbst hoch am tag noch auf den feldern, weil der wald noch nix hergibt und die lieben hasen freuen sich des sonnenscheins. es wird aber noch schlimmer: bald rammeln die kaninchen und die böcke sind dann so verliebt und vertieft in ihre revierkämpfe, dass die nichts mehr mitbekommen. da könnte ein laster über die drüber fahren.
mit haustieren und jagdhunden (außer katzen) gibt es meist wenig probleme, zu hause, da bin ich mir sicher, könnte ich eine herde kaninchen halten und billy würde ihnen nichts tun. erstens haben sie keinen wildgeruch, zweitens kein wildverhalten, drittens geht es ihm nicht ums töten, viertens wären es ja m e i n e kaninchen und fünftens ist er, vom jagdtrieb abgesehen, extrem leichtführig, gehorsam, duldsam und hat eine hohe aggressionsschwelle. haustiere bekommt man wirklich meistens hin.
noch ein kleiner tip, für alle deren hunde gern mal jagen: gegenden mit hochsitzen und befahrbaren feldwegen meiden: jäger gehen nicht gern zu fuß, sie fahren lieber jeep. ein jagdhalsband kaufen (oranges leuchtband). das zeigt dem jäger, dass der hund im "einsatz" ist. hunde von kollegen erschießt man nicht, auch wenn die genauso wildern.

AnnaS
01.04.2003, 08:44
Ich finde dieses Thema sehr interessant, da Peppa ja auch ein Jagdhund ist. Und wer meine vorigen Beiträge gelesen hat, der weiß ja auch, was ich derzeit für Probleme (auch wenn sie so gut wie weg sind) habe. Nun ließ Peppa sich bisher aber wieder abrufen, wenn sie mal einem Vogel oder sogar einem Hasen hinterher gelaufen ist.
Ich habe mir dabei schon überlegt, wann ein Jäger schießen darf. Wenn der Hund beim Hinterherlaufen ist? Oder nur wenn er an der Beute dran ist? Also unmittelbar dran ist, mein ich.
Wir haben hier von Dezember bis Juni Leinenzwang, was ja eine etwas ungewöhnliche Zeit ist. Andere Hundebesitzer aus anderen Regionen wollen mir das nie glauben. Aber egal.
Nun eine nächste Frage:
Es gibt auch nach dem Juni noch Hasen und Rehe auf dem Feld. Wo ist dann der Unterschied? Ich meine, die Jäger werden doch beim Jagen auch ab Juli noch schießen, oder? Ich blick da nicht so richtig durch.

Zum Thema Bücher muss ich auch noch was sagen.
Ich denke mal, jeder der sich so ein Buch aus wirklichem Interesse kauft, der wird genug Verstand haben um zu wissen, dass so ein Buch nicht pauschal auf jeden Hund zutreffen kann, dass es bei dem einen oder anderen Hund nicht klappen muss, und dass es auch komplett in die Hose gehen kann.
Und die Leute, die glauben, ein Buch wäre eine Erziehungshilfe, die 100%ig klappen wird, weil es einfach bei jedem Hund gleich sein muss - sorry, aber der wird wahrscheinlich ein Buch in die Ecke schmeissen, wenn dort steht, dass es keinen garantierten Erfolg gibt. (puh was für ein Satz :rolleyes: ).

Und ich glaube, gerade beim Jagen gibt es nie ein 100%iges Vertrauen in den Gehorsam des Hundes. Gerade dort reicht es wohl wirklich, wenn der HF die Beute auch nur eine Sekunde zu spät sieht. Und ich befürchte, dass die entsprechenden Hunde dann gerade in solchen Zeiten, wo eh Leinenzwang herrscht (dabei werden sich die Jäger ja etwas gedacht haben) wohl wirklich an der Leine bleiben müssen, und für den nötigen Auslauf muss man dann durch Spiele im Garten oder auf Hundewiesen oder so sorgen.

Gruß
Anna

billymoppel
01.04.2003, 10:23
schonzeiten regelt jedes bundesland aufgrund der ermächtigung im bundesjagdgesetz/landesjagdgesetz per verordnung selbst. die sind für jede jagdbare art verschieden, grob über den daumen gepeilt ist von feb.- juni (kaninchen) bzw. september (rehe) schonzeit. genaue angaben findest du unter
www.schonzeiten. de
für die einzelnen bundesländer. einen generellen leinenzwang während der schonzeiten gibt es per jagdgesetz nicht, das regeln dann in treuer hörigkeit die kommunen/landkreise per hundeverordnung und da kocht bekanntlich jeder gemütlich sein eigenes süppchen.
"wildernde" hunde/katzen können (wie jedes raubzeug außer geschützten arten) jedezeit abgeschossen werden, in deinem fall maßgebend §29 Abs.1 Nr.2 NiedersJG.
was wildern bedeutet, ist bekanntlich eine weites feld, es sind schon hunde erschossen worden, die sich unmittelbar neben ihrem besitzer befanden, über die geisteshaltung von jägern würde ich mich da keinen illusionen hingeben.
ungefähres zitat herr behnke (ein guru der jägerschaft, für sein schriftstellerisches lebenswerk ausgezeichnet): alle katzen mit freilauf, die älter als drei jahre sind, sollten einer humanen tötung zugeführt werden oder: eine katze ist schlimmer als fünf hunde, ein hund schlimmer als fünf füchse usw. usf.
dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

AnnaS
01.04.2003, 10:29
Das klingt ja alles sehr verwirrend und irgendwie noch weniger einleuchtend. Schade nur, dass dein Link nicht funktioniert, da hätte man es bestimmt noch einmal gut nachlesen können.

Aber so grob entnehme ich deinem Beitrag mal, dass es eigentlich völlig wurscht ist, wie man (oder Hund) sich verhält, wenn man an einen extremen Jäger gerät, kann es so oder so böse ausgehen. Richtig?

Naja, die Gesetzgebung ist schon eine Wissenschaft für sich.......

Anna

billymoppel
01.04.2003, 11:17
noch ein versuch:

www.schonzeiten.de

ich gebe dir völlig recht: einleuchtend ist bei der jagd nichts. das ist ein durch und durch feudalistisches system mit einem mekwürdigen kodex, merkwürdigen vorstellungen von naturschutz. da es sich um eine verschworene gemeinschaft handelt, tut jeder wozu er lustig ist, gesezte hin oder her.
ich hatte schon mal eine fall, wo ein hund knapp hinter dorf auf dem feld nach mäusen (!) gebuddelt hat, jäger schießt auf ihn - streifschuß. hund flüchtet in den nächsten garten und wird dort vom jäger erschossen. dazu ist zu sagen, dass die jagd im befriedeten besitztum verboten ist, allerings jagdrechtlich nur eine ordnungswidrigkeit darstellt. klar gabs auch noch eine geldstrafe wegen sachbeschädigung (mehr ist der hund juristisch halt nicht) seinen jagdschein hat der mann noch.

mellyonsurf
01.04.2003, 12:23
Hallöchen!

Mal zum Thema der Gesetzgebung bezüglich der Jagd und des Wilderns. Die Gesetzgebung dazu ist so weitläufig verfasst, daß die "wilden" Jäger immer ein Schlupfloch finden. Es gibt sicher Jäger, die ihren Beruf sehr ernst nehmen und die würden auch einen Hund nur weil er nem Hasen hinterher läuft nicht direkt abschießen. Aber die MASSE der Möchtegernjäger freut sich doch wenn sie nen Grund haben irgendetwas abzuballern. Hauptsache beweisen wie TOLL sie schießen können. Sorry, aber in Sachen Jägern bin ich arg negativ geprägt:

Vor ca. 10 Jahren haben sie einem Bekannten im Hundeverein einen Hund während der freien Fährtenarbeit auf einem brachliegenden Feld erschossen. Sprich der Hund ist mit nase auf der Erde einer (selbst getretenen) Fährte hinter her gelaufen und wurde zur "Belohung" erschossen. Der Jäger hat damals behauptet, der Hund hätte gewildert. Es stand Aussage gegen Aussage und der Jäger hat meines Wissens keinerlei Strafe bekommen. Und selbst wenn, den Hund hätte das nicht mehr zurück gebracht:(

Naja, das nur mal so am Rande!